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Bericht von der 168, 
Frühjahrs 'Generalkonferenz der 

Kirche Jesu Christi der 
Heiligen der Letzten Tage 



Ansprachen vom 4. und 5. April 1998 aus dem 
Tabernakel auf dem Tempelplatz in Salt Lake City 



Zum Ende der diesjährigen 
Früh] ahrs - Generalkonferenz 
gab es eine erfreuliche 
Bekanntmachung. Präsident 
Gordon B. Hinckley sprach: 

„Wie ich bereits angedeutet 
hatte, sind wir in den letzten 
Monaten viel unter den 
Mitgliedern der Kirche umherge- 
reist. Ich war bei vielen, die nur 
wenig weltliche Güter besaßen. 
Aber sie haben im Herzen den 
großen, brennenden Glauben an 
dieses Werk der Letzten Tage. Sie 
lieben die Kirche. Sie lieben das 
Evangelium. Sie lieben den Herrn 
und wollen seinen Willen tun. Sie 
zahlen den Zehnten, so bescheiden 
er auch ist. Sie bringen gewaltige 
Opfer, um den Tempel zu besuchen. 
Sie reisen tagelang in billigen Bussen 
und mit alten Booten. Sie sparen ihr 
Geld und verzichten auf so manches, 
um das alles zu ermöglichen. 

Sie brauchen den Tempel in ihrer 
Nähe - sie brauchen kleine, schöne 
Tempel, die ihnen zugänglich sind. 

Deshalb nehme ich jetzt die 
Gelegenheit wahr, der gesamten 
Kirche ein Programm anzukündigen, 
laut dem sofort rund 30 kleinere 
Tempel gebaut werden. Sie werden 
in Europa, in Asien, in Australien 
und auf den Fidschiinseln, in Mexiko 
und Zentral- und Südamerika und in 
Afrika sowie in den Vereinigten 
Staaten und in Kanada stehen. Sie 




werden alle nötigen Einrichtungen 
haben, die man braucht, um die hei- 
ligen Handlungen des Hauses des 
Herrn zu vollziehen. 

Es wird ein gewaltiges Unterfan- 
gen werden. Es ist noch nie zuvor 
etwas auch nur annähernd Ähnli- 
ches versucht worden. . . . 

Wenn die heiligen Handlungen 
des Tempels ein wesentlicher 
Bestandteil des wiederhergestellten 
Evangeliums sind, und ich bezeuge, 
daß dem so ist, müssen wir auch die 
Möglichkeiten dafür schaffen, daß sie 
vollzogen werden können. Unsere 
gesamten umfangreichen familienge- 
schichtlichen Anstrengungen sind 
auf die Tempelarbeit ausgerichtet. 
Sie dienen keinem anderen Zweck. 

JULI 1998 

1 



Die heiligen Handlungen des 
Tempels werden die krönenden 
Segnungen, die die Kirche anzu- 
bieten hat. 

Ich kann dem nur hinzufü- 
gen, daß, wenn diese [Tempel] 
gebaut worden sind, weitere fol- 
gen werden." 

Präsident Hinckleys begei- 
sternde Ankündigung zum Ende 
der Versammlung am Sonnta- 
gnachmittag war die Krönung 
dieser geisterfüllten, lehrreichen 
Ansprachen der Führer der 

Kirche. 

Die Konferenzversammlungen 

wurden von Präsident Hinckley, 

Präsident Thomas S. Monson, dem 
Ersten Ratgeber in der Ersten 
Präsidentschaft, und von Präsident 
James E. Faust, dem Zweiten Ratgeber 
in der Ersten Präsidentschaft, geleitet. 

Wichtige Neuerungen bei den 
Führern der Kirche wurden in der 
Versammlung am Samstagnachmittag 
vollzogen, als 3 Brüder aus dem 
Zweiten Siebzigerkollegium als 
Mitglieder des Ersten Siebzigerkolle- 
giums bestätigt wurden, 13 Brüder 
als Mitglieder des Zweiten Siebziger- 
kollegiums bestätigt wurden und 16 
Brüder als Gebietsautoritäten- 
Siebziger bestätigt wurden (siehe 
„Die Bestätigung der Beamten der 
Kirche" und „Nachrichten der 
Kirche"). D 

Die Herausgeber 



Juli 1 998 1 24. Jahrgang Nummer 7 

DER STERN 98987 150 

Offizielle deutschsprachige Veröffentlichung der Kirche Jesu 

Christi der Heiligen der Letzten Tage 

Die Erste Präsidentschaft: 

Gordon B. Hinckley, Thomas S. Monson, James E. Faust 

Das Kollegium der Zwölf: 

Boyd K. Packer, L. Tom Perry, David B. Haight, 
Neal A. Maxwell, Russell M. Nelson, Dallin H. Oaks, 
M. Russell Ballard, Joseph B. Wirthlin, Richard G. Scott, 
Robert D. Haies, Jeffrey R. Holland, Henry B. Eyring 

Chefredakteur: Jack H Goaslind 

Redaktionsleitung: Jay E. Jensen, John M. Madsen 

Abteilung Lehrplan: 

GeschäHstührender Direktor: Ronald L. Knighton 
Direktor Planung und Redaktion: Brian K. Kelly 
Direktor Künstlerische Gestaltung: Allan R. Loyborg 

Redaktion: 

Geschäftsführender Redakteur: Marvin K. Gardner 
Assist. Geschaftsführender Redakteur: R. Val Johnson 
Co-Redakteure: David Mitchell, DeAnne Walker 
Redaktionsassistentin: Jenifer Greenwood 
Terminplanung: Beth Dayley 
Assistentin Veröffentlichungen: Konnie Shakespear 

Gestaltung: 

Manager Graphische Gestaltung: M. M. Kawasaki 

Direktor Künsterische Gestaltung: Scott Van Kampen 

Layout: Sharri Cook 

Manager Produktion: Jane Ann Peters 

Produktion: Reginald J. Christensen, Denise Kirby, 

Jason L. Mumford, Tadd R. Peterson 

Digitale Prepress: Jeff Martin 

Abonnements: 

Direktor: Kay W. Briggs 

Manager Versand: Kris Christensen 

Manager: Joyce Hansen 

Verantwortlich für Übersetzung und Lokalteil: 

Deutsches Übersetzungsbüro 

Max- Planck-Straße 23 A, D-61 381 Friedrichsdorf 

Telefon: (06172) 736410 und 73641 1 

Vertrieb: 

Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage 

Industriestraße 21, D-61 381 Friedrichsdorf 

Deutschland-Leserservice 

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Adressenänderung bitte einen Monat im voraus melden 

Beilagenhinweis: Dieser Ausgabe liegt der „KINDERSTERN 
April 1998" bei. 

Manuskripte und Anfragen: International Magazines, 
50 East North Temple, Floor 25, Salt Lake City, UT 
84150-3223, USA. 

Die Internationale Zeitschrift der Kirche, deutsch „DER STERN", 
erscheint monatlich auf chinesisch, dänisch, deutsch, englisch, 
finnisch, französisch, holländisch, italienisch, japanisch, korea- 
nisch, norwegisch, portugiesisch, samoanisch, schwedisch, spa- 
nisch und tongaisch; zweimonatlich wird sie auf indonesisch 
und thai veröffentlicht, vierteljährlich auf bulgarisch, cebuano, 
fidschi, gilbertesisch, isländisch, polnisch, rumänisch, russisch, 
tagalog, tschechisch, ukrainisch, ungarisch und vietnamesisch. 

© 1998 Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Alle 
Rechte vorbehalten. Printed in the United States of America. 

Juli 1 998 vol. 1 24 No. 7. DER STERN (ISSN 1 044-338X) is pu- 
blished monthly by The Church of Jesus Christ of Latter-day 
Saints, 50 East North Temple, Salt Lake City, UT 841 50. USA 
subscription price is $10.00 per year; Canada, $14.00. 
Periodicals Postage Paid at Salt Lake City, Utah. Sixty days' noti- 
ce required for change of address. Include address label from a 
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Magazines, PO Box 26368, Salt Lake City, UT 84126-0368. 
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Center, Church Magazines, PO Box 26368, Salt Lake City, 
UT 84 126-0368. 



In den Ansprachen behandelte 
Themen 

Arbeit 40 

Ausharren 58, 85 

Beziehungen in der Familie (siehe 
auch Ehe, Elternschaft) 6, 18, 
36, 55, 70, 91, 106, 102 

Bruderschaft 97 

Bündnisse 18 

Entscheidungsfreiheit 91 

Christliche Religion 12, 66 

Dienen 14, 48, 72, 106 

Ehe 55 

Einigkeit 74,97 

Elternschaft 70, 108 

Erlösungsplan 102 

Evangelium 23, 29, 66 

Familiengeschichte 36 

FHV 81 

Frauen 81, 102 

Gehorsam 46, 48, 52, 89, 93 

Genealogie 36 

Geschichte der Kirche 6 

Glaube 4,58 

Glaubensartikel 23 

Glücklich sein 93 

Heiliger Geist 26, 74, 78, 95 

Heiligung 66 

Integration 26 

Jesus Christus 4, 12, 18, 72, 74, 78 

Junge Damen 72, 106, 104, 102, 
108 

Jüngersein 12 

Kinder 6, 70 

Kulturelles Erbe 97 

Missionsarbeit 23, 29, 43, 46, 85, 

Offenbarung 33 

Opferbereitschaft 89 

Priestertum 43 

Redlichkeit 48 

Reinheit 55 

Schriftstudium 9, 33 

Schwesternschaft 81 

Schwierigkeiten 58, 85 

Selbstverpflichtung 3 1 

Sicherheit 52 

Smith, Joseph 33 

Sterblichkeit 14 

Talente 40 

Tempel und Tempelarbeit 36, 100, 
104 

Unterricht 9, 26 

Verhalten 29 

Vollkommenheit 3 1 

Vorbereitung 14 

Vorbild sein 43 

Wert des einzelnen 108 

Zehnter 89 



Zeugnis 4,6,78,95 
Ziele 93 
Zion 3 1 
Zorn 91 



Die Sprecher in alphabetischer 
Reihenfolge 

Ballard, M. Russell 33 

Cook, Richard E. 29 

Edgley, Richard C. 12 

Eyring, Henry B. 74 

Faust, James E. 18,21,48,108 

Haight, David B. 6 

Haies, Robert D. 85 

Hansen, W. Eugene 70 

Hinckley, Gordon B. 4, 55, 78, 100 

Holland, Jeffrey R. 26 

Larsen, Sharon G. 106 

Maxwell, Neal A. 40 

Miller, Dale E. 31 

Monson, Thomas S. 52, 58 

Nadauld, Margaret D. 72, 102 

Nelson, Russell M. 36 

Oaks, Dallin H. 66 

Packer, Boyd K. 81 

Paramore, James M. 46 

Perry, L. Tom 23 

Poelman, Ronald E. 89 

Robbins, Lynn G. 91 

Scott, Richard G. 97 

Staheli, Donald L. 93 

Thomas, Carol B. 107 

Tingey, Earl C. 43 

Turley, Richard E., sen. 95 

Wirthlin, Anne G. 9 

Wirthlin, Joseph B. 14 

Besuchslehren 

In der Januar- und der Juliausgabe des Stern, 
in denen die Generalkonferenzansprachen 
abgedruckt sind, steht keine eigene 
Besuchslehrbotschaft. Die Besuchslehrerinnen 
sollen gebeterfüllt darüber nachdenken, was 
die Schwestern, die sie besuchen, brauchen, 
und dann als Besuchslehrbotschaft eine 
Konferenzansprache auswählen, die für die 
betreffenden Schwestern geeignet ist. 



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Bericht von der 168. 

Frühjahrs-Generalkonferenz der Kirche 

Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage 1 

Versammlung am Samstagvormittag 

Wir geben Zeugnis von ihm 

Präsident Gordon B. Hinckley 4 

Leben Sie nach den Geboten 

Eider David B. Haight 6 

Unsere Kinder lehren, die heiligen 

Schriften zu lieben Anne G. Wirthlin 9 

Ein Jünger, ein Freund 

Bischof Richard C. Edgley 12 

Die Zeit zur Vorbereitung 

Eider Joseph B. Wirthlin 14 

Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz 

Präsident James E. Faust 18 



21 



22 



Versammlung am Samstagnachmittag 

Die Bestätigung der Beamten der Kirche 

Präsident James E. Faust 

Der Bericht des Buchprüfungskomitees 

der Kirche Ted E. Davis 22 

Statistischer Bericht 1997 

F. Michael Watson 

Die Glaubensartikel 

Eider L. Tom Perry 23 

„Ein Lehrer, der von Gott gekommen ist 4 ' 

Eider Jeffrey R. Holland 26 

Christus kann das menschliche Verhalten 

ändern Eider Richard E. Cook 29 

Der Weg des Gottesreichs, der 

vollkommen macht Eider Dale E. Miller 31 

Wunderbar sind die Offenbarungen des Herrn 

Eider M. Russell Ballard 33 

Eine neue Erntezeit 

Eider Russell M. Nelson 36 

Priestertumsversammlung 

„Stemmt die Schulter an das Rad" 

Eider Neal A. Maxwell 40 

Der Missionsdienst 

Eider Earl C. Tingey 43 

„Das Herz und einen willigen Sinn" 

Eider James M. Paramore 46 

„So trachten wir danach" 

Präsident James E. Faust • 48 

Gefahr im Verzug 

Präsident Thomas S. Monson 52 

Seid des Mädchens würdig, das ihr eines Tages 
heiraten werdet 

Präsident Gordon B. Hinckley 55 



Versammlung am Sonntagvormittag 

Blicke auf Gott und lebe 

Präsident Thomas S. Monson 58 

Sind Sie errettet? 

Eider Dallin H. Oaks 66 

Kinder und die Familie 

Eider W. Eugene Hansen 70 

Kommt zu Christus 

Margaret D. Nadauld 72 

Damit wir eins seien 

Eider Henry B. Eyring 74 

Das Zeugnis 

Präsident Gordon B. Hinckley 78 

Versammlung am Sonntagnachmittag 

Die FHV 

Präsident Boyd K. Packer 81 

„Wer geduldig alles ertragen hat, den 
preisen wir glücklich" 

Eider Robert D. Haies 85 

Der Zehnte — ein Vorzug 

Eider Ronald E. Poelman 89 

Entscheidungsfreiheit und Zorn 

Eider Lynn G. Robbins 91 

Gehorsam, die größte Herausforderung 
des Lebens 

Eider Donald L. Staheli 93 

Von Ungewißheit zu Gewißheit gelangen 

Eider Richard E. Turley sen 95 

Abbauen, was uns daran hindert, glücklich zu sein 

Eider Richard G. Scott 97 

Neue Tempel, in denen die „krönenden 
Segnungen" des Evangeliums zu finden sind 

Präsident Gordon B. Hinckley 100 



Allgemeine JD-Versammlung 

Das Herz der Familie zuwenden 

Margaret D. Nadauld 102 

Wissen, wer wir wirklich sind 

Carol B. Thomas 104 

Die Jungen Damen und das „Recht auf Freiheit" 

Sharon G. Larsen 106 

Den Engeln so nah 

Präsident James E. Faust 108 

Die Generalautoritäten der Kirche 

Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage 60 

Sie haben zu uns gesprochen 112 

Nachrichten der Kirche 1 13 



JULI 1998 
3 



Versammlung am Samstagvormittag 

4. April 1998 



Wir geben 
Zeugnis von ihm 



Präsident Gordon B. Hinckley 



Seien wir wahre Jünger des Messias, leben wir nach der 
Goldenen Regel, behandeln wir unsere Mitmenschen so, 
wie wir selbst behandelt werden wollen! 




Meine lieben Brüder und 
Schwestern, wir heißen 
Sie sehr herzlich zu dieser 
Generalkonferenz willkommen, die 
zu einer großen weltweiten 
Konferenz der Kirche geworden ist. 

Die Versammlungen werden über- 
all in den USA und in Kanada und 
einem großen Teil der übrigen Welt 
zu sehen und zu hören sein. Ich 
denke, es gibt nichts Vergleichbares. 
Ich spreche allen, die mit der kom- 
plizierten Logistik dieses großen 
Unterfangens zu tun haben, mein 
Lob und meinen Dank aus. 

Wir sind zusammengekommen, 
um den Herrn zu verehren, um seine 



Göttlichkeit zu verkünden, um zu 
verkünden, daß er wirklich lebt. Wir 
sind zusammengekommen, um unse- 
re Liebe zu ihm zu beteuern und um 
uns bestätigen zu lassen, daß er uns 
liebt. Niemand kann, was er auch 
sagen mag, diese Liebe schmälern. 

Es gibt manche, die es versuchen. 
Beispielsweise gibt es manche, die 
einem anderen Glauben angehören 
und die uns nicht als Christen be- 
trachten. Das ist nicht wichtig. Wie 
wir uns selbst betrachten, das ist 
wichtig. Wir bekennen uns ohne zu 
zögern dazu, daß es Unterschiede 
zwischen uns gibt. Wenn das nicht 
so wäre, wäre die Wiederherstellung 
des Evangeliums nicht notwendig 
gewesen. Präsident Packer und 
Eider Ballard haben vor kurzem bei 
anderen Veranstaltungen darüber 
gesprochen. 

Ich hoffe, daß wir deswegen nicht 
streiten. Es gibt keinen Grund, darü- 
ber zu debattieren. Wir bezeugen ein- 
fach, ruhig und ohne uns dafür zu 
entschuldigen, daß Gott sich selbst 
und seinen geliebten Sohn offenbart 
hat, um sein Werk in dieser letzten 
Evangeliumszeit der Fülle zu begin- 
nen. 

Wir dürfen nicht unhöflich wer- 
den, wenn wir über unterschiedliche 
Lehren sprechen. Da ist kein Platz 
für Bitterkeit. Aber wir können unse- 
re Erkenntnis, die wir durch 



Offenbarung und die direkte Über- 
tragung von Schlüsseln und 
Vollmacht durch diejenigen, die sie 
in alter Zeit innehatten, erhalten 
haben, niemals preisgeben oder 
Zugeständnisse machen. Lassen Sie 
uns nie vergessen, daß dies eine 
Wiederherstellung dessen ist, was der 
Erretter der Welt errichtet hat. Es ist 
keine Reformation von als falsch er- 
kannten Bräuchen und Lehren, die 
sich über die Jahrhunderte ent- 
wickelt haben mögen. 

Wir können andere Religionen 
respektieren und müssen es auch 
tun. Wir müssen anerkennen, wie- 
viel Gutes sie vollbringen. Wir müs- 
sen unsere Kinder lehren, denen, 
die nicht unseres Glaubens sind, to- 
lerant und freundlich zu begegnen. 
Wir können mit Menschen aus an- 
deren Glaubensgemeinschaften zu- 
sammenarbeiten und tun das auch, 
um die Werte zu verteidigen, die 
unsere Zivilisation groß gemacht 
und unsere Gesellschaft geprägt 
haben. 

Beispielsweise kam kürzlich ein 
protestantischer Geistlicher in mein 
Büro, der ein sehr erfolgreicher 
Anführer im endlosen Kampf gegen 
die Pornographie ist. Wir sind dank- 
bar für ihn. Wir schließen uns ihm 
und seinen Mitarbeitern an. Wir 
unterstützen seine Organisation fi- 
nanziell. 

Wir können mit Menschen aus 
anderen Glaubensgemeinschaften in 
dem immerwährenden Kampf gegen 
die gesellschaftlichen Übel, die die 
kostbaren, uns allen so wichtigen 
Werte bedrohen, in verschiedenen 
Unternehmungen zusammenarbei- 
ten, und wir tun es auch. Diese 
Menschen gehören nicht unserem 
Glauben an, aber sie sind unsere 
Freunde, unsere Nachbarn und 
Mitarbeiter in den verschiedensten 
Unterfangen. Wir freuen uns, daß 
wir ihre Bemühungen mit unserer 
Kraft unterstützen können. 

Aber in all dem gibt es keine 
Kompromisse, was die Lehre angeht. 
Das muß es nicht geben und darf es 
von uns aus auch nicht geben. 
Allerdings gibt es in unserer 
Zusammenarbeit eine gewisse 
Verbundenheit. 



DER 



STERN 
4 



Wenn wir unsere besondere 
Mission weiter voranbringen, han- 
deln wir im Auftrag des auferstande- 
nen Herrn, der in dieser letzten 
Evangeliumszeit gesprochen hat. 
Dies ist seine einzigartige und wun- 
derbare Sache. Wir geben Zeugnis 
von ihm. Aber das dürfen wir nicht 
auf arrogante oder selbstgerechte 
Weise tun. 

Wir sind, wie Petrus es ausgedrückt 
hat, „ein auserwähltes Geschlecht, 
eine königliche Priesterschaft, ein hei- 
liger Stamm, ein Volk, das sein beson- 
deres Eigentum wurde". Warum? 
Damit wir „die großen Taten dessen 
[verkünden], der [uns] aus der 
Finsternis in sein wunderbares Licht 
gerufen hat" (1 Petrus 2:9). 

Es steht uns nicht zu, uns für hei- 
liger zu halten als andere. Bei mir ist 
ein Brief von einem Mann aus unse- 
rem Gemeinwesen eingegangen, der 
kein Mitglied der Kirche ist. Darin 
schreibt er, daß seine kleine Tochter 
von ihren Schulkameraden, die 
Heilige der Letzten Tage sind, 
geächtet und ausgeschlossen wurde. 
Er erzählt eine weitere Begebenheit 
von einem Kind, dem angeblich von 
einem Kind, das unserer Kirche an- 
gehört, ein religiöses Medaillon vom 
Hals gerissen wurde. Ich hoffe, daß 
das nicht wahr ist. Falls es wahr ist, 
entschuldige ich mich bei denen, 
die so gekränkt wurden. 

Wir wollen ein solches Verhalten 
weit hinter uns lassen und unsere 
Kinder lehren, es uns gleichzutun. 
Seien wir wahre Jünger des Messias, 
leben wir nach der goldenen Regel, 
behandeln wir unsere Mitmenschen 
so, wie wir selbst behandelt werden 
wollen! Wir wollen unseren Glauben 
und den unserer Kinder stärken, 
aber gleichzeitig denen, die nicht 
unseres Glaubens sind, freundlich 
begegnen. Liebe und Achtung wer- 
den jegliche Feindseligkeit überwin- 
den. Unsere Freundlichkeit kann das 
überzeugendste Argument für unse- 
ren Glauben sein. 

Nun noch etwas anderes. Vor 
einer Woche war ich in Palmyra, New 
York. Dort habe ich zwei Gebäude ge- 
weiht. Eins war eine Nachbildung des 
kleinen Blockhauses, in dem die 
Familie von Joseph Smith sen. an- 



fangs in der Gegend wohnte. In 
jenem bescheidenen Haus beschloß 
der vierzehnjährige Joseph, in den 
nahegelegenen kleinen Wald zu 
gehen, um Gott zu befragen, worauf- 
hin er eine unvergleichliche Vision 
von Gott dem Vater und dem Sohn 
hatte. 

In jenem Haus erschien der Engel 
Moroni dem Jungen Joseph und rief 
ihn beim Namen und erklärte ihm, 
Gott habe ein Werk für ihn zu ver- 
richten und sein Name „werde bei 
allen Nationen, Geschlechtern und 
Sprachen für gut oder böse gelten, 
ja, man werde unter allem Volk so- 
wohl gut als auch böse von [ihm] 
sprechen" QSLg 1:33). 

Wie konnte ein Bauernjunge, der 
kaum zur Schule gegangen war, so 
etwas wagen? Und doch hat es sich 
alles so zugetragen und wird weiter 
wachsen, während das wiederherge- 
stellte Evangelium in der ganzen 
Welt verkündet wird. 

Während ich in Palmyra war, 
habe ich auch das Haus von E. B. 
Grandin geweiht, in dem 1829 und 
1830 die erste Ausgabe des Buches 
Mormon gedruckt wurde. Es war 
ein kühnes Unterfangen, dieses 
Buch zu drucken, das Mr. Grandin 
erst als Betrug betrachtete, und 
eine Auflage von 5000 Exemplaren 
herauszugeben, die für die damalige 
Zeit sehr hoch war. Ich freue mich, 
Sie daran zu erinnern, wie wir seit- 
dem über 88 Millionen Exemplare 
dieses erstaunlichen Buchs ge- 
druckt haben. 

Ich bin dankbar, daß wir dieses 
alte Gebäude haben, das ein 
großzügiges Mitglied der Kirche 

Das Innere des Tabernakels zur Konferenzzeit. 



gekauft und dann der Kirche ge- 
spendet hat. Seine Existenz be- 
stätigt die Gültigkeit des Buchs, 
dieses bemerkenswerten Zeugnisses 
vom Sohn Gottes. 

Wer, der es gelesen hat, kann 
ehrlich seinen göttlichen Ursprung 
leugnen? Kritiker mögen versuchen, 
es wegzuerklären. Je mehr sie sich 
anstrengen, desto plausibler wird 
der wahre Bericht darüber, daß es 
als Stimme hervorgekommen ist, die 
aus dem Staub spricht. 

Ich bin so dankbar für das 
Zeugnis, mit dem Gott mich geseg- 
net hat, nämlich von der göttlichen 
Berufung Joseph Smiths, davon, daß 
die erste Vision Wirklichkeit war, 
daß das Priestertum wiederherge- 
stellt worden ist, daß diese, die 
Kirche Jesu Christi der Heiligen der 
Letzten Tage, wahr ist. 

So wollen wir uns, meine Brüder 
und Schwestern, nun miteinander 
freuen und mit Dankbarkeit 
die wunderbaren Lehren und 
Handlungen preisen, die uns als 
Gabe des Herrn in diesem herrlichen 
Zeitabschnitt seines Werkes zuteil ge- 
worden sind. Jetzt ist die Osterzeit, 
in der wir an seine herrliche 
Auferstehung denken, von der wir 
Zeugnis geben. Wir wollen für diese 
kostbaren Gaben und Vorzüge immer 
dankbar sein und unseren Teil als 
Menschen, die den Herrn lieben, gut 
vollbringen. Ich lade Sie ein, den 
Worten zuzuhören, die von diesem 
Pult aus von denen gesprochen wer- 
den, die als Ihre Diener berufen wor- 
den sind. Mögen wir gesegnet 
werden, das erbitte ich demütig im 
Namen Jesu Christi, amen. D 




JULI 1998 



Leben Sie 

nach den Geboten 



Eider David B. Haight 

vom Kollegium der Zwölf Apostel 






Nehmen Sie die wundervollen Möglichkeiten, ein gutes Leben zu führen, 
wahr, seien Sie ein guter Mensch, verrichten Sie gute Werke, beeinflussen 
Sie andere Menschen positiv. 



war ein bewegendes Ereignis. 
Damals konnte in der kleinen 
Blockhütte nur über offenem Feuer 
gekocht werden. Wir sahen uns die 
Feuerstelle an. Dort hing ein Topf, 
so wie früher. Sie hatten damals 
keine der Annehmlichkeiten von 
heute. Ihr Wasser mußten sie 
draußen am Brunnen holen. 

Gegen Ende der sehr geisterfüll- 
ten Versammlung mit den 
Missionspräsidenten ging ich die 
Treppe hoch und sah mir die beiden 
kleinen Schlafzimmer an. Die 
Familie Peter Whitmer hat dort ge- 
wohnt. Aber eins der Zimmer durfte 
der Prophet Joseph Smith benutzen, 
und er hat dort einen Teil des 
Buches Mormon übersetzt. Oliver 
Cowdery hat in diesem bescheide- 
nen Haus mit ihm zusammengear- 
beitet. Mir brannte das Herz, und es 
war ein wundervolles Gefühl, in 
dem kleinen Farmhaus zu sein und 
mir vorzustellen, was dort gesche- 
hen ist und wie die Segnungen des 
Himmels über dieses Haus ausge- 
gossen wurden. 

Als wir an dem Abend unsere 
Versammlung beendeten und das 
kleine Farmhaus verließen, schien 
der Vollmond durch die Bäume. Ich 
sagte zu Ruby: „Ich kann mir den 
Abend des 6. April 1830 vorstellen, 
nachdem die kleine Gruppe sich 
versammelt hatte und die Kirche 
gegründet worden war und die sechs 
Männer, die da sein mußten, damit 
die Organisation entsprechend den 




Meine lieben Brüder und 
Schwestern, was für ein 
wundervoller Anlaß, was 
für ein wunderschöner Tag, welch 
herrliche Zeit dies ist, vor allem für 
mich, der ich nach dem mitreißenden 
Zeugnis des Propheten Gottes hier 
auf der Erde hier stehen darf. 

Als er jene Erstausgabe des 
Buches Mormon hochhielt, dachte 
ich an etwas, das ich vor ein paar 
Jahren erlebt habe, als wir an einem 
Seminar für Missionspräsidenten 
teilnahmen. Zum Schluß des zweitä- 
gigen Seminars in der Gegend um 
Palmyra und Fayette fand im reno- 
vierten Farmhaus von Peter 
Whitmer, jenem schönen kleinen 
Haus, wo die Kirche vor 168 Jahren 
gegründet wurde, ein Essen statt. Es 



Gesetzen des Staates New York ge- 
gründet werden konnte, dort waren; 
ich kann mir vorstellen, was gesagt 
wurde, was in bezug auf die Zukunft 
der Kirche prophezeit wurde und 
welche Zeugnisse gegeben wurden." 
Dann sagte ich: „Ich kann mir vor- 
stellen, daß am Abend des 6. April 
1830 der Vollmond schien - zum 
Zeichen dafür, daß unser Erretter 
anläßlich der Ereignisse des Tages 
herablächelte. 

Später brachte ich diesen 
Gedanken in einer Gruppe zum 
Ausdruck, wo Bruder Chamberlain, 
der damals Direktor des Hansen- 
Planetariums in Salt Lake City war, 
mir zuhörte. Er war so nett, sich mit 
dem Marine-Observatorium in 
Verbindung zu setzen, um herauszu- 
finden, was am 6. April 1830 gesche- 
hen war. Sie hatten keine so lange 
zurückreichenden Unterlagen, und 
so setzte er sich mit dem Königlichen 
Observatorium in Greenwich in 
England in Verbindung, um in 
Erfahrung zu bringen, welche 
Unterlagen dort wohl vorhanden 
waren. Er schickte mir später 
Unterlagen, aus denen hervorging, 
was in der Woche des 6. April 1830 
am Himmel vor sich ging, und dort 
stand, daß an den Tagen um den 6. 
April Vollmond war, also ein herrlich 
strahlender Mond. Die Herrlichkeit 
des Herrn hatte sich über jenen 
Anlaß ergossen. 

Es ist mir eine Ehre, daß ich 
heute hier sein darf, um mit Ihnen 
zu hören, wie Präsident Hinckley 
über jene bewegenden Ereignisse ge- 
sprochen hat, daß ich unterwiesen 
worden bin, daß ich bei Ereignissen 
in der ganzen Welt und im Tempel 
zugegen war und daß ich die 
Versammlungen der Kirche besucht 
habe, wo ich gespürt habe, wie der 
Geist des Herrn dieses Werk leitet, 
von dem ich Ihnen bezeuge, daß es 
wahr ist. Die Jahre vergehen, und es 
ist mir eine Ehre, daß ich mein 
Zeugnis dem Zeugnis unseres 
großen Propheten hinzufügen darf. 

Ich habe vor ein paar Tagen einen 
Brief von einem jungen Mann erhal- 
ten, von dem neunzehnjährigen 
Kevin Campbell in Juniper, Idaho. 
Ich will gar nicht erst versuchen, 



DER 



S T E 
6 



R N 



Ihnen zu erklären, wo das liegt, aber 
vielleicht können Sie es sich vorstel- 
len. Bruder Kevin hat mir folgendes 
geschrieben: „Ich habe erfahren, daß 
Sie schon ziemlich alt sind, und ich 
wollte Ihnen schreiben, ehe Sie auf 
die andere Seite hinüberwechseln. 
Wie ist das Leben eigentlich, wenn 
man so alt ist wie Sie? Ich habe 
schon oft darüber nachgedacht, des- 
halb frage ich Sie: Wie ist das Leben? 
Ich möchte gern wissen, was mich 
erwartet, wenn ich so alt werde, wie 
Sie es jetzt sind." 

Ich möchte dem lieben Kevin 
Campbell sagen: Das Leben ist wun- 
dervoll. Ich kann es nur so sagen: 
Ich bin mein Leben lang gesegnet 
worden, und ich bin mit 
Herausforderungen und vielen 
Möglichkeiten und Fragen und 
Problemen gesegnet worden, die alle 
zum Leben dazugehören. Aber das 
Leben ist wundervoll, wenn wir 
nach den einfachen Grundsätzen 
leben, die gelehrt worden sind, und 
wenn wir so leben, wie wir es als 
richtig erkannt haben. Eine der 
wundervollen Segnungen des Alters 
besteht darin, daß wir mehr Zeit für 
unsere Kinder und ihre Kinder und 
deren Kinder haben, daß wir uns 
versammeln und mit ihnen Zusam- 
mensein können. 



Erst vor kurzem haben wir uns 
eines Abends im Gemeindehaus zu 
einem Taufgottesdienst versammelt, 
wo Rachel, eine Urenkeltochter, ge- 
tauft wurde. Ein paar Abende vorher 
war Richard, ein Urenkel, getauft 
worden. Ich habe sie angesehen und 
mit ihnen gesprochen und sie ge- 
drückt und das Funkeln in ihren 
Augen und das Licht des 
Evangeliums gesehen, das ihnen Herz 
und Seele erfüllte. Sie waren so be- 
geistert von der Vorstellung, sich tau- 
fen zu lassen und Mitglieder der 
Kirche zu werden. Ihre Familie hatte 
sie die wahren Grundsätze des 
Evangeliums gelehrt. Ich weiß noch, 
wie ich sagte: „Richard, einen richti- 
gen Missionarshändedruck bitte." 
Und dann quetschte er mir mit seiner 
kleinen achtjährigen Hand fast 
die Finger ab. Dabei sagte ich: 
„Richard, du wirst ein großartiger 
Missionar." Und die kleine Rachel 
wird auch ein großartiges Mitglied 
der Kirche werden. 

Bei derselben Gelegenheit durf- 
ten wir uns im Kreis aufstellen; der 
junge Peter jun. erhielt das 
Aaronische Priestertum, und sein 
Vater übertrug ihm die Segnungen 
des Priestertums. Und wir Alteren 
durften im Kreis stehen und die 
Bedeutung dieses Anlasses verspüren 



In nachdenklicher Stimmung hört Präsident Gordon B. Hinckley während eines Musikstücks in 
einer der Konferenzversammlungen zu. 




und wissen, daß alle Anwesenden 
Teil unserer Familie sind. Ich möch- 
te, daß unsere wachsende Familie 
um ihre Väter weiß. Ich verwende 
diesen Begriff im Plural, wie 
Helaman ihn verwendet hat - jener 
große Prophet Helaman im Buch 
Mormon - als er seinen Söhnen von 
ihren Vätern, darunter auch Nephi 
und Lehi, erzählte und davon, wie 
sie das Wort Gottes befolgt hatten 
und wie sie die Gebote gehalten und 
Jerusalem verlassen und hinaus in 
die Wildnis gezogen waren, wie es 
im Buch Mormon offenbart ist. 
Helaman erklärte seinen Kindern, 
daß ihre Väter viele Werke verrichtet 
hatten und daß es gute Werke waren. 
Und so hoffe ich, daß unsere 
Kinder im Laufe der Generationen 
um ihr Erbe wissen, daß sie wissen, 
wer sie sind und daß sie Väter hatten, 
die glaubten, und daß sie wissen, daß 
ihre Väter ihre Herausforderungen 
hatten und daß sie Väter hatten, die 
die Wahrheit untersucht und in der 
Welt verkündet haben - daß sie 
nicht nur Schriftstellen zitiert haben 
- sondern mit Herz und Seele ge- 
spürt haben, daß das, was wir tun, 
wahr ist. 

Wir konnten unser altes Haus in 
Oakley in Idaho zurückkaufen und es 
so wieder herrichten, daß unsere 
Kinder um ihre Vorfahren wissen 
werden und daß sie wissen werden, 
daß ihre Väter und deren Werke 
auch gut waren. Ich habe noch eine 
goldene Uhr, die mein Vater von der 
Gemeinde Oakley 1 geschenkt be- 
kommen hat, als er dort Bischof war. 
Das war 1905, ein Jahr vor meiner 
Geburt. Wir haben einen Teil, ein 
kleines Vermächtnis, eine Erinnerung 
daran, daß die Werke unserer Eltern 
gut waren und daß sie mitgeholfen 
haben, dieses wundervolle Werk vor- 
anzubringen. 

Im ersten Abschnitt des Buches 
Lehre und Bündnisse hat der Herr 
verkündet: „Das ist . . . mein 
Geleitwort für das Buch meiner 
Gebote." (Vers 6.) Die Brüder, die 
dort in Hyrum in Ohio, 18 Monate 
nach der Gründung der Kirche, zu- 
sammenkamen, sollten diese 
Offenbarungen zusammenstellen und 
drucken lassen und den Menschen 



JULI 1 

7 



9 9 8 



die Gebote, die der Prophet Joseph 
erhalten hatte, verfügbar machen. In 
jenem ersten Abschnitt erklärte der 
Herr, wie er Joseph Smith die Macht 
und Inspiration und die Weisung aus 
dem Himmel gegeben hatte, damit er 
das Buch Mormon übersetzen und 
die Kirche „aus der Dunkelheit, aus 
dem Finstern" hervorbringen konnte 
(siehe Vers 29,30). 

Denken Sie doch heute einmal 
darüber nach, was mit Präsident 
Hinckley geschieht, wenn er die 
Welt bereist und mit den 
Mitgliedern zusammenkommt. 
Wenn wir darüber sprechen, daß die 
Kirche aus der Dunkelheit, aus dem 
Finstern, hervorkommt, dann den- 
ken Sie doch einmal an all das, was 
er in der Welt tut - mit der Presse, 
den Medien, mit Menschen von 
überallher. Denken Sie daran, daß 
diese Menschen die Möglichkeit 
haben, den Propheten Gottes zu 
sehen und sein Zeugnis zu hören 
und ihn erklären zu hören, was sich 
zugetragen hat. Viele einflußreiche 
Zeitungen und Zeitschriften und an- 
dere Medien haben viele positive 
Berichte über die Kirche gebracht. 

Wäre es nicht wundervoll, wenn 
die Welt heute eine wirkliche 
Vorstellung von den schlichten 
Zehn Geboten hätte, die der Herr 



mit seinem Finger auf steinerne 
Tafeln geschrieben hat? Mose kam 
vom Berg Sinai herab, um sie den 
rebellischen Israeliten zu zeigen, 
damit sie nicht sagen konnten, sie 
verständen nicht, was gesagt wurde. 
Als Mose die steinernen Tafeln mit- 
brachte, konnten die Menschen die 
Aussagen des Herrn lesen: „Du 
sollst neben mir keine anderen 
Götter haben." (Exodus 20:3.) Und: 
„Du sollst dir kein Gottesbild ma- 
chen." (Exodus 20:4.) Sie sollten 
nichts anderes anbeten - sie sollten 
nur den Herrn lieben, Gott lieben. 
Der Herr sagte, wir dürften den 
Namen Gottes nicht mißbrauchen 
(siehe Vers 7) und wir sollten den 
Sabbat heilighalten (siehe Vers 8). 
Er sagte: „Du sollst nicht morden." 
(Vers 13.) „Du sollst nicht die Ehe 
brechen." (Vers 14.) Stellen Sie 
sich vor, was das in der heutigen 
Welt und in den Vereinigten 
Staaten und mit den politischen 
Wahrheitsverdrehern bewirken 
würde. Und: „Du sollst nicht steh- 
len." (Vers 15.) „Du sollst nicht 
falsch gegen deinen Nächsten aus- 
sagen." (Vers 16.) Man soll auch 
nicht nach den Ochsen des 
Nächsten, nach seiner Farm, seiner 
Frau oder irgend etwas verlangen, 
das er hat (siehe Vers 1 7) . 



Das Evangelium unseres Herrn 
und Erretters ist auf der Erde wieder- 
hergestellt worden. Gott lebt. Er ist 
unser Vater. Ich weiß das. Jesus ist 
der Messias. Ich habe seine Stimme 
gehört, denn ich habe den Geist ver- 
spürt, so wie er es uns erklärt: 
„Meine Stimme [ist] Geist; mein 
Geist ist Wahrheit." (LuB 88:66.) Ich 
weiß, daß das wahr ist. Joseph Smith 
war der Wiederhersteller und derje- 
nige, der gefunden und geschult 
wurde und der als Werkzeug der 
Wiederherstellung in jeder Hinsicht 
gehorsam und tapfer war. Und wir 
haben heute auf der Erde einen le- 
benden Propheten, der uns auf der 
ganzen Erde so großartig vertritt. 

Brüder und Schwestern, leben 
Sie nach den Geboten. Tun Sie, 
was recht ist. Nehmen Sie die wun- 
dervollen Möglichkeiten, ein gutes 
Leben zu führen, wahr, seien Sie 
ein guter Mensch, verrichten Sie 
gute Werke, beeinflussen Sie andere 
Menschen positiv. Das Evangelium 
ist wahr. Ich hoffe, daß ich jeden 
Tag meines Lebens etwas Gutes tun 
kann und daß ich jemanden dazu 
anspornen kann, ein besseres 
Leben zu führen und zu verstehen, 
was auf der Erde wiederhergestellt 
worden ist. Im Namen Jesu Christi, 
amen. D 



Der Salt-Lake-Tempel mit dem Joseph Smith Memorial Building zur Linken. 







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DER STERN 
8 



Unsere Kinder lehren, 
die heiligen Schriften 
zu lieben 



Anne G. Wirthlin 

Erste Ratgeberin in der PV-Präsidentschaft 



Durch die Führung liebevoller Eltern und eifriger Lehrer können kleine 
Kinder mit den heiligen Schriften und dem Geist, der damit einhergeht, 
vertraut werden. 



Friedens für die Rechtschaffenen in 
den Letzten Tagen bewahrt bleiben 
sollte: „Und allen deinen Kindern 
wird die Lehre vom Herrn zuteil 
werden; und groß wird der Friede 
deiner Kinder sein." (3 Nephi 
22:13.) 

Diese Worte des Erretters sind 
das Motto der PV; sie erfüllen sich 
durch das erklärte Ziel der PV, näm- 
lich die Kinder das Evangelium Jesu 
Christi zu lehren und ihnen zu hel- 
fen, daß sie lernen, danach zu leben. 

Wenn wir die Entwicklung der 
Ereignisse in den Letzten Tagen 
sehen, können wir nicht daran zwei- 
feln, daß der Herr in dieser 
Schriftstelle direkt zu uns spricht. 
Wir sind das Israel der Letzten Tage. 
Wir sind diejenigen, die unsere 
Kinder über ihn belehren müssen. 
Dauerhafter Friede ist nicht von 
äußeren Kräften abhängig, auf die 
wir keinen Einfluß haben. „Lerne 
von mir, und höre meinen Worten 
zu; wandle in der Sanftmut meines 
Geistes, dann wirst du Frieden 
haben in mir." (LuB 19:23.) 

Die Worte des Herrn, die vor 
Jahrhunderten gesprochen wurden, 
sind Worte der Hoffnung und 
Gewißheit, die den rechtschaffenen 
Eltern, die ihre Kinder über ihn be- 
lehren, Trost spenden. Sie sprechen 
in einer Zeit zu uns, da innerer 
Frieden im Herzen der Kinder als 




Als der Erretter das nephitische 
Volk unterwies, bekräftigte er 
die Worte des Propheten 
Jesaja, der über das Israel der Letzten 
Tagen prophezeit hat: „Einen kleinen 
Augenblick habe ich dich verlassen, 
aber mit großem Erbarmen will ich 
dich herbeiholen — 

Denn die Berge werden weichen, 
und die Hügel werden wanken, aber 
mein Wohlwollen wird von dir nicht 
weichen, noch wird der Bund mei- 
nes Friedens wanken, spricht der 
Herr, der Erbarmen mit dir hat." 
(3 Nephi 22:7,10.) 

Dann offenbarte der Erretter, 
wie, unter anderem sein Bund des 



schwer faßbarer Traum erscheinen 
kann, aber der Erretter hat uns ver- 
sichert, daß er Wirklichkeit werden 
kann, wenn wir unsere Kinder un- 
terweisen. Die PV unterstützt die 
Eltern in dieser wichtigen Aufgabe. 

Als ich zu einer 

Führerschaftsschulung in Brasilien 
war, habe ich auch eine PV- 
Kindergartenklasse besucht. Etwa 
acht Kinder saßen mit ihrer Lehrerin 
um den Tisch. Voller Ehrfurcht be- 
obachtete ich, wie diese Kleinen, 
zwei und drei Jahre alt, einige weni- 
ge Augenblicke lang mit gespannter 
Aufmerksamkeit ein Bild ansahen, 
das die Lehrerin ihnen zeigte und 
auf dem der Erretter mit den 
Kindern zu sehen war. Ich hörte, wie 
sie ihnen sagte, wie sehr er Kinder 
liebt und wie sehr er jedes von ihnen 
liebt. Sie lehrte sie, daß auch der 
himmlische Vater sie liebt. Ich sah, 
wie sie zuhörten, und ich spürte, daß 
sie viel mehr verstanden, als ich für 
möglich gehalten hätte. Sie hörten 
ihre Worte und spürten ihre Liebe. 
In der Schönheit und Schlichtheit 
dieser wenigen Augenblicke erfuh- 
ren diese Kinder die Antwort auf die 
wichtigste Frage des Lebens, näm- 
lich „Wer bin ich?". In ihrem reinen, 
kindlichen Glauben war ihr Geist im 
Einklang mit den Wahrheiten, die 
ihnen vermittelt wurden. Dieses 
Erlebnis wiederholt sich Sonntag für 
Sonntag in ihrer Kindergartenklasse. 
Das sind im Leben dieser kleinen 
Kinder bedeutende Augenblicke der 
Belehrung zu einer Zeit, in der sie 
bereit sind zu lernen. 

Bei jüngeren Untersuchungen 
der Entwicklung des Gehirns eines 
Kindes hat man neue Einsichten 
darüber gewonnen, wie und wann 
ein Kind lernt. Ich zitiere aus einer 
neuen Studie: 

„Von Geburt an vermehren sich 
die Gehirnzellen eines Babys rasant 
und stellen Verbindungen her, die 
die gesamten Lebenserfahrungen 
formen können. Die ersten 
drei Jahre sind ganz wesentlich." 
(J. Madeleine Nash, „Fertile Minds", 
Time, 3. Februar 1997, 49.) 

Wen überrascht es, daß unser 
Vater im Himmel den Verstand ganz 
kleiner Kinder so geschaffen hat, 



JULI 1998 
9 




daß er in der Zeit, in der man sie 
lehren muß, wer sie sind und was sie 
tun müssen, so lernfähig ist? Die er- 
sten zehn Lebensjahre sind die be- 
deutendsten Jahre für das Erlernen 
der Sprache, die die Grundlage 
dafür wird, künftig Wissen und 
Wahrheit zu begreifen. Diese 
Grundlage wird durch die Worte, 
die sie hören, und die Eindrücke, 
die sie aus ihrer Umgebung erhal- 
ten, geformt. Dies ist die ideale Zeit 
für Eltern, ihren Kindern aus den 
heiligen Schriften vorzulesen. So 
fangen sie an, die Sprache der heili- 
gen Schriften kennenzulernen. 

Sie haben vielleicht bemerkt, daß 
die Kinder mit ihren heiligen 
Schriften in der Hand zur PV 
gehen. Die PV-Kinder werden in 
diesem Jahr anhand der heiligen 
Schriften unterrichtet, und sie ler- 
nen, damit umzugehen. Unser 
Thema für das Miteinander ist „Ich 
weiß, die Schriften sind wahr". An 
einem Sonntagmorgen besuchte ich 
in einer Gemeinde das Miteinander 
und bemerkte, daß die Kinder die 
heiligen Schriften geöffnet auf dem 
Schoß liegen hatten. Die PV- 
Leiterin und die Lehrer halfen 
ihnen, Geschichten von Propheten 
in ihren heiligen Schriften zu fin- 
den. Ich wurde gebeten, den 
Kindern eine Lieblingsschriftstelle 
vorzulesen. Als ich damit fertig war, 
hielt eine Vierjährige aus der ersten 



Reihe ihre heiligen Schriften hoch 
und sagte: „Diese Schriftstelle ist 
auch in meinen heiligen Schriften." 
Durch die Führung liebevoller 
Eltern und eifriger Lehrer können 
kleine Kinder mit den heiligen 
Schriften und dem Geist, der damit 
einhergeht, vertraut werden. 

Eine PV-Leiterin teilte uns mit, 
wie dankbar sie dafür ist, daß es in 
der PV in diesem Jahr um die heili- 
gen Schriften geht. Sie sagte, daß sie 
und ihr Mann ihren kleinen Kindern 
- 2, 3 und 4 Jahre alt - jeden Abend 
vor dem Schlafengehen aus den hei- 
ligen Schriften vorlesen. Ich bat sie, 
mir mehr darüber zu erzählen. Ich 
muß zugeben, daß ich mich fragte, 
ob so kleine Kinder die Sprache der 
heiligen Schriften verstehen können. 
Sie sagte, daß sie und ihr Mann die 
gleichen Zweifel hatten, als sie damit 
begannen, ihren Kindern vorzulesen. 
Aber sie sagte, daß die Sprache nach 
der ersten Woche kein Thema mehr 
war. Die Kinder lieben es, gemeinsam 
zu lesen und den Geist zu spüren, 
und es ist erstaunlich, wieviel sie ver- 
stehen. 

Die Lern- und Erkenntnisfähigkeit 
eines sehr kleinen Kindes ist oft weit- 
aus größer, als wir annehmen. Es ist 
tatsächlich möglich, daß Kinder täg- 
lich neue Wörter lernen, daß sie den 
Wörtern Bedeutungen zuordnen und 
so die Sprache der heiligen Schriften 
kennenlernen. Mit der Zeit werden 



sie durch die Führung ihrer Eltern 
und Lehrer immer besser begreifen, 
daß der himmlische Vater durch die 
heiligen Schriften zu ihnen spricht, 
denn durch sie können sie Lösungen 
für ihre Probleme finden. 

Eine Freundin erzählte, was sie 
mit ihrem Sohn Alex erlebte, als die 
Familie in eine andere Stadt zog. Der 
Umzug war für Alex nicht einfach. 
Es fiel ihm schwer, eine neue Schule 
zu besuchen. Er fürchtete sich so 
sehr davor, von zu Hause und seiner 
Familie fortzugehen, daß er nicht zur 
Schule gehen wollte. Eines Tages las 
seine Mutter ihm 2 Timotheus 1:7 
vor: 

„Denn Gott hat uns nicht einen 
Geist der Verzagtheit gegeben, son- 
dern den Geist der Kraft, der Liebe 
und der Besonnenheit." 

Sie sagte: „Ich sagte Alex, daß 
mir dieser Vers oft geholfen hatte, 
wenn ich Angst hatte." Durch ihre 
Liebe und dadurch, daß sie Alex 
von ihrer persönlichen Erfahrung 
mit der Schriftstelle erzählte, half 
sie ihm, seine Angst zu überwinden, 
aber, was noch viel wichtiger war, sie 
ermöglichte es ihm, eine Erfahrung 
mit den heiligen Schriften zu ma- 
chen und zu verstehen, wie sie zu 
einer Kraft in seinem Leben werden 
können. 

Nephi hat gesagt: „Denn meine 
Seele erfreut sich an den Schriften, 
und mein Herz sinnt darüber nach 
und schreibt sie nieder zur 
Belehrung und zum Nutzen meiner 
Kinder." (2 Nephi 4: 15.) 

Wie können wir unsere Kinder 
dafür gewinnen, daß sie aus den hei- 
ligen Schriften lernen, so daß die 
Lehren der Propheten in ihrem 
Leben etwas bewirken? Uns ist gera- 
ten worden, gemeinsam als Familie 
die heiligen Schriften zu lesen. Wenn 
es in unserer Familie Tradition ist, 
gemeinsam in der heiligen Schrift 
zu lesen und darüber zu sprechen, 
dann ist es auch wahrscheinlicher, 
daß unsere Kinder es sich auch zur 
Gewohnheit machen. 

Als unsere Kinder noch klein 
waren, hielten wir es für wichtig, 
diese Tradition in unserer Familie 
einzuführen. Wir beschlossen, das 
Buch Mormon zu lesen, mit dem 



DER STERN 
10 



Ziel, es bis zum Ende des 
Schuljahres ganz zu lesen. Jeden 
Morgen lasen wir vor dem 
Frühstück ein Kapitel, und wir er- 
reichten unser Ziel. Nun möchte ich 
das Gute, das aus dieser Erfahrung 
für uns alle erstand, nicht 
schmälern, aber am Ende dachten 
wir darüber nach, daß wir uns viel- 
leicht mehr auf unser Ziel konzen- 
triert hatten als auf das, was wir 
dabei lernten. In der kurzen Zeit vor 
dem Frühstück hatten wir wenig 
Zeit, unsere Gedanken zu äußern 
oder darüber nachzudenken, was die 
Worte Gottes für uns bedeuteten. 
Als der Erretter die Nephiten unter- 
wies, sagte er: „Darum geht nach 
Hause und denkt über das nach, 
was ich gesagt habe, und bittet den 
Vater in meinem Namen, damit ihr 
verstehen und euren Sinn für den 
morgigen Tag bereitmachen könnt, 
und ich komme abermals zu euch." 
(3 Nephi 17:3.) 

Der Erretter hat uns gezeigt, wie 
wir die heiligen Schriften studieren 
sollen. Wir hören das Wort, wir 
denken über seine Bedeutung nach, 
wir bitten den himmlischen Vater, 
daß er uns verstehen hilft, und dann 
sind unser Sinn und unser Herz be- 
reit, die verheißenen Segnungen zu 
empfangen. Nachdenken bedeutet 
mehr als nur Worte zu lesen; es be- 
deutet, daß wir nach Bedeutungen 
forschen, die uns beim Umgang mit- 
einander und bei Entscheidungen in 
unserem Leben helfen. Es bedeutet, 
daß wir es zulassen, daß das Wort 
von unserem Verstand in unser Herz 
gelangt. Der Geist gibt unserem 
Herzen Zeugnis, wenn wir gebeter- 
füllt danach trachten, das, was vom 
himmlischen Vater ist, zu erkennen. 
Und wenn wir dieses Zeugnis und 
dieses Wissen erlangt haben, wer- 
den wir in der Art und Weise, wie 
wir denken und leben und mitein- 
ander umgehen, Christus ähnlicher. 
Unsere Kinder blicken auf uns als 
Eltern und auf unser Beispiel. Wenn 
wir beständig nach dem leben, was 
die heiligen Schriften lehren, geben 
wir ihnen einen festen Halt, der 
ihnen hilft, in einer Welt voll ge- 
gensätzlicher Werte Wahrheit zu er- 
kennen. Mit den heiligen Schriften 



als Bezugspunkt können wir ihnen 
helfen, ihre Erfahrungen und die 
Konsequenzen ihrer Entscheidungen 
zu verarbeiten. Dadurch helfen wir 
ihnen, die ewige Perspektive immer 
im Auge zu behalten, damit sie nie 
vergessen, wer sie sind und wohin sie 
gehen. 

Der Prophet Joseph Smith wurde 
durch seine engagierten, weisen 
Eltern, die den Herrn liebten, auf das 
Werk, das er zu tun hatte, vorberei- 
tet. Sie lasen aus den heiligen 
Schriften vor und unterwiesen ihre 
Kinder daraus. Deshalb war es für 
den jungen Joseph, als er verwirrt 
war und Weisung brauchte, ganz 
natürlich, daß er sich an die heiligen 
Schriften wandte. Er sagte: „Mit 
etwa zwölf Jahren beschäftigte mich 
die so wichtige Sorge um das 
Wohlergehen meiner unsterblichen 
Seele ernsthaft, was dazu führte, daß 
ich in den heiligen Schriften forsch- 
te, da ich glaubte, wie ich gelehrt 
worden war, daß sie das Wort Gottes 
enthielten." (The Personal Writings of 
Joseph Smith, Hg. Dean C. Jessee 

[1984], 4f.) 

Präsident Hinckley hat den Eltern 
geraten: „Lesen Sie Ihren Kindern 
vor. Lesen Sie die Geschichte vom 
Sohn Gottes. Lesen Sie ihnen aus 
dem Neuen Testament vor. Lesen Sie 
ihnen aus dem Buch Mormon vor. 
Das kostet Zeit, und Sie sind sehr be- 
schäftigt, aber es wird sich sowohl in 



Ihrem als auch im Leben Ihrer 
Kinder als großer Segen erweisen. 
Und in ihrem Herzen wächst eine 
große Liebe zum Erretter der Welt, 
dem einzigen vollkommenen 
Menschen, der auf der Erde gelebt 
hat. Er wird für sie zu einem ganz 
realen Lebewesen, und sein großes 
Sühnopfer gewinnt in ihrem Leben 
eine ganz neue und herrlichere 
Bedeutung, wenn sie zum Mann und 
zur Frau heranwachsen." (Zitiert in 
Church News, 6. Dezember 1997, 2.) 
Brüder und Schwestern, diese herrli- 
che Verheißung unseres Propheten 
kann sich für uns erfüllen, wenn wir 
unseren Kindern aus den heiligen 
Schriften vorlesen. 

Es kann keine größere Freude 
geben als zu wissen, daß unsere 
Kinder den Herrn lieben, keinen 
größeren Frieden als den, der uns zu- 
teil wird, wenn wir seine Liebe 
spüren und die Bedeutung seines 
Sühnopfers verstehen. Der Geist, 
den wir spüren, wenn wir miteinan- 
der über das Heilige sprechen, das in 
unserem Herzen ist, verbindet uns 
als Familie. Johannes hat das hervor- 
ragend zum Ausdruck gebracht: „Ich 
habe keine größere Freude, als zu 
hören, daß meine Kinder in der 
Wahrheit leben." (3 Johannes 1:4.) 

Es ist mein Zeugnis, daß wir diese 
Segnung erhalten, wenn wir dem 
Rat unseres Propheten folgen. Im 
Namen Jesu Christi, amen. D 




JULI 1998 
11 



Ein Jünger, ein Freund 



Bischof Richard C. Edgley 

Erster Ratgeber in der Präsidierenden Bischofschaft 




Es geht in Wirklichkeit nicht darum, wie andere uns definieren, sondern 
darum, wie der Erretter uns definiert. 



Nachdem ich die beiden gebeten 
hatte, sich zu setzen, fragte ich 
Darlene, warum sie dachte, daß wir 
keine Christen seien. Sie antwortete, 
ihr Geistlicher habe ihr das gesagt. 
Ich fragte sie, ob sie den offiziellen 
Namen der Kirche kannte. Das war 
nicht der Fall. Sie kannte die Kirche 
nur unter dem Namen Mormonen. 
Ich sagte ihr, der Name sei Kirche 
Jesu Christi der Heiligen der Letzten 
Tage, und fragte dann, ob das nicht 
ein seltsamer Name für eine Kirche 
sei, die angeblich nicht christlich sei. 
Dann bat ich meinen katholischen 
Freund, aufgrund der vielen 
Gespräche, die wir in Flugzeugen, in 
Hotels, beim Abendessen und auch 
privat geführt hatten, zu erläutern, 
was er im Zusammenhang mit 
Christus, seinen Lehren und unse- 
rem Glauben über uns wußte. Er er- 
klärte es mit wahrscheinlich größerer 
Glaubwürdigkeit, als ich es hätte tun 
können. 

Darlene erwiderte darauf, ihr 
Geistlicher habe gesagt, daß wir 
nicht an die Bibel glaubten, sondern 
das Buch Mormon an ihre Stelle ge- 
setzt hätten. Da zitierte ich ihr den 
achten Glaubensartikel: „Wir glau- 
ben, daß die Bibel, soweit richtig 
übersetzt, das Wort Gottes ist; wir 
glauben auch, daß das Buch 
Mormon das Wort Gottes ist." 

Dann erklärte ich, daß das Buch 
Mormon eine weitere heilige Schrift 
sei, die die Bibel ergänzte und ein 
zweiter Zeuge für Christus sei. Es er- 
läuterte und erhellte viele der hei- 
ligsten und wichtigsten Lehren 
Christi. Sie antwortete: „Unser 
Geistlicher sagt, das Buch Mormon 



Vor einigen Jahren, als ich 
noch in einer anderen 
Organisation tätig war, kam 
unser Personalchef, ein gläubiger 
Katholik, mit seiner Sekretärin 
Darlene in mein Büro. Es war offen- 
sichtlich, daß Darlene nicht freiwil- 
lig da war und lieber anderswo 
gewesen wäre. Der Personalchef 
begrüßte mich mit den Worten: 
„Würdest du Darlene bitte erklären, 
daß Mormonen Christen sind. Ich 
diskutiere jetzt schon seit über einer 
halben Stunde mit ihr und kann sie 
einfach nicht davon überzeugen. Sie 
muß es von dir hören." 

Meine erste. Sorge war, daß ich 
vielleicht etwas getan hatte, was 
Darlene veranlaßte, meinen Glauben 
an den Erretter und meine Treue 
ihm gegenüber in Frage zu stellen. 
Doch dann erkannte ich schnell, 
daß ihre Zweifel nicht mir persönlich 
galten. 



könne nicht die Lehren Christi ent- 
halten, da es nach dem Tod der 
Apostel keine Offenbarungen und 
somit nach der Bibel auch keine 
weitere heilige Schrift mehr geben 
könne." Ich fragte sie: „Fragst du 
dich nicht, warum unser liebender 
Vater in unserer Zeit der raschen 
Veränderungen in der stürmischen 
und unruhigen Welt, die voll ver- 
wirrender Probleme ist, aufhören 
sollte, sich seinen Kindern, die er so 
sehr liebt, daß er seinen einzigge- 
zeugten Sohn für sie geopfert hat, 
mitzuteilen?" Wir unterhielten uns 
noch 15 bis 20 Minuten, wobei ich 
ihr zu erklären versuchte, daß wir 
buchstäblich an das Sühnopfer und 
die Auferstehung und andere wich- 
tige Lehren des Erretters glauben. 
Schließlich gab ich so eindringlich 
wie möglich von unserem liebenden 
Vater und seinem bereitwilligen 
Sohn Zeugnis. 

Am Ende unseres Gesprächs gab 
sie noch immer die gleiche Antwort: 
„Mein Geistlicher hat es so gesagt, 
und so ist es auch." Dabei wurde es 
dann belassen, und ich blieb ent- 
täuscht und etwas beunruhigt über 
dieses Mißverständnis zurück. 

Es ist interessant, wie mangeln- 
der Einblick einiger weniger viele 
andere unabsichtlich oder absicht- 
lich in die Irre führen kann. Das 
Herz und das Gewissen eines 
Menschen zu beurteilen, das 
überläßt man wohl am besten dem 
gerechten Richter aller. Gewiß wird 
letztlich der Erretter entscheiden, 
wer ein wahrer Jünger Christi ist, 
denn er hat gesagt: „Ich bin der gute 
Hirt; ich kenne die Meinen." 
Qohannes 10:14.) 

Nachdem Reverend Charles 
Taylor, ein Geistlicher, mit dem ich 
befreundet bin, einige grundlegende 
Lehren der Kirche kennengelernt 
hatte, rief er mich an, um mir von 
seiner erweiterten Kenntnis des 
Evangeliums zu berichten. Er erklärte 
eifrig: „Wenn man sich die Zeit 
nimmt, sich mit den Lehren der 
Mormonenkirche zu befassen, wird es 
ganz klar, daß die Mormonen wahre 
Christen sind. Tatsächlich bin ich 
noch nie christlicheren Menschen 
begegnet, als die Mormonen es sind, 



DER 



STERN 
12 



die ich in letzter Zeit kennengelernt 
habe." 

Ich erwiderte, daß ich interes- 
siert sei, mehr über seine Gefühle 
und seine Erkenntnis zu erfahren, 
wenn er die Möglichkeit gehabt 
hatte, das Buch Mormon zu lesen, 
und sein Zeugnis und seine Lehren 
vom Erretter kannte. Seine 
Antwort lautete: „Ich lese das 
Buch Mormon bereits, und es ist 
wundervoll, darin zu lesen. Es hat 
meine Erkenntnis von Christus und 
seiner Mission erweitert. Ich spüre 
einen wunderbaren Geist, wenn ich 
darin lese." 

Mein Freund nahm sich die Zeit, 
es selbst herauszufinden, ehe er sich 
ein Urteil bildete. Er versuchte 
nicht, andere aufgrund seines man- 
gelnden Einblicks oder seiner 
falschen Auffassung zu beeinflus- 
sen. Das schien mir ein verantwor- 
tungsvolles Vorgehen zu sein - sich 
um Verstehen bemühen, bevor man 
urteilt und vor allem bevor man 
versucht, andere von der eigenen 
falschen Auffassung zu überzeugen. 
Und Darlene möchte ich noch 
einmal darauf hinweisen, daß Jesus 
Christus im Mittelpunkt jeder Lehre, 
jeder Verordnung und jedes 
Grundsatzes der Kirche steht - wie es 
der Name der Kirche besagt. Das 
Buch Mormon gibt Zeugnis von Jesus 
Christus und bekräftigt und erhellt 
seine Lehren. Nephi, ein Prophet des 
Buches Mormon, erklärt der Welt: 
„Und wir reden von Christus, wir 
freuen uns über Christus, wir predi- 
gen Christus, wir prophezeien von 
Christus, und wir schreiben gemäß 
unseren Prophezeiungen, damit unse- 
re Kinder wissen mögen, von welcher 
Quelle sie Vergebung ihrer Sünden 
erhoffen können." (2 Nephi 25:26.) 

Nephi erklärte weiter: „Kein an- 
derer Name [ist] unter dem Himmel 
gegeben worden als nur dieser, Jesus 
Christus, von dem ich gesprochen 
habe, wodurch der Mensch errettet 
werden kann." (2 Nephi 25:20.) 

Das Erlebnis mit Darlene hat 
mich noch jahrelang beschäftigt, und 
sein Ausgang hat mich beunruhigt. 
Aber ich bin zu dem Schluß gekom- 
men, daß mich Standpunkte, die auf 
Mißverständnissen und irrigen 



Lehren beruhen, nicht beunruhigen 
sollten, abgesehen davon, daß ich 
versuchen muß, solche falschen 
Auffassungen aufzuklären. Eigentlich 
geht es aber nicht darum, wie andere 
uns bezeichnen, sondern wie der 
Erretter uns bezeichnet. Die Frage 
lautet also: Wie sieht er einen jeden 
von uns? 

Deshalb müssen wir als 
Mitglieder der Kirche Jesu Christi 
der Heiligen der Letzten Tage uns 
vor allem mit unserer Beziehung 
zum himmlischen Vater und zum 
Erretter Jesus Christus befassen. 

In den letzten Augenblicken sei- 
nes rechtschaffenen und vorbildli- 
chen Lebens nahm mein Vater seine 
ganze Kraft zusammen und sagte mit 
kaum hörbarer Stimme: „Ich hoffe 
nur, daß der Erretter mich für würdig 
befinden wird, mich seinen Freund 
zu nennen." So wie mein Vater sich 
danach sehnte, frage ich mich auch, 
ob Christus mich zu seinen Schafen 
zählen würde. Kann er sehen, daß 
ich mich bemühe, nach seinen 
Lehren und seinen göttlichen 
Grundsätzen zu leben? Würde er 
mich seinen Jünger nennen? Würde 
er mich seinen Freund nennen? Nur 
darauf kommt es wirklich an. 

Der Erretter erklärte im fünf- 
zehnten Kapitel des Evangeliums 
nach Johannes, was für seine 
Freundschaft maßgeblich ist: „Ihr 
seid meine Freunde, wenn ihr tut, 
was ich euch auftrage." (Johannes 
15:14.) Und die Feuerprobe defi- 
nierte er, als er sagte: „An ihren 
Früchten werdet ihr sie erkennen." 
(Matthäus 7:16; siehe auch Vers 
17,18,20.) Danach werden wir ge- 
richtet - nach unsere Früchten, ob 
gut oder schlecht. Beim Jüngsten 
Gericht werden wir, wenn unsere 
Früchte es zulassen, eingeladen, zur 
rechten Hand Gottes zu sitzen. 
Dort werden wohl seine Freunde 
sein. 

Wenn wir uns also ernsthaft 
bemühen, ein christliches Leben zu 
führen, auch wenn wir manchmal 
schwach sind und straucheln, darf 
es kaum von Bedeutung sein, wie 
andere uns charakterisieren wollen. 
Wir sind dafür verantwortlich, wie 
christlich wir sind. Andere mögen 



uns charakterisieren, wie sie wollen, 
aber der wahre und gerechte 
Richter wird uns so beurteilen, wie 
wir sind. Wir entscheiden darüber, 
inwiefern wir seine Jünger sind, nie- 
mand sonst. 

Bei der Taufe haben wir freiwillig 
den Namen Christi auf uns genom- 
men. Wenn wir seinen Namen auf 
uns nehmen, schließen wir einen 
Bund und versprechen, seine Lehren 
zu befolgen. Wir können jedesmal, 
wenn wir das Abendmahl nehmen, 
unseren Bund erneuern und unser 
tägliches Leben überdenken. 

Wir können uns die üblichen 
Fragen stellen: Beten wir jeden Tag 
persönlich und als Familie? Lesen wir 
die heiligen Schriften? Halten wir 
den Familienabend, und zahlen wir 
den Zehnten? Die Liste läßt sich 
fortsetzen. Die eigentliche Frage lau- 
tet jedoch: Sind wir im Begriff, ein 
Jünger zu werden? Sind wir im 
Begriff, ein Freund zu werden? 

Alma fragte: „Seid ihr geistig aus 
Gott geboren? Habt ihr sein Abbild 
in euren Gesichtsausdruck aufge- 
nommen? Habt ihr diese mächtige 
Wandlung im Herzen erlebt?" 
(Alma 5:14.) Im Grunde geht es um 
die Wandlung im Herzen - eine 
Wandlung, die dazu führt, daß wir 
unser Leben ändern. 

Alma stellte noch weitere, dies- 
mal konkretere Fragen, nämlich: 

• „Seid ihr so gewandelt, daß ihr 
euch vor Gott untadelig gehalten 
habt?" 

• „Wenn jetzt der Ruf an euch er- 
ginge zu sterben, . . . [seid ihr] genug 
demütig gewesen?" 

• „Habt ihr den Stolz von euch 
getan?" 

Heute könnten wir noch die fol- 
genden Fragen hinzufügen: 

• Lieben wir unsere Brüder wie 
uns selbst? 

• Sind wir in unseren 
Geschäftsbeziehungen und allen an- 
deren Beziehungen völlig ehrlich? 

• Kommt unsere Familie an er- 
ster Stelle - noch vor unseren eige- 
nen Interessen? 

• Haben wir Gutes am heutigen 
Tag getan? 

• Folgen wir der Ermahnung und 
den Lehren des Propheten? 



JULI 1998 
13 



Ja, es geht um die Frage: Setzen wir 
unsere äußerliche Gottesverehrung in 
ein christliches Leben um? Es genügt 
nicht, einfach nur von Christus zu 
reden, Christus zu verkünden oder 
sogar von Christus zu prophezeien 
(siehe 2 Nephi 25:26). Wir müssen als 
Jünger Christi leben, denn aufgrund 
unseres täglichen Lebens wird der 
Erretter entscheiden, ob wir ein wah- 
rer Jünger sind, ein Freund. 

Den Darlenes dieser Welt möchte 
ich sagen, daß unsere Früchte hof- 
fentlich die Bezeichnung christlich ver- 
dienen. Und uns, den Mitgliedern der 
Kirche Jesu Christi der Heiligen der 
Letzten Tage, möchte ich sagen, daß 
unsere Taten, unser Handeln, unser 
Herz und unser Gesichtsausdruck 
hoffentlich für die Lehren des 
Erretters beispielhaft sind und unsere 
Dankbarkeit für sein großes 
Sühnopfer für jeden von uns erken- 
nen lassen. 

Denen, die sich fragen, wie 
Christus in unsere Theologie und 
unser persönliches Leben paßt, be- 
zeugen wir, daß Christus der Erlöser 
der Welt ist. Er ist unser Herr, unser 
Licht und unser Erretter. Er wurde 
aus der Höhe dazu ordiniert, hinab- 
zusteigen unter alles und unvorstell- 
bar zu leiden! Er steht im 
Mittelpunkt all dessen, was wir leh- 
ren und was wir tun. Als Kirche sind 
wir einzelne Christen, die sich 
bemühen, sich gegenüber dem 
Erretter als seine Jünger zu erweisen. 
Das ist keine Sache der Institution, 
sondern Sache jedes einzelnen. 

Mein Zeugnis ist, daß er lebte, 
daß er starb und daß er lebt. Er hat 
für unsere Sünden gesühnt. Ich bete 
darum, daß jeder von uns so lebt 
und Gott so verehrt, daß er von 
Mitgliedern und Nichtmitgliedern 
gleichermaßen klar und deutlich als 
wahrer Jünger des lebendigen 
Christus erkannt wird. Aber, noch 
wichtiger, ich bete darum, daß wir 
von dem wahren und gerechten 
Richter aller, dem Herrn Jesus 
Christus selbst als solcher erkannt 
werden. Welch größeren Lohn kann 
jemand empfangen, als von ihm als 
wahrer und treuer Diener anerkannt 
zu werden, als Jünger, als Freund. Im 
Namen Jesu Christi, amen. D 



Die Zeit zur 
Vorbereitung 



Eider Joseph B. Wirthlin 

vom Kollegium der Zwölf Apostel 



Die Tage unserer Bewährung sind gezählt, aber keiner von uns kennt die 
Anzahl dieser Tage. Jeder Vorbereitungstag ist kostbar. 



der himmlische Vater aufgestellt hat, 
und uns dafür entschieden, unserem 
Herrn und Erretter, Jesus Christus, 
zu folgen. Dabei haben wir die fol- 
genden Grundsätze angenommen 
und auch dafür gekämpft, nämlich 
(1) Entscheidungsfreiheit - die 
Möglichkeit, zwischen Gut und Böse 
zu entscheiden, (2) Fortschritt, die 
Fähigkeit, zu lernen und so wie der 
himmlische Vater zu werden, und 
(3) Glauben an den Plan des Vaters 
und an das Sühnopfer Jesu Christi, 
das es uns ermöglicht, in Gottes 
Gegenwart zurückzukehren. Als 
Folge dessen wurde uns gestattet, in 
dieses Erdenleben einzutreten. Über 
das Erdenleben hat der Herr gesagt: 
„Wir wollen sie hierdurch prüfen und 
sehen, ob sie alles tun werden, was 
auch immer der Herr, ihr Gott, 
ihnen gebietet." 2 

Wir wissen, daß wir ein nachirdi- 
sches Leben ohne Ende haben wer- 
den und daß wir die Art dieses 
Lebens durch unsere Gedanken und 
Taten hier in der Sterblichkeit be- 
stimmen. Das Erdenleben ist sehr 
kurz, aber unermeßlich wichtig. 

Wir lesen in den heiligen 
Schriften: „Der Weg des Herrn ist 
dieselbe ewige Runde" 3 und „Gott 
weiß alles, denn er ist von 
Unendlichkeit zu Unendlichkeit." 4 
Wir sind ebenfalls ewig. Unsere 
Gegenwart hier auf der Erde ist eine 
wesentliche Stufe im Plan des himm- 
lischen Vaters für das Glücklichsein 
seiner Kinder. „[Wir] sind, damit 
[wir] Freude haben können." 5 




Liebe Brüder und Schwestern, 
ich bin dankbar, daß ich wie- 
der mit Ihnen an einer 
Generalkonferenz teilnehmen darf. 
Ich bete um Weisung durch den 
Heiligen Geist. Ich möchte zu Ihnen 
darüber sprechen, wie wichtig dieses 
Erdenleben als Vorbereitungszeit ist. 
Amulek hat bezeugt: „Dieses Leben 
ist die Zeit, da der Mensch sich vor- 
bereiten soll, Gott zu begegnen; ja, 
siehe, der Tag dieses Lebens ist der 
Tag, da der Mensch seine Arbeiten 
verrichten soll." 1 

Als Mitglieder der Kirche Jesu 
Christi der Heiligen der Letzten Tage 
haben wir besondere Erkenntnis darü- 
ber, daß die Seele ewig ist. Wir wissen, 
daß wir vor diesem Leben existiert 
haben. Wir haben den großen Plan 
des Glücklichseins angenommen, den 



DER STERN 
14 



Der Prophet Joseph Smith hat ge- 
lehrt: „Glücklich zu sein ist der 
Zweck und die Absicht unseres 
Daseins, . . . wenn wir dem Pfad fol- 
gen. Dieser Pfad heißt Tugend, 
Untadeligkeit, Glaubenstreue, 
Heiligkeit und daß man sämtliche 
Gebote Gottes befolgt." 6 

Das Jetzt ist Teil des ewigen 
Fortschritts und hat zum Ziel, daß 
wir gemeinsam mit unserer Familie 
in die Gegenwart des himmlischen 
Vaters zurückkehren. Präsident 
Gordon B. Hinckley hat gesagt: 
„Wir haben hier ein wunderbares 
Erbe, ein göttliches Geschenk. Wie 
anders würde diese Welt aussehen, 
wenn alle Menschen wüßten, daß 
jede ihrer Taten ewige Folgen nach 
sich zieht. Um wieviel befriedigen- 
der kann unser Leben sein, wenn 
wir erkennen, daß wir an jedem Tag 
unser ewiges Leben bestimmen." 7 

Wenn wir das wissen, hilft es uns, 
bei den vielen Entscheidungen, die 
das Leben uns täglich bietet, eine 
weise Wahl zu treffen. Wenn wir das 
Leben aus ewiger Perspektive sehen, 
ist es leichter, unsere beschränkte ir- 
dische Energie auf das zu richten, 
was am wichtigsten ist. Dann ver- 
schwenden wir unser Leben nicht 
damit, „Schätze hier auf der Erde 
[zu sammeln] , wo Motte und Wurm 
sie zerstören." 8 Wir können uns 
Schätze im Himmel sammeln und 
tauschen unser ewiges geistiges 
Erstgeburtsrecht nicht gegen ein 
materialistisches Linsengericht ein. 

Dies ist der Tag unserer irdischen 
Prüfungszeit. Wir könnten unsere 
ewige Reise mit einem Wettlauf von 
drei Runden vergleichen. Wir haben 
die erste Runde erfolgreich bestan- 
den und sind wunderbar vorwärts- 
gekommen. Jetzt haben wir die 
zweite Runde begonnen. Können 
Sie sich einen Weltklasseläufer vor- 
stellen, der an dieser Stelle auf der 
Bahn anhält, um Blumen zu 
pflücken oder ein Kaninchen zu ver- 
folgen, das ihm über den Weg läuft? 
Aber gerade das tun wir, wenn 
wir unsere Zeit mit weltlichen 
Angelegenheiten verbringen, die 
uns der dritten Runde zum ewigen 
Leben, der größten aller Gaben 
Gottes, 9 nicht näherbringen! 



Der Erretter hat sowohl in der 
Alten als auch in der Neuen Welt 
geboten: „Darum möchte ich, daß 
ihr vollkommen seiet". 10 Das griechi- 
sche Wort, das in der englischen 
Bibel mit vollkommen übersetzt 
wird, bedeutet „vollständig, fertig, 
vollständig entwickelt". Der Vater 
im Himmel wünscht, daß wir diese 
Prüfungszeit nutzen, um uns „voll- 
ständig zu entwickeln", um das mei- 
ste aus unseren Talenten und 
Fähigkeiten zu machen. Wenn wir 
das tun, werden wir beim Gericht 
die Freude erleben, daß wir vor dem 
himmlischen Vater als „vollständige 
und fertige" Söhne und Töchter ste- 
hen, die durch Gehorsam glattpo- 
liert wurden und des Erbteils würdig 
sind, das er den Glaubenstreuen 
verheißen hat. 

Der Erretter hat uns das Beispiel 
gegeben und geboten, daß wir „die 
Werke, [die wir ihn haben tun 
sehen], auch tun". 11 Ich war schon 
immer sehr beeindruckt von der 
Aufforderung Moronis am Ende sei- 
nes irdischen Wirkens: „Kommt zu 
Christus und werdet in ihm voll- 
kommen, und verzichtet auf alles, 
was ungöttlich ist." 12 

Alma erklärte seinen Anhängern, 
daß die Taufe bedingt, daß wir ande- 
ren dienen und willens sind, „einer 
des anderen Last zu tragen, . . . mit 



den Trauernden zu trauern, . . . dieje- 
nigen zu trösten, die Trost brauchen, 
. . . allzeit ... als Zeugen Gottes aufzu- 
treten." 13 Wir können unsere 
Errettung nicht allein erarbeiten. 
Wir können nicht in die Gegenwart 
des himmlischen Vaters zurückkeh- 
ren, ohne unseren Brüdern und 
Schwestern zu helfen. Wenn wir wis- 
sen, daß wir alle buchstäbliche 
Brüder und Schwestern in der 
Familie Gottes sind, sollten wir 
Verantwortung für das Wohlergehen 
der anderen empfinden und ihnen 
durch gütige Taten und Anteilnahme 
unsere Liebe zeigen. Nächstenliebe, 
„die reine Christusliebe", 14 muß uns 
im Umgang mit jedem Kind unseres 
himmlischen Vaters motivieren. 

Wenn wir vorwärtsschreiten und 
dem Erretter ähnlicher werden, kön- 
nen wir jede Gruppe, der wir uns 
anschließen, stärken. Dazu gehören 
auch unsere Familie und unsere 
Freunde. Der Herr setzt uns in diese 
Gemeinschaften der Heiligen, wo 
wir die Evangeliumsgrundsätze ler- 
nen und im täglichen Leben anwen- 
den können. Diese Gruppen sind 
gleichzeitig eine Schule, ein Prüffeld 
und ein Labor, wo wir üben können, 
das Evangelium anzuwenden. 

In einem Brief an die Korinther 
bat Paulus um Einigkeit und darum, 
daß die Mitglieder einander dienen, 




JULI 1 

15 



9 9 8 



„damit im Leib kein Zwiespalt ent- 
stehe, sondern alle Glieder einträch- 
tig füreinander sorgen. Wenn darum 
ein Glied leidet, leiden alle Glieder 
mit; wenn ein Glied geehrt wird, 
freuen sich alle anderen mit ihm." 15 
Wir sind nur so stark wie jedes Glied 
am Leib [der Kirche] Christi. Wir sol- 
len alles tun, was in unserer Kraft 
steht, damit jedes Mitglied sein gott- 
gegebenes Potential als „Erben Gottes 
und Miterben Christi" 16 erkennt. 

Wenn wir anderen dienen, müssen 
wir an Präsident Hinckleys Rat den- 
ken, daß wir den Hunderttausenden, 
die sich jedes Jahr zur Kirche bekeh- 
ren, die Hand der Gemeinschaft rei- 
chen und ihnen unsere Liebe 
erweisen. Das wichtigste Werkzeug, 
das der Herr hat, um die 
Neubekehrten herzlich willkommen 
zu heißen und „sie auf dem rechten 
Weg zu halten" 17 , ist die Liebe, die 
wir beweisen, wenn wir uns die Zeit 
nehmen, uns neuen Mitgliedern 
vorzustellen, uns ihre Namen zu 
merken, ihnen zuzuhören und sie 
kennenzulernen. 

Es ist nicht leicht und oft beäng- 
stigend, wenn man sich einer ande- 
ren Kirche anschließt und ein neues 
Leben beginnt. 

Jeder von uns muß ein solcher 
Freund sein, wie ihn jedes neue 
Mitglied braucht, um in der Kirche 
aktiv und glaubenstreu zu bleiben. 
Wenn Freundschaften aufgebaut wer- 
den, sind die neuen Mitglieder „nicht 
mehr Fremde ohne Bürgerrecht, son- 
dern Mitbürger der Heiligen und 
Hausgenossen Gottes". 18 Wenn 
Menschen sich taufen lassen, dann 
wird „ihr Name . . . aufgenommen" in 
die Mitgliedsunterlagen der Kirche, 
„damit ihrer gedacht würde und sie 
durch das gute Wort Gottes genährt 
würden." 19 

Im Hinblick auf die wunderbare 
Veränderung, die sich im Leben der 
neuen Mitglieder vollzieht, wenn sie 
durch das gute Wort Gottes richtig 
genährt werden, hat Eider John A. 
Widtsoe gesagt: „Ganz durchschnitt- 
liche, gewöhnliche Menschen, die 
das Evangelium von den Lippen eines 
demütigen Mormonenmissionars 
annehmen, ändern sich durch 
die erleuchtende Wahrheit des 



Evangeliums so sehr, daß sie nicht 
mehr dieselben bleiben." 20 

Bei unserem Fortschritt durch 
das Erdenleben machen wir Fehler 
und kommen vom Weg ab. Wenn 
wir in unseren Irrtümern verharren, 
kommen wir immer weiter von dem 
Ort weg, wo wir sein sollten. 

Wir können unser Leben mit dem 
Flug eines Raumschiffs vergleichen. 
Wenn der Motor gestartet wird, wird 
die Flugbahn genau beobachtet. Jede 
Abweichung wird sofort korrigiert. 
Wenn das Raumschiff auch nur um 
den Bruchteil eines Grades von sei- 
nem Kurs abkäme, würde es ohne 
Korrektur in einer Entfernung von 
vielen Kilometern an seinem 
Bestimmungsort vorbeifliegen. Je 
später die Korrektur erfolgt, um so 
mehr muß man korrigieren. Können 
Sie sich vorstellen, wie weit wir ohne 
Korrekturen von unserem Kurs ab- 
kommen können? 

Der Herr hat uns Propheten, die 
heiligen Schriften, Eltern und andere 
weise Führer gegeben, die uns den 
Kurs zeigen, den wir einschlagen sol- 
len. Sie helfen uns genauso, unseren 
Fortschritt zu beobachten und bei 
Bedarf die Richtung zu korrigieren, 
wie die Bodenstation einen Satelliten 
lenkt, damit er auf dem richtigen 
Kurs bleibt. Unser Kurs hier auf der 
Erde ist so wichtig. Wir bestimmen 
ihn durch die Entscheidungen, die 
wir jeden Tag treffen. Wir können es 
nicht verhindern, daß das, was wir 




jetzt denken und tun, sich auf die 
Zukunft auswirkt. 

Wir könnten uns fragen, ob wir 
mit dem Leben, das wir jetzt führen, 
den Plan unseres himmlischen 
Vaters überhaupt verdienen. Die 
Tage unserer Bewährung sind 
gezählt, aber keiner von uns kennt 
die Anzahl dieser Tage. Jeder 
Vorbereitungstag ist kostbar. 

Ich habe zugesehen, wie 
Navahofrauen im Südwesten 
Amerikas mit geschickten Händen 
komplizierte Muster in schöne 
Decken webten. Sie suchten jeden 
farbigen Faden sorgfältig aus und 
setzten ihn genau am richtigen Platz 
ein. Sie webten die verschiedenen 
Farben künstlerisch in das Ganze 
ein und schufen so Decken, die 
genau dem Plan entsprachen, den 
sie vorher entworfen hatten. 

Ganz ähnlich weben wir in unser 
Leben das Muster, das wir dann als 
Endprodukt vorstellen. Wir weben 
jeden Tag an unserem Erdenleben 
und können aus unseren Taten 
etwas Kompliziertes und Schönes 
schaffen, wenn wir dem Plan des 
Meisterschöpfers folgen. Wenn wir 
falsche Entscheidungen treffen, 
müssen wir mit einem Makel im 
Gewebe unserer Seele leben oder 
umkehren und die falschen Fäden, 
die wir in unseren Charakter einge- 
webt haben, entfernen und durch 
feinere Fäden ersetzen, die unser 
Schöpfer für uns vorgesehen hat. 

In das Gewebe unseres Lebens 
wird jetzt das Muster eingewoben. 
Der Herr nannte unser Leben vor 
der Sterblichkeit den ersten Stand 
und verhieß jedem von uns: 
„Diejenigen, die ihren ersten Stand 
bewahren, werden hinzugefügt be- 
kommen; wer sich aber seinen er- 
sten Stand nicht bewahrt hat, wird 
keine Herrlichkeit im selben Reich 
mit denen haben, die sich ihren er- 
sten Stand bewahren. Und diejeni- 
gen, die sich ihren zweiten Stand 
bewahren, werden Herrlichkeit auf 
ihr Haupt hinzugefügt bekommen 
für immer und immer." 21 

Aufschub und Unentschlossenheit 
können uns daran hindern, uns für 
das kommende Leben bereitzuma- 
chen. Präsident Joseph Fielding 



DER 



STERN 
16 



Smith hat gesagt: „Das Aufschieben 
bei der Anwendung der Grundsätze 
des Evangeliums stiehlt uns das ewige 
Leben - das Leben in der Gegenwart 
des Vaters und des Sohnes." 22 Im 
Buch Mormon lesen wir Amuleks 
Bitte: „[Ich] flehe . . . euch an, den 
Tag eurer Umkehr nicht bis zum 
Ende aufzuschieben. . . . denn der 
gleiche Geist, der euren Körper be- 
herrscht, wenn ihr aus diesem Leben 
scheidet, dieser selbe Geist wird die 
Macht haben, euch in jener ewigen 
Welt zu beherrschen." 23 

Jemand hat gesagt: Das Leben 
ist eine so kostbare Gabe, daß man 
es vor unnötiger Verdünnung 
schützen soll. Jeder Tag ist nicht 
einfach ein weiterer Tag, sondern 
ein goldener Moment des Lebens, 
ein Wassertropfen, der in den 
Lebensteich fällt und ihn weiter 
bereichert. 24 

Unentschlossenheit kann uns läh- 
men und unsere Vorbereitung in der 
Sterblichkeit behindern. Wir können 
so werden wie die Menschen in 
Ninive, die der Herr Jona gegenüber 
als Menschen beschrieb, „die nicht 
einmal rechts und links unterschei- 
den können". 25 Der Apostel Jakobus 
spricht von einem „Mann mit zwei 
Seelen, unbeständig auf all seinen 
Wegen." 26 Ein alter Schweizer Reim 
beschreibt diese Unentschlossenheit 
in folgenden Worten: 

Ist ein Bein drinnen 
und ein Bein draußen, 
so bin ich nicht drinnen, 
noch bin ich draußen. 
Nicht ja noch nein, 
nicht kalt noch warm: 
Wie unfrei und 
wie bitter arm 
ist der, der so 
im Leben steht, 
er weiß nicht mehr, 
wies weitergeht. 27 

Wir dürfen in unserer Beziehung 
zu unserem Ehemann oder unserer 
Ehefrau, unseren Eltern oder unseren 
Kindern nicht wankelmütig sein. 
Wollen wir uns an unseren Kindern 
erfreuen, wenn sie größer sind und 
nicht so viel zu tun haben? Wie steht 
es mit der kostbaren Freundschaft, 



die vergeht, weil wir den langen, ver- 
ständnisvollen Brief zwar planen, 
aber niemals schreiben und ab- 
schicken? Denken Sie an die Bücher, 
die wir lesen wollen, an die Impulse 
zu guten Taten, denen wir nachgeben 
wollen, und an die guten Zwecke, für 
die wir uns einsetzen wollen. Packen 
wir unseren Koffer immer mit dem, 
was wir im Leben am höchsten schät- 
zen, treten die Reise aber nie an? 
Kommt das Morgen niemals? 

Entschließen wir uns, daß wir 
heute anfangen wollen zu leben - 
nicht morgen, sondern heute - in 
dieser Stunde, wo wir noch Zeit 
haben! 

Wir wissen, daß der Tod ein not- 
wendiger Übergang ist. Er kommt 
früher oder später zu jedem von uns. 
Unser sterblicher Körper wird zur 
Erde zurückkehren, und unser Geist 
wird in die Geisterwelt zurückkehren. 
Kraft des Sühnopfers des Erretters 
werden wir alle auferstehen. Jeder 
von uns wird vor dem Gericht des er- 
habenen Jahwe stehen und entspre- 
chend seinen Taten auf der Erde 
belohnt werden. 

Wenn wir jede irdische 
Entscheidung im Hinblick auf diese 
Wiederherstellung und dieses Gericht 
treffen, nutzen wir unsere irdische 
Prüfungszeit weise und werden in die- 
ser Welt Frieden und in der zukünfti- 
gen Welt ewiges Leben finden. 

Ich bezeuge, daß diese Lehren 
wahr sind. Sie können erfahren, daß 
das Evangelium wahr ist, indem der 
Geist es Ihrer Seele bestätigt. Der 
Herr hat gesagt: „Wer bereit ist, den 
Willen Gottes zu tun, wird erken- 
nen, ob diese Lehre von Gott 
stammt oder ob ich in meinem eige- 
nen Namen spreche." 28 

Der Erretter lebt und liebt jeden 
von uns. Das weiß ich von ganzem 
Herzen. Wir sind Kinder des lieben- 
den himmlischen Vaters, der den 
Propheten Joseph Smith gesandt hat, 
die Fülle des Evangeliums wiederher- 
zustellen. Der Vater im Himmel hat 
uns auch mit einem lebenden 
Propheten gesegnet, der uns in seine 
Arme zurückführt. Präsident Gordon 
B. Hinckley ist dieser Prophet. Das 
bezeuge ich im Namen Jesu Christi, 
amen. D 

JULI 1998 
17 




FUSSNOTEN 

1. Alma 34:32. 

2. Abraham 3:25. 

3. INephi 10:19. 

4. Moroni 7:22. 

5. 2Nephi2:25. 

6. History of the Church 5: J 34f. 

7. Teachings of Gordon B. Hinckley 
(1997), 174. 

8. Matthäus 6:19. 

9. Siehe LuB 14:7. 

10. Matthäus 5:48; 3 Nephi 12:48. 

H.Siehe3Nephi27:21. 

12. Moroni 10:32. 

13.Mosia 18:8,9. 

14-Moroni7:47. 

15. Siehe 1 Korinther 12:12-27. 

16.Römer8:17. 

17. Moroni 6:4- 

18. Alma 37:7. 

19.Epheser2:19. 

20. „Symbolism in Irrigation", Improvement 
Era, Juni 1952, 423. 

21. Moroni 6:4. 

22. The Way to Perfection, 10. Auflage 
[1953), 202. 

23. Alma 34:33,34. 

24. Thomas J. Parmley, zitiert in R. Scott 
Lloyd, „Alumnus, 95, Returns to 
High School", Church News, 12. Juni 
1993, 13. 

25. Jona 4:11. 
26. Jakobus 1:8. 

27. Zitiert von Eider Hans B. Ringger, 
Frühjahrs-Generalkonferenz 1990. 
28.Johannes 7:17; siehe auch Vers 14-16. 



Erforsche mich, Gott, 
und erkenne mein Herz 



Präsident James E. Faust 

Zweiter Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft 



Durch die Verordnungen und die Bündnisse führt der Herr uns zum 
ewigen Leben. 



mein Gesetz in sie hinein und schrei- 
be es auf ihr Herz. Ich werde ihr Gott 
sein, und sie werden mein Volk sein." 1 

Dieser Bund erstreckt sich auf 
jeden Menschen aus jeder Rasse, 
der „auf Christus getauft" ist. 2 Wie 
Paulus sagt: „Wenn ihr aber zu 
Christus gehört, dann seid ihr 
Abrahams Nachkommen, Erben 
kraft seiner Verheißung." 3 

Ein Bund ist nicht bloß ein 
äußerliches Ritual. Er ist ein wirkli- 
ches und wirksames Mittel des 
Wandels. „Daß man von neuem ge- 
boren wird, geschieht durch 
Verordnungen mittels des Geistes 
Gottes." 4 Wir müssen die erretten- 
den Bündnisse, die wir mit dem 
Herrn schließen, immer ehren und 
heilig halten. Für den Fall, daß wir 
das tun, hat der Herr uns 
verheißen: „Du [wirst] Offenbarung 
um Offenbarung, Erkenntnis um 
Erkenntnis empfangen, damit du die 
Geheimnisse und das Friedfertige 
erkennen mögest - das, was Freude 
bringt, was ewiges Leben bringt." 5 

Viele Bündnisse sind für das 
Glücklichsein hier und im Jenseits 
unerläßlich. Zu den wichtigsten 
davon gehört der Ehebund zwischen 
Mann und Frau. Diesem Bund ent- 
springen die größten Freuden im 
Leben. 

Der Taufbund mit der dazu- 
gehörenden heiligen Handlung der 
Konfirmierung öffnet das Tor zum 
ewigen Leben. 

Zum Eid und Bund des 
Priestertums gehört die Verheißung, 




Meine liebe Brüder und 
Schwestern und Freunde, 
ich stehe voller Demut an 
diesem Pult, das im Laufe von über 
hundert Jahren durch das Wort 
Gottes geheiligt wurde, das in zahl- 
losen Botschaften gesprochen wurde 
und die Seele der Zuhörer geistig 
genährt hat. Im Einklang mit die- 
sem Vermächtnis bete ich, daß 
unser Herz für all das, was auf dieser 
Konferenz gesagt wird, offen ist. 

Heute möchte ich über die 
Segnungen sprechen, die den 
Bündnissen mit dem Herrn entsprin- 
gen. Mein Ausgangspunkt ist der 
Bund, den der Herr mit dem Haus 
Israel geschlossen hat: „Denn das 
wird der Bund sein, den ich nach die- 
sen Tagen mit dem Haus Israel 
schließe - Spruch des Herrn: Ich lege 



daß den würdigen Ältesten alles ge- 
geben wird, was der Vater hat. 6 

Die Tempelbündnisse sind die 
Grundlage für die größten 
Segnungen, die der Herr für uns be- 
reithält. 

Wir haben den großen Vorzug, 
am Abendmahl, dem Mahl des 
Herrn, teilzunehmen. Wenn wir den 
Taufbund erneuern, indem wir am 
Abendmahl teilnehmen, wird uns 
Schutz gegen allerart Böses zuteil. 
Wenn wir zum Gedächtnis an das 
Opfer des Erretters würdig vom ge- 
heiligten Brot und Wasser nehmen, 
bezeugen wir Gott, dem Vater, daß 
wir willens sind, den Namen seines 
Sohnes auf uns zu nehmen und 
immer an ihn zu denken und seine 
Gebote, die er uns gegeben hat, zu 
halten. Wenn wir das tun, wird sein 
Geist immer mit uns sein. 7 Wenn 
wir regelmäßig am Abendmahl teil- 
nehmen und diesen Bündnissen 
treu sind, wird das Gesetz in uns 
hineingelegt und auf unser Herz ge- 
schrieben sein. Ich möchte das an- 
hand eines Artikels aus der Zeitung 
Church News illustrieren. 

„Eine Gruppe von Religionslehrern 
nahm an einen Sommerkurs über das 
Leben des Erretters teil und konzen- 
trierte sich vor allem auf die 
Gleichnisse. 

Als die Zeit der Abschlußprüfung 
da war . . . kamen die Kursteilnehmer 
zum Klassenzimmer und fanden dort 
eine Notiz vor, daß die Prüfung in 
einem anderen Gebäude auf der an- 
deren Seite des Universitätsgeländes 
stattfinden sollte. Darüber hinaus 
hieß es in der Notiz, daß die Prüfung 
innerhalb von zwei Stunden ab eben 
dem Zeitpunkt abgeschlossen sein 
mußte. 

Die Kursteilnehmer eilten über 
das Universitätsgelände. Unterwegs 
liefen sie an einem kleinen 
Mädchen vorbei, das wegen eines 
platten Reifens an ihrem neuen 
Fahrrad weinte. Ein alter Mann 
humpelte am Stock mit Schmerzen 
auf die Bibliothek zu und ließ 
Bücher von dem Stapel fallen, den 
er mit der freien Hand zusammen- 
zuhalten suchte. Auf einer Bank saß 
ein schäbig gekleideter bärtiger 
Mann, der offensichlich in Not war. 



DER 



STERN 
18 



Als die Kursteilnehmer in den 
Prüfungsraum eilten, wurden sie 
vom Dozenten empfangen, der 
ihnen mitteilte, daß sie alle bei der 
Abschlußprüfung durchgefallen seien. 
Die einzig wahre Prüfung, ob sie 
das Leben und die Lehren des 
Erretters verstanden hätten, sagte 
er, bestehe darin, wie sie Menschen 
in Not begegneten. 

Die Wochen zu Füßen ihres fähi- 
gen Professors hatten sie viel von 
dem gelehrt, was Christus gesagt 
und getan hatte." 8 In ihrer Eile, die 
Formalitäten des Kurses hinter sich 
zu bringen, hatten sie jedoch 
die Anwendung nicht erkannt, 
die diese bewußt inszenierten 
Situationen darstellten. Sie lernten 
den Buchstaben, aber nicht den 
Geist. Daß sie das kleine Mädchen 
und die beiden Männer übersahen, 
zeigte, daß ihnen die tiefsinnige 
Botschaft des Kurses nicht ins Herz 
gedrungen war. 

Wir müssen gelegentlich unsere 
Seele erforschen und entdecken, 
wer wir wirklich sind. So sehr wir es 
uns auch wünschen, unser wahrer 
Charakter kann nicht verborgen 
bleiben. Er zeigt sich, so als ob wir 
durchsichtig wären. Wenn wir ver- 
suchen, andere zu täuschen, so täu- 
schen wir uns nur selbst. Wir sind 
oft wie der Kaiser im Märchen, der 
meinte, er sei in die schönsten 
Gewänder gekleidet, obgleich er 
bloß nackt war. 

Ich habe erlebt, wie die 
Glaubenstreue der Mitglieder zuge- 
nommen hat. Gemessen an festge- 
legten Kriterien kommt es zu 
größeren Kundgebungen der 
Glaubenstreue als je zuvor. An 
jedem x-beliebigen Sonntag nehmen 
prozentual mehr als doppelt so viele 
Menschen am Abendmahl teil wie 
in meiner Jugend. 

Wir versuchen, mit Hilfe der 
Großzügigkeit der glaubenstreuen 
Mitglieder, die das Gesetz des 
Fastens befolgen und am inspirier- 
ten Wohlfahrtsprogram teilnehmen, 
uns der Armen und Bedürftigen an- 
zunehmen. Humanitäre Hilfe jegli- 
cher Art im Wert von Millionen 
von Dollar ist schon in viele Länder 
gegangen, um Hunger und Leid zu 



lindern. Dies geschieht den 
Bedürfnissen entsprechend und 
ohne daß auf Rasse, Hautfarbe oder 
Religion geachtet wird. 

Immer mehr unserer Mitglieder 
erfreuen sich der Segnungen, die mit 
dem Befolgen des alten Gesetzes des 
Zehnten einhergehen. Sie geben dem 
Herrn freiwillig ein Zehntel dessen 
zurück, was er ihnen geschenkt hat. 
Hunderttausende mehr freuen sich 
daran, daß sie in den Tempel gehen 
können. Wir haben heute 58000 
Missionare auf Mission. Ich freue 
mich darüber und bin sicher, daß 
der Herr Gefallen daran hat. Aber 
ich frage mich, ob wir proportional 
dazu christlicher geworden sind. 
Entspringt unser Dienen einem rei- 
nen Herzen? 

Ich spreche davon, wie wichtig es 
ist, die Bündnisse einzuhalten, weil 
sie uns in einer Welt Schutz 
geben, die von zeiterprobten Werten 
abdriftet, die Freude und 
Glücklichsein bringen. In der 
Zukunft wird die Moral vielleicht 
sogar noch lockerer. Der grundle- 
gende Anstand in der Gesellschaft 
nimmt ab. In der Zukunft können 
unsere Mitglieder, vor allem unsere 
Kinder und Enkelkinder, damit 
rechnen, immer heftiger mit den 
Übeln von Sodom und Gomorra 
bombardiert zu werden. 
. Zu viele Familien zerbrechen. 
Das Gute wird böse und das Böse 
wird gut genannt. 9 Weil der Weg 
heute so leicht ist 10 , haben wir das 
Opfer und die Hingabe vergessen, 
die unsere Vorfahren, die Pioniere, 
uns so gut vorgelebt haben. Die 
Worte Wordsworths bringen dies gut 
zum Ausdruck: 

Die Welt ist zu sehr mit uns; früh 

und spät, 
unser Handel und Wandel zehrt an 

unsrer Macht: . . . 
Unser Herz ist verschenkt, welch 

schmutzige Freud'! . . . 
Dafür, für all dies, vergehn wir in 

der Nacht. 11 

Vielleicht ist es heute schwieri- 
ger, sich sittliche Kraft zu bewahren 
und den Winden des Bösen, die 
heftiger als je zuvor wehen, die Stirn 



zu bieten. Es wird ausgesiebt. Die 
modernen Gegenstücke zu Babel, 
Sodom und Gomorra werden heute 
verlockend und freizügig im 
Fernsehen, im Internet, im Kino, in 
Büchern und Zeitschriften sowie auf 
der Bühne gezeigt. 

Auf der letzten Generalkonferenz 
hat Präsident Gordon B. Hinckley uns 
davor gewarnt, daß wir in bestimmten 
Bereichen wie der Sonntagsheiligung, 
dem Zerfall der Familie und anderen 
Angelegenheiten allzusehr der 
Allgemeinheit anpassen. Er hat 

gesagt: 

„Wir haben uns in dieser Sache 
schon viel zu sehr der Allgemeinheit 
angepaßt. Natürlich gibt es überall 
gute Familien. Aber es gibt zu viele, 
die in Schwierigkeiten sind. Dies ist 
eine Krankheit, gegen die es ein 
Mittel gibt. Das Rezept ist einfach 
und wunderbar effektiv. Es ist 
Liebe." 12 

In unserer Gesellschaft sind viele 
heilige Werte im Namen der 
Meinungsfreiheit erodiert. Das 
Vulgäre und Obszöne wird im 
Namen der Redefreiheit beschützt. 
Das Gros der Gesellschaft ist 
dem Verhalten gegenüber, vor dem 
Jesus, Mose und der Prophet Joseph 
Smith seit dem Beginn der 
Menschheitsgeschichte gewarnt 
haben, toleranter geworden. 

Wir dürfen nicht zulassen, daß 
unsere persönlichen Werte erodie- 
ren, auch wenn andere meinen, wir 
seien eigentümlich. Wir sind immer 
schon als Volk des Eigentums be- 
trachtet worden. Jedoch ist es 
immer schon viel besser gewesen, 
geistig korrekt als politisch korrekt 
zu sein. Natürlich möchten wir als 
einzelne und als Kirche geliebt und 
geachtet sein. Aber wir können uns 
nicht der Allgemeinheit anpassen, 
wenn das bedeutet, daß wir die 
rechtschaffenen Grundsätze aufge- 
ben, die wie der Donner vom Sinai 
herabkamen und später vom 
Erretter weiterentwickelt und spä- 
ter auch von den neuzeitlichen 
Propheten gelehrt wurden. Wir dür- 
fen nur eines fürchten, nämlich: 
Gott und seinen Sohn, Jesus 
Christus, der diese Kirche führt, zu 
beleidigen. 



JULI 1998 
19 



Wie es auch immer aussieht, das 
Böse trägt eine Maske. Ich spreche 
von sexueller Unmoral. Ich spreche 
vom Glücksspiel, das vielerorts mit 
beschönigenden Namen belegt 
wird. Das ist typisch dafür, wie viele 
andere Formen des Übels maskiert 
werden, damit sie gesellschaftsfähi- 
ger werden. Da wird ein Verhalten 
maskiert, das durch die ganze 
Menschheitsgeschichte hin verur- 
teilt wurde, ein Verhalten, das die 
Familie, die Grundeinheit der 
Gesellschaft, zerstört. In der 
Proklamation an die Welt sagen die 
Erste Präsidentschaft und die Zwölf: 
„Wir . . . verkünden feierlich, daß 
die Ehe zwischen Mann und Frau 
von Gott verordnet ist und im Plan 
des Schöpfers für die ewige 
Bestimmung seiner Kinder die 
Familie im Mittelpunkt steht." 

Der Verlust der elterlichen 
Autorität untergräbt die wichtigste 
Institution der Gesellschaft - die 
Familie. 

Paulus sprach von den Menschen 
seiner Zeit, die zeigten, „daß ihnen 
die Forderung des Gesetzes ins Herz 
geschrieben ist". 13 Damit die 
Mitglieder der Kirche sich der 
Segnungen des Bundesvolks erfreu- 
en können, muß ihnen das Gesetz 
des Herrn ins Herz geschrieben sein. 
Wie kann dies geschehen, wenn so 
viele Stimmen unseren Kindern und 
Enkelkindern einreden, daß das 
Gute böse und das Böse gut ist? Wir 
hoffen, daß alle Väter und Mütter, 
alle Großväter und Großmütter im 
Halten der Gebote ein besseres 
Beispiel geben. Wir bitten jeden 
Ehemann und jede Ehefrau, sich 
etwas mehr Mühe zu geben und 
liebevoller und gütiger miteinander 
umzugehen. Wenn Vater und 
Mutter ihre Familie so weit wie 
möglich vor den vielen Einflüssen 
abschirmen, die uns zusetzen, 
dann bleiben ihre Kinder eher 
davor bewahrt. Das tägliche 
Schriftstudium, das tägliche Gebet, 
der regelmäßige Familienabend, 
der Gehorsam gegenüber der 
Priestertumsvollmacht zu Hause 
und in der Kirche sind eine 
großartige Versicherung gegen den 
geistigen Verfall. 



Josua sprach unmißverständlich, 
als er sagte: „Ich aber und mein 
Haus, wir wollen dem Herrn dienen. 

Und das Volk sagte zu Josua: 
Dem Herrn, unseren Gott, wollen 
wir dienen und auf seine Stimme 
hören." 14 

Es steht uns frei, den Rat des 
Herrn und seiner Propheten anzu- 
nehmen oder zu verwerfen. Oft kri- 
tisieren diejenigen, die den 
Propheten nicht folgen wollen, die- 
jenigen, die ihnen folgen. 

Einige unserer Kritiker nennen 
diejenigen, die ihren geistigen 
Führern folgen, „geistlose Schafe". 
Jesus hat gesagt: „Wenn er alle seine 
Schafe hinausgetrieben hat, geht er 
ihnen voraus, und die Schafe folgen 
ihm; denn sie kennen seine 
Stimme. 

Einem Fremden aber werden sie 
nicht folgen, sondern sie werden vor 
ihm fliehen, weil sie die Stimme des 
Fremden nicht kennen." 15 

All dies hat natürlich nicht in 
unserer Generation begonnen. Seit 
dem Anbeginn liegen die Einflüsse 
und die Kräfte des Satans mit Gott 
im Streit. Der Satan, der große 
Lügner, sagte: „Ich bin auch ein 
Sohn Gottes." 16 Der Satan be- 
drängte die Kinder Adams, nicht 
an das zu glauben, was von Gott 
kam, „und sie liebten den Satan 
mehr als Gott. Und von der Zeit 
an fingen die Menschen an, 
fleischlich, sinnlich und teuflisch 
zu sein." 17 Die Rechtfertigung ist 
offensichtlich, daß es jeder tut. Es 
ist einfach „in". 

Die Verordnungen und die 
Bündnisse helfen uns, uns daran 
zu erinnern, wer wir sind und welche 
Pflicht wir Gott gegenüber haben. 
Durch sie führt uns Gott zum ewi- 
gen Leben. Wenn wir sie achten, 
schenkt er uns vermehrte Kraft. 

Eider James E. Talmage hat be- 
stätigt, daß jemand, der wirklich 
Glauben hat, „mit der Gottesliebe 
in der Seele ein Leben des Dienens 
und der Rechtschaffenheit führt, 
ohne sich zu fragen, welche Regel 
oder welches Gesetzes eine Handlung 
vorschreibt oder verbietet." 18 

In unserer Welt, in der wir und 
unsere Familie von allen Seiten vom 



Bösen bedrängt werden, wollen wir 
doch an diesen Rat Präsident 
Hinckleys denken: „Wenn unsere 
Mitglieder nur lernen könnten, die- 
sen Bündnissen entsprechend zu 
leben, würde alles andere von sich 
aus in Ordnung kommen." 19 

Einem glaubenstreuen Mitglied der 
Kirche, das seinen Bündnissen mit 
dem Herrn treu ist, braucht nicht 
jedes Jota und Pünktchen vorgegeben 
zu werden. Das christliche Verhalten 
entspringt dem Innersten seines 
Herzen und seiner Seele. So jemand 
wird vom Heiligen Geist geführt, der 
in den Evangeliumsverordnungen 
verheißen wird. Unsere größte 
Hoffnung sollte darin bestehen, die 
Heiligung zu erfahren, die sich aus 
dieser göttlichen Führung ergibt; am 
meisten sollten wir uns davor fürch- 
ten, diese Segnungen zu verwirken. 
Mögen wir so leben, daß wir wie der 
Psalmist sagen können: „Erforsche 
mich, Gott, und erkenne mein 
Herz." 20 Darum bete ich im Namen 
Jesu Christi, amen. D 

FUSSNOTEN 

1. Jeremia 31:33. 

2. Galater3:27. 

3. Galater3:29. 

4. Lehren des Propheten Joseph Smith, 
Hg. Joseph Fielding Smith (1976), 
162. 

5. LuB 42:61. 

6. Siehe LuB 84:38. 

7. Siehe LuB 20:77, 79. 

8. „Viewpoint: Too Hurried to Serve?" 
ChurchNews, 1. Oktober 1988, 16. 

9. Siehe Jesaja 5:20. 

10. Alma 37:46. 

1 1. William Wordsworth, „The World," 
in The Oxford Book of English Verse, 
Hg. Sir Arthur Quiller-Couch 
(1939), 626. 

12. „Blickt nach vorn," Der Stern, Januar 
1998,71. 

13. Römer 2:15. 

14. Josua 24:15,24, 

15. Johannes 10:4,5; siehe auch Vers 
11,14,15,27. 

16.Mose5:13. 

17.Mose5:13. 

18. In Conference Report, April 1905, 78. 

\9.Teachings of Gordon ß. Hinckley 

(1997), 147. 
20. Psalm 139:23. 



DER STERN 
20 



Versammlung am Samstagnachmittag 

4. April 1998 



Die Bestätigung der 
Beamten der Kirche 



Präsident James E. Faust 

Zweiter Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft 




Meine Brüder und Schwestern, 
Präsident Hinckley hat 
darum gebeten, daß ich 
Ihnen die Generalautoritäten, die 
Gebietsautoritäten-Siebziger, und die 
leitenden Beamten der Kirche zur 
Bestätigung vorlege. 

Es wird vorgeschlagen, daß 
wir Gordon Bitner Hinckley als 
Propheten, Seher und Offenbarer 
und als Präsidenten der Kirche Jesu 
Christi der Heiligen der Letzten 
Tage bestätigen, Thomas Spencer 
Monson als Ersten Ratgeber in der 
Ersten Präsidentschaft und James 
Esdras Faust als Zweiten Ratgeber 
in der Ersten Präsidentschaft. Wer 
dem zustimmt, zeige es. Wer dage- 
gen ist, zeige es. 

Es wird vorgeschlagen, daß wir 
Thomas Spencer Monson als 
Präsidenten des Kollegiums der 
Zwölf Apostel vorschlagen, Boyd 
Kenneth Packer als Amtierenden 



Präsidenten des Kollegiums der 
Zwölf Apostel und die folgenden als 
Mitglieder dieses Kollegiums: Boyd 
K. Packer, L. Tom Perry, David B. 
Haight, Neal A. Maxwell, Russell M. 
Nelson, Daliin H. Oaks, M. Russell 
Ballard, Joseph B. Wirthlin, Richard 
G. Scott, Robert D. Haies, Jeffrey R. 
Holland und Henry B. Eyring. Wer 
dem zustimmt, zeige es bitte. Ist je- 
mand dagegen? 

Es wird vorgeschlagen, daß 
wir die Ratgeber in der Ersten 
Präsidentschaft und die Zwölf Apostel 
als Propheten, Seher und Offenbarer 
bestätigen. Wer dem zustimmt, zeige 
es. Wer dagegen ist, zeige es. 

Es wird vorgeschlagen, daß 
wir Eider Sheldon F. Child, Eider 
Quentin L. Cook und Eider 
Francisco J. Viüas als Mitglieder des 
Ersten Siebzigerkollegiums bestäti- 
gen. Wer dem zustimmt, zeige es 
bitte. Ist jemand dagegen? 

Es wird vorgeschlagen, daß wir 
Eider Athos M. Amorin, Eider E Ray 



Bateman, Eider Val R. Christensen, 
Eider Ronald T. Halverson, Eider Earl 
M. Monson, Eider Merrill C. Oaks, 
Eider H. Bryan Richards, Eider Ned 
B. Roueche, Eider D. Lee Tobler, 
Eider Gordon T Watts, Eider Stephen 
A. West, Eider Robert J. Whetten und 
Eider Ray H. Wood als Mitglieder des 
Zweiten Siebzigerkollegiums bestäti- 
gen. Wer dem zustimmt, zeige es. Wer 
dagegen ist, zeige es. 

Es wird vorgeschlagen, daß wir die 
folgenden als Gebietsautoritäten- 
Siebziger bestätigen: Henry F. 
Acebedo, Juan A. Alvaradejo, 
Modesto M. Amistad jun., Horacio P 
Araya, Gustavo A. Barrios, Craig A. 
Bullock, Adhemar Damiani, Edgardo 
E. Fernando, Franz R. Gaag, Daniel 
L. Johnson, Wilfredo R. Lopez, Jairo 
Mazzagardi, Jesus Nieves, Adrian 
Ochoa, Emmanuel O. Opare Sen. 
und Willy F. Zuzunaga. Wer dem zu- 
stimmt, zeige es bitte. Wer dagegen 
ist, zeige es bitte. 

Es wird vorgeschlagen, daß wir 
die übrigen Generalautoritäten, 
Gebiets au tori täten- Siebziger 
und die Präsidentschaften der 
Hilfsorganisationen, die derzeit im 
Amt sind, bestätigen. Wer dem zu- 
stimmt, zeige es bitte. Wer dagegen 
ist, zeige es bitte. 

Anscheinend ist die Bestätigung 
einstimmig erfolgt. Danke, Brüder 
und Schwestern, für Ihren Glauben 
und Ihre Gebete. 

Wir bitten jetzt die neuberufe- 
nen Mitglieder des Zweiten 
Siebzigerkollegiums, ihren Platz auf 
dem Podium einzunehmen. D 




JULI 1998 
21 



Der Bericht des 
Buchprüfungskomitees der Kirche 



Vorgelegt von Ted E. Davis 

Vorsitzender des Buchprüfungskomitees der Kirche 



An die Erste Präsidentschaft der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage 



Liebe Brüder, 
Das Buchprüfungskomitee der 
Kirche besteht aus drei Mitgliedern, 
die von allen Beamten, Angestellten, 
Abteilungen und Unternehmungen 
der Kirche unabhängig sind. Wir un- 
terstehen direkt der Ersten 
Präsidentschaft und haben Zugang 
zu allen Aufzeichnungen und 
Angestellten, soweit es nötig ist, um 
unsere Aufgaben erfüllen zu können. 

Die Kirche hat außerdem eine 
Buchprüfungsabteilung, die von allen 
anderen Unternehmungen und 
Abteilungen der Kirche unabhängig 
ist. Die Buchprüfungsabteilung der 
Kirche besteht unabhängig vom 
Buchprüfungskomitee der Kirche. 
Die Mitarbeiter der Buchprüfungsab- 
teilung der Kirche sind amtlich zuge- 
lassene Wirtschaftsprüfer und 
ähnlich qualifizierte Buchprüfer. 
Diese Abteilung hat für die Buchprü- 
fung der Unternehmungen der Kirche 
entsprechend den anerkannten pro- 
fessionellen Buchprüfungsstandards 
Verfahrensweisen etabliert. Dazu 
gehört die Überwachung der 
Spendeneingänge und Ausgaben der 
örtlichen kirchlichen Einheiten. 

Das Buchprüfungskomitee der 
Kirche hat die Finanzrichtlinien und 
-Verfahrensweisen, die die Kontrolle 
über die Spendeneingänge und 
Ausgaben der kirchlichen Fonds si- 
chern und die die Besitzstände der 
Kirche sichern, überprüft. Wir haben 
außerdem die Budgetierung, die 
Buchhaltung und die Berichts- 
führung sowie die Buchprüfsysteme 
und Berichte der Kirche für das Jahr, 
das am 31. Dezember 1997 zu Ende 
ging, überprüft. Die Ausgaben aus 
den Fonds der Kirche für 1997 wur- 
den vom Rat zu Verwendung der 
Zehntengelder, dem, wie laut 
Offenbarung vorgeschrieben, die 



Erste Präsidentschaft, das Kollegium 
der Zwölf Apostel und die 
Präsidierende Bischofschaft an- 
gehören, genehmigt. Die Verwaltung 
der genehmigten Budgets wird von 
der Budgetabteilung gesteuert, die 
dem Komitee zur Bewilligung von 
Geldern und dem Budgetkomitee 
untersteht. 

Die kircheneigenen Unternehmen 
werden von Fachleuten geleitet, die 
unabhängigen Aufsichtsräten unter- 
stehen, denen keine Generalautoritä- 
ten angehören. Diese Firmen haben 
entsprechend den üblichen geschäft- 
lichen Gepflogenheiten ihr eigenes 
Buchhaltungs- und Berichtssystem. 
Bei ihnen wird die Buchprüfung von 
der Buchprüfungsabteilung der 
Kirche und/oder von unabhängigen 
Wirtschaftsprüfungsfirmen vorge- 
nommen. Die Brigham Young 
University und die übrigen Hochschu- 
len werden von unabhängigen 
Wirtschaftsprüfungsfirmen überprüft. 

Gestützt auf die Überprüfung der 
Finanz- und Verwaltungsrichtlinien 
und -bestimmungen sowie auf die 
Überprüfung aller Buchprüfungsbe- 
richte, die 1997 erstellt worden sind, 
und die Reaktionen darauf, ist das 
Buchprüfungskomitee der Kirche der 
Meinung, daß die Gelder der Kirche, 
die in dem Jahr, das am 31. Dezember 
1997 zu Ende ging, eingenommen 
und ausgegeben worden sind, in 
jeder wirtschaftlichen Hinsicht im 
Einklang mit den geltenden Richtli- 
nien und Bestimmungen der Kirche 
verwaltet und verbucht worden sind. 

Hochachtungsvoll 

Das Buchprüfungskomitee der 

Kirche 

Ted E. Davis, Vorsitzender 

Donald D. Salmon 

Frank M. McCord D 



Statistischer 
Bericht 1997 



Vorgelegt von F. Michael Watson 

Sekretär der Ersten Präsidentschaft 



Brüder und Schwestern, zur 
Information der Mitglieder der 
Kirche hat die Erste Präsidentschaft 
den folgenden statistischen Bericht 
über Wachstum und Stand der 
Kirche herausgegeben. Stichtag ist 
der 31. Dezember 1997. Die Zahlen 
beruhen auf den Berichten, die uns 
bis zur Konferenz zur Verfügung 
standen. 

EINHEITEN DER KIRCHE 

Pfähle 2424 

Distrikte 649 

Missionen 318 

Gemeinden und Zweige 24670 

Diese Gemeinden und Zweige befin- 
den sich in 143 Ländern und 19 
Territorien und Liegenschaften. 

MITGLIEDER DER KIRCHE 

Gesamtmitgliederzahlen. 10 070 524 
Achtjährige, 

die 1997 getauft wurden 75 214 

Bekehrtentaufen 317 798 

MISSIONARE 

Vbllzeitmissionare 56 531 

BEKANNTE MITGLIEDER DER KIRCHE, 
DIE SEIT DEM LETZTEN APRIL 
VERSTORBEN SIND 

Eider Paul H. Dünn, emeritierte 
Generalautorität, Eider Oscar H. 
Aguayo, Gebietsautorität-Siebziger, 
Schwester Helen Kearnes Richards, 
Witwe von Eider Franklin D. 
Richards, einem früheren Mitglied 
der Präsidentschaft der Siebziger, 
Schwester Janet Elaine Weech 
Sorensen, Frau von Eider Lynn A. 
Sorensen, einem früheren Mitglied 
der Siebziger, Schwester Carma 
Neilsen Cutler, Witwe von Eider 
Clinton L. Cutler, einem früheren 
Mitglied der Siebziger, und 
Schwester Maurine Johnson Turley, 
ehemalige Ratgeberin in der JD- 
Präsidentschaft. D 



DER STERN 

22 



Die Glaubensartikel 



Eider L. Tom Perry 

vom Kollegium der Zwölf Apostel 



Wenn Sie sich in Ihrer Beschäftigung mit der Lehre des Erretters von ihnen 
leiten lassen, werden Sie merken, daß Sie bereit sind, von der 
Wiederherstellung der wahren Kirche des Herrn Zeugnis zu geben. 



Kirche Jesu Christi konfirmiert wor- 
den ist, haben wir dem Herrn mit 
einem Bund gelobt, uns daran zu be- 
teiligen, seinen Kindern die 
Evangeliumsbotschaft zu bringen. 
Ich habe über diese erneute 
Möglichkeit, die sich uns da bietet, 
nachgedacht und mich geprüft: 
Inwieweit bin ich bereit, zum Aufbau 
des Reiches Gottes beizutragen? 

Als ich so über mich nachdachte, 
fiel mir ein, was ich im Alter von 3 
bis 12 Jahren in der PV gelernt 
habe. Die PV hatte einen großen 
Einfluß auf mein Leben und hat un- 
termauert, was mich meine guten 
Eltern gelehrt haben. Bevor ich das 
Aaronische Priestertum empfing, zu 
den Pfadfindern gehen oder die 
Sonntagsschule der Großen besu- 
chen konnte, mußte ich erst den 
PV-Abschluß erhalten. Dazu war 
unter anderem erforderlich, daß 
ich die Namen der damaligen 
zwölf Apostel und die dreizehn 
Glaubensartikel aufsagen konnte. 
Ich mußte in der Abendmahlsver- 
sammlung vorn neben dem Bischof 
stehen und auf das antworten, was 
er mich fragte. Damit bewies ich, 
daß ich alles Notwendige für den 
PV-Abschluß getan hatte. Ich 
wußte, daß der Bischof das Kind für 
gewöhnlich bat, einen Glaubensarti- 
kel aufzusagen oder die Namen der 
zwölf Apostel zu nennen. Der 
Bischof war mein Vater, und Sie 
können sicher sein, daß er es mir 
nicht leicht gemacht hat! Er hat 
mich nämlich gebeten, den drei- 
zehnten Glaubensartikel aufzusa- 
gen, den längsten von allen, und 




Das Jahr 1997 war ein wun- 
derbares Jahr für die Kirche. 
Die 150-Jahrfeier zu Ehren 
der Ankunft der Mormonenpioniere 
im Salt Lake Valley hat in aller Welt 
Beachtung gefunden. Über unsere 
Geschichte wurde in Zeitungen und 
Zeitschriften, im Fernsehen und im 
Radio berichtet. Das war eine 
großartige Möglichkeit für die 
Menschen in aller Welt, etwas über 
uns zu erfahren. Jetzt liegt es an uns, 
ob wir das als einmaliges 
Medienereignis abtun oder ob wir 
daraus eine Gelegenheit machen, 
unserem Auftrag, jeder Nation, 
jedem Geschlecht, jeder Sprache 
und jedem Volk das Evangelium zu 
verkündigen, besser nachzukommen. 
Ich bin mir sicher, daß der Herr 
von uns letzteres erwartet. Als jeder 
von uns aus dem Wasser der Taufe 
gestiegen und als Mitglied der 



erst dann hat er mir meine 
Aufstiegsurkunde überreicht. 

Als ich darüber nachsann, über- 
legte ich, wie gut ich diese beiden 
Prüfungen heute noch bestehen 
würde. Ich fand heraus, daß ich die 
Namen der damaligen Zwölf 
Apostel noch immer auswendig 
wußte - Rudger Clawson, Reed 
Smoot, George Albert Smith, 
George F. Richards, David O. 
McKay, Joseph Fielding Smith, 
Stephen L Richards, Richard R. 
Lyman, Melvin J. Ballard, John A. 
Widtsoe, Joseph F. Merrill und 
Charles A. Callis. Aber nach den 
ersten fünf Glaubensartikeln hatte 
ich schon Mühe, ihre Reihenfolge 
und den genauen Inhalt wiederzu- 
geben. Ich beschloß, dagegen etwas 
zu tun. Ich fotokopierte die 
Glaubensartikel aus meinen heiligen 
Schriften und hängte sie im Bad auf, 
wo ich sie jeden Morgen beim 
Zähneputzen und Rasieren sehen 
konnte. Nach ein paar Tagen konn- 
te ich sie wieder ganz auswendig. 
Dieses Erlebnis hat mich in meiner 
Überzeugung bestärkt, daß die 
Glaubensartikel dem Propheten 
Joseph Smith durch Offenbarung 
gegeben wurden. Ich bin zu dem 
Schluß gekommen, daß ich, wenn 
ich mich mit der Aussage der einzel- 
nen Glaubensartikel befasse, jeden 
Evangeliumsgrundsatz darlegen oder 
verteidigen kann, wenn ich die 
Gelegenheit habe, jemandem, der 
nach der Wahrheit sucht, zu helfen. 
Welch großer Segen es doch wäre, 
wenn jedes Mitglied der Kirche die 
Glaubensartikel auswendig wüßte 
und sich in die darin enthaltenen 
Grundsätze vertiefte. Wir könnten 
unseren Mitmenschen dann besser 
vom Evangelium erzählen. 

Gehen wir doch einmal dem 
Ursprung der Glaubensartikel nach: 
Der Prophet Joseph Smith wurde 
häufig gebeten, die Lehren 
und Bräuche des Mormonismus 
zu erklären. „John Wentworth, 
Herausgeber des Chicago Democrat, 
bat Joseph Smith, ihm eine kurze 
Beschreibung ,des Ursprungs, des 
Fortschritts, der Verfolgung und des 
Glaubens der Heiligen der Letzten 
Tage zu geben." Wentworth kam ur- 



JULI 1 

23 



9 9 8 



sprünglich aus New Hampshire und 
wünschte diese Information, um 
einem Freund bei der Zusammenstel- 
lung einer Geschichte seines 
Heimatstaates zu helfen. „Joseph 
Smith kam dieser Bitte nach und 
sandte Wentworth ein mehrseitiges 
Dokument, das einen Bericht über 
viele Ereignisse aus der Frühgeschich- 
te der Wiederherstellung enthielt, 
einschließlich der ersten Vision und 
des Hervorkommens des Buches 
Mormon. Das Dokument enthielt 
auch 13 Aussagen, die umreißen, 
woran die Heiligen der Letzten Tage 
glauben, und die als die Glaubensarti- 
kel bekannt wurden." Wentworth ver- 
öffentlichte diese Informationen nicht 
im Chicago Democrat, aber die Zeitung 
der Kirche, Times and Seasons, veröf- 
fentlichte sie im März 1842. „1851 
wurden die Glaubensartikel in die 
erste Ausgabe der Köstlichen Perle 
aufgenommen, die in der Britischen 
Mission veröffentlicht wurde. 
Nachdem die Köstliche Perle 
1878 überarbeitet und 1880 kano- 
nisiert worden war, wurden die 
Glaubensartikel offizielle Lehre der 
Kirche." (Die Geschichte der Kirche in 
der Fülle der Zeiten, 25 6f.) 

Vielleicht ist es gut, kurz den 
Inhalt eines jedes Glaubensartikels 
zu wiederholen, damit wir sie uns 
leichter merken und sie verwenden 
können, um einem anderen die 
grundlegenden Lehren der Kirche 
erklären zu können. 

Der erste Glaubensartikel spricht 
von unserem Glauben an Gott, den 
ewigen Vater, und an seinen Sohn, 
Jesus Christus, und an den Heiligen 
Geist. 

Wie dankbar wir doch sind, daß 
wir wissen, daß diese Welt von 
einem höheren Wesen gelenkt und 
regiert wird. Unser Glaube gründet 
sich nicht auf menschliche Überle- 
gungen, die Existenz oder das 
Wesen Gottes betreffend, sondern 
ist Ergebnis eines Erlebnisses, das 
der Prophet Joseph Smith im heili- 
gen Wald gehabt hat. Der Welt 
wurde gezeigt, daß Gott der Vater, 
Gott der Sohn und Gott der Heilige 
Geist tatsächlich existieren. Aller 
Welt wurde in einer Vision kundge- 
tan, daß der große präsidierende Rat 



des Universums aus drei Wesen be- 
steht, die sich dem Menschen als 
drei getrennte Wesen kundtun und 
von denen jedes vom anderen un- 
terschieden werden kann, wie dies 
in dem allgemein akzeptierten 
Bericht ihres göttlichen Wirkens 
unter den Menschen beschrieben 
wird. Wir kennen ja die Fälle, als sie 
sich den Menschen als drei getrenn- 
te Wesen kundgetan haben. Daraus 
geht hervor, daß der Vater ein ei- 
genständiges Wesen ist, eine kon- 
krete Form hat, einen Körper sowie 
alle Gliedmaßen und geistige 
Empfindungen besitzt. Jesus 
Christus war als Geist beim Vater, 
bevor er auf die Erde kam, um in 
einem irdischen Körper zu leben, 
und durch ihn sind die Welten er- 
schaffen worden. Auf der Erde hat er 
als Mensch unter Menschen gelebt 
und alle physischen Eigenschaften 
eines Menschen besessen. Nach sei- 
ner Auferstehung ist er in gleicher 
Gestalt erschienen. Der Heilige Geist 
wird auch Geist oder Geist des 
Herrn, Geist Gottes, Tröster oder 
Geist der Wahrheit genannt. Er hat 
keinen Körper aus Fleisch und 
Gebein, sondern ist eine Person aus 



Geist. Der Heilige Geist tritt als 
Zeuge für den Vater und den Sohn 
auf und verdeutlicht dem Menschen 
deren Eigenschaften und gibt 
Zeugnis von den beiden anderen 
Personen der Gottheit. 

Im zweiten und im dritten 
Glaubensartikel wird unser Glaube an 
das Sühnopfer unseres Herrn und 
Erretters Jesus Christus behandelt, 
und es steht dort, daß durch ihn jeder 
Mensch mit Unsterblichkeit gesegnet 
wird. Es wird darin erklärt, daß wir 
dafür verantwortlich sind, ihn als un- 
seren Erretter anzunehmen, und daß 
wir nur für unsere eigenen Sünden 
verantwortlich sind und nicht für die 
Übertretung Adams (siehe den 2. 
Glaubensartikel) . 

Der vierte und fünfte Glaubensar- 
tikel besagt, daß wir daran glauben, 
daß die ersten Grundsätze des 
Evangeliums der Glaube an den 
Herrn Jesus Christus und die Umkehr 
sind. Es heißt darin weiter, daß die er- 
sten Verordnungen des Evangeliums 
die Taufe und die Gabe des Heiligen 
Geistes sind. Diese Verordnungen 
werden durch Männer vollzogen, die 
„durch Prophezeiung und das 
Händeauflegen derer, die Vollmacht 



Das Seemövendenkmal auf dem Tempelplatz ist ein beliebter Treffpunkt für die Konferenzbesucher. 




DER 



STERN 
24 



haben, von Gott berufen werden" und 
die entsprechende Vollmacht besitzen 
(siehe den 5. Glaubensartikel). 

Wir glauben, daß der Herr schon 
immer einen Plan für seine Kinder 
auf der Erde gehabt hat. Zu bestimm- 
ten Zeiten sollte das Priestertum auf 
der Erde sein, damit die Menschen 
mit der Vollmacht gesegnet seien, die 
heiligen Handlungen zu vollziehen, 
wodurch der Mensch beweist, daß er 
dem Willen Gottes gehorsam ist. Es 
waren Prüfungen vorgesehen, die uns 
bei jedem Schritt hin zur größten 
aller Gaben Gottes, ewigem Leben, 
begleiten sollen. Es ist also von 
grundlegender Bedeutung, daß wir an 
seinen Plan und an sein Gesetz 
glauben, daß wir rein und heilig sind 
und von unseren Sünden umkeh- 
ren, daß wir die heilige Handlung 
der Taufe, die für die Zulassung in 
sein celestiales Reich erforderlich 
ist, annehmen und daß wir nach der 
Taufe die große Gabe, nämlich den 
Tröster, empfangen, damit er mit 
uns sei und uns durch die 
Sterblichkeit geleite. All das ge- 
schieht mit der Vollmacht, die die 
Menschen von Gott erhalten haben. 
Jeder Mann, der eine heilige 
Handlung vollzieht, kann diese 
Vollmacht direkt auf den Herrn 
zurückführen, der den Menschen 
dieses Recht eingeräumt hat. 

Ausgehend von der Grundlage, die 
in den ersten fünf Glaubensartikeln 
gelegt wird, erklärt uns der sechste 
Glaubensartikel, daß eine 
Organisation notwendig ist und daß 
die gleiche Organisation, die schon in 
der Urkirche bestanden hat, wieder- 
hergestellt worden ist. Die wiederher- 
gestellte Kirche besteht heute auf der 
Erde — zusammen mit der heiligen 
Vollmacht, die bei der Wiederherstel- 
lung des heiligen Priestertums über- 
tragen wurde. 

Im siebten und im neunten 
Glaubensartikel wird dargelegt, daß 
die Himmel nicht verschlossen sind, 
daß Gott auch weiterhin den 
Menschen seinen Willen kundtut, so 
wie er dies in der Vergangenheit 
getan hat und es in Zukunft tun 
wird. Die Menschen erhalten heute 
geistige Gaben, wie es auch in der 
Vergangenheit der Fall war. 



Im achten Glaubensartikel wird 
dargelegt, daß wir daran glauben, 
daß die Bibel, soweit richtig über- 
setzt, das Wort Gottes ist. Wir glau- 
ben auch daran, daß das Buch 
Mormon das Wort Gottes ist. Das 
Buch Mormon ist ein weiterer 
Zeuge, der die Wahrheit der heiligen 
Schriften, wie in der Bibel enthal- 
ten, bezeugt. Der Herr hat aufgrund 
seines göttlichen Plans für die 
Wiederherstellung des Evangeliums 
in den Letzten Tagen das Buch 
Mormon hervorgebracht — als weite- 
ren Zeugen für die Mission unseres 
Herrn und Erretters. Es ist 
außerdem ein religiöser Geschichts- 
bericht, der für jedes Kind des 
himmlischen Vaters sehr wichtig ist. 
Im zehnten Glaubensartikel geht 
es um unseren Glauben an die buch- 
stäbliche Sammlung Israels und 
daran, daß Zion erneut aufgerichtet 
und daß Christus wiederkehren und 
persönlich auf der Erde regieren 
wird. Im Juni 1830 machte sich 
Samuel Smith, der Bruder des 
Propheten, auf die erste Missionsrei- 
se, um zu verkünden, daß das Buch 
Mormon wahr ist. Damals begann 
die Sammlung Israels. Die Botschaft 
ging vom Berg Zion aus an die 
Völker der Erde, daß nämlich das 
Evangelium wiederhergestellt wor- 
den ist. Heute dauert dieses Werk, 
die Sammlung der Kinder unseres 
himmlischen Vaters, weiter an, und 
wir bereiten uns darauf vor, daß der 
Herr schließlich erscheinen und tau- 
send Jahre auf der Erde regieren 
wird. Wir sind eifrig und jeder für 
sich bestrebt, bei dieser großen buch- 
stäblichen Sammlung mitzuhelfen, 
indem wir unseren Freunden und 
Nachbarn und den Menschen in 
aller Welt von seinem immerwähren- 
den Evangelium berichten. 

Im elften und im zwölften 
Glaubensartikel kommt unser Glaube 
an Religionsfreiheit, Toleranz und 
Entscheidungsfreiheit zum Ausdruck. 
Die Entscheidungsfreiheit ist eine der 
großen Gaben Gottes an seine 
Kinder. Sie ermöglicht es jedem 
Menschen, sich selbst zu entscheiden 
und sich die Errettung zu erarbeiten. 
Es kommt darin auch zum Ausdruck, 
daß eine weltliche Regierung not- 



wendig ist und daß wir die 
Landesgesetze befolgen, sie achten 
und für sie eintreten (siehe den 12. 
Glaubensartikel) . 

Der dreizehnte Glaubensartikel 
betont eingehend, wie wir leben und 
wie wir uns den Menschen auf der 
Erde gegenüber verhalten sollen. Er 
lautet: ,Wir glauben, daß es recht ist, 
ehrlich, treu, keusch, gütig und tu- 
gendhaft zu sein und allen Menschen 
Gutes zu tun; ja, wir können sagen, 
daß wir der Ermahnung des Paulus 
folgen - wir glauben alles, wir hoffen 
alles, wir haben viel ertragen und 
hoffen, alles ertragen zu können. 
Wenn es etwas Tugendhaftes oder 
Liebenswertes gibt, wenn etwa guten 
Klang hat oder lobenswert ist, so 
trachten wir danach." 

Die Glaubensartikel sind keine 
Gemeinschaftsarbeit einer Gruppe 
von Wissenschaftlern, sondern sie 
wurden von einem einzelnen, inspi- 
rierten Mann verfaßt, der umfas- 
send und prägnant die wesentlichen 
Lehrpunkte des Evangeliums Jesu 
Christi darstellte. Es sind einfache, 
klare Aussagen über die Grundsätze 
unserer Religion, und sie sind ein 
deutlicher Beweis dafür, daß der 
Prophet Joseph Smith von Gott in- 
spiriert war. 

Ich fordere Sie alle auf, sich mit 
den Glaubensartikeln und den darin 
enthaltenen Lehren zu befassen. Sie 
wurden „zu einer der wichtigsten 
Aussagen über Inspiration, 
Geschichte und Lehre für die Kirche. 
. . . Jeder Artikel ist ein deutliche 
Aussage über die Unterschiede zwi- 
schen dem Mormonismus und [den 
Glaubensvorstellungen anderer 
Menschen in der Welt]." (Die 
Geschichte der Kirche in der Fülle der 
Zeiten, Seite 257.) Wenn Sie sich in 
Ihrer Beschäftigung mit der Lehre 
des Erretters von ihnen leiten lassen, 
werden Sie merken, daß Sie bereit 
sind, von der Wiederherstellung der 
wahren Kirche des Herrn Zeugnis zu 
geben. Sie werden voll Überzeugung 
sagen können: „Daran glauben wir." 

Ich bezeuge, daß diese beson 
deren, offenbarten Wahrheiten 
wahr sind, und tue dies im Namen 
unseres Herrn und Erretters, Jesus 
Christus, amen. D 



JULI 1998 
25 



„Ein Lehrer, der von 
Gott gekommen ist" 



Eider Jeffrey R. Holland 

vom Kollegium der Zwölf Apostel 



Dann müssen wir dafür sorgen, daß überragender Unterricht in der 
Kirche wieder den gebührenden Platz einnimmt — zu Hause, von der 
Kanzel, in unseren Sitzungen und natürlich in den Klassen. 



uns aufgerufen, unsere Mitglieder 
bei der Kirche zu halten, und zwar 
besonders die neubekehrten 
Mitglieder. In diesem Rahmen hat 
Präsident Hinckley daran erinnert, 
daß wir alle wenigstens dreierlei 
brauchen, um im Glauben fest zu 
bleiben, nämlich einen Freund, eine 
Aufgabe und daß wir „durch das 
gute Wort Gottes genährt" 2 werden. 
Inspirierte Unterweisung zu Hause 
und in der Kirche trägt dazu bei, daß 
dieses unabdingbare Element des 
„Nährens durch das gute Wort 
Gottes" zustande kommt. Wir sind all 
den Lehrern überaus dankbar. Wir 
lieben Sie und schätzen Sie mehr, als 
wir sagen können. Wir setzen großes 
Vertrauen in Sie. Gut zu unterrichten 
und zu spüren, daß sich Erfolg zeigt, 
ist in der Tat eine anspruchsvolle 
Aufgabe. Aber sie ist es wert. Es gibt 
für uns „keine größere Berufung." 3 
Gewiß findet sich überall die 
Gelegenheit, diese Berufung groß zu 
machen. Sie wird immer gebraucht. 
Väter, Mütter, Kleinkinder, Freunde, 
Missionare, Heimlehrer und 
Besuchslehrerinnen, Priestertums- 
und Hilfsorganisationsleiter, Klassen- 
lehrer - jeder von ihnen ist auf seine 
Weise zu unserer Schulung und unse- 
rer Errettung „von Gott gekommen." 
In dieser Kirche ist es praktisch un- 
möglich, jemanden zu finden, der 
nicht auf die eine oder andere Weise 
den anderen Mitgliedern der Herde 
ein Führer ist. Es wundert nicht, daß 
Paulus schreibt: „So hat Gott in der 
Kirche die einen als Apostel einge- 




Als Nikodemus Jesus zu 
Beginn seines Wirkens auf- 
suchte, sprach er für uns 
alle, als er sagte: „Rabbi, wir wissen, 
du bist ein Lehrer, der von Gott ge- 
kommen ist." 1 

Christus war natürlich viel mehr 
als ein Lehrer. Er war der Sohn 
Gottes selbst, der Heilige des ewigen 
Evangeliumsplans, der Erretter und 
Erlöser der Welt. 

Aber Nikodemus fing dort an, wo 
auch Sie und ich angefangen haben, 
da, wo jedes Kind, jeder Schüler und 
jedes neue Mitglied anfängt - er er- 
kannte den mitreißenden Lehrer, der 
die tiefsten Empfindungen des 
Herzens ansprach, und ging auf 
ihn zu. 

In den vergangenen Monaten 
hat Präsident Gordon B. Hinckley 



setzt, die andern als Propheten, die 
dritten als Lehrer." 4 

Für einen jeden von uns liegt der 
höchste und heilige Zweck des 
menschlichen Daseins gewiß darin, 
„zu Christus zu kommen" 5 , seine 
Gebote zu halten und seinem 
Beispiel gemäß zum Vater zurückzu- 
kehren. Anderen zu helfen, das 
ebenfalls zu tun - sie zu unterwei- 
sen, ihnen gut zuzureden und sie ge- 
be terfüllt auf dem Pfad der Umkehr 
zu leiten - ist gewiß die zweitgrößte 
Aufgabe unseres Lebens. Vielleicht 
hat Präsident David O. McKay 
darum einmal gesagt: „Niemand hat 
eine größere Verantwortung als je- 
mand, der Gottes Kinder unterrich- 
tet." 6 Wir sind tatsächlich ein wenig 
wie der Äthiopier, zu dem Philippus 
gesandt wurde. Wie er wissen auch 
wir vielleicht genug, um uns für 
Religion zu interessieren. Wir 
mögen uns in die heiligen Schriften 
versenken. Wir mögen sogar unsere 
irdischen Schätze aufgeben, aber 
ohne hinreichende Unterweisung 
verstehen wir vielleicht nicht, was 
das alles bedeutet, und übersehen, 
was sonst noch von uns verlangt 
wird. Folglich sagen wir genau wie 
jener mächtige Mann: „Wie könnte 
ich es [verstehen], wenn mich nie- 
mand anleitet?" 7 

Der Apostel Paulus lehrt: „Jeder, 
der den Namen des Herrn anruft, 
wird gerettet werden. [Doch] wie sol- 
len sie nun den anrufen, an den sie 
nicht glauben? Wie sollen sie an den 
glauben, von dem sie nichts gehört 
haben? So gründet der Glaube in der 
Botschaft, die Botschaft im Wort 
Christi." 8 Wenn also unser Prophet zu 
mehr Glauben durch das Hören der 
Botschaft aufruft, dann müssen wir 
dafür sorgen, daß überragender 
Unterricht in der Kirche wieder den 
gebührenden Platz einnimmt - zu 
Hause, von der Kanzel, in unseren 
Sitzungen und natürlich in den 
Klassen. Inspirierter Unterricht darf 
in der Kirche niemals zu einer verges- 
senen Kunst werden, und wir müssen 
sicherstellen, daß unser Streben da- 
nach niemals zu einer untergegange- 
nen Tradition wird. 

Präsident Spencer W Kimball hat 
einmal den folgenden Wunsch 



DER 



S T E 

26 



R N 



geäußert: „Pfahlpräsidenten, Bischöfe, 
Zweigpräsidenten: Bitte kümmern 
Sie sich besonders darum, daß der 
Unterricht in der Kirche verbessert 
wird. . . . Ich fürchte, es kommt viel 
zu häufig vor, daß Mitglieder zur 
Kirche kommen und den Unterricht 
oder die Versammlung absitzen und 
dann wieder nach Hause gehen, 
ohne daß sie sonderlich [inspiriert] 
worden wären. Besonders schlimm 
ist es, wenn [diese Mitglieder] gera- 
de unter Streß stehen, von 
Versuchung bedrängt werden oder 
eine Krise durchmachen. Wir alle 
haben es nötig, vom Geist berührt 
und genährt zu werden, und guter 
Unterricht ist dazu mit am besten ge- 
eignet. Wir bemühen uns oft mit 
aller Kraft darum, Menschen in die 
Kirche zu bekommen, kümmern uns 
dann aber nicht genügend um das, 
was ihnen dort angeboten wird." 9 
Präsident Hinckley hat zu diesem 
Thema einmal folgendes gesagt: 
„Guter Unterricht ist der Wesenskern 
der Führung in der Kirche." Das 
möchte ich wiederholen: Guter 
Unterricht ist der Wesenskern der 
Führung in der Kirche. Ewiges 
Leben", so fährt Präsident Hinckley 
fort, „kommt nur zustande, wenn die 
Menschen so gut unterrichtet werden, 
daß sie sich ändern und ihr Leben in 
den Griff bekommen. Man kann sie 
nicht zur Rechtschaffenheit oder in 
den Himmel zwingen. Sie müssen 
geführt werden, und das heißt 
Unterrichten." 10 

Mit zum letzten, was der Erretter 
seinen Jüngern sagte, und mit zum 
ersten, was er uns heute sagt, gehört: 
„Darum geht zu allen Völkern, ... 
und lehrt sie, alles zu befolgen, was 
ich euch geboten habe. Seid gewiß: 
Ich bin bei euch alle Tage bis zum 
Ende der Welt." 11 Zu Petrus, dem lei- 
tenden Apostel der Kirche, sagte 
Christus, als er auferstanden war 
und im Begriff war, zum Himmel 
aufzufahren: „Weide meine Lämmer! 
...Weide meine Schafe! ...Folge mir 
nach!" 12 

Bei all dem müssen wir uns vor 
Augen halten, daß Christus der 
Kirche nie einen nachdrücklicheren 
Rat gegeben hat als den, das 
Evangelium „durch den Geist [zu 



lehren] , nämlich durch den Tröster, 
der ausgesandt wurde, um die 
Wahrheit zu lehren." 

Lehren wir das Evangelium 
„durch den Geist der Wahrheit"? So 
lautete seine Frage. Oder lehren wir 
„auf eine andere Weise?" Und dann 
warnt er uns: ,JWenn es auf eine an- 
dere Weise geschieht, ist es nicht von 
Gott." 13 In einer Ausdrucks weise, die 
an andere Gebote erinnert, hat er ge- 
sagt: „Wenn ihr den Geist nicht emp- 
fangt, sollt ihr nicht lehren." 14 

Man kann nichts für die Ewigkeit 
lernen, ohne durch den Geist vom 
Himmel belebt zu sein. Wir Eltern, 
Lehrer und Führer müssen uns unse- 
rer Aufgabe so stellen, wie Mose sich 
dem gelobten Land gestellt hat. Da 
Mose wußte, daß er auf keine andere 
Weise Erfolg haben konnte, sagte er 
zu Jahwe: „Wenn dein Angesicht 
nicht mitgeht, dann führe uns lieber 
nicht von hier hinauf." 15 

Das ist doch ohnehin das, was un- 
sere Mitglieder wollen, wenn sie zu 
einer Versammlung oder zum 
Unterricht zusammenkommen. Die 
meisten Menschen kommen nicht 
nur zur Kirche, um ein paar neue 
Fakten über das Evangelium zu hören 
oder alte Freunde wiederzusehen, ob- 
wohl beides auch wichtig ist. Sie 
kommen um eines geistigen 
Erlebnisses willen. Sie wollen Frieden. 
Sie wollen ihren Glauben festigen 
und die Hoffnung erneuert haben. 
Kurz gesagt, sie wollen „durch das 
gute Wort Gottes genährt" und durch 




die Mächte des Himmels gestärkt 
werden. Wer unter uns aufgerufen 
wird, zu sprechen oder zu lehren, hat 
die Pflicht, so gut er kann, dafür zu 
sorgen. Das können wir aber nur, 
wenn wir bestrebt sind, Gott zu er- 
kennen, wenn wir unablässig um das 
Licht seines einziggezeugten Sohns 
bemüht sind. Wenn unser Herz dann 
recht ist, wenn wir so rein wie mög- 
lich sind, wenn wir gebetet und ge- 
weint und uns vorbereitet und uns 
Gedanken gemacht haben, bis wir 
nicht mehr wissen, was wir sonst 
noch tun könnten, dann kann Gott 
zu uns genau wie zu Alma und den 
Söhnen Mosias sagen: „Hebe dein 
Haupt empor und freue dich, . . . ich 
[werde dir] Erfolg schenken." 16 

Wir machen uns zu Recht 
Gedanken über jedes neue Mitglied; 
wir wollen, daß jedes einzelne bei uns 
bleibt und sich aller Segnungen der 
Kirche erfreut. Ich bin naiv genug zu 
glauben: Wenn wir sie weiter unterwei- 
sen - mit demselben Geist, der Über- 
zeugung, der Lehre und der 
persönlichen Anteilnahme, die ihnen 
christusgleich durch die Missionare 
zuteil geworden sind - , dann werden 
die neuen Mitglieder nicht nur bei 
uns bleiben, sondern man wird sie gar 
nicht von uns fernhalten können. 
Ganz offensichtlich ist es nötig, 
solchermaßen ständig und fundiert zu 
unterrichten. In Zeiten wie dieser 
brauchen wir das, was Mormon „die 
Kraft des Gotteswortes" nennt, denn 
„es hatte eine mächtigere Wirkung 
auf den Sinn des Volkes gehabt als das 
Schwert oder sonst etwas, was ihnen 
zugestoßen war." 17 Wenn wir Krisen 
durchmachen, und das werden wir, 
dann sind Menschenlehren vermischt 
mit ein paar Schriftstellen und 
Gedichten einfach nicht genug. 
Nähren wir unsere jungen Leute und 
die neuen Mitglieder so, daß sie dem 
Streß des Lebens gewachsen sein wer- 
den? Oder geben wir ihnen eine 
Art theologischen Würfelzucker, 
gewissermaßen leere geistige 
Kalorien? Solches Unterrichten hat 
John Taylor einmal „gebratenen 
Schaum" genannt — etwas, wovon 
man den ganzen Tag essen kann und 
am Ende noch genau so hungrig ist 
wie vorher. 18 In einem strengen 



JULI 1998 

27 



Winter vor ein paar Jahren stellte 
Präsident Boyd K. Packer fest, daß 
eine große Anzahl Rotwild verhungert 
war, obwohl es den Magen voller Heu 
hatte. In einem redlichen Bemühen 
um Hilfe hatte man den Tieren etwas 
Überflüssiges gegeben, wo sie doch 
etwas Nahrhaftes gebraucht hätten. 
Bedauerlicherweise hatte man die 
Tiere gefüttert, aber nicht ernährt. 

Mir gefällt sehr gut, was Präsident 
J. Reuben Clark vor mehr als einem 
halben Jahrhundert über unsere 
Jugendlichen gesagt hat. Das gleiche 
gilt für unsere neuen Mitglieder. „Sie 
hungern nach dem Geist Gottes", 
sagte Präsident Clark. „Ihnen liegt 
sehr daran, das Evangelium zu ler- 
nen, und zwar unverwässert, in aller 
Klarheit. ... Sie brauchen ihnen 
nicht auf leisen Sohlen zu kommen 
und ihnen Religion ins Ohr zu flu' 
stern. . . . Sie können frei und offen 
darüber sprechen." 19 

Der Satan ist mit seinen Lehren 
gewiß nicht zurückhaltend; warum 
sollten wir es sein? Ob wir nun zu 
Hause unsere Kinder unterweisen 
oder vor der Gemeinde stehen - sor- 
gen wir dafür, daß unser Glaube nie- 
mals schwer zu entdecken ist. 
Denken Sie daran: wir sollen Lehrer 
sein, die „von Gott gekommen" sind. 
Säen Sie niemals Zweifel. Vermeiden 
Sie Effekthascherei und Eitelkeiten. 
Bereiten Sie sich gut auf den 
Unterricht vor. Gründen Sie Ihre 
Ansprachen auf die heiligen 
Schriften. Lehren Sie die offenbarte 
Lehre. Geben Sie von Herzen 
Zeugnis. Beten Sie, üben Sie, versu- 
chen Sie, sich zu verbessern. In un- 
seren Sitzungen müssen wir einander 
unterweisen und erbauen, wie es 
in der Offenbarung heißt, damit 
sogar in diesem Rahmen unsere 
Unterweisung „aus der Höhe" 20 
kommt. Die Kirche wird dadurch 
besser, und Sie werden es auch; so 
schreibt schon Paulus an die Römer: 
„Du belehrst andere Menschen, dich 
selbst aber belehrst du nicht." 21 

Vom Propheten Jeremia kennen 
wir einen denkwürdigen Bericht über 
die Macht solchen Unterrichts. 
Dieser große Mann fühlte sich so, 
wie sich viele Lehrer, Sprecher oder 
Beamte in der Kirche fühlen, wenn 



sie berufen werden - unerfahren, 
unzulänglich, verängstigt. „Ach, 
mein Gott und Herr, ich kann doch 
nicht reden, ich bin ja noch so jung." 

Aber der Herr beruhigte ihn: 
„Fürchte dich nicht vor ihnen. . . . 
Du aber gürte dich, tritt vor sie hin, 
und verkünde ihnen alles, was ich 
dir auftrage." 22 

Also sprach Jeremia zu den 
Menschen, aber zunächst ohne 
großen Erfolg. Es wurde schlimm 
und schlimmer, bis er schließlich 
eingesperrt und öffentlich an den 
Pranger gestellt wurde. Voll Zorn, 
weil er so mißhandelt und lächerlich 
gemacht worden war, schwor 
Jeremia sozusagen, nie wieder eine 
Lektion durchzunehmen, weder für 
einen Untersucher noch für ein PV- 
Kind, ein neues Mitglied oder - der 
Himmel möge es verhüten — die 
Klasse der Fünfzehnjährigen. „Ich 
will nicht mehr an [den Herrn] den- 
ken und nicht mehr in seinem 
Namen sprechen", sagte der entmu- 
tigte Prophet. Aber dann kam der 
Wendepunkt in Jeremias Leben. Bei 
jedem Zeugnis, das er gegeben, bei 
jeder Schriftstelle, die er gelesen, bei 
jeder Wahrheit, die er gelehrt hatte, 
war etwas geschehen. Es war etwas 
geschehen, womit er nicht gerech- 
net hatte. In dem Augenblick, als er 
schwor, den Mund zu schließen und 
das Werk des Herrn im Stich zu las- 
sen, stellte er fest, daß er das nicht 
konnte. Warum? „[Es war] mir, als 
brenne in meinem Herzen ein Feuer, 
eingeschlossen in meinem Innern. 
Ich quälte mich, es auszuhalten, und 
konnte nicht." 23 

So geht es im Evangelium dem 
Lehrer und dem, der unterrichtet 
wird. So ging es Nephi und Lehi, 
wie es im Buch Helaman steht: „Der 
Heilige Geist Gottes kam vom 
Himmel herab und drang ihnen ins 
Herz, und sie wurden wie mit Feuer 
erfüllt, und sie konnten wunderbare 
Worte aussprechen." 24 Das war 
gewiß auch die Freude, die Maria 
von Magdala erlebte, als sie beim 
Grab im Garten unerwartet ihren 
geliebten auferstandenen Herrn er- 
kannte und ihn schlicht ansprach: 
„Rabbuni! das heißt [wörtlich: 
Lehrer]." 25 



Wir alle, die wir schon unterrich- 
tet worden sind, sagen allen, die un- 
terrichten, aus tiefstem Herzen: 
Danke! Mögen wir das Unterrichtser- 
lebnis zu Hause und in der Kirche 
wieder erheben und unsere 
Bemühungen, andere Menschen zu 
erbauen und zu unterweisen, in jeder 
Hinsicht verbessern. Mögen wir die 
anderen in jeder Versammlung und 
mit jeder Botschaft durch das gute 
Wort Gottes nähren. Und mögen un- 
sere Kinder und die neuen Mitglieder, 
unsere Nachbarn und neuen 
Freunde zu unserem ehrlichen 
Bemühen sagen: „Du bist ein 
Lehrer, der von Gott gekommen 
ist." Im heiligen Namen des größten 
aller Lehrer, Jesus Christus, amen. D 

FUSSNOTEN 

1. Johannes 3:2. 

2. Moroni 6:4. 

3. Lehren - die größte Berufung: Material 
für die Lehrerfortbildung, 1978. Siehe 
Spencer W. Kimball, „No Greater 
Call", Sonntagsschulkonferenz am 1. 
Oktober 1967. 

4. 1 Korinther 12:28. 

5. Lehre und Bündnisse 20:59. 

6. David O. McKay, Conference Report, 
Oktober 1916. 

7. Siehe Apostelgeschichte 8:26-31. 

8. Römer 10:13,14,17. 

9. Teachings of Spencer W. Kimball, Hg. 
Edward L. Kimball (1982), 524; 
Hervorhebung hinzugefügt. 

10. „How To Be a Teacher When Your 
Role as a Leader Requires You to 
Teach", General Authority Priesthood 
Board Meeting, 5. Februar 1969; 
Hervorhebung hinzugefügt. 

11. Matthäus 28:19,20. 
12. Johannes 21:15-21. 

13. Lehre und Bündnisse 50:14, 17, 18. 
H.Lehre und Bündnisse 42:14- 
15. Exodus 33:15. 

16. Alma 8:15; 26:27. 

17. Alma 31:5. 

18. John Taylor, The Gospel Kingdom, 78. 

19. „Der vorgegebene Weg des 
Bildungswesens der Kirche", 3 und 9. 

20. Lehre und Bündnisse 43:8,16. 
21. Römer 2:21. 

22. Jeremia 1:6,8,17. 
23. Siehe Jeremia 20:7-9. 

24. Helaman 5:45. 

25. Johannes 20:16. 



DER 



STERN 
28 



Christus kann das 
menschliche Verhalten 
ändern 



Eider Richard E. Cook 

von den Siebzigern 



Ich habe die Erfahrung gemacht, daß jemand, der sich bekehrt hat und 
„auflebt" - und solche Menschen müssen wir im Evangelium hegen und 
pflegen - ,auch als Student, als Mutter oder Vater, im Beruf und als Bürger 
seines Landes „auflebt". 



doch eure Freude sein mit ihr im 
Reich meines Vaters!" (LuB 18:15.) 

Diese Verheißung ist wie ein 
Leuchtfeuer für jeden Missionar, 
aber die Missionsarbeit bringt noch 
weitere Segnungen mit sich - viele 
und vielfältige Segnungen. Manche 
erlangen wir unmittelbar, andere 
erst mit der Zeit. 

Eine dieser Segnungen, die „mit 
der Zeit" kommen, erlebten wir im 
vergangenen Februar in Provo, 
Utah. Wir waren dabei, als ein klei- 
nes mongolisches Mädchen aus un- 
serer großen „Missionsfamilie" 
seinen Namen und einen Segen er- 
hielt. Ihr Name ist Tungalag. Ihre 
Mutter heißt Davaarjargal. Sie ist 
eine Pionierin der Neuzeit und war 
die erste Frau, die sich in der 
Mongolei taufen ließ. Tungalags 
Vater, Sanchir, studiert an der BYU. 

Ich kannte Sanchir einige Zeit, 
bevor er Mitglied wurde. Erst nach 
einem Jahr und vielen, vielen 
Diskussionen mit treuen Missionaren 
ließ er sich taufen. Es steht einem 
Wunder in nichts nach, daß dieser 
junge Vater, der gerade einmal zwei 
Jahre in der Kirche ist, die Worte die- 
ses wunderbaren Segens aussprechen 
konnte, der mit den Worten begann: 
„Tungalag, wir segnen dich, daß du 
ein guter Mensch sein wirst." Diesen 
Anfang werde ich nie vergessen! 




Meine Frau und ich wurden 
als Missionare in die 
Mongolei berufen. Das war 
ein Jahr bevor dort offiziell eine 
Mission gegründet wurde. Wir blicken 
auf diese Zeit als eine der denkwür- 
digsten, erfülltesten und gesegnetsten 
Lebensabschnitte zurück. Diese 
Zeit belohnt uns noch immer mit 
Segnungen und reichen Erfahrungen. 
Der Herr hat zu den Missionaren 
gesagt: 

„Und wenn ihr alle eure Tage 
damit zubringt, diesem Volk Umkehr 
zu predigen, und auch nur eine einzi- 
ge Seele zu mir führt - wie groß wird 



In seinem Segen sagte er man- 
ches, was er vor seiner Taufe nicht 
gewußt hatte und sich nicht einmal 
hätte vorstellen können. Bei dieser 
Kindessegnung dabei zu sein und zu 
erkennen, wie sehr das Evangelium 
diesen jungen Mann und diese 
Familie verändert hat, machte die- 
sen Tag wahrhaftig zu einem soge- 
nannten Missionarszahltag. 

Präsident Hinckley hat gesagt: 
„Die größte Zufriedenheit ver- 
schafft es mir, wenn ich sehe, was 
das Evangelium für die Menschen 
bewirkt. Es vermittelt ihnen eine 
neue Einstellung zum Leben. Es 
vermittelt ihnen eine Perspektive, 
die sie nie zuvor empfunden haben. 
Es erhebt ihren Blick auf das, was 
edel und göttlich ist. Es geschieht 
mit ihnen etwas, das wundervoll 
anzusehen ist. Sie blicken auf 
Christus und leben auf." (Der Stern, 
Juli 1997, 48.) 

Ich habe die Erfahrung gemacht, 
daß jemand, der sich bekehrt hat und 
„auflebt" - und solche Menschen 
müssen wir im Evangelium hegen 
und pflegen - ,bald auch als Student, 
als Mutter oder Vater, im Beruf und 
als Bürger seines Landes „auflebt". 
Sein Leben und das Leben seiner 
Nachkommen hat sich für immer 
verändert. 

Kurz nachdem wir in der 
Mongolei ankamen, wurden wir ge- 
beten, mit zwei jungen Missionaren 
in eine Stadt namens Muren zu flie- 
gen. Als unsere Reise vorüber war, 
wurde unser Rückflug wegen 
schlechten Wetters verschoben. 
Jeden Tag gingen wir zum Flughafen, 
um festzustellen, ob unser Flugzeug 
ankam, so daß wir abfliegen konnten. 
Wir waren gezwungen, mit den an- 
deren Passagieren zu warten, bis wir 
die Nachricht erhielten, ob wir an 
diesem Tag abreisen konnten oder 
für die Nacht zur Stadt zurückkehren 
mußten. 

Eine Gruppe von Touristen aus 
dem Ausland wartete ebenfalls auf 
diesen Flug. Sie erzählten uns, daß 
sie zu Pferd einige der abgelegen- 
sten, wenig erforschten Gegenden 
der Mongolei besucht hatten. 

Während wir am Flughafen war- 
teten, sprach einer dieser Touristen 



JULI 1998 
29 



einen unserer Missionare an und 
sagte: „Ich weiß, wer Sie sind! Was 
tun Sie hier? Diese Menschen brau- 
chen Sie nicht. Sie sind ein unver- 
dorbenes Volk mit einem reichen 
kulturellen Erbe. Gehen Sie doch 
nach Hause und lassen sie in Ruhe!" 

Der Missionar kam zu mir und 
war ganz durcheinander, und wir 
sprachen über die verschiedenen 
Antworten, die er hätte geben kön- 
nen. Aber erst zwei Wochen später 
las ich eine Aussage von Präsident 
Benson aus dem Jahr 1975, die er- 
klärte, was die beste Antwort gewe- 
sen wäre. Präsident Benson hat 
damals gesagt: 

„Manch einer fragt sich vielleicht, 
warum wir uns als Volk und als Kirche 
still und beständig darum bemühen, 
den einzelnen Menschen zu ändern, 
während es doch überall so große 
Probleme gibt. . . . Aber zugrunde ge- 
hende Städte sind nichts anderes als 
ein verzögertes Spiegelbild zugrunde 
gehender einzelner Menschen. . . . Die 
Gebote Gottes legen Nachdruck dar- 
auf, daß der einzelne sich bessert und 
dies der einzige wahre Weg ist, um 
eine wahre Verbesserung der 
Gesellschaft zu erreichen. 

Der Herr wirkt von innen nach 
außen. Die Welt wirkt von außen 



nach innen. Die Welt möchte die 
Leute aus den Elendsvierteln holen. 
Christus holt das Elend aus den 
Menschen, und dann befreien sie sich 
selbst aus ihrer Umgebung. Christus 
ändert die Menschen, und diese än- 
dern dann ihre Umgebung. Die Welt 
möchte das menschliche Verhalten 
formen, aber Christus kann das 
menschliche Verhalten ändern." (A 
Pleafor America, [1975], 18.) 

Präsident Kimball nannte die 
Missionsarbeit einmal das Herzblut 
der Kirche, und das ist sie tatsäch- 
lich. Nicht nur weil die neuen 
Mitglieder der Kirche Lebenskraft 
und Stärke geben, sondern weil die 
Missionare selbst ein neues Maß an 
Lebenskraft und Stärke erlangen, 
wenn sie daran teilhaben, daß sich 
ein Mensch zu Christus bekehrt. 
Diese Lebenskraft und Stärke ist eine 
gewaltige Kraft, ein Werkzeug in 
Gottes Hand, das das Evangelium 
dahinrollen und die ganze Erde erfül- 
len läßt, wie Daniel es in seinem 
Traum gesehen hat (siehe LuB 65:2). 

Auch wenn wir unsere Entschei- 
dungsfreiheit haben, ist die 
Missionsarbeit in ihren verschiede- 
nen Formen kein beliebiges 
Programm. Es ist gut, über die 
Segnungen der Missionsarbeit zu 



sprechen, aber tatsächlich sollen wir 
Missionsarbeit tun, weil es unsere 
Pflicht ist. Die heiligen Schriften und 
alle Propheten seit Joseph Smith erin- 
nern uns daran, daß es unsere Pflicht 
ist, zu allen Nationen zu gehen und 
unsere Mitmenschen zu warnen. 

Wilford Woodruff brachte das 
ganz deutlich zum Ausdruck: 
„Seit Gott die Welt geschaffen hat, 
hat es niemals eine Gruppe von 
Menschen gegeben, die unter einer 
größeren Verpflichtung stand, diese 
Generation zu warnen, lang und laut 
die Stimme erschallen zu lassen, 
Tag und Nacht, soweit wir die 
Gelegenheit haben, und dieser 
Generation das Wort Gottes zu ver- 
künden. Das wird von uns gefordert. 
Das ist unsere Berufung. Es ist unsere 
Pflicht. Es ist unsere Sache." (Deseret 
News WeeUy, 6. JüH 1880,1.) 

Ich bete darum, daß wir die 
Missionsarbeit zu unserer Sache ma- 
chen und nicht zulassen, daß ihr un- 
wichtigere Angelegenheiten im Weg 
stehen. Wir werden gesegnet, wenn 
wir alle Gebote Gottes halten. Es gibt 
jedoch nur wenige Segnungen wie 
die Segnungen der Missionsarbeit. 
Wie wundervoll dieses Werk doch 
ist. Das sage ich im Namen Jesu 
Christi, amen. D 




DER STERN 
30 



Der Weg des 
Gottesreichs, der 
vollkommen macht 



Eider Dole E. Miller 

von den Siebzigern 






Wenn wir unsere Zeit, unsere Talente und unsere Mittel einsetzen, um 
Zion aufzubauen, wird unser Herz rein, unsere Weisheit nimmt zu, 
celestiale Gewohnheiten beginnen sich auszubilden. 



Lohn verheißt er Freude und im- 
merwährendes Glücklichsein. Der 
Preis: ein reuiges Herz, ein zer- 
knirschter Geist und die Bereitschaft, 
in seinen Fußstapfen zu wandeln. 

Hören Sie, was der Herr in dieser 
Angelegenheit sagt: „Siehe, ich 
spreche zu allen, die gute Wünsche 
haben und die ihre Sichel einge- 
schlagen haben, um zu ernten. 

Siehe, ich bin Jesus Christus, der 
Sohn Gottes. Ich bin das Leben und 
das Licht der Welt. . . . 

Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: 
Allen, die mich empfangen, will ich 
die Macht geben, Söhne Gottes zu 
werden, ja, denen, die an meinem 
Namen glauben." (LuB 11:27-30.) 

Brüder und Schwestern, es muß 
die vorrangige Absicht in unserem 
Leben sein, am Aufbau des Reiches 
des Herrn mitzuwirken. Es ist wohl 
vernünftig anzunehmen, daß wir 
uns in der Präexistenz dazu bereiter- 
klärt haben. Die wesentlichen 
Entscheidungen in bezug auf unsere 
Ausbildung, Berufslaufbahn, Ehe, 
die Verwendung unserer Zeit, unse- 
rer Talente und unserer Mittel sol- 
len gebeterfüllt darauf beruhen, wie 
wir am besten dem Meister dienen, 
sein Reich aufbauen und in ihm 
vollkommen werden. 

Wir können Zion auf unter- 
schiedliche Weise aufbauen. In 
einer Hinsicht ist Zion geographisch 




D 



er Prophet Joseph Smith 
hat davon gesprochen, daß 
die Propheten aus alter Zeit 
voll unaussprechlicher Freude 
waren, wenn sie in Visionen unsere 
Zeit sahen. Sie prophezeiten, besan- 
gen und priesen diesen Tag und 
schrieben von dieser großartigen 
Endzeit. Gewiß gießt Gott seinen 
Geist in reichem Maß über sein 
Reich auf der Erde aus. 

Wir erklären der Welt, daß das 
Reich des Herrn keineswegs eine ge- 
schlossene Veranstaltung ist. Der 
Herr lädt alle Menschen ein, diesen 
vervollkommnenden Weg der göttli- 
chen Wahrheit zu beschreiten. Als 



zu verstehen, mit einem Zentrum, 
während seine Grenzen sich erwei- 
tern, bis es die Erde erfüllt. Wir er- 
weitern die Grenzen Zions, indem 
wir andere am Evangelium teilha- 
ben lassen. Das gehört hier zu unse- 
ren Aufgaben. 

In einer anderen Hinsicht ist Zion 
als Organisation zu verstehen, in der 
wir arbeiten, um durch unsere 
Berufungen die Pfähle zu stärken. 
Jeder Pfahl steckt seinerseits fest im 
Boden des Evangeliums und gewährt 
Schutz und Zuflucht, so daß die 
Jünger Christi vertrauensvoll gegen 
die Schlingen des Widersachers auf- 
treten können. Der Pfahl schafft die 
Grundlage dafür, das Volk Gottes auf 
der Erde zu vervollkommnen. 

Die heiligen Schriften weisen dar- 
auf hin, daß Zion eine dritte 
Bedeutung hat, eine, die ganz persön- 
lich ist. Es ist die Vervollkommnung, 
die in uns stattfindet. Wer willens ist 
zu dienen, ist eingeladen, im 
Weinberg des Herrn zu arbeiten, 
wobei er sich dann dahingehend 
wandelt, daß er im Herzen rein wird. 

Die Symbiose zwischen der 
Kirche und dem Mitglied ist auffal- 
lend wirksam. Wenn wir unsere 
Zeit, unsere Talente und unsere 
Mittel einsetzen, um Zion aufzubau- 
en, wird unser Herz rein, unsere 
Weisheit nimmt zu, celestiale 
Gewohnheiten beginnen sich auszu- 
bilden, und der Heilige Geist macht 
uns bereit, die Gegenwart des Vaters 
und des Sohnes zu empfangen. 
Indem wir unsere Sichel einschla- 
gen, ernten wir zwei Anteile - für 
uns selbst und für das Reich Gottes. 
Darum sind die selbstprüfenden 
Fragen von großer ewiger Bedeutung. 
„Kann ich mich als im Herzen rein 
betrachten? Kann ich mich ohne 
Vorbehalte den Zuhörern König 
Benjamins anschließen, die gesagt 
haben: „Ja, wir glauben all den 
Worten, die du zu uns gesprochen 
hast; und wir wissen auch, daß sie 
gewiß und wahr sind, und zwar durch 
den Geist des allmächtigen Herrn, 
der in uns, nämlich in unserem 
Herzen eine mächtige Wandlung be- 
wirkt hat, so daß wir keine Neigung 
mehr haben, Böses zu tun, sondern, 
ständig Gutes zu tun." (Mosia 5:2.) 



JULI 1998 
31 



Wenn Präsident Hinckley sich am 
Ende dieser Konferenz nach unserer 
Reaktion erkundigen würde - so wie 
König Benjamin es mit seinem Volk 
getan hat - , könnten wir dann 
sagen, wir hätten im Herzen eine 
mächtige Wandlung verspürt? Ist 
unsere Neigung ausreichend gestärkt 
worden, daß wir das aufgeben, was 
Gott mißfällt, und hat sie uns so 
geändert, daß wir danach trachten, 
ständig Gutes zu tun? 

Das Leben der frühen nephiti- 
schen Heiligen kann uns als ein- 
drucksvolles Beispiel für unser 
Potential als Kirche und als einzel- 
ner dienen. Der Herr wirkt auf uns 
in beiderlei Hinsicht. 

Auf dem Weg zur Vollkommenheit 
ist es leicht zu spüren, daß wir Fehler 
machen. Wir können daraus 
Vertrauen schöpfen, daß der Herr uns 
genau kennt; er kennt die Absichten 
unseres Herzens. Er zeigt uns sicher 
den Weg, wenn wir uns demütigen, 
gehorsam sind und ständig daran ar- 
beiten, besser zu werden. Auch jetzt 
macht er uns auf eine Art und Weise 
bereit, die wir jetzt noch nicht sehen 
können. Die Augen unseres 
Verständnisses werden sich öffnen, 
wenn wir die Gebote halten und 
bemüht sind, ihm zu dienen. Wir kön- 
nen letztlich in Christus vollkommen 
werden. Dies ist ein göttliches Erbe. 

Präsident Kimball hat uns drei 
Grundprinzipien als Anleitung dazu 
gegeben, wie wir Zion in unser Herz 
und in unsere Gegenwart bringen 
können: 

„Als erstes müssen wir unseren 
Hang zum Egoismus ablegen, der 
die Seele gefangenhält, das Herz 
versteinert und den Verstand verfin- 
stert. ... 

Zweitens müssen wir uneinge- 
schränkt und einträchtig zusammen- 
arbeiten. Wir müssen einstimmig 
entscheiden und einig handeln. 

Drittens müssen wir alles auf den 
Altar legen und opfern, was der 
Herr verlangt. Wir geben ihm zuerst 
ein 'reuiges Herz und einen zer- 
knirschten Geist'. Dann geben wir 
bei allem, was uns aufgetragen wird 
und wozu wir berufen sind, unser 
Bestes. Wir lernen unsere Pflicht 
und führen sie vollständig aus. 



Schließlich weihen wir unsere Zeit, 
unsere Talente und unsere Mittel, 
wie unsere Führer uns dazu aufrufen 
und wie wir vom Geist geführt wer- 
den." (Conference Report, April 
1978, 123.) 

Die Familie ist das große 
Versuchslabor, wo wir Selbstlosigkeit 
üben und lehren. Und ich kann mir 
kein besseres Rezept vorstellen, als 
daß wir uns ständig den Rat vor 
Augen halten, den die Erste 
Präsidentschaft und der Rat der 
Zwölf Apostel in dem Dokument 
„Die Familie: Eine Proklamation an 
die Welt" geben. Schon zwei Sätze 
dieses tiefgehenden Rats schaffen in 
unserer Familie einen Weg, der zur 
Vollkommenheit führt. 

Der erste: „Die Eltern haben die 
heilige Pflicht, ihre Kinder in Liebe 
und Rechtschaffenheit zu erziehen, 
für ihre physischen und geistigen 
Bedürfnisse zu sorgen, sie zu lehren, 
daß sie einander lieben und einan- 
der dienen, die Gebote Gottes befol- 
gen und gesetzestreue Bürger sein 
sollen, wo immer sie leben." 

Und der zweite: „Ein glückliches 
Familienleben kann am ehesten er- 
reicht werden, wenn die Lehren des 
Herrn Jesus Christus seine 
Grundlage sind." Das ergibt eine fast 
endlose Liste von Themen, die beim 



Familienrat und beim Familienabend 
besprochen werden können. 

Brüder und Schwestern, dieses 
Reich unterscheidet sich von allen 
anderen Organisationen auf der Erde. 
Um einen Begriff aus dem 
Geschäftsleben zu verwenden: es hat 
einen immensen Wettbewerbsvorteil; 
nur dieses Reich wird uns zum ewi- 
gen Leben führen. Es allein ist auf so- 
liden Fels gegründet, auf den Fels der 
Offenbarung. Es allein hat die Fülle 
des wiederhergestellten Evangeliums 
Jesu Christi. Im Leben des einzelnen 
trägt es zu einer reinigenden Disziplin 
bei. Es ermutigt uns, das, was bequem 
und leicht ist, hinter uns zu lassen, so 
daß wir wachsen können. Es fördert 
die Entwicklung großer geistiger 
Gaben und die Erleuchtung, die wir 
ins Jenseits mitnehmen. Es vermittelt 
die Taufe des Feuers. Es verleiht uns 
persönlich Macht, wie sie nur von 
Gott kommen kann. 

Voller Dank und Freude gebe ich 
Zeugnis, daß dies das großartige 
Reich Gottes auf der Erde ist, von 
dem in allen Zeiten prophezeit 
wurde. Es ist der einzig wahre Weg, 
der uns auf unserer Reise zu unserem 
liebenden himmlischen Vater zurück- 
bringt, und zwar durch das Sühnopfer 
seines Einziggezeugten. Das bezeuge 
ich im Namen Jesu Christi, amen. D 




DER 



STERN 
32 



Wunderbar sind die 
Offenbarungen des Herrn 



Eider M. Russell Ballard 

vom Kollegium der Zwölf Apostel 



Wir müssen die offenbarten Wahrheiten, die wir haben, annehmen, 
studieren und wertschätzen. Wir müssen das Evangelium allen Kindern 
uneres Vaters großzügig und freundlich verkünden. 



beim Namen und sagte, dabei auf 
die andere deutend: Dies ist mein ge- 
liebter Sohn. Ihn höre'." 1 

Dieser Augenblick hat die Welt 
verändert. Die Himmel, die so lange 
geschwiegen hatten, wurden aufs 
neue aufgetan, und offenbartes 
Licht und Wahrheit kamen hervor, 
was schließlich zur Gründung der 
Kirche Jesu Christi der Heiligen der 
Letzten Tage auf der Erde führte. 

Es war schier unglaublich, wie 
der Geist der Offenbarung so 
machtvoll auf den Propheten Joseph 
Smith einwirkte. Oft waren auch 
andere dabei, wenn er eine 
Offenbarung empfing, und bezeug- 
ten den Geist und seine 
Kundgebungen. Für gewöhnlich 
gaben diese Menschen an, daß 
Joseph Smith von einem weißen 
oder hellen Licht umgeben war. Als 
der 76. Abschnitt des Buches Lehre 
und Bündnisse offenbart wurde, so 
Philo Dibble, „schien Joseph Smith 
von einer wunderbaren Helligkeit 
umgeben und sein Gesicht leuchte- 
te, als wäre es transparent" 2 . Und 
Brigham Young bezeugte, „daß je- 
mand Joseph nur kennen mußte, 
um zu wissen, wann der Geist der 
Offenbarung auf ihn einwirkte, 
denn sein Gesicht nahm einen ganz 
eigenen Ausdruck an, wenn er 
unter diesem Einfluß stand. Er pre- 
digte durch den Geist der 
Offenbarung, er lehrte im Rat durch 
den Geist der Offenbarung, und wer 
ihn kannte, wußte das auf den er- 




Eines der wunderbarsten 
Ereignisse in der Geschichte 
der Menschheit hat sich an 
einem Frühlingstag des Jahres 1820 
zugetragen, als Joseph Smith jun. in 
einen Wald in der Nähe seines 
Elternhauses ging, um von Gott 
Weisung, Licht und Wahrheit zu er- 
bitten. Er kniete sich nieder und 
sprach ein demütiges, aufrichtiges 
Gebet. Er berichtet: [Ich] sah ...ge- 
rade über meinem Haupt eine Säule 
aus Licht, heller als die Sonne, all- 
mählich herabkommen, bis es auf 
mich fiel. ..." 

Als das Licht auf mir ruhte, sah 
ich zwei Gestalten von unbeschreib- 
licher Helle und Herrlichkeit über 
mir in der Luft stehen. Eine von 
ihnen redete mich an, nannte mich 



sten Blick, denn sein Gesicht leuch- 
tete mit einer ganz eigentümlichen 
Klarheit und Transparenz." 3 

Einige, die bei solchen wundersa- 
men Offenbarungen anwesend 
waren, staunten darüber, wie fließend 
diese Offenbarungen vom Herrn er- 
teilt wurden und wie sie - abgesehen 
davon, daß vielleicht der eine oder 
andere Rechtschreibfehler oder 
Fehler bei der Zeichensetzung noch 
berichtigt wurde - nicht mehr verän- 
dert werden mußten. Parley E Pratt 
sagt hierzu: „Jeder Satz - danach eine 
Pause - wurde so langsam und deut- 
lich gesprochen, daß er von jedem 
Schreiber vollständig mitgeschrieben 
werden konnte. . . . Niemals gab es ein 
Zögern, niemals mußte er etwas er- 
neut durchsehen oder durchlesen, 
um nicht den Faden zu verlieren, und 
niemals wurden diese Kundgebungen 
revidiert, verbessert oder ergänzt. So, 
wie er sie diktierte, so blieben sie - 
soweit ich das selbst miterlebt habe. 
Ich war dabei und habe mehrere 
Offenbarungen, von denen jede 
etliche Seiten lang war, selbst 
miterlebt." 4 

Interessanterweise waren gerade 
diejenigen, die Joseph Smith am 
besten kannten, darüber am mei- 
sten erstaunt. Sie wußten mehr als 
jeder andere um seine geringe 
Schulbildung und seine natürli- 
chen Fähigkeiten. Sie konnten 
daher am deutlichsten sehen, auf 
welch wunderbare Weise sich Gott 
durch seinen lebenden Propheten 
kundtat. 

Emma Smith, die Frau von Joseph 
Smith, gab ein ähnliches Zeugnis wie 
Parley P Pratt und erklärte, daß sie 
immer wieder erstaunt gewesen sei, 
auf welche Weise die Offenbarungen 
zustande kamen. Viele Jahre nach 
dem Tod des Propheten sagte sie: 
„Ich bin davon überzeugt, daß nie- 
mand die Niederschrift der 
Manuskripte hätte diktieren können, 
wenn er nicht inspiriert gewesen 
wäre, denn als ich ihm als Schreiber 
diente, diktierte er mir stundenlang; 
und wenn er nach dem Essen oder 
sonst einer Unterbrechung die 
Arbeit wieder aufnahm, konnte er 
sofort genau dort weitermachen, wo 
er aufgehört hatte, ohne auch nur 



JULI 1 

33 



9 9 8 



das Manuskript anzusehen oder es 
auszugsweise vorlesen zu lassen." 5 

Liebe Brüder und Schwestern, 
schätzen wir das Wunder der 
Offenbarung genug? Durch 
Offenbarung haben wir das Buch 
Mormon erhalten, ebenso das Buch 
Lehre und Bündnisse, die Köstliche 
Perle, in denen die Worte Gottes an 
uns, seine Kinder, stehen. Wie wun- 
derbar sind doch die Offenbarungen, 
die wir vom Herrn erhalten haben! 
Oft habe ich gesagt: Entweder ist 
Joseph Smith ein Werkzeug in der 
Hand des Herrn gewesen, um die 
Wiederherstellung des Evangeliums 
Jesu Christi in seiner Fülle zu bewir- 
ken, oder er war es nicht. Diese 
Lehre duldet keinen Kompromiß. 
Und ich erhebe vor aller Welt die 
Stimme zum Zeugnis, daß ich ohne 
Frage und ohne Vorbehalt weiß, daß 
der Prophet Joseph Smith diese 
Evangeliumszeit durch eine 
Offenbarung von Gott eingeleitet 
und dadurch die Wiederherstellung 
der wahren Kirche Jesu Christi auf 
der Erde begonnen hat. 

Eine der wunderbarsten 
Offenbarungen, die jemals an die 
Menschheit ergangen sind, ist der 76. 
Abschnitt des Buches Lehre und 
Bündnisse, der oft auch kurz „die 
Vision" genannt wird. Diese Vision 
war vielleicht das machtvollste und 
bedeutsamste geistige Erlebnis des 
Propheten. Als er und Sidney Rigdon 
beteten, um die Auferstehung der 
Gerechten und der Ungerechten zu 
verstehen, tat sich ihnen diese wun- 
derbare Vision - oder, besser gesagt, 
diese sechs aufeinanderfolgenden 
Visionen - kund. Joseph und Sidney 
sprachen tatsächlich eineinhalb 
Stunden mit dem Erretter, der ihnen 
das zeigte, was Joseph Smith später 
als „eine Zusammenfassung der 
Ewigkeit, in der Gott zeigt, was war, 
was jetzt ist und was noch sein wird", 6 
bezeichnete. Zu Beginn der Vision er- 
blickten die beiden Männer die 
Herrlichkeit des Sohnes Gottes zur 
Rechten des Vaters und wurden be- 
wegt, auszurufen: „Und nun, nach 
den vielen Zeugnissen, die von ihm 
gegeben worden sind, ist das, als letz- 
tes von allen, das Zeugnis, das wir 
geben, nämlich: Er lebt! 




Präsident Thomas S. Monson, Erster Ratgeber, Präsident Gordon B. Hinckley und 
Präsident James E. Faust, Zweiter Ratgeber, vor Beginn einer der Konferenzversammlungen. 



Denn wir haben ihn gesehen, ja, 
zur rechten Hand Gottes, und wir 
haben die Stimme Zeugnis geben 
hören, daß er der Einziggezeugte des 
Vaters ist." 7 

Nacheinander sahen Joseph und 
Sidney dann Luzifer im vorirdischen 
Dasein, wie er wegen seiner 
Auflehnung aus der Gegenwart 
Gottes ausgestoßen wurde. Sie 
sahen anschließend die Söhne des 
Verderbens und was in der Ewigkeit 
mit ihnen sein wird. Danach folgte 
die Vision vom celestialen, vom ter- 
restrialen und vom telestialen 
Reich, und sie erfuhren von den 
Bedingungen, die einen für diese 
Reiche würdig machen, sowie von 
den verschiedenen Herrlichkeiten 
dieser Reiche. Sie erfuhren, daß die- 
jenigen, die sich für eine celestiale 
Herrlichkeit würdig machen, „für 
immer und immer in der Gegenwart 
Gottes und seines Christus wohnen" 
werden. 8 

War das nicht für den Propheten 
und Sidney Rigdon ein herrliches 
Erlebnis? Mehr als eine Stunde lang 
zeigte ihnen der Herr das vorirdische 
Dasein, das Erdenleben und das 
Leben nach dem Tod. Infolge dieser 
Offenbarung vergrößerte und vertief- 
te sich auf bemerkenswerte Weise der 



Einblick des Menschen in bezug auf 
den Plan des himmlischen Vaters für 
unser ewiges Glücklichsein und unse- 
ren Frieden. Dazu muß allerdings ge- 
sagt werden, daß Joseph Smith 
angewiesen wurde, nicht alles nieder- 
zuschreiben, was er in der Vision er- 
blickte. Die Mitglieder waren damals 
nicht bereit, all das Neue aufzuneh- 
men, was ihm zuteil geworden war. 
Aber wenn wir die späteren 
Unterweisungen des Propheten be- 
trachten, können wir hier und dort 
erkennen, daß er Teile aus dieser 
großen Vision gelehrt hat - hier ein 
wenig und dort ein wenig, entspre- 
chend dem, was die Heiligen an gei- 
stiger Einsicht aufbringen konnten. 

Gerade darum legt der Herr auch 
immer wieder solchen Nachdruck 
auf die Weiterbildung - insbesonde- 
re die geistige Weiterbildung. 
Niemand kann als Unwissender er- 
rettet werden, 9 aber der Herr kann 
uns Licht und Wahrheit nur dann 
kundtun, wenn wir bereit sind, sie zu 
empfangen. Und so muß ein jeder 
von uns alles tun, was er kann, um 
sein geistiges Wissen und seine 
Einsicht durch das Studium der hei- 
ligen Schriften und der Worte der le- 
benden Propheten zu vertiefen. 
Wenn wir die Offenbarungen lesen 



DER 



S T E 
34 



R N 



und uns eingehend damit befassen, 
kann der Geist uns im Herzen kund- 
tun, daß das, was wir lernen, wahr 
ist; auf diese Weise spricht die 
Stimme des Herrn zu einem jeden 
von uns. 10 In dem Maß, wie wir über 
die Lehren des Evangeliums nach- 
sinnen und sie im täglichen Leben 
anwenden, werden wir besser vorbe- 
reitet, mehr Licht und Wahrheit zu 
empfangen. Ich hoffe, daß wir heute 
bereitwillig und erwartungsvoll das 
verstehen wollen, was uns Präsident 
Gordon B. Hinckley zu sagen hat. 
Denn er lehrt uns, ebenso wie auch 
die anderen Apostel, wie wir in die- 
sen unruhigen Zeiten leben und uns 
verhalten sollen. 

In den heiligen Schriften wird 
uns verheißen: „Ihr . . . habt noch 
nicht verstanden, wie groß die 
Segnungen sind, die der Vater ... für 
euch bereitet hat. Und ihr könnt 
jetzt noch nicht alles ertragen; doch 
seid guten Mutes, denn ich werde 
auch weiterführen. Das Reich ist 
euer, und seine Segnungen sind 
euer, und die Reichtümer der 
Ewigkeit sind euer." 11 

Ich bin sehr dankbar dafür, daß 
ich durch Offenbarung mehr über 
meinen himmlischen Vater und sei- 
nen geliebten Sohn Jesus Christus 
und ihren Evangeliumsplan erfah- 
ren kann. Dieses Wissen ist für 
mich und meine Familie ein Segen. 
Vor einigen Jahren saßen wir ge- 
meinsam im Kirtland-Tempel und 
versuchten uns vorzustellen, was 
für ein Gefühl der Prophet und 
Oliver Cowdery wohl hatten, als 
sie tatsächlich „den strahlenden 
Thron Gottes, auf dem der Vater 
und der Sohn saßen," 12 erblickten, 
als sie den „Herrn auf der 
Brustwehr der Kanzel vor [sich] 
stehen" sahen und ihn sagen hör- 
ten: „Eure Sünden sind euch 
vergeben; ihr seid rein vor mir, 
darum hebt das Haupt empor und 
freut euch." 13 

Können Sie sich vorstellen, 
Brüder und Schwestern, was für ein 
Gefühl Joseph und Oliver wohl hat- 
ten, als ihnen Mose, Elias und Elija 
erschienen und ihnen Schlüssel, 
Evangeliumsausschüttungen und 
Siegelungsvollmacht übertrugen - 



ähnlich wie es bei der Begebenheit 
etwa 2000 Jahre zuvor auf dem Berg 
der Verklärung geschehen war? 

Ich kann mir nicht vorstellen, 
daß jemand, der nach Licht und 
Erkenntnis sucht, die Offenbarung 
lesen kann, die Präsident Joseph F. 
Smith im Oktober 1918 zuteil 
wurde, ohne dabei den Geist und 
die Macht offenbarter Wahrheit zu 
spüren. Dieser 138. Abschnitt in 
Lehre und Bündnisse steckt voller 
Lehren über die ewige Wesenheit 
des Menschen und den Zweck des 
großen Werks dieser Kirche. 
Präsident Smith schreibt: 

Da „öffneten sich mir die Augen 
des Verständnisses, und der Geist 
des Herrn ruhte auf mir, und ich sah 
die Schar der Toten, klein und groß. 
An dem einen Ort war die un- 
zählbare Abteilung der Geister der 
Gerechten versammelt, die dem 
Zeugnis von Jesus treu gewesen 
waren, solange sie in der 
Sterblichkeit gelebt hatten. ... 

Sie alle waren aus dem irdischen 
Leben geschieden mit der festen 
Hoffnung auf eine herrliche 
Auferstehung durch die Gnade 
Gottes des Vaters und seines einzig- 
gezeugten Sohnes, Jesus Christus. 

Ich sah, daß sie von Freude und 
Frohsinn erfüllt waren und sich mit- 
einander freuten, weil der Tag ihrer 
Befreiung nahe war. . . . 

Während diese riesige Menge 
wartete und sie miteinander rede- 
ten und sich auf die Stunde ihrer 
Befreiung von den Ketten des 
Todes freuten, erschien der Sohn 
Gottes. ... 

Er predigte ihnen da das immer- 
währende Evangelium, die Lehre 
von der Auferstehung und der 
Erlösung der Menschen vom Fall 
und - sofern sie Umkehr übten - 
von ihren eigenen Sünden. . . . 

Und die Heiligen freuten sich 
über ihre Erlösung, beugten das 
Knie und bekannten sich zum Sohn 
Gottes als ihrem Erlöser und 
Befreier vom Tod und von den 
Ketten der Hölle. 

Ihr Antlitz leuchtete, und der 
Glanz der Gegenwart des Herrn 
ruhte auf ihnen, und sie lobsangen 
seinem heiligen Namen. ... 



So wurde das Evangelium denen 
gepredigt, die in ihren Sünden ge- 
storben waren, ohne von der 
Wahrheit gewußt zu haben, oder in 
Übertretung, da sie die Propheten 
verworfen hatten. 

Man belehrte sie über den 
Glauben, die Umkehr von der 
Sünde, die stellvertretende Taufe 
zur Sündenvergebung, die Gabe 
des Heiligen Geistes durch 
Händeauflegen sowie alle sonstigen 
Evangeliumsgrundsätze, die sie ken- 
nenlernen mußten. . . . Und so wurde 
unter den Toten, klein und groß, 
unredlich und getreu, kundgetan, 
daß durch das Opfer des Sohnes 
Gottes auf dem Kreuz die Erlösung 
zustande gebracht worden war. 14 

In dem, was die Propheten in 
alter und neuer Zeit getan hatten, 
sah Präsident Smith einen „Ausblick 
auf die große Arbeit, die anläßlich 
der Evangeliumsausschüttung in der 
Zeiten Fülle in den Tempeln des 
Herrn getan wird, nämlich für die 
Erlösung der Toten, und um die 
Kinder an ihre Eltern zu siegeln, 
damit nicht bei seinem Kommen die 
ganze Erde mit einem Fluch ge- 
schlagen und gänzlich verwüstet 
werde." 15 

Er „sah, daß die getreuen Älte- 
sten unserer Evangeliumszeit nach 
ihrem Hinscheiden aus dem irdi- 
schen Leben mit ihrer Arbeit fort- 
fahren, indem sie das Evangelium 
der Umkehr von Sünde und der 
Erlösung durch das Opfer des ein- 
ziggezeugten Sohnes Gottes verkün- 
digen - denen nämlich, die in der 
großen Welt der Totengeister in 
Finsternis weilen und Gefangene 
der Sünde sind. 

Die Toten, die umkehren, wer- 
den erlöst werden, sofern sie den 
Verordnungen des Hauses Gottes 
gehorsam sind. 

Und sobald sie ihre Übertretun- 
gen abgebüßt haben und reingewa- 
schen sind, werden sie gemäß ihren 
Werken ihren Lohn empfangen; 
denn sie sind Erben der Errettung." 16 
Welch großes und ewiges Licht 
und Wissen wird uns doch durch 
die wunderbaren Offenbarungen 
Gottes an seine treuen Propheten 
zuteil! Wir sollten sehr dankbar 



J U L 



19 9 8 



35 



dafür sein, daß wir dies wissen, und 
zwar aufgrund aller Offenbarungen, 
die uns in dieser letzten großen 
Evangeliumszeit gegeben worden 
sind. Wo immer ich auch hinkomme, 
überall auf der Welt finde ich glau- 
benstreue Mitglieder der Kirche, die 
genauso wissen, wie ich es weiß, daß 
die Kirche Jesu Christi der Heiligen 
der Letzten Tage wahr ist, weil es 
uns durch die Macht des Geistes 
kundgetan worden ist. Jeder, der das 
aufrichtig wissen möchte, kann 
diese Wahrheiten durch die Macht 
des Geistes bestätigt bekommen. 

Meine Brüder und Schwestern, 
wir müssen die offenbarten 
Wahrheiten, die wir haben, anneh- 
men, studieren und wertschätzen. 
Wir müssen das Evangelium allen 
Kindern uneres Vaters großzügig und 
freundlich verkünden, damit jeder im 
Licht und in der Wahrheit des wie- 
derhergestellten Evangeliums Jesu 
Christi wandeln kann. Möge der Herr 
einen jeden von uns mit vermehrtem 
Wissen und einem stärkeren Zeugnis 
segenen, und mögen wir für den 
Geist der Offenbarung aufnahmebe- 
reit und empfänglich sein, der auf die 
Propheten in der Vergangenheit ein- 
gewirkt hat und auch auf die 
Propheten der Zukunft einwirken 
wird. Darum bete ich demütig im 
Namen Jesu Christi, amen. D 

FUSSNOTEN 

1. JSLg 1:16,17. 

2. „Early Scenes in Church History," in 
Four Faith Promoting Classics, (1968), 
81. 

3. Journal of Discourses, 9:89. 

4. Autobiography ofParley P. Pratt (1985), 
48. 

5. „Last Testimony of Sister Emma," The 
Saints' Herald, 1. Oktober 1879, 289. 

6. Times and Seasons, 1. Februar 1843, 82. 

7. LuB 76:22-23. 

8. LuB 76:62. 

9. See LuB 131:6. 

10. Siehe LuB 18:34,36. 
11. LuB 78:17,18. 
12.LuB 137:3. 

13. LuB 110:2,5. 

14. LuB 
138:11,12,14,15,18,19,23,24,32-35. 

15. LuB 138:48. 
16. LuB 138:57-59. 



Eine neue Erntezeit 



Eider Russell M. Nelson 

vom Kollegium der Zwölf Apostel 




In der familiengeschichtlichen Arbeit ist ein neues Zeitalter angebrochen. 



mein Vater erst 16 Jahre alt war. Als 
er starb, war er Superintendent für 
das Schulwesen des Staates Utah. Er 
hatte eine schöne Taschenuhr, die 
ich später von meinem Vater 
bekam. Heute ist diese Uhr ein 
greifbares Bindeglied zwischen uns. 

Der Gedanke an meinen 
Großvater Nelson erfüllt mich mit 
tiefer Dankbarkeit. Einen großen 
Teil meiner frühen Schulbildung er- 
hielt ich in Schulen, an deren 
Aufbau er mitgewirkt hatte. Mir 
liegt auch viel daran, daß ich 
Mitglied dieser Kirche bin; seine 
Eltern bekehrten sich beide vor 
etwa eineinhalb Jahrhunderten in 
Dänemark zur Kirche. Alle meine 
acht Urgroßeltern bekehrten sich in 
Europa zur Kirche. Einer schloß sich 
ihr in Schweden an, zwei in England 
und drei in Norwegen. Und wie 
dankbar bin ich heute diesen 
Pionieren, meinen Vorfahren! Was 
ich ihnen schuldig bin, kommt in 
einem Vers in der Bibel zum 
Ausdruck, nämlich: „Einer sät, und 
ein anderer erntet. ... so daß sich der 
Sämann und der Schnitter gemein- 
sam freuen." 2 

Wir ernten heute die Früchte der 
Liebe zur Familie, die vor langer Zeit 
gesät worden sind. Die Stärkung der 
Familienbande wurde 1823 vorbe- 
reitet; damals erschien der Engel 
Moroni dem Propheten Joseph 
Smith zum ersten Mal. Moroni kün- 
digte das Kommen des Elija an, der 
das Herz der Kinder den Vätern zu- 
wenden sollte. 3 

Elijas Rückkehr zur Erde geschah 
im ersten Tempel dieser Evangeliums- 
zeit; er und andere Boten vom 
Himmel vertrauten dort auf Weisung 



Die Liebe in der Familie ist 
etwas Wunderbares. Nichts 
gleicht der Liebe eines 
Säuglings zu seiner Mutter. Nichts 
ist so verläßlich wie die Liebe der 
Kinder zu ihren Eltern und die 
Liebe der Eltern zu ihren Kindern. 

Vor kurzem nahm ich eine unse- 
rer kostbaren fünfjährigen 
Enkelinnen sanft in den Arm und 
sagte: "Ich hab dich lieb, mein 
Schatz." 

Sie antwortete recht schlicht: 
„Ich weiß." 

Ich fragte: „Woher weißt du, daß 
ich dich liebhabe?" 

„Einfach so! Du bist mein Opa!" 

Das war für sie Grund genug. Wir 
haben unsere Enkel wirklich lieb. 
Wir haben auch unsere Großeltern 
lieb. Ich erinnere mich sehr gern an 
die Zeit, die ich mit dreien meiner 
vier Großeltern verbracht habe. 
Großvater Nelson 1 habe ich nicht 
mehr kennengelernt. Er starb, als 



DER 



STERN 
36 



des Herrn der wiederhergestellten 
Kirche besondere Schlüssel der 
Priestertumsvollmacht an. 

• Mose übertrug die Schlüssel 
der Sammlung Israels. 5 

• Elias übertrug die Schlüssel der 
Evangeliumszeit Abrahams. 6 

• Elija kam, um das Herz der 
Väter den Kindern und die Kinder 
den Vätern zuzuwenden. 7 

Damit wurde die natürliche 
Zuneigung unter den Generationen 
bereichert. Diese Wiederherstellung 
ging mit dem einher, was manchmal 
der Geist des Elija genannt wird, 
nämlich einer Manifestation des 
Heiligen Geistes, der vom göttlichen 
Wesen der Familie Zeugnis gibt. 8 So 
kommt es, daß auf der ganzen Welt 
die Menschen ungeachtet ihrer 
Religionszugehörigkeit in immer stär- 
kerem Maße Aufzeichnungen über 
ihre verstorbenen Vorfahren zusam- 
mentragen. 9 

Elija kam nicht nur, um zur 
Forschung nach den Vorfahren an- 
zuregen. Er machte es der Familie 
auch möglich, über die Grenzen des 
Erdenlebens hinaus in Ewigkeit ver- 
bunden zu sein. Die Möglichkeit, 
Familien für immer zu siegeln, ist 
tatsächlich der einzige Grund für 
unsere Forschung. Der Herr ließ 
durch den Propheten Joseph Smith 
verkünden: „[Es handelt sich hier] 
um Grundsätze hinsichtlich der 



Toten und der Lebenden, die man 
nicht leichthin übergehen kann, da 
sie ja unsere eigene Errettung be- 
treffen. Denn deren Errettung ist für 
unsere eigene Errettung notwendig 
und wesentlich; ...sie [werden] 
nicht ohne uns vollkommen ge- 
macht -, und auch wir können 
ohne unsere Toten nicht vollkom- 
men gemacht werden." 10 

Unter den ersten, die in dieser 
Evangeliumszeit die Saat des 
Interesses an der Familiengeschichte 
legten, waren die Brüder Orson und 
Parley P Pratt, beide Mitglieder des 
Kollegiums der Zwölf Apostel. Ihren 
Bemühungen ist es zu verdanken, daß 
eine Ahnentafel der Familie Pratt er- 
stellt und die heiligen Handlungen 
des Tempels für rund 3000 ihrer 
Vorfahren vollzogen wurden. 11 

Es gab aber noch viele Mitglieder 
der Kirche, die ihre Aufgabe in 
bezug auf ihre Vorfahren noch nicht 
ganz verstanden hatten. Präsident 
Wilford Woodruff machte sich so 
große Sorgen um diese Angelegen- 
heit, daß er sie zum Thema intensi- 
ven Betens machte. 1894 stellte er 
den Mitgliedern der Kirche auf der 
Frühjahrs -Generalkonferenz 12 eine 
Offenbarung vor. Ich zitiere daraus: 
„Wir möchten, daß die Heiligen der 
Letzten Tage von jetzt an ihre 
Abstammung so weit wie möglich 
zurückverfolgen und sich an ihre 




Väter und Mütter siegeln lassen. 
Siegelt die Kinder an ihre Eltern, 
und setzt diese Kette so weit wie 
möglich fort. . . . Das ist der Wille des 
Herrn für sein Volk." 13 

Später im selben Jahr gründeten 
die Erste Präsidentschaft und die 
Zwölf die Genealogische Gesellschaft 
von Utah. 14 Aus den bescheidenen 
Anfängen im Obergeschoß des Büros 
des Geschichtsschreibers der Kirche 15 
sind ihre Sammlung und ihre 
Einrichtungen entstanden. Heute 
belegt das Genealogie-Archiv ein 
modernes Gebäude mit fünf Etagen. 
Mit 280000 Büchern, 100000 
Mikrofiches und über zwei Millionen 
Rollen Mikrofilm ist es das größte 
Archiv seiner Art weltweit. 

1964 begann die Abteilung damit, 
Zweigstellen einzurichten. Heute 
gibt es rund um den Erdball über 
3000 Genealogie -Forschungsstellen. 16 
Die Technik, mit der dieses wich- 
tige Werk unterstützt wird, hat sich 
im Laufe der Jahre sehr verändert. 
1927 wurde eine Kartei eingerich- 
tet, in der alle vollzogenen 
Begabungen erfaßt waren 17 . Diese 
Kartei wurde bis 1969 geführt. 
Von da an wurden die neuen 
Begabungen im ersten größeren 
Computersystem erfaßt; das System 
wurde mit dem Kürzel GIANT 18 be- 
zeichnet. Es wurde mehr als zwei 
Jahrzehnte lang benutzt. 19 

Die umfangreichen Mikroverfil- 
mungen der Gesellschaft machen es 
möglich, daß Aufzeichnungen 
am Entstehungsort erfaßt werden; 
später werden Kopien davon 
im Genealogie -Archiv in Salt Lake 
City und in den Genealogie - 
Forschungsstellen zugänglich ge- 
macht. In 110 Ländern sind bereits 
Mikrofilme erstellt worden, die 
bisher über zwei Milliarden 
Aufnahmen mit zusammen etwa 13 
Milliarden Namen ergeben haben. 
Durch die Mikroverfilmung konnte 
das Archiv seine Sammlung beträcht- 
lich erweitern und dazu beitragen, 
daß die genealogische Forschung 
weltweit explosionsartig zugenommen 
hat. Die Mikrofilme sind die 
Quelle der Daten, die in den gegen- 
wärtig verwendeten automatisierten 
Systemen enthalten sind. 



JULI 1998 



37 



In den achtziger Jahren hat der 
Computer die Verwaltung von 
Datenbeständen revolutioniert. Das 
Family History Department der 
Kirche nutzte diese Technologie zur 
Entwicklung von Personal Ancestral 
File® und half so den Mitgliedern, 
die Angaben bezüglich ihrer 
Vorfahren zu ordnen. 1990 wurde 
FamilySearch® vorgestellt. In der 
Herbst-Konferenz desselben Jahres 
beschrieb Eider Richard G. Scott die 
Komponenten von FamilySearch, 
nämlich Ancestral File™, den 
Family History Library Catalog™, 
den Internationalen Genealogie- 
Index® und andere. 20 Seine Worte 
regten meine Frau und mich dazu 
an, die Angaben, die wir und unsere 
Angehörigen über die Jahre hin ge- 
sammelt hatten, mit diesen 
Hilfsmitteln zu ordnen. 

Inzwischen sind unter dem 
Gesichtspunkt der Dezentralisierung 
und Vereinfachung Urkundenauswer- 
tungs-Projekte unternommen wor- 
den, an denen sich schon Tausende 
von Mitgliedern der Kirche beteiligt 
haben. 21 Die Urkundenauswertung 
hat bis jetzt Unterlagen von über 300 
Millionen Verstorbener erbracht. 22 

Viele Menschen haben sich mit 
den Mitgliedern der Kirche zusam- 
mengetan, um die rasant wachsende 
Menge genealogischer Angaben zu 
erfassen. Die britische Volkszählung 
von 1881 ist ein Beispiel dafür. Für 
dieses Projekt haben über 8000 frei- 
willige Helfer von genealogischen 
Gesellschaften aus dem ganzen 




Bereich der britischen Inseln über 
30 Millionen Namen übertragen. 
Dankbar dürfen wir nun bekanntge- 
ben, daß die Früchte dieser Arbeit 
auf Fiches und, über die 
Versandzentralen der Kirche, schon 
bald auf CD zur Verfügung stehen. 

Wir freuen uns auch bekanntge- 
ben zu dürfen, daß die Angaben aus 
der US-amerikanischen Volkszählung 
von 1880 schon bald auf CD heraus- 
kommen. Währenddessen arbeiten 
Freiwillige bereits an weiteren 
Projekten, beispielsweise an den 
Listen der über Ellis Island in die 
USA gekommenen Einwanderer. 

Ich möchte sagen, wie dankbar 
wir für alle diese tapferen ehrenamt- 
lichen Helfer aus Vergangenheit, 
Gegenwart und Zukunft für die eif- 
rige Arbeit an diesen und anderen 
Projekten sind. 

Ich weiß durchaus, daß ich mit der 
Beschreibung dieser Leistungen bei 
einigen Menschen, die nicht so sehr 
in dieser Arbeit engagiert sind, mögli- 
cherweise verstärkte Schuldgefühle 
ausgelöst habe. Ich entschuldige 
mich dafür. Ich weiß, daß Ängstlich- 
keit und das Ungewohnte einem 
dabei im Wege stehen können. Für 
andere wiederum ist die bloße 
Erwähnung von Computern ein 
Hemmnis. Mancher hofft im Stillen, 
daß er die restlichen Tage seines 
Lebens zubringen kann, ohne jemals 
einen Computer auch nur anfassen 
zu müssen. Denjenigen, die einen 
Computer haben, sage ich: „Gehen 
Sie es an! Haben Sie Hoffnung! 
Versuchen Sie es! Ich habe da aufre- 
gende Neuigkeiten für Sie!" 

„Die Zeit der Ernte ist da." 23 Ein 
neues Zeitalter der familienge- 
schichtlichen Arbeit ist angebro- 
chen. Präsident Gordon B. Hinckley 
hat kürzlich gesagt: „Der Herr hat 
fähige Männer und Frauen dazu in- 
spiriert, neue Technologien zu ent- 
wickeln, die uns bei der Fortführung 
dieses heiligen Werkes von großem 
Nutzen sein können." 24 Früher kon- 
zentrierten sich die Bemühungen 
darauf, Namen und Daten zu sam- 
meln und diese Angaben zu ordnen. 
Jetzt gibt es Computerprodukte, die 
einen tatsächlich dahin führen kön- 
nen, daß man seine Ahnen findet. 



Darf ich Ihnen den neuen Family 
History SourceGuide™ vorstellen. 
Diese CD ist jetzt über die 
Versandzentralen der Kirche erhält- 
lich. 25 Sie kann Sie zu genealogischen 
Aufzeichnungen in Staaten, Ländern 
und Provinzen aus aller Welt führen 
und Ihnen zeigen, wie Sie diese 
Aufzeichnungen bei der Suche nach 
Ihren Vorfahren nutzen können. Sie 
enthält auch weitere Hilfsmittel, bei- 
spielsweise Landkarten, Anleitungen 
für Briefe, Wortübersetzungen für 
mehrere nicht-englischsprachige 
Länder, Begriffserläuterungen und 
Wörter, die in genealogischen 
Unterlagen häufig vorkommen. Der 
Family History SourceGuide macht 
Ihnen den Erfahrungsschatz von 
Hunderten von Genealogie -Experten 
leicht zugänglich. Das alles steht auf 
Knopfdruck für Sie bereit. Nutzen Sie 
es, und haben Sie Freude daran! 

Ein neuer Vital Records Index™ 
verschafft Zugang zu den 
Auswertungsergebnissen von zahl- 
reichen standesamtlichen und 
kirchlichen Unterlagen. Es wird ei- 
nige Überschneidungen mit dem 
Internationalen Genealogie -Index 
geben, aber für die meisten Namen 
im Vital Records Index sind die hei- 
ligen Handlungen des Tempels noch 
nicht vollzogen worden. Der gesam- 
te Index wird ungefähr 25 Millionen 
Einträge haben. In den nächsten 
Monaten werden Teile davon, ge- 
ordnet nach geographischen 
Gebieten, veröffentlicht, so etwa die 
Britischen Inseln mit 5 Millionen 
und Nordamerika mit 4,5 Millionen 
Einträgen. Diese Datei ist das 
Ergebnis der jahrelangen Arbeit der 
vielen Urkundenauswerter. 

Ich bin begeistert von diesen und 
noch anderen Entwicklungen. Ziele, 
die einst unerreichbar schienen, lie- 
gen nun in unserer Reichweite. „Für 
Gott ist nichts unmöglich." 26 Eine 
neue Erntezeit ist angebrochen. Der 
Weg steht uns offen, seinen Willen 
zu tun 27 und die Bindeglieder 28 zwi- 
schen allen Evangeliumszeiten und 
Generationen zu schaffen. 

Für den Anfang brauchen Sie 
keine Geräte. Beginnen Sie mit einer 
Ahnentafel und einem Familiengrup- 
penbogen. 29 Tragen Sie die Namen 



DER STERN 
38 



derer ein, die Sie kennen. Fügen Sie 
hinzu, was Ihnen Ihre noch lebenden 
Angehörigen sagen können. Dieser 
einfache Anfang zu Hause bereitet 
sie darauf vor, weitere Hilfe zu erhal- 
ten. Und wenn Sie sich dann für 
einen verstorbenen Vorfahren taufen 
lassen, werden Sie spüren, daß dieses 
heilige Werk Gültigkeit besitzt, und 
Sie werden dadurch große Freude 
empfinden. 

Wenn wir darüber nachdenken, 
wie wichtig unsere Aufgabe in bezug 
auf die Vorfahren ist, müssen wir 
uns auch das umfangreiche Werk 
des Herrn vor Augen halten. Ich zi- 
tiere Präsident Joseph F. Smith: 
„Jesus war mit seiner Arbeit noch 
nicht am Ende, als sein Leib getötet 
wurde; er vollendete sie auch noch 
nicht nach seiner Auferstehung. 
Zwar hatte er vollbracht, wozu er 
auf die Erde gekommen war, aber 
doch war er mit seiner Arbeit noch 
nicht fertig. Und wann wird das 
sein? Erst dann, wenn er jeden Sohn 
und jede Tochter Adams erlöst und 
gerettet haben wird - alle, die auf 
Erden geboren worden sind oder 
noch geboren werden. ... Das ist 
nämlich seine Mission. Unsere 
Arbeit wird erst dann beendet, 
wenn wir uns selbst gerettet haben, 
und auch dann erst, wenn wir alle 
erlöst haben, die von uns abhängig 
sind; denn wir müssen, wie Christus, 
Heilande auf dem Berg Zion wer- 
den. Zu dieser Mission sind wir be- 
rufen worden. Die Verstorbenen 
sind ohne uns nicht vollkommen, 
und wir nicht ohne sie." 30 

Zu diesem Zweck ist Präsident 
Hinckley der Wille des Herrn einge- 
prägt worden, daß nämlich mehr 
Tempel gebaut werden sollen. 31 Die 
Heiligen der Letzten Tage sollen ein 
Volk sein, das die Begabung erhal- 
ten hat, und sie sollen sich an ihre 
Nachkommen und an ihre 
Vorfahren siegeln lassen. 

Die Uhr meines Großvaters erin- 
nert mich daran, daß unsere 
Großeltern auf uns schauen und 
darauf warten, daß wir sie ausfindig 
machen, die Verbindung zu uns fest- 
stellen und ihnen die heiligen 
Handlungen des Tempels zugänglich 
machen. Möge Gott uns in diesem 




Die Ausschachtungsarbeiten sind vollendet, und mit dem Bau des neuen Versammlungsgebäudes 
der Kirche nördlich vom Tempelplatz, das 21 000 Sitzplätze haben wird, ist bereits begonnen wor- 
den. Das neue Gebäude, das zur Frühjahrs-Generalkonferenz 2000 fertig sein soll, wird auch ein 
Theater mit 900 Sitzplätzen haben. Im Hintergrund sind das Church Office Building, links, der 
Salt-Lake-Tempel, Mitte, und die Kuppel des Tabernakels, rechts, zu sehen. 



heiligen Dienst mit Erfolg segnen. 
Das erbitte ich im Namen Jesu 
Christi, amen. D 

FUSSNOTEN 

1. Andrew C. Nelson. 

2. Johannes 4:37,36. 

3. Siehe LuB 2:1-3. 

4. Siehe LuB 110:2-10. 

5. Siehe LuB 110:11. 

6. Siehe LuB 110:12. 

7. Siehe LuB 110:13-16. 

8. Der Geist des Elija kann eine mächtige 
Kraft zum Guten sein, wenn es darum 
geht, Menschen zu bekehren, in der 
Kirche zu halten oder zu aktivieren. 

9. Die Genealogie ist jetzt eine der am 
schnellsten wachsenden 
Anwendungen für den nicht-kommer- 
ziellen privaten Gebrauch von 
Computern. Eine kürzlich gesendete 
Fernsehserie mit dem Titel „Ancestors" 
(Vorfahren) erfreute sich noch nie da- 
gewesener Beliebtheit. 340 von 353 
PBS-Fernsehsendern erwarben die 
Senderechte - der größte Erfolg in der 
Geschichte des PBS. In Verbindung 
damit wurde ein Buch mit dem Titel 
Ancestors: A Beginner' 's Guide to Family 
History and Genealogy (Vorfahren: 
Leitfaden zu Familiengeschichte und 
Genealogie für Anfänger) herausge- 
bracht. In weniger als einem Jahr wur- 
den davon über 35000 Exemplare 
verkauft. Manche Experten schätzen, 
daß 20 Prozent des Verkehrs im 
Internet mit Genealogie zu tun haben. 

JULI 1998 
39 



lO.LuB 128:15; siehe Matthäus 5:48. Hier 
und an anderen Stellen im Neuen 
Testament steht die Übersetzung voll- 
kommen für das griechische teleios, was 
so viel wie „zu ende gebracht, fertig; 
vervollständigt" heißt. 

1 1. Siehe Breck England, The Life and 
ThoughtofOrsonPratt (1985), 183. Im 
Jahre 1853 - während er auf Mission 
in Washington, D.C., war - schrieb 
Orson Pratt auf eine Zeitungsanzeige, 
in der um Auskunft über die 
Nachkommen von William Pratt aus 
Massachusetts gebeten wurde. Über 
diesen Kontakt fand Eider Pratt die 
Bindeglieder zu seinen frühesten 
Vorfahren in den Neu-England- 
Staaten. Zwanzig Jahre später berichtet 
Eider Pratt, daß seine Vorfahren über 
elf Generationen zurückverfolgt wor- 
den seien und daß sich Angehörige der 
Brüder Pratt für etwa 3000 ihrer 
Vorfahren hatten taufen lassen. (Siehe 
Journal of Discourses, 16:300.) 

12. Präsident Woodruff besprach diese 
Offenbarung am 5. April 1894 mit der 
Ersten Präsidentschaft und dem 
Kollegium der Zwölf Apostel. Siehe 
Tagebuch von Wilford Woodruff, 5. 
April 1894, Wilford- Woodruff- 
Sammlung, Archiv der Kirche. 

13. The Discourses of Wilford Woodruff, Hg. 
G. Homer Durham (1946), 157. Auch 
veröffentlicht im Millennial Star, 28. 
Mai 1894, 339. 

14- Sie genehmigten die Satzung der 
Gesellschaft und beauftragten Eider 



Franklin D. Richards, mit der 
Gründung der Gesellschaft zu begin- 
nen. Er wurde auch zum ersten 
Präsidenten der Gesellschaft ernannt. 
Siehe James B. Allen, Jessie L. Embry 
und Kahlile B. Mehr, Hearts Turned to 
the Fathers: A History of the Genealogical 
Society ofUtah, 1894-1994 (1995), 45. 

15. Die Sammlung begann mit etwa 300 
Büchern. Siehe Hearts Turned to the 
Fathers, 47. 

16. Siehe Hearts Turned to the Fathers, 280. 
Der Name wurde 1987 geändert, als 
das Genealogical Department in 
Family History Department umbenannt 
wurde (siehe Hearts Turned to the 
Fathers, 278). 

17. Die sogenannte Kartei des Tempel- 
Index-Büros (TIB) . Mit ihrer Hilfe 
wurde auch die Anzahl der mehrfach 
vollzogenen heiligen Handlungen so 
gering wie möglich gehalten. Siehe 
Hearts Turned to the Fathers, 96-103. 

18. Genealogical Index and Names 
Tabulation. 

19. Diente ebenfalls dazu, den mehrfachen 
Vollzug heiliger Handlungen so gering 
wie möglich zu halten. Siehe Hearts 
Turned to the Fathers, 304-309. Im Mai 
1991 begann die Abteilung damit, 
Namen per TempleReady zu bearbeiten. 

20.„Redemption: The Harvest of Love", 
Ensign, November 1990, 5-7. 

21. Über 50.000 Mitglieder waren in der 
Urkundenauswertung (dem Family 
Record Extraction Program - FREP) 
tätig. Siehe Hearts Tumed to the 
Fathers, 314-317. 

22. Bis zum 24. Februar 1998 sind 

329434125 Einträge ausgewertet wor- 
den. 

23.LuB 101:64. 

24.Unveröffentlicht. 29. September 1997. 
Verwendet mit Genehmigung. 

25. Die erste Version läuft unter Windows 
95™. 

26.Lukas 1:37. 

27.LuB 128:15. 

28.LuB 128:18. 

29. Die sehr nützliche Broschüre „Wo fange 
ich an?" erhalten Sie über die 
Gemeinde-Genealogiefachberater. Alle 
erwähnten Produkte sowie Computer- 
Hilfe finden Sie in den Genealogie- 
Forschungsstellen. 

30.Joseph F. Smith, Evangeliumslehre, 485f. 

31. Einschließlich kleinerer Tempel, die für 
viele Mitglieder leichter erreichbar sind. 



Priestertumsversammlung 

4. April 1998 



„Stemmt die 
Schulter an das Rad" 



Eider Neal A. Maxwell 

vom Kollegium der Zwölf Apostel 



Tatsächlich, Brüder, ist die Arbeit immer eine geistige 
Notwendigkeit, auch wenn sie für einige Menschen keine 
wirtschaftliche Notwendigkeit ist. 




Brüder, im Alter des 
Aaronischen Priestertums 
war ich Schweinehirt! Bei 
einem Projekt des landwirtschaftli- 
chen Jugend-Clubs - es ging um 
reinrassige Duroc-Schweine - habe 
ich viel gelernt, was das Arbeiten 
betrifft. Als Beweis dafür, daß das 
Folgende nicht nur aufgedunsene 
Erinnerungen sind, möchte ich 
Ihnen ganz kurz dieses Tuch mit 
fast 100 Auszeichnungen zeigen, 
die meine preisgekrönten Schweine 
bei verschiedenen Ausstellungen 
im Laufe der Jahre gewonnen 
haben. 



Oben neben Eider Nelsons Hand 
ist eine rosa Schleife zu sehen, die 
ich vor 60 Jahren gewonnen habe. 
Es war die erste Schleife, die ich je 
gewonnen habe. Ich glaube, der 
Preisrichter war sehr gütig, und das 
Schwein war eigentlich nicht so toll, 
aber er wußte, daß ich Ansporn 
brauchte, daher der vierte Preis. Die 
violetten Schleifen waren für 
Champions, die ich später ausstellte! 

Danke, Eider Nelson. 

Brüder, ich habe durch harte 
Erfahrung gelernt, daß es wichtig 
ist, die schwankenden Preise für 
Schweinefleisch bei der örtlichen 
Fleisch-Packanlage zu verfolgen. 
Mit Hilfe meines Vaters, der 
Buchhalter war, führte ich sorgfältig 
Aufzeichnungen über Gewinne und 
Verluste. Wie in allem, so übernah- 
men meine stets hilfsbereiten Eltern 
sogar einen Teil der anfallenden 
schweißtreibenden Arbeiten. Auch 
meine Mutter tat das, die heute vor 
95 Jahren geboren wurde. Sie hat 
mir gezeigt, wie man arbeitet, und 
sie hat mich genug geliebt, um mich 
zurechtzuweisen. 

Um billiges Schweinefutter zu be- 
kommen, kaufte ich regelmäßig 
Dutzende von drei Tage alten 
Broten, das Stück für nur einen 
Penny. Wenn ich mich zur rechten 
Zeit bei der örtlichen Molkerei ein- 



D E R 



STERN 
40 



fand, konnte ich außerdem etwa 70 
Gallonen Magermilch gratis bekom- 
men! Jetzt zahle ich 2,50 Dollar pro 
Gallone - das ist schon irgendwie 
seltsam. Durch solche Einsparungen 
konnte ich von meinem wenigen 
Bargeld das nötige Getreide für die 
Schweine kaufen. 

Es kam oft vor, daß eine trächtige 
Sau nach Mitternacht ferkelte. Das 
und alles andere machte mich 
müde, wirklich müde. Aber bei all 
dem hatte ich auch das Gefühl, 
etwas zu leisten; beispielsweise trug 
ich etwas zu den Mahlzeiten der 
Familie bei. Seinerzeit hatten die 
meisten jungen Männer in meinem 
Alter eine ähnliche Arbeit. Wir 
waren damals alle arm, nur wußten 
wir es nicht. Arbeit gehörte zu den 
normalen Gegebenheiten. Heute 
gehört für einige das Nehmen zu 
den normalen Gegebenheiten. 

Die Aufzucht von Schweinen 
hatte allerdings auch ihre gesell- 
schaftlichen Schattenseiten. Ich war 
damals ohnehin schüchtern, und 
ich kann mich noch lebhaft daran 
erinnern, wie der Leiter meiner 
Schule in die Klasse kam und vor 
aller Ohren laut und vernehmlich 
sagte: „Neal, deine Mutter hat an- 
gerufen. Deine Schweine sind los." 
Ich wäre am liebsten unter meinen 
Tisch gekrochen, aber ich rannte 
doch los und half mit, die Schweine 
einzufangen. 

Mein Vater war liebevoll aber sehr 
genau. Er stellte fest, daß ich zwar 
schwer arbeitete, daß meine Arbeit 
aber nicht immer sehr sorgfältig aus- 
geführt war. Vortrefflichkeit war mir 
fremd. An einem Sommertag wollte 
ich Vater einen Gefallen tun und 
eine Anzahl Zaunpfosten setzen, und 
zwar fest eingegraben und gut befe- 
stigt. Den ganzen Tag arbeitete ich 
schwer, und dann beobachtete ich 
erwartungsvoll die Straße, auf der 
Vater nach Hause kam. Als er kam, 
sah ich gespannt zu, wie er die 
Zaunpfosten gründlich inspizierte 
und sie sogar mit einer Wasserwaage 
prüfte, bis er sie schließlich als völlig 
annehmbar befand. Dann kam das 
Lob, das mir so viel bedeutete. Der 
Schweiß auf meiner Stirn hatte sich 
das Lob meines Vaters verdient, und 



das wiederum ließ mir das Herz 
schmelzen. 

Bitte verzeihen Sie mir diesen 
kurzen Abstecher in meine 
Vergangenheit. Ich möchte damit 
zum Ausdruck bringen, wie dankbar 
ich dafür bin, daß ich schon in jun- 
gen Jahren arbeiten gelernt habe. 
Ich habe bestimmt nicht immer „mit 
Gesang" die Schulter an das Rad ge- 
stemmt; was ich aber über 
Schultern und Räder lernte, hat mir 
im späteren Leben geholfen, als 
nämlich die Räder größer wurden. 
Einige der ansonsten guten jungen 
Männer meinen irrtümlicherweise, 
daß „die Schulter ans Rad stem- 
men" das gleiche sei, wie die Hände 
ans Lenkrad legen! 

Unser himmlischer Vater hat sei- 
nen großen Plan für seine Kinder 
mit den Worten umschrieben: 
„Siehe, es ist mein Werk und meine 
Herrlichkeit, die Unsterblichkeit 
und das ewige Leben des Menschen 
zustande zu bringen." (Mose 1:39.) 
Bedenken Sie bitte, wie bezeich- 
nend es ist, daß der Herr das Wort 
„Werk" verwendet. Was er so voller 
Liebe zur Erlösung tut, ist trotz 
allem Arbeit - selbst für ihn! Wir 
sprechen gleichermaßen davon, 
„uns um unsere Errettung zu 
bemühen", vom „Evangelium der 
Arbeit", vom „Gesetz der Ernte" 
und vom „Schweiß des Angesichts". 



(Siehe Mose 5:1.) Das sind keine 
leeren Phrasen. Sie unterstreichen 
den Wert der Arbeit. Tatsächlich, 
Brüder, ist die Arbeit immer eine 
geistige Notwendigkeit, auch wenn 
sie für einige Menschen keine wirt- 
schaftliche Notwendigkeit ist. 

Und so spreche ich zu euch 
guten jungen Männern, darunter 
auch zu meinen sieben großartigen 
Enkeln, die heute abend zuhören, 
unter ihnen zwei Missionare und 
drei kürzlich ordinierte Diakone. 
Ich erinnere euch daran, daß das 
Evangelium der Arbeit Bestandteil 
der „Fülle des Evangeliums" ist. 
Missionsarbeit macht zwar Freude, 
aber es ist Arbeit. Tempelarbeit 
macht zwar Freude, aber es ist 
Arbeit. Leider arbeiten einige unse- 
rer unterforderten Jugendlichen 
zwar, aber hauptsächlich zu ihrem 
Vergnügen. 

Leider sind einige unserer anson- 
sten guten Jugendlichen unterfor- 
dert und scheinen geradezu eine 
Freikarte zu haben. Vergünstigungen 
werden ihnen gewährt, beispielswei- 
se ein Auto komplett mit Benzin 
und Versicherung - alles von den 
Eltern bezahlt, und gerade einige 
dieser Eltern warten vergebens auf 
ein paar höfliche Worte der 
Wertschätzung. 

Ihr jungen Männer, im Einzelfall 
unterscheidet sich eure Arbeit 



Eider Neal A. Maxwell, links, und Eider Russell M. Nelson, beide vom Kollegium der Zwölf 
Apostel, halten die Schleifen hoch, die Eider Maxwell als Junge mit seiner Schweinezucht 
gewonnen hat. 




JULI 1998 
41 




vermutlich in bezug auf die Stunden, 
die ihr mit Hausaufgaben, Arbeiten in 
der Familie, Kirchenarbeit, Teilzeitarbeit 
und Arbeit an Dienstprojekten ver- 
bringt; aber jede Art von Arbeit 
kann eure Zeit und eure Talente for- 
dern. Achtet aber auch auf die 
Warnsignale. Wenn ihr beispielsweise 
einen Teilzeitjob habt, gebt ihr dann 
alles Geld für euch selbst aus? Zahlt 
ihr den Zehnten? Legt ihr etwas für 
eure Mission zurück? Präsident 
Spencer W Kimball hat uns den 
folgenden treffenden Rat gegeben: 
„[Wird es einem jungen Mann] ge- 
stattet, sein ganzes Einkommen für 
sich selbst auszugeben, dann wird 
ihm dieser Egoismus vielleicht bis 
ans Grab anhaften." (Teachings of 
Spencer W. Kimball [1982], 560.) 

Hausaufgaben für die Schule sind 
sicher notwendig, aber verdrängt 
diese Arbeit des Gehirns die Arbeit 
des Geistes? Euer Notendurchschnitt 
ist sehr wichtig, aber welche Note 
bekämt ihr wohl für christlichen 
Dienst? 

Die Kirchenarbeit entwickelt le- 
bensnotwendige Reflexe, und diese 
Art von Arbeit wird nie aufhören; 
aber geht ihr nur die Routinen 
durch, ohne wirklich darüber nach- 
zudenken oder euch Mühe zu geben? 

Auch die Arbeit in der Familie ist 
lebenswichtig, aber gehört da nicht 



noch mehr dazu als das eigene 
Zimmer sauber zu halten und eure 
Kleidung wegzuräumen? 

Wie eure Arbeit auch aussieht, 
die schwerste Arbeit, die wir alle 
verrichten müssen, besteht darin, 
unseren Egoismus abzulegen. Das ist 
wirklich Schwerstarbeit! 

Man muß sich die Arbeit gut ein- 
teilen, da manche Arten von Arbeit 
so raumgreifend sein können, daß sie 
andere Arten untergehen lassen. Das 
betrifft zum Beispiel die Väter, die 
allzu oft abends spät noch im Büro 
sitzen. Zu unserer Lieblingsarbeit 
brauchen wir kaum Ansporn, so 
wie in Eider Spencer Condies 
Umschreibung einer Anweisung, die 
Strauß einmal anderen Dirigenten 
gegeben hat: „Gönne den Bläsern 
nicht einmal ein aufmunterndes 
Kopfnicken, sonst bekommst du die 
Streicher nie wieder zu hören!" 

Gebt acht, Väter, wenn ihr euch 
zu sehr wünscht, daß eure Kinder es 
besser haben als ihr früher. Macht es 
ihnen nicht, auch unabsichtlich, 
schwerer, indem ihr ihnen vernünf- 
tige Arbeit vorenthaltet, womit ihr 
eure Kinder von dem isoliert, was 
euch geholfen hat, so zu werden, 
wie ihr heute seid! 

Zugegeben, einige Rahmenbedin- 
gungen haben sich geändert! Die 
meisten Jungen brauchen keine 
Kühe zu melken oder Schweine zu 
füttern usw. Es ist ja auch kein 
Wunder, daß manche der heutigen 
Arbeiten künstlich und konstruiert 
sind. Junge Männer, habt Geduld 
mit euren Eltern, wenn sie versu- 
chen, euch zu sinnvoller Arbeit zu 
verhelfen. Es wäre ein großer Segen 
für uns, wenn mehr Söhne an der 
Seite ihres Vaters arbeiten könnten. 
Wenn es nicht ohnehin schon so ist, 
wie wäre es dann, wenn sich Vater 
und Sohn in den nächsten drei 
Monaten nur eine einzige an- 
spruchsvolle Sache aussuchen, an 
der sie gemeinsam arbeiten? 

Ihr jungen Männer, ich weiß 
nicht genau, welche besonderen 
Gaben jeder einzelne besitzt, aber 
die Gaben sind da! Bitte wendet 
diese Gaben an, und erweitert eure 
Talente - ganz nebenbei, während 
Ihr den Müll hinaustragt, Laub recht 



oder für eine Witwe, einen Witwer 
oder einen kranken Nachbarn 
Schnee schaufelt. 

Wenn Ihr wißt, was Arbeit ist, 
gibt euch das einen Vorteil im Leben, 
und Erfahrungen mit Vortrefflichkeit 
sind ein besonderer Vorteil! 

Loben wir unsere Jugendlichen 
immer bereitwillig für die Arbeit, 
die sie leisten, vor allem, wenn sie 
sie gut machen! 

Von der heranwachsenden 
Generation hängt es ab, ob die 
Heiligen der Letzten Tage auch wei- 
terhin für ihre Arbeitsmoral be- 
kannt sein werden. Vor langer Zeit 
hat Präsident Brigham Young ge- 
sagt: „Ich möchte erleben, daß un- 
sere Ältesten so erfüllt von 
Rechtschaffenheit sind, daß man sie 
allen anderen vorzieht. . . . Wenn 
wir nach unserer Religion leben 
und es wert sind, Heilige der 
Letzten Tage zu heißen, dann sind 
wir genau die Menschen, denen 
man derartige Geschäfte mit völli- 
ger Sicherheit anvertrauen kann; 
wenn es nicht so ist, dann zeigt das, 
daß wir nicht nach unserer Religion 
leben." (Discourses of Brigham Young 
[1954], 232f.) 

Wählt euch eine berufliche 
Laufbahn, wenn es an der Zeit ist, 
und seid euch dessen bewußt: ob 
man nun Neurochirurg, Förster, 
Mechaniker, Landwirt, Lehrer oder 
sonst etwas wird, ist eine Frage der 
Neigung und nicht des Prinzips. 
Sicher ist der Beruf, für den ihr euch 
entscheidet, sehr wichtig, aber er 
stellt nicht eure wirkliche Karriere 
dar. In Wirklichkeit, Brüder, seid ihr 
doch Söhne Gottes auf der Reise, die 
aufgefordert sind, den Weg zu gehen, 
der sie nach Hause führt. Dort wer- 
den die Leichenbestatter feststellen, 
daß ihr Beruf nicht der einzige ist, 
den es nicht mehr gibt. Aber die 
Fähigkeit zu arbeiten und klug zu ar- 
beiten, wird immer gefragt sein. 
Ebenso die Fähigkeit zu lernen. 
Nebenbei, meine jungen Brüder, 
habe ich keine schweißfreie 
Abkürzung ins celestiale Reich ge- 
funden; es führt keine einfache 
Rolltreppe dorthin. 

Ihr jungen Männer im Aaron- 
ischen Priestertum und ihr Männer 



DER STERN 
42 



im Melchisedekischen Priestertum, 
noch nie war es für Sie so wichtig, zu 
wissen, wer Sie sind, wie in der Welt 
von heute. Seit langer, langer Zeit ist 
jeder von Ihnen Teil eines großen und 
andauernden Schauspiels. Sie waren 
am Anfang wirklich bei Gott (siehe 
LuB 93:29). Sie waren im großen vor- 
irdischen Rat anwesend, wo Sie als 
Gottes Geistsöhne vor Freude über die 
Aussichten der Erfahrung dieses irdi- 
schen Lebens, durch das der Plan des 
himmlischen Vaters zur Errettung vor- 
angebracht werden sollte, jubelten. 

Weitere Akte des Schauspiels ste- 
hen uns noch bevor, unter anderem 
der eine Tag, an dem jedes Knie sich 
beugen und jede Zunge bekennen 
wird, daß Jesus der Messias ist, und 
alle erkennen werden, daß Gott 
Gott ist und daß er in seiner 
Gerechtigkeit und Gnade vollkom- 
men ist. Diejenigen, die den Herrn 
lieben, werden sein celestiales Reich 
ererben, und kein Auge hat gesehen 
und kein Ohr gehört, was der Herr 
dort für sie bereitet hat (siehe 1 
Korinther 2:9). Jesus hat bereits ge- 
arbeitet, um uns diesen herrlichen 
Platz zu bereiten. 

Meine Brüder, alt und jung, 
mitreißend ist der einzige Ausdruck, 
mit dem sich Ihre geistige 
Geschichte und Ihre mögliche 
Zukunft beschreiben lassen! Und es 
wird immer reichlich Arbeit geben, 
besonders für diejenigen, die das 
Werk des Herrn tun! Ich stimme 
dem, was Präsident Hinckley über 
unsere Jugendlichen gesagt hat, gern 
zu, nämlich: „Ich habe immer wieder 
gesagt, daß wir die beste Generation 
junger Leute haben, die es in der 
Geschichte dieser Kirche gegeben 
hat." (Teachings of Gordon B. 
Hinckley [1997], 714. Siehe auch 
ENSIGN, April 1992, 96.) 

Ich glaube an eure zukünftigen 
Möglichkeiten. Ihr seid besondere 
Geister, die für besondere Arbeiten 
hierher geschickt worden sind. Auf 
diese Arbeiten wollte ich euch heute 
Abend freundschaftlich hinweisen! 

Ich liebe euch! Möge Gott euch 
segnen und euch auf dem Weg hal- 
ten, der euch nach Hause führt. 
Darum bete ich im heiligen Namen 
Jesu Christi, amen! D 



Der Missionsdienst 



Eider Earl C. Tingey 

von der Siebzigerpräsidentschaft 



Die Freude und Begeisterung, auf Vollzeitmission zu gehen, ist eine der 
größten Segnungen, die ein junger Mann im Aaronischen Priestertum sich 
wünschen kann. 



Offenbarung gegeben wurde, war 
alles relativ ruhig und friedlich. Als 
jedoch die Zeit heranrückte, da die 
zwölf Apostel der Offenbarung ent- 
sprechend handeln sollten, waren 
die Heiligen bereits vertrieben wor- 
den. ... 

Präsident Young fragte die von den 
Zwölf, die bei ihm waren: ,Was ma- 
chen wir in bezug auf die Erfüllung 
dieser Offenbarung?'" 2 Einige Brüder 
meinten, der Herr werde die gute 
Absicht der Zwölf anerkennen und 
nicht von ihnen erwarten, daß sie ihr 
Leben aufs Spiel setzten, um die 
Offenbarung zu erfüllen. 

Wilford Woodruff schreibt weiter: 
„Der Geist des Herrn ruhte auf den 
Zwölf, und sie sagten: ,Der Herr 
Gott hat gesprochen, und wir wer- 
den diese Offenbarung und dieses 
Gebot erfüllen.' Brigham Young und 
diejenigen, die bei ihm waren, hat- 
ten das gleiche Gefühl." 

Die Zwölf gingen - der 
Offenbarung gehorsam - auf Mission. 
Wilford Woodruff war so krank, daß 
er sich kaum auf den Füßen halten 
konnte. Heber C. Kimball schreibt, 
daß Brigham Young so krank war, daß 
er keine 150 Meter ohne Hilfe gehen 
konnte. Er ließ seine Frau und seine 
Kinder krank im Bett zurück. Als sich 
Brigham Young auf den Weg machte, 
trug er eine große Decke über den 
Schultern, weil er keinen Mantel 
besaß. 3 

Am 28. August 1852, fünf Jahre 
nach der Ankunft der Heiligen im 
Salt Lake Valley berief Brigham 
Young eine Sonderkonferenz ein, auf 
der an die 100 Männer berufen 




Ich spreche heute Abend zu jedem 
jungen Mann im Aaronischen 
Priestertum, der sich darauf vor- 
bereitet, eine Mission zu erfüllen, zu 
jedem Vollzeitmissionar und zu jedem 
Vater und Großvater, der einen jun- 
gen Mann dazu motiviert und darauf 
vorbereitet, auf Mission zu gehen. 

Vor einigen Monaten war ich in 
Far West im US-Bundesstaat 
Missouri. Früher einmal war dieser 
Ort Heimat und Zuflucht für etwa 
3000 bis 4000 Mitglieder der Kirche. 
Heute steht dort kein einziges Haus 
mehr. Es gibt nur Wiesen. Im Juli 
1838 hat der Prophet Joseph Smith 
dort eine Offenbarung empfangen, 
die besagte, daß die Zwölf am 26. 
April 1839 von Far West aufbrechen 
sollten, um die Missionsarbeit in 
England zu beginnen. 1 

In dem Buch Discourses of Wilford 
Woodruff steht: „Als diese 



JULI 1998 
43 




Die Statue von Joseph Smith auf dein 
Tempel platz. 

wurden, die bis an die Enden der 

Erde auf Mission gehen sollten. Der 

Auftrag, den die Missionare von 
George A. Smith von den Zwölf er- 
hielten, lautete: „Der Missionsdienst, 
zu dem bei dieser Konferenz aufgeru- 
fen wird, wird im allgemeiner! nicht 
sehr lange dauern; wahrscheinlich 
wird ein Mann zwischen drei und 
sieben Jahre von seiner Familie fort 
sein. ' 

Heute gehen die Missionare 
nicht unter solch extremen 
Umständen auf Mission, Sie haben 
es relativ bequem und leicht, sind 
entsprechend gekleidet, haben 
genug zu essen und sind mit dem 
F 1 1 igze i ig un Herwegs. 

Derzeit dienen mehr als 58000 
\4illzeitniissionare in 136 Ländern und 
'Territorien der Welt. Bis zum 31. Juli 
werden wir insgesamt 331 Missionen 
halben. Die Freude und Begeisterung,, 
auf Vollzeitmission zu gehen, ist eine 
der größten Segnungen» die ein junger 
Mann im Aaronischen Piiestertum 
sich ■wünschen kann. 

Die meisten Missionare werden in 
einer der 15 Missio'ttarsschiilen in 
aller \Wbft besonders geschult. In der 
größtem davon, in Pivvo in Utfth, 
sind derzeit 3000 Missionare unterge- 
bracht* Vielleicht interessieren Sie 
ein paar statistische Angaben,, die ich 
vor kurzem bei einem Besuch in der 
Missionarsschiile in Provo erhalten 



habe. Pro Monat verzehren die 
Missionare dort mehr als 2 Tonnen 
Frühstückszerealien. Ungefähr eine 
Tonne davon entfällt auf die Marke 
„Lucky Charms", eine beliebte 
Frühstücksvariante. Vielleicht tut ein 
angehender Missionar gut daran, zum 
Frühstück „Lucky Charms" zu essen! 
Zur Information der Eltern, die sich 
bemühen, ihre Söhne an eine in 
ihren Augen gesündere Kost zu ge- 
wöhnen, teile ich Ihnen mit, daß die 
Missionare dort pro Monat nicht ein- 
mal 8 kg Vollkornmüsli essen! 

Ihr jungen Männer im 
Aaronischen Priestertum, darf ich 
euch sechs Möglichkeiten nennen, 
wie ihr euch auf eure Mission vorbe- 
reiten könnt? 

Erstens, gewinnt ein Zeugnis 
davon, daß das Evangelium Jesu 
Christi wahr ist. Erkennt für euch, 
daß ihr das Priestertum tragt und 
daß Jesus Christus euer Erretter ist. 

Zweitens, lest das Buch Mormon 
und sinnt darüber nach, bis ihr 
wirklich sagen könnt, daß Joseph 
Smith es durch den Engel Moroni 
erhalten und von den goldenen 
Platten übersetzt hat. 

Drittens, seid rein und keusch. 
Wer einen Fehltritt begangen hat, 
kann umkehren. Er wendet sich an 
seinen Bischof und bemüht sich um 
dessen Hilfe und Rat. 

Viertens, zahlt den Zehnten und 
die Opfergaben,, damit ihr von die- 
sem großen Evangeliumsgruiidsatz 
Zeugnis geben könnt. Spart für eure 
Mission.. Eine Mission ist nicht un- 
entgeltlich, und jeder Missionar 
muß damit rechnen,, daß er zu den 
Kosten der Mission etwas beizutra- 
gen hat. 

Fünftens,, lernt arbeiten. Seid be- 
reit, früh am Morgen aufzustehen, 
den ganzen. Tag hart zu arbeiten und 
rechtzeitig schlafen zu gehen. Lernt 
als Nforbereitiing auf eure Mission zu 
arbeiten! 

Sechsten», dient in eurer 
Gemeinde als Heimlehrei, damit ihr 
lernt, welche Freude das Dienen mit 
sich bringt. 

Ich habe auch einige Vocsclilige 
für die \4)ll2eitniissioiiare.: 

Erstens.» tun Sie den Mund auf. 
Der Herr sagt uns: „Und du mußt 



allezeit den Mund auftun und mein 
Evangelium mit dem Ton der Freude 
verkünden." 5 

Sprechen Sie einen jeden an: die 
Verkäuferin im Laden, die Leute im 
Bus, die Menschen auf der Straße - 
einfach jeden, dem Sie begegnen. 

Zweitens, arbeiten Sie hart. Bei 
der Missionsarbeit stößt man oft auf 
Ablehnung. Da kann man schon 
leicht mutlos werden. „Und ihr seid 
berufen, die Sammlung meiner 
Auserwählten zuwege zu bringen; 
denn meine Auserwählten verneh- 
men meine Stimme und verhärten 
nicht ihr Herz." 6 

Drittens, seien Sie gehorsam, glau- 
bensstark und treu. Als Missionar hat 
man einen Mitarbeiter, damit man 
geschützt ist. Ein Missionar schützt 
seinen Mitarbeiter am besten, indem 
er dem Herrn treu ist und seinem 
Mitarbeiter hilft. Das Einhalten der 
Missionssregeln macht Sie frei, Hilfe 
durch den Geist zu erhalten. 

Viertens, unterweisen Sie, und 
geben Sie Zeugnis. „Ihr aber sollt in 
der Macht meines Geistes ausgehen 
und mein Evangelium predigen, 
zwei und zwei, in meinem Namen, 
und ihr sollt die Stimme erheben - 
gleich dem Ton einer Posaune - , so 
daß ihr wie Engel Gottes mein Wort 
verkündigt." 7 

Fünftens, pflegen Sie nach Ihrer 
Mission denselben Geist, dasselbe 
Erscheinungsbild und das 
Vertrauen, das in einen Missionar 
gesetzt wird. Brigham Young hat den 
zurückgekehrten Missionaren ein- 
mal folgendes gesagt: „Kommt erho- 
benen Hauptes zurück. Haltet euch 
von Kopf bis Fuß rein, und seid 
auch im Herzen rein." 8 

An die Väter und Großväter der 
jungen Männer im AP- Alter: 

Motivieren Sie Ihre Söhne und 
Enkel und machen Sie ihnen Mut, 
auf Mission zu gehen. 

Sorgen Sie für ein rechtschaffe- 
nes Zuhause, für Beständigkeit und 
eine friedliche Atmosphäre, in der 
die jungen. Männer heranwachsen 
und sich auf ; den Dienst vorbereiten 
könneii. 

Gehen Sie mit gutem Beispiel 
voran, und halten Sie die Gebote. 
Zahlen Sie den Zehnten und die 



D I ■ £ T IE R U\ 

J.-Z 



Opfergaben, besuchen Sie die 
Abendmahlsversammlung, lesen Sie 
in den heiligen Schriften, und hal- 
ten Sie den Familienabend, damit 
Ihre Söhne auf ihre Mission vorbe- 
reitet sind. 

Bereiten Sie sich darauf vor, 
mit Ihrer Ehefrau auf Mission zu 
gehen, wenn die Zeit gekommen 
ist. Wir brauchen viel, viel mehr 
Missionarsehepaare. 

Die Freuden und Segnungen, die 
mit einer Vollzeitmission einherge- 
hen, sind so heilig und persönlich, 
daß es schwer ist, sie in Worte zu fas- 
sen. 35 Jahre nach meiner ersten 
Mission habe ich von einer Familie 
einen Brief erhalten, die ich zwar 
belehrt, aber nicht getauft habe. In 
dem Brief steht, daß aus dieser 
Familie mit vier kleinen Kindern nun 
vier Tempelehen hervorgegangen 
sind, drei der Kinder waren auf 
Vollzeitmission gewesen, drei dienten 
als Bischof, die Tochter war FHV- 
Leiterin und es gibt ein Dutzend 
Enkelkinder, die im Evangelium her- 
anwachsen. Sie können sich viel- 
leicht vorstellen, welche Freude ich 



empfunden habe, wo ich doch wußte, 
daß ich mitgeholfen hatte, diese 
Menschen zu finden und im 
Evangelium Jesu Christi zu unter- 
weisen. 

Abschließend möchte ich Zeugnis 
geben, daß man als Missionar geseg- 
net wird. Im vergangenen Jahr ist 
mein Vater im Alter von 88 Jahren 
verstorben. Er war als junger Mann 
während der Weltwirtschaftskrise 
auf Mission berufen worden, als 
nicht viele gehen konnten. Es war 
schwer und mühsam. Er hat aber 
immer gesagt, daß sein Entschluß, 
auf Mission zu gehen, die beste 
Entscheidung seines Lebens gewesen 
war. Er hatte zehn Kinder - neun 
davon überlebten ihn - sowie 56 
Enkel und 116 Urenkel. 

Von seinen Nachkommen haben 
32 eine Vollzeitmission erfüllt, 15 an- 
geheiratete Ehepartner sind ebenfalls 
auf Mission gewesen, das sind also 47 
Vollzeitmissionare oder 100 Jahre 
Vollzeitmissionsarbeit. Und all dies 
ist zum Teil darauf zurückzuführen, 
daß ein Mann auf Mission gegangen 
ist. Ich werde meinem Vater ewig 



dafür dankbar sein, daß er auf 
Mission gewesen ist und daß ich dazu 
ermutigt und aufgefordert worden 
bin, seinem Beispiel nachzueifern. 

Ich bezeuge, daß wir alle in der 
Kirche den Vorzug genießen, ein 
Missionar zu sein. Mit zu unserer 
Verantwortung als Priestertumsträger 
gehört, daß wir ein Missionar sind. 
Ich bete darum, daß wir alle dieser 
Verpflichtung, die wir dem Herrn ge- 
genüber haben, nachkommen. Im 
Namen Jesu Christi, amen. D 

FUSSNOTEN: 

1. LuB118. 

2. Discourses of Wilford Woodruf, Hg. 
G. Homer Durham (1969), 309. 

3. Siehe Orson F. Whitney, Life of Heber 
C. Kimball (1888), 275f; Wilford 
Woodruff, Leaves from M;y Journal, 2. 
Auflage (1882), 69. 

4. „Minutes of Conference", Deseret 
News, 18. September 1852, 1. 

5. LuB 28:16. 

6. LuB 29:7. 

7. LuB 42:6. 

8. Discourses ofBrigham Young, Hg. John 
A.Widtsoe (1971), 328. 



Ein paar der 200 Missionarinnen aus aller Welt, die auf dem Tempelplatz dienen. 




JULI 1998 
45 



„Das Herz und einen 
willigen Sinn" 



Eider James M. Paramore 

von den Siebzigern 



Ihr könnt so viel Gutes tun, daß es euch verblüffen wird, wenn ihr seht, 
wie ihr euch ändert und wie andere sich ändern. 



guten Werke, die ich sehe. Sie sind 
unglaublich, meine Freunde. 

Männer des Priestertums, mir ist 
eine Geschichte von einer Lehrerin 
erzählt worden, die ihre Schüler 
nach den Sommerferien fragte, was 
ihr Vater ihnen in den Ferien im 
Hinblick auf Selbständigkeit beige- 
bracht hatte. Nachdem einige 
Schüler berichtet hatten, fragte sie 
Johnny, was sein Vater getan hatte. 
Johnny antwortete: „Mein Papa hat 
mir das Schwimmen beigebracht. Er 
brachte mich bis zur Mitte des Utah- 
Sees, warf mich über Bord und sagte 
mir, ich solle zum Ufer zurück- 
schwimmen." „Oha", sagte die 
Lehrerin, „das erforderte aber viel 
Mut!" Johnny erwiderte: „Es war gar 
nicht so schlimm, nachdem ich mich 
aus dem Jutesack befreit hatte!" 
Nun, meine jungen Freunde, das 
Leben wird eine Herausforderung 
sein, aber unser Vater im Himmel 
hat uns die nötigen Mittel gegeben, 
um es sicher zu bestehen. Ich möchte 
ein paar Minuten darüber sprechen. 

Der Herr möchte, daß ihr auf 
eurer irdischen Reise das schönste 
Erlebnis überhaupt habt. Es kann 
eine herrliche Reise sein, die von 
buchstäblich Tausenden von 
außerordentlichen Erfahrungen und 
geistigen Bestätigungen erfüllt ist, 
wenn ihr bei den vielen 
Entscheidungen, die ihr unterwegs 
treffen müßt, euren Weg findet. Die 
Straße, die der Vater im Himmel 
vorgegeben hat, ist deutlich mar- 
kiert, aber die Wege der Welt kön- 




Ich grüße das Priestertum der 
Kirche hier auf der Erde. Es ist 
mir eine Ehre, heute abend bei 
Ihnen zu sein. Die Bruderschaft, die 
hier und überall auf der Welt zu 
spüren ist, ist etwas Wunderbares. 
Vor ein paar Monaten war ich im 
Foyer des Verwaltungsgebäudes der 
Kirche und wartete auf den Aufzug, 
als drei Männer hereinkamen und 
die Dame am Empfang fragten: 
„Sind hier die Brüder zu finden?" 
Die Empfangsdame lächelte, und 
ich dachte: „Ist das nicht eine wun- 
dervolle Begrüßung?" 

Wohin ich auch gehe: wir sind 
Brüder, und das sofort. Das ist ein 
beruhigender Gedanke. Nach jedem 
Auftrag kehre ich nach Hause 
zurück und danke Gott für diese 
Bruderschaft und die Liebe und die 



nen euch täuschen. Doch vergeßt 
nicht: „Ihr aber seid ein auserwähl- 
tes Geschlecht, eine königliche 
Priesterschaft" (1 Petrus 2:9). Ihr 
seid die Werkzeuge, durch die 
Wahrheit und Rechtschaffenheit 
und ewiges Leben der ganzen Welt 
bekannt gemacht werden. Wir alle 
haben Teil daran. Wie der Herr dem 
Propheten Joseph Smith 1831 sagte, 
brauchen wir „das Herz und einen 
willigen Sinn" (LuB 64:34). 

Ihr jungen Männer, das Leben ist 
ewig. Der Herr Jesus Christus und 
seine Diener geben der Welt 
Hoffnung und das Zeugnis, daß die 
Reise, auf die wir uns begeben, von 
der Gegenwart des Vaters zur Erde 
führt und von dort wieder nach 
Hause zu unserem Vater im Himmel, 
damit wir dort ewig leben. Wir alle 
bringen der Welt diese gute 
Nachricht. Es ist eine überirdische 
Botschaft, die von immerwähren- 
dem Leben und immerwährenden 
Beziehungen, ja selbst von ewiger Ehe 
und ewiger Familie handelt. Nichts 
kann ihre Bedeutung, ihren Wert und 
ihre Verheißung übertreffen. 

Betrachtet beispielsweise einmal 
meinen Freund Bob und seine auf- 
merksame Sorge um einen Altesten, 
der rauchte. Fast jeden Morgen be- 
suchte er dieses Mitglied seines 
Kollegiums und betete mit ihm, daß 
er das Rauchen aufgeben konnte, 
und dann gab er ihm ein Päckchen 
Bonbons oder Kaugummi, damit er 
den Tag überstehen konnte. Später 
sah Bob ihn und seine Frau, die sich 
über dem Tempelaltar an der Hand 
faßten, um für alle Ewigkeit gesie- 
gelt zu werden. Was bewirkte die 
Veränderung und brachte all das zu- 
stande? Das Evangelium und „das 
Herz und ein williger Sinn". 

Ich möchte euch Jugendlichen 
ein paar Gedanken nennen, die 
euch helfen, „das Herz und einen 
willigen Sinn" hervorzubringen? 
Erstens. Wir bezeugen der Welt, daß 
es einen Gott gibt und er seinen gelieb- 
ten Sohn gesandt hat, um die 
Bedeutung dieser Reise zur Erde 
und wieder zurück aufzuzeigen. Er 
hat den Plan festgelegt, wie diese 
Reise erfolgreich wird. Wir müssen 
nur „mit ganzem Herzen . . . auf den 



DER STERN 
46 



Herrn [vertraun] , [und] nicht auf 
eigene Klugheit [bauen]" 
(Sprichwörter 3:5). Menschliche 
Philosophien wird es immer geben, 
aber sie bringen keine Verheißung 
des ewigen Lebens mit sich, nicht 
einmal Frieden auf dieser Erde. 
Setzt euer ganzes Vertrauen in den 
Herrn. Seine heiligen Schriften und 
seine Propheten geben von ihm 
Zeugnis und zeigen den Weg. 

Zweitens. Gott hat durch seinen 
Sohn Jesus Christus Grenzen festge- 
legt. Das sind die Gebote, die er uns 
gibt, damit wir auf unserer Reise si- 
cher sind. Wenn wir diesen Geboten 
gehorchen, machen wir eine 
Veränderung durch, die die Art und 
Weise, wie wir denken, wie wir 
fühlen, wie wir uns kleiden, wie wir 
leben, auch was wir essen und trin- 
ken und die Art und Weise, wie wir 
anderen dienen, ändert. Wie Alma 
der Jüngere sagte: Sie werden „neue 
Geschöpfe" (Mosia 27:26). Diese 
Grenzen schützen uns. Sie sind für 
eine sichere Reise wesentlich. 

Als ich fünf Jahre alt war, half mir 
meine Mutter zu begreifen, was 
Grenzen sind, als sie mir fast jeden 
Tag sagte „Jimmy, geh nicht in die 
Nähe des Treibsands", der sich nur ein 
paar hundert Fuß von unserem Haus 
entfernt befand. Nun ratet einmal, 
was Jimmy und seine jungen Freunde 
taten! Wir gingen hinüber. Als wir 
einmal näher auf den Treibsand zu- 
gingen, ging einer meiner Freunde 
hinüber zu dem eher nassen, dunkler 
aussehenden Sand. Er sah fast aus wie 
der übrige Sand. Zunächst konnte er 
die Füße nicht mehr bewegen, und 
wir lachten alle. Dann sanken sie ein 
wenig tiefer in den Treibsand, und er 
geriet in Panik. Er kam nicht mehr 
aus dem Treibsand heraus und fing an 
zu schreien. Wir anderen rannten so 
schnell wir konnten zum Haus eines 
Cowboys und schrien aus 
Leibeskräften. Er ergriff sofort ein Seil 
und rannte mit uns zu dem Jungen 
zurück, der bereits bis zur Hüfte im 
Treibsand steckte. Schnell warf er das 
Lasso um den Jungen, und wir hielten 
das Seil fest, während er einen 
Baumstamm über den Sand legte und 
hinaufkletterte, um den Jungen aus 
dem Treibsand zu ziehen. 



Manchmal machen wir die 
Erfahrung, daß wir oft in eine Art 
Treibsand geraten, wenn wir die 
Grenzen des Herrn überschreiten. 
Die Wege der Welt sind oft wie 
Treibsand, und sie können so zerstö- 
rerisch sein. Sie versuchen uns von 
den Grenzen des Herrn - von sei- 
nen Geboten - abzubringen. Diese 
Wege der Welt (wie Drogen, 
Alkohol, Rauchen, Zusammenleben 
ohne Trauschein, bestimmte Musik 
usw. usw.) 

• sind sehr verführerisch 

• scheinen ganz normal zu sein 

• scheinen von allen akzeptiert zu 
werden und 

•werden im Fernsehen, im Kino, 
im Internet, in Videos usw. ange- 
priesen. 

Dies alles läßt uns die Grenzen 
überschreiten, die der Herr gesetzt 
hat. Wenn man ihnen folgt, führt 
dies zu Hoffnungslosigkeit, gesund- 
heitlichen, finanziellen und anderen 
Schwierigkeiten. 

Die Grenzen des Herrn sind in 
der Publikation Für eine starke 
Jugend klar umrissen und für jeden, 
der sich daran hält, ein großer 
Segen. Wir gehen als Missionare 
und als Mitglieder hinaus, um den 
Menschen zu helfen, die Gebote des 
Herrn zu finden und zu achten. 
Wenn wir das mit „dem Herzen und 
einem willigen Sinn" tun, oder, mit 
anderen Worten, eifrig, gern und be- 
geistert, so wie Präsident Hinckley 




in alle Welt hinausgeht, wird es uns 
ändern, wir werden empfänglicher 
und sind dankbar für jede 
Möglichkeit, die wir nutzen. 

Drittens, und das sage ich zu alt 
und jung gleichermaßen, habt das 
Ziel von Anfang an immer vor Augen. 
Wo wollt ihr mit neunzehn Jahren 
oder im Rentenalter sein? Auf 
Mission? Trefft diese Entscheidung 
heute Abend. Ich verheiße euch, 
daß es euer Leben und auch das 
Leben anderer ändern wird, wenn 
Gott euch auf eurer Mission führt. 
Er verlangt nichts als „das Herz und 
einen willigen Sinn". Ihr könnt so 
viel Gutes tun, daß es euch verblüf- 
fen wird, wenn ihr seht, wie ihr euch 
ändert und wie andere sich ändern. 

In einer Zeugnisversammlung in 
Bari in Italien war ich sehr über- 
rascht, als ein junger Mann aufstand 
und sagte: „Wenn es Eider Paramore 
nicht gegeben hätte, wäre ich heute 
nicht hier." Dann erzählte er, wie 
seine Mutter und seine Großeltern 
dreißig Jahre zuvor von Eider Ben 
Walton und Eider James Paramore 
in Paris gefunden worden waren. 
Nach vielen Versammlungen wurde 
die Familie getauft. Nun war dieser 
Sohn auf Mission. Später erfuhr ich, 
daß im Laufe der Jahre über 170 
Menschen von dieser Familie ge- 
tauft wurden und daß viele 
Mitglieder dieser Familie eine 
Mission erfüllt hatten. Ich durfte auf 
Mission gehen, und diese zweiein- 
halb Jahre waren für mein Zeugnis 
entscheidend, und ich kann Gott 
nicht genug dafür danken. 

Ich bezeuge, daß Gott lebt. Sein 
Sohn ist der Erlöser, und dieses 
Evangelium ist für die Menschen in 
aller Welt ein Segen. Mögen wir alle 
• auf Gott und auf seinen Sohn 
vertrauen, 

•innerhalb der Grenzen leben, 
die sie gesetzt haben, 

•und das Ziel von Anfang an 
immer vor Augen haben, und zwar 
mit „dem Herzen und einem willi- 
gen Sinn". 

Denkt daran, daß der Herr gesagt 
hat: „Denn nur die, die mich ehren, 
werde ich ehren." (1 Samuel 2:30.) 
Möge dies unsere Reise sein. Im 
Namen Jesu Christi, amen. D 



JULI 1 

47 



9 9 8 



M 



So trachten wir danach" 



Präsident James E. Faust 

Zweiter Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft 



Wir hoffen, daß ihr, gleich ihnen, Männer seid, „die zu allen Zeiten und in 
allem, was ihnen anvertraut war, treu [sind]." [Ama 53:20.] Mein 
Anliegen ist es ... , daß wir das, woran wir glauben, und das, was wir tun, 
besser miteinander in Einklang bringen. 



und sie „waren wegen ihres Mutes 
und auch ihrer Stärke und 
Regsamkeit überaus tapfer". Wir 
hoffen, daß ihr, gleich ihnen, 
Männer seid, „die zu allen Zeiten 
und in allem, was ihnen anvertraut 
war, treu [sind]." 2 

Mein Anliegen ist es heute, daß 
wir das, woran wir glauben, und das, 
was wir tun, besser miteinander in 
Einklang bringen. Mein Thema ist 
der dreizehnte Glaubensartikel: „Wir 
glauben, daß es recht ist, ehrlich, 
treu, keusch, gütig und tugendhaft zu 
sein und allen Menschen Gutes zu 
tun; ja wir können sagen, daß wir der 
Ermahnung des Paulus folgen - wir 
glauben alles, wir hoffen alles, wir 
haben viel ertragen und hoffen, alles 
ertragen zu können. Wenn es etwas 
Tugendhaftes oder Liebenswertes 
gibt, wenn etwa guten Klang hat 
oder lobenswert ist, so trachten wir 
danach." 3 

Brüder, zeigt sich der Geist Christi, 
den wir auf uns genommen haben, 
auch in unserem Verhalten am 
Arbeitsplatz? Brigham Young hat ge- 
sagt: „Wir wollen, daß die Heiligen 
immer besser werden, bis beispiels- 
weise unsere Mechaniker so ehrlich 
und zuverlässig sind, daß diese 
Eisenbahngesellschaft sagt: ,Gebt uns 
einen Mormonenältesten als 
Mechaniker, dann braucht niemand 
auch nur die geringste Angst davor 
zu haben, mitzufahren, denn wenn er 
weiß, daß Gefahr besteht, wird er alle 
nötigen Maßnahmen ergreifen, um 
das Leben derer, die ihm anvertraut 
sind, zu schützen. Ich möchte erle- 




B rüder, ich freue mich, daß ich 
heute Abend hier mit Ihnen 
zusammen sein kann. Kaum 
eine Verantwortung wiegt schwerer 
als die, vor dieser großen 
Versammlung von Priestertumsträ- 
gern zu sprechen, denn das 
Priestertum ist die mächtigste Kraft 
auf der Erde. B. H. Roberts hat das 
folgendermaßen ausgedrückt: „Das 
Priestertum ist etwas Feierliches. 
Die Macht innezuhaben, die einem 
vom Allmächtigen übertragen wor- 
den ist, die Vollmacht zu haben, in 
seinem Namen zu sprechen und zu 
handeln, wobei dem dieselbe bin- 
dende Kraft innewohnt, als ob Gott 
selbst gesprochen oder gehandelt 
hätte - das ist eine Ehre und eine 
Verantwortung zugleich." 1 Ihr jun- 
gen Männer gleicht in meinem 
Augen den Heerscharen Helamans, 



ben, daß unsere Ältesten so redlich 
sind, daß diese Firma sie als 
Lokomotivbauer, Wächter, Mechani- 
ker, Sekretäre und Geschäftsführer 
vorzieht. Wenn wir nach unserer 
Religion leben und des Namens 
Heilige der Letzten Tage würdig sind, 
sind wir genau die Menschen, denen 
alle solche Geschäfte mit vollkomme- 
ner Sicherheit anvertraut werden 
können; andernfalls wird sich heraus- 
stellen, daß wir nicht nach unserer 
Religion leben." 4 Das, wozu Präsident 
Young die Priestertumsträger der da- 
maligen Zeit aufgefordert hat, ist 
heute nicht weniger wichtig. Alles, 
was wir tun, soll vom Geist Christi 
durchdrungen sein, ob bei der Arbeit, 
in der Schule oder daheim. 

Präsident Spencer W Kimball hat 
gelehrt, daß man sich ein für allemal 
entscheiden kann, das Rechte zu tun. 
Er hatte gewisse Entscheidungen 
schon früh getroffen und mußte sie 
daher später nicht immer wieder neu 
treffen. Er sagte: „Das eine oder an- 
dere kann man ein für allemal abtun 
und erledigen . . . und muß dann 
nicht ständig überlegen und hundert- 
mal erneut entscheiden, ob man 
etwas tun wird oder nicht." 5 

Während des Zweiten Weltkriegs 
habe ich miterlebt, wie einige sehr 
gute junge Männer aus treuen 
Mitgliederfamilien nach und nach 
ihre Maßstäbe gelockert und ein 
wenig geistige Gesinnung verloren 
haben. Im Ausland war das 
Trinkwasser nicht überall genießbar, 
und die Reinigungstabletten verdar- 
ben den Geschmack vollends. So 
ging der eine oder andere dazu über, 
Kaffee zu trinken, weil der erträgli- 
cher schmeckte. Gelegentlich er- 
hielten wir in der Armee Zigaretten 
oder eine Alkoholration. Einige 
nahmen ihre Ration gar nicht erst 
an. Andere nahmen sie und tausch- 
ten sie gegen etwas anderes oder 
verkauften sie, auch wenn sie selbst 
weder tranken noch rauchten. 
Einige wenige begannen aber 
auch zu rauchen und zu trinken 
und kamen ihr Leben lang nicht 
mehr von dieser Sucht los. Die 
Gewohnheiten, die sie sich während 
des Krieges angeeignet hatten, 
beraubten sie ihrer geistigen 



DER STERN 
48 



Möglichkeiten und vieler Segnun- 
gen des Herrn. 

Ein Priestertumsträger soll ein 
Mann von einwandfreiem Charakter 
sein. Ich habe immer die 
Rechtschaffenheit Abrahams be- 
wundert, als er mit seinem Neffen 
Lot aus Ägypten nach Palästina 
zurückkehrte. Es dauerte nicht 
lange, da kam es zum Streit zwischen 
den Hirten von Abrahams Herden 
und den Hirten von Lots Herden. 
„Da sagte Abram zu Lot: Zwischen 
mir und dir, zwischen meinen und 
deinen Hirten soll es keinen Streit 
geben; wir sind doch Brüder." 6 
Abraham ließ Lot aussuchen, wo er 
sich ansiedeln wollte, entweder 
rechts oder links. Lot entschied sich 
für das bessere Land im Osten, und 
Abraham siedelte sich folglich im 
Westen an. Später wurden Lot und 
alle, die zu ihm gehörten, in einem 
Kampf gefangengenommen und 
nach Dan, etwa 150 km weiter nörd- 
lich, verschleppt. Als Abraham von 
diesem Unglück erfuhr, bewaffnete 
er 318 seiner Knechte und machte 
sich auf die Verfolgung. Er befreite 
nicht nur Lot und dessen Familie, 
sondern eroberte für sie wieder ihr 
Hab und Gut in Sodom. Der König 
von Sodom kam aus der Verbannung 
zurück und bot Abraham zum Dank 
die Siegesbeute an. Abraham lehnte 
allerdings ab und sagte: „Keinen 
Faden und keinen Schuhriemen, 
nichts von allem, was dir gehört, will 
ich behalten. Du sollst nicht be- 
haupten können: Ich habe Abram 
reich gemacht." 7 In diesen beiden 
Begebenheiten bewies Abraham 
Sinn für Gerechtigkeit, Redlichkeit 
und Glauben. Der Herr lohnte ihm 
das sowohl mit geistigen als auch mit 
irdischen Segnungen, und letzten 
Endes wurde Abraham viel wohlha- 
bender als Lot. 

Ehrlichkeit ist eine sehr wichtige 
Charaktereigenschaft. Wir alle ken- 
nen Männer, die meinen, sich kei- 
nem menschlichen oder göttlichen 
Gesetz unterordnen zu müssen. Sie 
glauben, daß die menschlichen 
Verhaltensregeln nicht für sie gel- 
ten. Heutzutage geht es oft nur um 
die Frage: „Werde ich dabei auch 
nicht ertappt?" Es gibt da einen 



Ausspruch: „Ob jemand nur mora- 
lisch oder auch ehrenhaft lebt, er- 
kennt man daran, daß letzterem 
eine unehrliche Handlung auch 
dann leidtut, wenn sie einen Vorteil 
gebracht hat." 8 

Ehrlich zu sein lernt man schon 
von klein auf. Als ich elf Jahre alt 
war, freute ich mich sehr auf meinen 
zwölften Geburtstag, weil ich dann 
Diakon und Scout werden konnte. 
Meine Mutter half mir dabei, die 
Glaubensartikel und das Scoutgesetz 
und den -Wahlspruch auswendig zu 
lernen sowie weiteres, was ich wis- 
sen mußte, damit ich an meinem 
Geburtstag bereit war. 

Da ich keine Schwester hatte, 
mußten meine Brüder und ich nicht 
nur Aufgaben in Haus und Hof 
übernehmen, etwa die Kühe melken 
und das Vieh versorgen, sondern wir 
mußten auch im Haushalt mithel- 
fen. Einmal ging meine Mutter eine 



kranke Nachbarin betreuen, und ich 
sollte inzwischen das Geschirr 
spülen und die Küche putzen. Ich 
sagte zu, aber den Abwasch schob 
ich hinaus. Schließlich kam sie 
zurück, und das Geschirr war noch 
nicht gespült. Ich hatte nicht einmal 
damit begonnen! Als meine Mutter 
eintrat und sah, wie es in der Küche 
noch aussah, band sie sich die 
Schürze um und ging zur Spüle. Zu 
mir sagte sie nur drei Worte, aber die 
trafen mich tiefer als ein Dutzend 
Hornissenstiche. Es war der Anfang 
des Scoutversprechens: „Bei meiner 
Ehre. ..." Damals habe ich mir vor- 
genommen, meiner Mutter nie wie- 
der einen Anlaß zu geben, mir das 
sagen zu müssen. 

Wegen unserer Ehre sollten wir bei 
allem, was wir tun, ehrlich sein. 
Manchmal gibt ein Jugendlicher sei- 
nen Eltern das Geld nicht zurück, das 
er sich ausgeborgt hat: „Kannst du 




j u 



L I 1 

49 



9 9 8 



mir 10 Mark fürs Kino leihen?" Dieser 
Satz enthält doch das Versprechen, 
das Geld zurückzuzahlen, aber er wird 
so eilig hingesagt, daß er ebenso rasch 
wieder vergessen ist. 

Wir müssen sehr darauf achten, 
daß wir Kreditmöglichkeiten nicht 
mißbrauchen. Kreditkarten führen 
zu einem unverhältnismäßig hohen 
Ansteigen der Verbraucherschulden. 
Da fällt mir die Geschichte von 
einem älteren Bauern ein, der an 
ein Versandhaus folgendes schrieb: 
.„Schicken Sie mir doch bitte die 
Maschine auf Seite 787, und wenn 
sie in Ordnung ist, schicke ich einen 
Scheck.' 

Worauf das Versandhaus zurück- 
schrieb: , Schicken Sie doch bitte 
einen Scheck. Wenn er in Ordnung 
ist, schicken wir die Maschine.'" 9 

Die Gesellschaft häuft heute un- 
gezügelt materiellen Besitz an. 
Manch einer meint daher, er könne 
das Gesetz der Ernte abändern und 
einen Gewinn einheimsen, ohne den 
Preis ehrlicher Arbeit und Mühe 
zahlen zu müssen. Weil man schnell 
reich werden will, wird bei risikorei- 
chen Unternehmen spekuliert, die 
sofortigen Gewinn versprechen. Das 
führt allerdings allzu oft zu wirt- 
schaftlichen Fehlschlägen bis hin zur 
Zahlungsunfähigkeit. Schon in den 
Sprichwörtern steht: „Ein ehrlicher 
Mensch erntet vielfachen Segen, 
wer aber hastet, um sich zu berei- 
chern, bleibt nicht ungestraft." 10 

Als Mitglieder der Kirche und ins- 
besondere als Priestertumsträger 
glauben wir daran, daß es recht ist, 
keusch zu sein. Es gibt in der Kirche 
für den Mann keinen anderen 
Maßstab für sittliche Reinheit als für 
die Frau. Ich meine sogar, daß ein 
Priestertumsträger die größere 
Verantwortung trägt, sich vor der Ehe 
rein zu halten und in der Ehe treu zu 
sein. Der Herr hat gesagt: „Seid rein, 
die ihr die Gefäße des Herrn tragt!" 11 
Damit sind sowohl reine Gedanken 
als auch reine Taten gemeint. Der 
Prophet Joseph Smith hat gesagt: „Ihr 
müßt unschuldig sein, sonst könnt ihr 
nicht vor Gott treten; denn wenn wir 
dazu imstande sein wollen, müssen 
wir so rein sein, wie er es ist." 12 Wenn 
beide, Mann und Frau, rein und 



keusch bleiben und einander in guten 
und schlechten Zeiten völlig zugetan 
bleiben, dann entwickelt sich aus 
ihrer gegenseitigen Liebe eine wahr- 
haft überirdische Erfüllung. Parley P 
Pratt, ein Apostel aus der Frühzeit 
der Kirche, hat gesagt: „Aus dieser 
Herzensverbindung entspringen alle 
anderen Beziehungen, alle zwi- 
schenmenschliche Freude und alle 
Formen der Zuneigung, die im 
Menschenleben zu finden sind." 13 

Wie der Prophet Joseph im drei- 
zehnten Glaubensartikel geschrieben 
hat, glauben wir, daß es recht ist, 
gütig zu sein und Gutes zu tun. Seit 
der Gründung der Kirche tun die 
Vollzeitmissionare Gutes. Wir sind 
dankbar für die 58000 Missionare, 
die derzeit auf Mission sind. Die 
Erste Präsidentschaft trifft immer 
wieder in aller Welt Botschafter, 
Premierminister, Regierende und 
wichtige Persönlichkeiten aus dem 
öffentlichen und politischen Leben. 
Oft hören wir dabei: „Wir haben 
Ihre Missionare gesehen, wir haben 
sie vielerorts gesehen." Manchmal 
besucht solch ein Gast auch die 
Missionarsschule in Provo und sieht 
Tausende Missionare dort. Das 
scheint auf die Leute großen 
Eindruck zu machen. Die Missionare 
strahlen Würde aus und sind sauber 
gekleidet. Manchmal hören wir 
auch: „Wir möchten gern, daß unse- 
re Kinder eine Ihrer Universitäten 
besuchen, wo sie mit solchen jungen 
Leuten Kontakt haben." 

Der Missionsauftrag ist eine nie 
endende Verpflichtung. Jeder 
zurückgekehrte Missionar muß bei- 
spielhaft nach jenen Grundsätzen 
leben, die er andere während seiner 
Mission gelehrt hat. Präsident 
Spencer W. Kimball hat gesagt: „Sie 
zurückgekehrten Missionare, . . . 
hören Sie bitte nicht auf, sich wei- 
terhin in Ihrem Aussehen und den 
Grundsätzen und Gewohnheiten an 
das zu halten, was Sie während Ihrer 
Mission getan haben, als Sie wie 
Alma oder die Söhne Mosias waren, 
als Sie wahrhaftig Engel Gottes für 
diejenigen waren, die Sie kennenge- 
lernt und belehrt und getauft haben. 
Wir erwarten nicht, daß Sie jetzt, wo 
Sie die Universität besuchen, den 



ganzen Tag lang eine Krawatte, ein 
weißes Hemd und einen dunkelblau- 
en Anzug tragen. Aber es ist doch 
nicht zuviel, wenn wir Sie bitten, 
weiterhin auf Ihr Äußeres zu achten 
und in Ihren Lebensgewohnheiten 
weiterhin die Reinlichkeit und 
Würde und den Stolz auf die 
Grundsätze des Evangeliums, die Sie 
gelehrt haben, zu pflegen. Wir bitten 
Sie darum um des Gottesreiches wil- 
len und um all derer willen, die ein- 
mal auf Sie stolz gewesen sind und es 
noch immer sind." 14 

Zu der Ermahnung des Paulus 
gehört auch, daß „wir hoffen, alles 
ertragen zu können". Eider Clinton 
Cutler ist ein Beispiel dafür, wie 
Hoffnung, Ausdauer und 
Standhaftigkeit die Segnungen des 
Himmels herabrufen. Er war buch- 
stäblich ein Werkzeug in der Hand 
des Herrn. Clint und Carma Cutler 
kannten einander schon seit der 
Schulzeit. Als sie heirateten, hatte er 
als Basketballspieler ein Stipendium 
von der Universität. Aber das reichte 
nicht aus, und so nahm Clint eine 
Arbeit bei der Telefongesellschaft an. 
Er hatte zuerst die Aufgabe, die 
Firmenautos zu waschen, zu schmie- 
ren und instandzuhalten. Später 
wechselte er ins Zentralbüro und re- 
parierte Kabel. Dreieinhalb Jahre 
lang arbeitete Clint ganztags und stu- 
dierte gleichzeitig. 1960 schloß er 
sein Studium mit Auszeichnung ab. 
Sie hatten da bereits vier Kinder. 

Durch seinen beruflichen Aufstieg 
bedingt, zogen sie mehrmals um. 
1963 arbeitete er in Riverdale im 
Bundesstaat Utah und wurde als 
Bischof berufen. Drei Jahre später 
zogen sie nach Midvale in Utah, und 
Clint wurde als zweiter Ratgeber des 
Pfahlpräsidenten berufen. 

Drei Jahre später wurde Clint 
nach Denver versetzt, wo er als 
Präsident des Pfahles Littleton in 
Colorado berufen wurde. Immer 
wieder zogen sie um, einmal nach 
Boise im Bundesstaat Idaho, wo er 
als Präsident des Pfahles Boise West 
berufen wurde. Ein erneuter 
Karrieresprung brachte sie nach 
Salt Lake City, wo Clint als 
Regionalrepräsentant berufen 
wurde. Seine letzte große berufliche 



DER 



S T E 
50 



R N 



Veränderung machte ihn 1984 zum 
stellvertretenden Direktor für 
Marketing. Seine Firma versetzte 
ihn anscheinend immer gerade dort- 
hin, wo der Herr ihn brauchte. 

Nach seiner Pensionierung zogen 
sie wieder nach Utah, und bald 
darauf erhielt Clint die Berufung, 
als Missionspräsident in Seattle im 
Bundesstaat Washington zu dienen. 
Im April 1990 erhielt er seine 
letzte Berufung, nämlich als 
Generalautorität im Zweiten 
Siebzigerkollegium zu dienen. Seine 
Berufung zum Dienen endete am 9. 
April 1994, als er nach langem 
Kampf gegen den Krebs aus diesem 
Leben schied. 

Ich möchte hier keineswegs an- 
deuten, daß Glaubenstreue und 
Würdigkeit an Berufungen, in 
denen man über andere präsidiert, 
oder am beruflichen Fortkommen 
gemessen werden. Das ist nicht der 
Fall und war es auch nie. Wir alle 
sind schon durch ganz einfache, 
treue Lehrer, die uns durch ihr 
Beispiel und ihre Lehren im 
Evangelium unterwiesen haben, 
reich gesegnet worden. Aber am 
Beispiel von Eider Cutler wird er- 
sichtlich, wie Glaube, Hoffnung 
und Ausdauer dem himmlischen 
Vater helfen, uns zu stärken 
und unsere Fähigkeiten und 
Möglichkeiten zu erweitern, auch 
wenn sie nicht weiter ungewöhn- 
lich sein mögen. 

Ein Mitglied der Kirche muß 
nach Schönheit streben. Wir trach- 
ten nicht nach dem unechten 
Glanz, der mit dem Pinsel der Welt 
aufgemalt ist, sondern nach jener 
reinen, inneren Schönheit, die uns 
Gott ins Herz gepflanzt hat. Wir 
sollen nach dem streben, was höhe- 
re Gedanken und edlere Gefühle 
wachruft. Der Mensch ist, mit den 
Worten von Präsident John Taylor, 
„dazu bestimmt - wenn er an sich 
arbeitet - höhere und größere 
Segnungen und Ehren zu erlangen, 
als sie mit dieser Erde in ihrem ge- 
genwärtigen Zustand verknüpft 
sind. . . . Der Mensch kann rein, tu- 
gendhaft, intelligent und ehrenhaft 
als Sohn Gottes dastehen und nach 
dem Rat seines Vaters trachten und 



durch diesen Rat geführt und ge- 
lenkt werden." 15 Wir können in der 
Tat hoffen, so zu sein, wie schon 
Präsident Brigham Young gesagt 
hat, nämlich „liebevoll und freund- 
lich zu sein, bescheiden und 
aufrichtig, voll Glauben und 
Redlichkeit . . . Gutsein hüllt jeden, 
der so ist, in eine wundervolle 
Ausstrahlung ein, so daß er von 
Licht erstrahlt und man gern mit 
ihm zusammen ist." 16 

Im Verlauf der Geschichte dieser 
Kirche haben wir bereits einiges er- 
tragen. Wenn wir jetzt voraus- 
blicken, hoffen wir, alles ertragen zu 
können. Ich bin sicher, daß wir das 
können, auch wenn keiner genau 
weiß, was die Zukunft uns noch 
bringen mag. Wie erträgt man denn 
alles? Die Antwort ist überraschend 
einfach: Alles erträgt man durch 
den Glauben, die Einigkeit und 
indem man den Propheten Gottes 
folgt. So war es schon früher, und so 
wird es auch in Zukunft sein. 

Solange diese Erde steht, hat der 
Herr in seiner unendlichen 
Weisheit sein Volk durch Propheten 
geführt. Aber nur einer kann alle 
Schlüssel der Vollmacht zu einem 
gegebenen Zeitpunkt gleichzeitig 
ausüben. Heute ist das Präsident 
Gordon B. Hinckley. Wer könnte, 
wenn er das erstaunliche Programm 
der Kirche in aller Welt betrachtet, 
an der prophetischen Führung 
durch Präsident Hinckley zweifeln? 



Wir alle beten, daß Gott ihn weiter- 
hin stützen und ihn auf jede Weise 
groß machen möge. Wenn wir 
Präsident Hinckley und alle jene, 
die mit ihm Propheten, Seher und 
Offenbarer sind, voll unterstützen, 
hilft uns das, alles zu ertragen. Ich 
bete darum, daß wir das tun, und 
sage es im Namen Jesu Christi, 
amen. D 

FUSSNOTEN: 

1. B. H. Roberts, New Witnesses for God, 
3 Bde. (1911), 1:195. 

2. Alma 53:20. 

3. 13. Glaubensartikel. 

4. Lehren der Präsidenten der Kirche - 
Brigham Young (1997), 24. 

5. The Teachings of Spencer W. Kimball, 
Hg. Edward L. Kimball (1982), 164. 

6. Genesis 13:8. 

7. Genesis 14:23. 

8. H. L. Mencken, Dictionary of 
Humorous Quotations, Hg. Evan Esar 
(1949), 126. 

9. Braude's Treasury of Wit and Humor 
(1964), 45. 

10. Sprichwörter 28:20. 
ll.LuB 38:42. 

12. Lehren des Propheten Joseph Smith, Hg. 
Joseph Fielding Smith (1976), 232. 

13. Writings ofParley Parker Pratt, Hg. 
Parker Pratt Robison (1952), 54. 

14. The Teachings of Spencer W. Kimball, 
593. 

15.The Government o/God (1852), 29f. 
16. Lehren der Präsidenten der Kirche - 
Brigham Young, 219. 




JULI 1 

51 



9 9 8 



Gefahr im Verzug 



Präsident Thomas S. Monson 

Erster Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft 




Im Leben der jungen Männer von heute findet ein Kampf statt, der 
weitreichende Folgen hat. Einfach gesagt, ist es der Kampf zwischen 
richtigem Handeln und falschem Handeln. 



auf seinem Weg nach Leyte von einem 
feindlichen Unterseeboot entdeckt. 
Das U-Boot konnte leicht der 
Entdeckung entgehen, da es auf 
Sehrohrtiefe blieb. Es schoß aus fünf- 
zehnhundert Metern Entfernung eine 
Fächersalve Torpedos ab. Die Torpedos 
erreichten ihr Ziel, und durch die 
Explosion von Munition und Treibstoff 
wurden Bug und Maschinenraum des 
Kreuzers zerstört. Ohne Strom konnte 
der Funkoffizier keinen Notruf senden. 
Als der Befehl kam, das Schiff zu ver- 
lassen, mußte er von Mund zu Mund 
weitergegeben werden, weil es keine 
andere Kommunikationsmöglichkeit 
gab. Nur zwölf Minuten nach dem 
Treffer hob sich das Heck des Schiffs 
dreißig Meter hoch aus dem Wasser, 
und dann versank der Kreuzer in den 
Tiefen des Meeres. 

Von den fast zwölfhundert Mann 
Besatzung starben etwa vierhundert 
sofort oder gingen mit dem Schiff 
unter. Ungefähr achthundert über- 
lebten den Untergang und trieben 
im Wasser. 

Vier Tage später, am 2. August 
1945, sah der Pilot einer Lockheed 
Ventura auf einem Patrouillenflug 
eine ungewöhnliche Olspur auf 
dem Wasser und verfolgte sie vier- 
undzwanzig Kilometer weit. Dann 
sichteten die Männer im Flugzeug 
die Matrosen, die nach dem 
Untergang der Indianapolis noch am 
Leben waren. 

Nun begann eine große 
Rettungsaktion. Schiffe eilten her- 
bei, und Flugzeuge warfen 
Nahrungmittel, Trinkwasser und 
Überlebensausrüstung ab. Von den 



Am 16. Juli 1945 fuhr die 
USS Indianapolis von dem 
Marinehafen Mare Island 
in Kalifornien mit einer geheimen 
Ladung nach der Marianen-Insel 
Tinian. Zur Ladung gehörte hoch- 
entwickeltes Kriegsmaterial, das den 
Zweiten Weltkrieg mit allem Leiden, 
allen Gewissensqualen und allem 
Sterben beenden konnte. Die 
Fracht wurde am 26. Juli abgeliefert, 
und das Schiff machte sich ohne 
Geleitschutz auf den Weg nach 
Leyte auf den Philippinen. 

Weil der Weg bei den Philippinen 
durch feindliche Gewässer führte, 
hatte der Kapitän Befehl, nach eige- 
nem Ermessen einen Zickzack-Kurs 
einzuschlagen, um nicht vom Feind 
entdeckt und angegriffen zu werden. 
Das tat er aber nicht. Kurz vor 
Mitternacht am 29. Juli 1945, einem 
Sonntag, wurde der schwere Kreuzer 



achthundert Matrosen lebten nur 
noch dreihundertsechzehn. Die an- 
deren waren dem gefährlichen, von 
Haifischen wimmelnden Meer zum 
Opfer gefallen. 

Zwei Wochen später war der 
Zweite Weltkrieg beendet. Der 
Untergang der Indianapolis, die letz- 
te große Marinetragödie des 
Zweiten Weltkriegs, wurde zur 
Legende. 

Können wir aus dem schreckli- 
chen Erlebnis der Männer an Bord 
der Indianapolis etwas lernen? Sie 
waren in Gefahr. Der Feind war 
auf der Jagd nach ihnen. Das 
Kommando, einen Zickzack-Kurs 
einzuschlagen, wurde nicht beachtet. 
Das Schiff fuhr einfach weiter und 
war so eine leichte Beute für den 
Feind. So kam es zur Katastrophe. 

An dem Tag, als die Indianapolis 
nach Leyte abfuhr, trat ich in die 
Marine der Vereinigten Staaten 
ein. Im Ausbildungslager der 
Marine in der Nähe von San Diego 
ertrug ich die außerordentlich 
harte Grundausbildung und das in- 
tensive Kampftraining. 

Endlich kam der erste Urlaub. 
Uns wurde gesagt, daß alle, die 
schwimmen konnten, mit dem 
Marinebus nach San Diego fahren 
dürften. Die übrigen mußten zum 
Schwimmunterricht zurückbleiben. 
Wie froh war ich, daß ich schon seit 
vielen Jahren schwimmen konnte! 
Dann kam ein unerwarteter Befehl. 
Wir, die wir gesagt hatten, daß wir 
schwimmen konnten, wurden weg- 
geführt - nicht zu dem wartenden 
Bus, sondern zum Schwimmbecken. 
Wir versammelten uns am tiefen 
Ende des Beckens, mußten uns aus- 
ziehen und dann nacheinander ins 
Becken springen und ans andere 
Ende schwimmen. Die meisten 
schafften das mühelos und freuten 
sich auf die Busfahrt nach San Diego. 
Aber es waren Männer dabei, die 
nicht die Wahrheit gesagt hatten. Sie 
hatten behauptet, schwimmen zu 
können, obwohl das gar nicht stimm- 
te. Die Unteroffiziere ließen sie erst 
zwei, drei Mal im Wasser untergehen 
und hielten ihnen dann eine 
Bambusstange hin und zogen sie her- 
aus. Was lernten sie daraus? Sag die 



DER STERN 
52 



Wahrheit. Das könnte dir das Leben 
retten, wenn du in Gefahr bist. 

Auf dem Weg durch das 
Erdenleben geraten wir manchmal 
in Gefahr. Gibt es eine Landkarte, 
die uns sicher führt? Gibt es jemand, 
den wir um Hilfe bitten können? 

Ich möchte heute Abend sechs 
Verkehrszeichen vorstellen, die uns 
sicher führen, wenn wir sie beach- 
ten und befolgen. 

1. Such dir gute Freunde. 

2. Frag deine Eltern um Rat. 

3. Studiere das Evangelium. 

4. Befolg die Gebote. 

5. Diene in Liebe. 

6. Bete zielgerichtet. 

Im Leben der jungen Männer 
von heute findet ein Kampf statt, 
der weitreichende Folgen hat. 
Einfach gesagt ist es der Kampf zwi- 
schen richtigem Handeln und 
falschem Handeln. 

In früherer Zeit hat Moroni fol- 
genden Rat erteilt: „Denn siehe, 
jedem Menschen ist der Geist 
Christi gegeben, damit er Gut von 
Böse unterscheiden könne; darum 
zeige ich euch, wie ihr urteilen sollt; 
denn alles, was einlädt, Gutes zu 
tun, und dazu bewegt, daß man an 
Christus glaubt, geht von der Macht 
und Gabe Christi aus; darum könnt 
ihr mit vollkommenem Wissen wis- 
sen, daß es von Gott ist. Aber alles, 
was den Menschen dazu bewegt, 
daß er Böses tut und nicht an 
Christus glaubt und ihn verleugnet 
und nicht Gott dient, davon könnt 
ihr mit vollkommenem Wissen wis- 
sen, daß es vom Teufel ist." 1 

Jetzt möchte ich zu jedem 
der eben erwähnten sechs Verkehrs- 
zeichen, die euch vor Gefahr schüt- 
zen, ein, zwei Gedanken äußern: 

1. Such dir gute Freunde. Eure 
Freunde tragen dazu bei, eure 
Zukunft zu bestimmen. Man neigt 
dazu, wie seine Freunde zu werden 
und dort zu sein, wo sie hingehen. 
Vergeßt nicht: der Weg, auf dem 
wir in diesem Leben gehen, führt 
zu dem Weg, den wir im Jenseits 
gehen werden. 

Bei einer Umfrage, die in ausge- 
wählten Gemeinden und Pfählen 
der Kirche durchgeführt wurde, 
stellte sich etwas Interessantes her- 



aus: Diejenigen, deren Freunde im 
Tempel geheiratet hatten, heirate- 
ten meistens auch im Tempel. Aber 
diejenigen, deren Freunde nicht im 
Tempel heirateten, heirateten ge- 
wöhnlich auch nicht im Tempel. 
Genauso verhielt es sich mit dev 
Vollzeitmission. Der Einfluß der 
Freunde schien ein sehr dominie- 
render Faktor zu sein - genauso 
wichtig wie die Ermahnungen der 
Eltern, der kirchliche Unterricht 
oder die Nähe eines Tempels. 

Die Freunde, die ihr euch aus- 
sucht, werden euren Erfolg entwe- 
der fördern oder behindern. 

2. Frag deine Eltern um Rat. 
Eure Mutter, euer Vater, eure ganze 
Familie liebt euch und betet darum, 
daß ihr immer glücklich sein mögt. 
Väter, seid euren Söhnen ein 
Vorbild. Zeigt ihnen den Weg. Geht 
in Rechtschaffenheit und Glauben 
mit ihnen. 

Urteilt nicht vorschnell. In einem 
Lehrbuch las ich einen Bericht, der 
zeigt, wie klug dieser Ratschlag ist. 
In einem großen Werk mit vielen 
verschiedenen Maschinen mußten 
die Abeiter in Teams zusammenar- 
beiten. Eine Mannschaft wurde 
dadurch behindert, daß einer oft 
zu spät kam. Der Vorarbeiter tadelte 
ihn und sagte: „Wenn du noch 
einmal zu spät kommst, wirst du ent- 
lassen." 

Am nächsten Tag kam der 
Unverbesserliche wieder zu spät. 
Die Frage an die Schüler lautete: 
„Was würdet ihr tun, wenn ihr der 
Vorarbeiter wärt?" 

Ungefähr die halbe Klasse sagte: 
„Ich würde Wort halten und ihn 
entlassen." Die anderen hatten 
Mitleid und sagten: „Ich würde ihm 
noch eine Chance geben." Dann 
gab der Lehrer ihnen die richtige 
Antwort: „Ich würde ihn fragen, 
warum er zu spät kommt. Es ist 
möglich, daß er einen guten Grund 
dafür hatte, später zu kommen." 

3. Studiere das Evangelium. 
Jesus lädt uns ein: „Kommt alle zu 
mir, die ihr euch plagt und schwere 
Lasten zu tragen habt. Ich werde 
euch Ruhe verschaffen. 

Nehmt mein Joch auf euch und 
lernt von mir; denn ich bin gütig 




Der Blick vom Tabernakel auf den Tempelplatz 
hinaus. 

und von Herzen demütig; so werdet 
ihr Ruhe finden für eure Seele." 2 

In dieser Evangeliumszeit hat der 
Herr gesagt: „Sucht Worte der 
Weisheit aus den besten Büchern; 
trachtet nach Wissen, ja, durch 
Lerneifer und auch durch Glauben." 3 

Entwickelt Sehnsucht danach, 
den Herrn kennenzulernen, seine 
Gebote zu verstehen und ihm nach- 
zufolgen. Dann werden die Schatten 
der Verzweiflung durch die Strahlen 
der Hoffnung vertrieben, aus 
Kummer wird Freude, und das 
Gefühl, daß man im Gedränge des 
Lebens verloren ist, weicht dem si- 
cheren Wissen, daß unser himmli- 
scher Vater auf jeden einzelnen von 
uns achtgibt. 

4. Befolg die Gebote. Entschließt 
euch, Gott zu dienen. Lernt sein 
Wort und befolgt es. 

Ein junger Träger des Aaronischen 
Priestertums, ein aktiver Scout, faßte 
zusammen, wozu Entscheidungen 
gut sind. Als er bei einer 
Leistungsprüfung gefragt wurde, wel- 
chen Nutzen die Scoutarbeit ihm 
bringe, antwortete er: „Sie hält mich 
dazu an, das zu tun, was richtig ist, 
und sie hält mich davon ab, das zu 
tun, was falsch ist." Er bestand die 
Prüfung. 

Eine weitere Hilfe ist der Spruch: 
„Man kann nichts richtig machen, 
wenn man das Falsche tut, und man 
kann nichts falsch machen, wenn 
man das Richtige tut." Ein bekann- 
tes Kirchenlied lautet: 



JULI 1 

53 



9 9 8 



Wähle recht, die Wahl ist dir gege- 
ben. 

Wähle recht, dann führt dich 
Gottes Geist, 

und sein Licht erleuchtet dir das 
Lehen, 

wenn dem Herrn das Herz du 
weihst. 4 

Präsident George Albert Smith, 
der achte Präsident der Kirche, hat 
gesagt: „Bleibt auf der Seite des 
Herrn!" 5 

5. Diene in Liebe. Von „The 
Spoken Word" kommt dieser Rat: 
„Wir sind es uns selbst schuldig, daß 
wir unsere Talente entdecken und 
nach Gelegenheiten suchen, andere 
daran teilhaben zu lassen. Und wir 
sind es unserer Familie, unseren 
Freunden und unseren Nächsten 
schuldig, unsere Fähigkeiten hilfreich 
einzusetzen. Wenn wir uns mutlos, 
einsam oder manchmal nutzlos 
fühlen, müssen wir daran denken, 
daß Gott jedem von uns große 
Möglichkeiten gegeben hat. Wir alle 
haben einen Platz im Leben und 
auch im Leben derer, die wir lieben." 6 

Jesus war der Inbegriff des 
Dienens. Von ihm wurde gesagt, daß 
er „umherzog und Gutes tat". 7 
Meine Brüder, tun wir das auch? 
Wir haben viele Gelegenheiten, 
aber manche sind vergänglich und 
flüchtig. Brüder, ihr werdet eine 
himmlische Freude spüren, wenn je- 
mand sich an eure Ratschläge oder 
euer Beispiel erinnert, an etwas, was 
ihr gelehrt habt, oder an euren 
Einfluß, der ihn dazu geführt hat, 
Gutes zu tun. 

Ihr Führer der Jugendlichen, 
denkt an das, was der Apostel 
Paulus an Timotheus geschrieben 
hat. „Sei den Gläubigen ein Vorbild 
in deinen Worten, in deinem 
Lebenswandel, in der Liebe, im 
Glauben, in der Lauterkeit." 8 
Bischöfe, gebt dem Aaronischen 
Priestertum würdige, rechtschaffene 
Männer als Führer, und dasselbe gilt 
auch für Scoutführer. 

Niemand wird zur Arbeit mit 
Jugendlichen berufen, wenn dem 
Bischof nicht sein Mitgliedsschein 
vorliegt. Auch wird in den USA nie- 
mand als Scoutführer berufen, der 



kein eingetragener Scout ist und 
dessen Leistungen nicht beweisen, 
daß er es verdient, für solch eine 
Aufgabe in Erwägung gezogen zu 
werden. Darauf ist immer wieder 
großer Wert gelegt worden, aber 
immer noch fallen Wölfe in die 
Herde ein, um sie zu vernichten. 
Präsident Hinckley hat mich gebe- 
ten, diese Anweisung heute Abend 
zu betonen. 

6. Bete zielgerichtet. Bei Gott 
ist alles möglich. Ihr Männer im 
Aaronischen Priestertum, ihr 
Männer im Melchisedekischen 
Priestertum, denkt an das Gebet 
des Propheten Joseph in dem Wald, 
den wir heilig nennen. Schaut euch 
um und betrachtet das Ergebnis 
dieses Gebets. Das Beten bringt uns 
geistige Kraft. Durch Beten findet 
man Frieden. 

Im Gegensatz zum Kreuzer 
Indianapolis finden wir in Gefahr un- 
sere Energieleitung unbeschädigt 
vor, denn sie führt zu Gott, unserem 
himmlischen Vater. Er hilft uns, 
wenn wir ihm die Gelegenheit dazu 
geben. 

Ich erinnere mich an etwas, was 
ich vor einigen Jahren erlebt habe, 
als ich mit Freunden auf starken 
Morgan-Pferden einen Pfad entlang- 
ritt. Wir kamen an eine Lichtung, 
auf der ein schmaler, klarer Bach 
durch eine Wiese mit üppigem Gras 
floß. Kein Hirsch hätte sich eine bes- 
sere Heimat wünschen können. 
Aber da lauerte eine Gefahr. Das 
vorsichtige Wild bemerkt die leiseste 
Bewegung im Gebüsch, es hört jeden 
Zweig knacken und kennt den 
Geruch des Menschen. Nur aus 
einer Richtung kann es die Gefahr 
nicht erkennen - von oben. Jäger 
hatten in einem hohen Baum hoch 
über dieser schönen Lichtung einen 
Hochsitz gebaut. Vielerorts ist dies 
nicht erlaubt, aber hier erlegt der 
Jäger seine Beute, wenn das Wild äst 
oder trinkt. Kein Zweig knackt, 
keine Bewegung warnt, kein Geruch 
verrät den Jäger. Warum? Der 
großartige Hirsch, dessen Sinne so 
hochentwickelt sind, um ihn vor 
Gefahren zu warnen, kann nicht di- 
rekt nach oben schauen und den 
Feind entdecken. Der Hirsch ist in 



Gefahr. Der Mensch ist nicht auf 
diese Weise eingeschränkt. Er findet 
seine größte Sicherheit in der 
Fähigkeit und dem Wunsch, nach 
oben zu schauen - auf Gott zu 
blicken und zu leben. 9 
Ein Dichter schreibt: 

Als Größtes deiner Wunderwerke 
strebt ewig himmelwärts 
die Krone deiner Schöpfungen, 
des Menschen sehnend Herz. w 

Brüder, sind wir auf die Reise des 
Lebens vorbereitet? Das Meer des 
Lebens kann zeitweise sehr stür- 
misch sein. Die Wogen seelischer 
Konflikte können um uns herum 
hochschlagen. Legt euren Kurs fest, 
seid vorsichtig und befolgt diese 
Sicherheitsregeln. 

1. Such dir gute Freunde. 

2. Frag deine Eltern um Rat. 

3. Studiere das Evangelium. 

4. Befolg die Gebote. 

5. Diene in Liebe. 

6. Bete zielgerichtet. 

Wenn wir das tun, werden wir si- 
cher über das Meer des Lebens fah- 
ren und den Heimathafen 
erreichen, nämlich das celestiale 
Reich Gottes. Dann bekommen wir 
als Seefahrer des Erdenlebens viel- 
leicht das Lob: „Sehr gut, du bist ein 
tüchtiger und treuer Diener. . . . 
Komm, nimm teil an der Freude dei- 
nes Herrn." 11 

Um diesen Segen bete ich in- 
brünstig im Namen Jesu Christi, 
amen. D 

FUSSNOTEN 

1. Moroni 7:16,17. 

2. Matthäus 11:28,29. 

3. LuB 88:118. 

4. Gesangbuch, Nr. 158. 

5. In Conference Report, Oktober 1945, 
118. 

6. „Finding a Niche", Übertragung der 
Sendung Music and the Spoken Word 
vom 15. Februar 1998. 

7. Siehe Apostelgeschichte 10:38. 

8. 1 Timotheus 4:12. 

9. Alma 37:47. 

10. Harry Kemp, „God the Architect", in 
Carline Miles Hill, Hg., The World's 
Great Religious Poetry (1923), 211. 

11. Matthäus 25:21. 



DER 



S T E 
54 



R N 



Seid des Mädchens 
würdig, das ihr eines 
Tages heiraten werdet 



Präsident Gordon B. Hinckley 



Macht euch würdig für das wundervollste Mädchen der ganzen Welt. 
Bleibt alle Tage eures Lebens würdig. 



ich also zu ihrem Gegenüber, den 
jungen Männern, sprechen. Der 
Titel meiner Ansprache lautet: 
„Seid des Mädchens würdig, das ihr 
eines Tages heiraten werdet." 

Das Mädchen, das du heiratest, 
geht mit dir ein schreckliches Risiko 
ein. Alles wird sie dem jungen 
Mann geben, den sie heiratet. Er 
wird im großen und ganzen den 
Rest ihres Lebens bestimmen. Sie 
wird sogar ihren Namen für seinen 
aufgeben. 

Im Garten von Eden hat Adam 
gesagt: „Das endlich ist Bein von 
meinem Bein und Fleisch von mei- 
nem Fleisch. . . . 

Darum verläßt der Mann Vater 
und Mutter und bindet sich an 
seine Frau, und sie werden ein 
Fleisch." (Genesis 2:23,24.) 

Als Mitglied der Kirche Jesu 
Christi der Heiligen der Letzten 
Tage, als junger Mann, der das 
Priestertum Gottes trägt, stehst du 
gegenüber dem Mädchen, das du 
heiratest, unter einer enormen 
Verpflichtung. Vielleicht denkst du 
heute noch nicht so oft darüber 
nach. Die Zeit ist aber nicht mehr 
fern, wo du daran denken wirst, und 
jetzt ist es an der Zeit, dich auf den 
überaus wichtigen Tag vorzuberei- 
ten, an dem du dir eine Frau und 
Gefährtin nehmen wirst, die dir vor 
dem Herrn ebenbürtig sein wird. 

Die Verpflichtung besteht 
zunächst einmal in absoluter Treue. 




Vor einer Woche haben 
Präsident Faust und die 
Präsidentschaft der Jungen 
Damen in diesem Tabernakel zu den 
Mädchen der Kirche gesprochen. 

Als ich jene Versammlung von 
schönen jungen Damen sah, kam mir 
die Frage in den Sinn: „Ziehen wir 
eine Generation von jungen Männern 
heran, die ihrer würdig sind?" 

Diese Mädchen sind so frisch 
und voller Leben. Sie sind schön. 
Sie sind klug. Sie sind begabt. Sie 
sind glaubenstreu. Sie sind tugend- 
haft. Sie sind wahrhaftig. Es sind 
ganz einfach wunderbare, ent- 
zückende junge Damen. 

Heute Abend, in dieser großen 
Priestertumsversammlung, möchte 



In der alten Zeremonie der Church 
of England heißt es, man gehöre ein- 
ander an „in Wohlstand wie in 
Armut, in Krankheit wie in 
Gesundheit, im Guten wie im 
Schlechten." Sie wird dir gehören, 
und nur dir allein, ganz gleich, wie 
sich euer Leben gestalten mag. Du 
wirst ihr gehören, und nur ihr allein. 
Auf andere darfst du kein Auge 
mehr werfen. Ihr müßt einander treu 
sein, unwandelbar treu. Hoffentlich 
heiratest du sie auf ewig, im Haus 
des Herrn, kraft der Vollmacht des 
ewigen Priestertums. Alle Tage eures 
Lebens müßt ihr füreinander so 
verläßlich sein wie der Polarstern. 

Das Mädchen, das du heiratest, 
kann von dir erwarten, daß du abso- 
lut rein zum Altar der Ehe kommst. 
Sie kann von dir erwarten, daß du ein 
junger Mann bist, der in Gedanken, 
Wort und Tat tugendhaft ist. 

Ich flehe euch heute an, ihr jun- 
gen Männer: Haltet euch frei vom 
Schmutz der Welt. Ihr dürft euch in 
der Schule nicht an leichtfertigem 
Gerede beteiligen. Ihr dürft keine 
schlüpfrigen Witze erzählen. Ihr 
dürft das Internet nicht dummer- 
weise dazu gebrauchen, nach porno- 
graphischem Material zu suchen. Ihr 
dürft nicht irgendwelche auswärti- 
gen Telefonnummern anrufen, um 
euch Schmutz anzuhören. Ihr dürft 
euch keine Videos ausleihen, die ir- 
gendwie pornographisch sind. 
Dieses aufreizende Zeug ist einfach 
nicht das Richtige für euch. Haltet 
euch von Pornographie fern, wie 
ihr euch von einer schlimmen 
Krankheit fernhalten würdet. Sie 
ist zerstörerisch. Sie kann zur 
Gewohnheit werden, und wer sich 
darin verstrickt, kann nicht mehr 
davon lassen. Sie macht süchtig. 

Die Leute, die so etwas herstel- 
len, machen damit 5 Milliarden 
Dollar. Sie machen ihre Ware so 
prickelnd und anziehend auf, wie sie 
nur können. Pornographie verführt 
und zerstört ihre Opfer. Sie ist über- 
all. Sie ist rund um uns herum. Ich 
flehe euch an, ihr jungen Männer, 
habt nichts damit zu tun. Ihr könnt 
es euch einfach nicht leisten. 

Das Mädchen, das ihr heiratet, ist 
es wert, daß das Leben ihres 



JULI 1 

55 



9 9 8 



Ehemanns nicht von diesem 
häßlichen und zerfressenden Material 
befleckt ist. 

Seht im Wort der Weisheit mehr 
als nur eine Nebensächlichkeit. 
Ich halte es für das bemerkenswer- 
teste Dokument zum Thema 
Gesundheit, das ich kenne. Der 
Prophet Joseph Smith empfing es 
1833, als über richtige Ernährung 
noch nicht allzuviel bekannt war. 
Je weiter die Wissenschaft heute 
aber kommt, desto mehr bestätigt 
es sich, daß die Grundsätze im 
Wort der Weisheit richtig sind. 
Heute sind die Gründe, die gegen 
den Tabak sprechen, überwälti- 
gend. Trotzdem erleben wir, daß 
immer mehr heranwachsende 
Jungen und Mädchen rauchen. Die 
Gründe gegen Alkoholika wiegen 
ebenso schwer. 

Für mich ist es geradezu Ironie, 
daß an Tankstellen Bier verkauft 
wird. Man kann von Bier genau so 
betrunken und auf der Straße ge- 
fährlich werden, wie von jeder an- 
deren alkoholhaltigen Substanz. Es 
kommt einfach darauf an, wieviel 
man trinkt. Wie absolut inkonse- 
quent ist es doch, daß man an der 
Tankstelle, wo man Kraftstoff kauft, 
um fahren zu können, auch Bier be- 
kommt, durch das man „unter 
Alkoholeinfluß" fahren und auf der 
Autobahn zur schrecklichen Gefahr 
werden kann. 

Haltet euch davon fern. Es tut 
euch nicht gut. Es kann euch nicht 
wieder gutzumachenden Schaden 
zufügen. Stellt euch nur vor, ihr 
trinkt Bier, fahrt Auto und verschul- 
det den Tod eines Menschen. 
Solange ihr lebt, werdet ihr nicht 
darüber hinwegkommen. So etwas 
wird euch Tag und Nacht verfolgen. 
Das einfache Rezept dagegen lautet: 
Laßt die Finger davon! 

Haltet euch genau so von 
Drogen fern. Sie können euch völ- 
lig zugrunde richten. Sie nehmen 
euch die Kraft eures Verstandes. Sie 
werden euch auf heimtückische 
und schreckliche Weise versklaven. 
Sie zerstören euch Körper und 
Geist. Sie erzeugen in euch ein 
Verlangen, für dessen Befriedigung 
ihr alles tun würdet. 



Würde je ein Mädchen, das bei 
Verstand ist, gern einen jungen Mann 
heiraten, der drogenabhängig ist, der 
ein Sklave des Alkohols ist oder der 
süchtig nach Pornographie ist? 

Haltet euch von schmutziger 
Sprache fern. In der Schule seid ihr 
davon umgeben. Junge Leute schei- 
nen stolz darauf zu sein, daß sie sich 
mit Schmutz abgeben, obszöne 
Reden führen und sich Weltlichkeit 
erlauben, indem sie den Namen des 
Herrn mißbrauchen. Wenn ihr euch 
in jungen Jahren so etwas erlaubt, 
wird sich das euer ganzes Leben lang 
zeigen. Wer will schon mit einem 
Mann verheiratet sein, dessen 
Sprachgebrauch mit Schmutz und 
Weltlichkeit beladen ist? 

Es gibt noch eine weitere, sehr 
ernste Sache, die einen jungen Mann 
süchtig machen kann. Das ist der 
Zorn. Bei der geringsten Provokation 
explodiert man in einem Anfall un- 
kontrollierter Wut. Es ist traurig, je- 
manden zu sehen, der so schwach ist. 
Aber was noch schlimmer ist: So je- 
mand verliert leicht allen gesunden 
Menschenverstand und tut etwas, 
was er nachher bereut. 

Heutzutage spricht man viel von 
einem Phänomen, das man mit 
„Autowut" umschreiben kann. Der 
Fahrer fühlt sich durch irgendeine 
Kleinigkeit gereizt. Er gerät sofort in 
Rage, und es kann sogar zum Mord 
kommen. Was folgt, ist ein Leben 
voller Reue. 

Der Verfasser der Sprichwörter in 
der Bibel schreibt: „Besser ein 
Langmütiger als ein Kriegsheld, bes- 
ser, wer sich selbst beherrscht, als 
wer Städte erobert." (Sprichwörter 
16:32.) 

Wenn ihr jähzornig seid, ist es jetzt 
an der Zeit, euch beherrschen zu ler- 
nen. Je mehr ihr das in eurer Jugend 
tut, desto leichter fällt es euch. Kein 
Mitglied dieser Kirche darf je in so 
unnötiger und heimtückischer Weise 
die Selbstbeherrschung verlieren. 
Man soll Worte des Friedens und der 
Beherrschung in die Ehe einbringen. 

Ich habe ständig mit den Fällen zu 
tun, wo Mitglieder der Kirche im 
Tempel geheiratet haben, später ge- 
schieden worden sind und nun um 
Annullierung ihrer Siegelung bitten. 



Nach der Hochzeit waren sie voll 
hoher Erwartungen und auf wunder- 
bare Weise glücklich. Aber die Liebe 
verblaßt in einer Atmosphäre von 
Kritik und Nörgelei. Wenn Streit 
Einzug hält, fliegt die Liebe durchs 
Fenster davon. Ich sage es noch ein- 
mal: Wenn jemand unter euch jun- 
gen Männern Schwierigkeiten mit 
seinem Temperament hat, dann flehe 
ich ihn an, sofort anzufangen, dies zu 
ändern. Tut ihr das nicht, bringt ihr 
nichts als Tränen und Leid in die 
Familie, die ihr einmal gründen wer- 
det. Im Buch Mormon verurteilt 
Jakob sein Volk wegen ihrer 
Schlechtigkeit in bezug auf die 
Familie. Er sagt: „Siehe, ihr habt 
größere Übeltaten begangen als die 
Lamaniten, unsere Brüder. Ihr habt 
euren zarten Frauen das Herz gebro- 
chen und das Vertrauen eurer Kinder 
verloren, weil ihr ihnen schlechtes 
Beispiel gegeben habt; und ihres 
Herzens Wehklagen steigt empor bis 
zu Gott, gegen euch. Und wegen der 
Strenge des Wortes Gottes, das her- 
abkommt gegen euch, sind viele 
Herzen gestorben, durchbohrt von 
tiefen Wunden." (Jakob 2:35.) 

Bemüht euch um eure 
Ausbildung. Nehmt an Schulung 
mit, was ihr nur könnt. Die Welt 
zahlt euch in der Regel das, was ihr 
vermutlich wert seid. Paulus drosch 
keine Phrasen, als er Timotheus 
schrieb: „Wer aber für seine 
Verwandten, besonders für die eige- 
nen Hausgenossen, nicht sorgt, der 
verleugnet damit den Glauben und 
ist schlimmer als ein Ungläubiger." 
(1 Timotheus 5:8.) 

Es ist eure erste Pflicht, für eure 
Familie zu sorgen. 

Eure Frau wird sich wirklich 
glücklich schätzen können, wenn sie 
nicht hinausgehen und sich im 
Erwerbsleben behaupten muß. 
Doppelt gesegnet wird sie sein, wenn 
sie zu Hause bleiben kann, weil ihr 
der Ernährer der Familie seid. 

Bildung ist der Schlüssel, mit dem 
euch die Möglichkeiten des 
Berufslebens offenstehen. Der Herr 
hat es uns, seinem Volk, auferlegt, 
nach Wissen zu trachten, und zwar 
durch Lerneifer und auch durch 
Glauben. Wahrscheinlich seid ihr ein 



DER 



STERN 
56 



besserer Ernährer, wenn Kopf und 
Hand darin geschult sind, etwas zu 
leisten, was für die Gesellschaft, zu 
der ihr gehören werdet, von Wert ist. 
Seid bescheiden in euren 
Ansprüchen. Ihr braucht am Anfang 
eures gemeinsamen Lebens kein 
großes Haus mit einer großen 
Hypothek. Übermäßige Schulden 
könnt und müßt ihr meiden. 
Nichts erzeugt in einer Ehe mehr 
Spannungen als drückende 
Schulden, die euch zum Sklaven 
eurer Gläubiger machen. Vielleicht 
müßt ihr Geld aufnehmen, um in 
den Besitz eines Zuhauses zukom- 
men. Aber laßt es nicht so teuer 
werden, daß der Gedanke daran 
euch Tag und Nacht beschäftigt. 

Als ich heiratete, sagte mir mein 
kluger Vater: „Such dir ein beschei- 
denes Haus und zahl die Hypothek 
ab; falls finanzielle Stürme kom- 
men, haben deine Frau und deine 
Kinder dann wenigstens ein Dach 
über dem Kopf." 

Das Mädchen, daß euch heiratet, 
will nicht mit einem Knauser verhei- 
ratet sein. Sie will aber auch nicht mit 
einem Verschwender verheiratet sein. 
Sie hat das Recht, genau zu wissen, 
wie es um die Finanzen der Familie 
steht. Sie wird eure Partnerin sein. 
Wenn zwischen euch Ehepartnern in 
dieser Hinsicht kein völliges 
Einvernehmen besteht, wird es wahr- 
scheinlich zu Mißverständnissen 
und Verdächtigungen kommen, und 
das kann zu noch größeren 
Problemen führen. 

Sie will mit jemandem verheira- 
tet sein, der sie liebt, der ihr ver- 
traut, der ihr zur Seite steht, der ihr 
bester Freund und Partner ist. Sie 
will mit jemandem verheiratet sein, 
der sie dazu ermutigt, sich in der 
Kirche und im Gemeinwesen zu en- 
gagieren, damit sie ihre Talente ent- 
falten und einen größeren Beitrag 
für die Gesellschaft leisten kann. Sie 
will mit jemandem verheiratet sein, 
der Sinn für den Dienst am 
Nächsten hat, der sich in der Kirche 
und an anderen guten Zwecken be- 
teiligt. Sie will mit jemandem ver- 
heiratet sein, der den Herrn liebt 
und danach strebt, seinen Willen zu 
tun. Es ist daher gut, daß jeder 



junge Mann sich vornimmt, auf 
Mission zu gehen und damit selbst- 
los dem Vater im Himmel den 
Zehnten seines Lebens zu geben, im 
Geiste völliger Selbstlosigkeit hin- 
auszugehen und der Welt das 
Evangelium des Friedens zu verkün- 
den, wo immer er auch hingeschickt 
wird. Wenn ihr ein guter Missionar 
seid, dann kehrt ihr mit dem 
Wunsch nach Hause zurück, dem 
Herrn weiterhin zu dienen, seine 
Gebote zu halten und seinen Willen 
zu tun. Ein solches Verhalten wird 
unschätzbar viel zu eurem ehelichen 
Glück beitragen. 

Wie ich bereits gesagt habe, wer- 
det ihr an einem bestimmten Ort - 
und nur dort - heiraten wollen. Das 
ist das Haus des Herrn. Ihr könnt 
eurer Frau kein größeres Geschenk 
machen, als in Gottes heiligem Haus 
zu heiraten, und zwar unter den 
schützenden Schwingen des gesie- 
gelten Bundes der ewigen Ehe. 
Nichts kommt dem gleich. Für euch 
sollte es keinen anderen Weg geben. 

Trefft eure Wahl sorgfältig und 
weise. Das Mädchen, das ihr heira- 
tet, wird euch für immer gehören. 
Ihr werdet sie lieben, und sie wird 



euch lieben, durch dick und dünn, 
durch Sonnenschein und Regen. Sie 
wird die Mutter eurer Kinder sein. 
Was kann es in der Welt Größeres 
geben als der Vater eines kostbaren 
Kindes zu werden - eines Sohnes 
oder einer Tochter des Vaters im 
Himmel, und für dieses Kind die 
Pflichten und Rechte der irdischen 
Treuhandschaft zu empfangen? 

Wie kostbar ist doch ein Baby! 
Wie ist ein Kind doch wunderbar. 
Wie wunderbar ist die Familie. Lebt 
so, daß ihr ein Vater werden könnt, 
auf den eure Frau und eure Kinder 
stolz sind. 

Der Herr hat verfügt, daß wir 
heiraten sollen, daß wir in Liebe, 
Frieden und Harmonie miteinander 
leben sollen, daß wir Kinder haben 
und sie in seinen heiligen Wegen er- 
ziehen sollen. 

Es mag sein, meine lieben jungen 
Männer, daß ihr noch nicht ernst- 
lich über das alles nachdenkt. Die 
Zeit wird aber kommen, wo ihr euch 
verliebt. Das wird dann euer ganzes 
Denken bestimmen und der Stoff 
sein, aus dem eure Träume sind. 
Macht euch würdig für das wunder- 
vollste Mädchen der ganzen Welt. 




JULI 1998 

57 



Bleibt alle Tage eures Lebens wür- 
dig. Seid gut, treu und freundlich 
zueinander. Es gibt in der Welt so- 
viel Bitternis. Soviel Schmerz und 
Sorge entsteht aus Worten des 
Zorns. So viele Tränen sind die 
Folge von Untreue. Soviel Glück 
kann aber entstehen, wenn man 
sich bemüht, seinem Ehepartner zu 
Gefallen zu sein, und man den über- 
wältigenden Wunsch hat, daß der 
Ehepartner sich wohlfühlt und 
glücklich ist. 

Letztlich ist es das, worum es im 
Evangelium geht. Die Familie ist eine 
Schöpfung Gottes. Sie ist die grund- 
legende Schöpfung. Die Nation 
stärkt man, indem man die Familie 
stärkt. 

Ich bin sicher: Wenn wir auf die 
Tugenden des anderen achten und 
nicht auf die Untugenden, dann gibt 
es bei uns zu Hause mehr Glück. Es 
würde sehr viel weniger Scheidungen 
geben, viel weniger Untreue, viel 
weniger Zorn und Übelwollen 
und Streiterei. Es gäbe mehr 
Vergebungsbereitschaft, mehr Liebe, 
mehr Frieden, mehr Glück. So 
möchte der Herr es haben. 

Ihr jungen Männer, jetzt ist die 
Zeit, euch auf die Zukunft vorzube- 
reiten. Und in dieser Zukunft gibt es 
für die meisten von euch eine schöne 
junge Frau, deren größter Wunsch es 
ist, sich in einer Beziehung mit euch 
zu verbinden, die ewig und immer- 
während ist. 

Ihr werdet nirgendwo größeres 
Glück erfahren als zu Hause. Ihr 
werdet keine ernstere Verpflichtung 
haben als jene, die ihr zu Hause 
habt. Wie erfolgreich ihr im Leben 
seid, wird letztlich daran gemessen, 
wie gut eure Ehe ist. 

Gott segne euch, meine lieben 
jungen Männer. Ich kann euch nichts 
Wunderbareres wünschen als die 
Liebe, die absolute und völlige Liebe 
einer Partnerin, derer ihr in jeder 
Hinsicht würdig und auf die ihr stolz 
seid. Diese Entscheidung wird die 
wichtigste aller Entscheidungen sein, 
die ihr trefft. Ich bete, der Himmel 
möge bei dieser Entscheidung auf 
euch herablächeln, damit ihr geführt 
werde, damit ihr ohne Reue lebt. Im 
Namen Jesu Christi, amen. D 



Versammlung am Sonntagvormittag 

5. April 1998 



Blicke auf Gott und lebe! 



Präsident Thomas S. Monson 

Erster Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft 



Denken wir doch immer dann, wenn wir geneigt sind, uns von den 
Schlägen des Lebens niedergedrückt zu fühlen, daran, daß andere 
denselben Weg gegangen sind, daß sie ausgeharrt und dann 
überwunden haben. 



Fahrt kein zweites Mal angetan, 
denn ich bekomme genug echte 
Turbulenzen, wenn ich von Stadt zu 
Stadt fliege, um meine Pflichten zu 
erfüllen.) 

Nachdem wir uns ein paar 
Minuten erholt hatten, begaben 
wir uns zu der Attraktion, vor der 
die längste Schlange stand. Sie 
nannte sich Splash Mountain. Die 
Menschenmenge bewegte sich 
schlangenförmig voran. Die Musik, 
die von den Lautsprechern auf die 
Menschen strömte, erinnerte an 
Onkel Remus, eine Märchenfigur 
aus den Südstaaten. Sie enthielt 
die Worte: 

Wie scheint heute doch die Sonne 

schön! 
Also mir könnt 's gar nicht besser 

gehn, 
Zip a di du da, zip ä di du de! 1 

Inzwischen waren wir bereit, in 
das Boot zu steigen, mit dem wir 
steil in die Tiefe tauchen sollten, 
was die Passagiere im Boot vor uns 
mit Gekreisch quittierten, als das 
Boot den Wasserfall nach unten 
donnerte und dann langsam zum 
Stehen kam. Kurz bevor es abwärts 
ging, bemerkte ich an einer Wand 
ein kleines Schild, auf dem eine tief- 
sinnige Wahrheit stand. Es war ein 
Zitat von Onkel Remus: „Vor 
Schwierigkeiten kann man nicht 
weglaufen; so weit kommt man nie!" 




Haben Sie jemals mit der 
ganzen Familie Urlaub 
gemacht? Wenn nicht, 
machen Sie sich auf einige Überra- 
schungen gefaßt. Meine Frau und 
ich sind vor einigen Jahren mit unse- 
ren Kindern, ihren Ehepartnern und 
den Enkelkindern in Disneyland in 
Südkalifornien gewesen. Hinter dem 
Eingang zu diesem berühmten 
Vergnügungspark eilte die Gruppe 
zur neuesten Attraktion - Star Tours. 
Man steigt in eine Rakete, nimmt 
Platz und schnallt sich an. Plötzlich 
beginnt das Raumschiff heftig zu vi- 
brieren. Ich glaube, die mechanische 
Stimme, die über Lautsprecher zu 
hören ist, nennt das „schwere 
Turbulenzen". (Ich habe mir diese 



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STERN 
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Hinter dem Joseph Smith Memorial Building ziehen Sturmwolken 
auf, links; der Salt-Lake-Tempel, Mine, und ein Teil des Church 
Office Building, rechts. 




V 



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Diese Worte sind bei mir haften 
geblieben. Sie gelten nicht nur für 
Splash Mountain, sondern auch für 
unser irdisches Leben. 

Das Leben ist eine Schule der 
Erfahrungen, eine Zeit der Prüfungen. 
Wir lernern in dem Maß, wie wir un- 
sere Bedrängnisse ertragen und unser 
Leid überstehen. 

Wenn wir uns überlegen, was uns 
alles trifft - Krankheit, Unfall, Tod 
und eine Menge sonstiger 
Herausforderungen - , dann können 
wir mit Ijob sagen: „Der Mensch ist 
zur Mühsal geboren." 2 Ijob „war un- 
tadelig und rechtschaffen; er fürch- 
tete Gott und mied das Böse." 3 
Fromm in seinem Verhalten, erfolg- 
reich in seinen Unternehmungen, 
sollte er einer Prüfung unterzogen 
werden, die jeden anderen vernich- 
tet hätte. Nachdem er seinen Besitz 
verloren hatte, von seinen Freunden 
verschmäht worden war, vom 
Verlust seiner Angehörigen schwer 
mitgenommen war, sollte er Gott lä- 
stern und sterben. 4 Er widerstand 
der Versuchung und erklärte vom 
Grunde seiner edlen Seele: „Seht, 
im Himmel ist mein Zeuge, mein 
Bürge in den Höhen." „Ich weiß: 
mein Erlöser lebt." 5 Ijob bewahrte 
den Glauben. 

Man kann mit Sicherheit anneh- 
men, daß es noch keinen Menschen 
gegeben hat, der frei war von Leid 
und Kummer, auch hat es noch 
keine Zeit in der Geschichte der 
Menschheit gegeben, die nicht ihr 
Maß an Aufruhr, Untergang und 
Elend hatte. 

Wenn der Weg des Lebens plötz- 
lich eine grausame Wendung nimmt, 
ist man versucht, sich zu fragen: 
„Warum ich?" Es ist gang und gäbe, 
sich selbst die Schuld zu geben, auch 
wenn wir keinerlei Einfluß auf unse- 
re Schwierigkeiten haben mögen. 
Manchmal ist am Ende des Tunnels 
kein Licht zu sehen, auch durch- 
bricht keine Dämmerung das 
Dunkel der Nacht. Wir fühlen uns 
vom Schmerz gebrochener Herzen, 
von der Enttäuschung unerfüllter 
Träume und der Verzweiflung ge- 
schwundener Hoffnung umgeben. 
Dann stimmen wir ein in die bibli- 
sche Frage: „Gibt es denn keinen 




Balsam in Gilead?" Wir fühlen uns 
im Stich gelassen, enttäuscht, allein. 

Allen, die solche Enttäuschung 
durchmachen, möchte ich die 
Gewißheit schenken, die in den 
Psalmen zu finden ist: „Wenn man 
am Abend auch weint, am Morgen 
herrscht wieder Jubel." 8 

Denken wir doch immer dann, 
wenn wir geneigt sind, uns von den 
Schlägen des Lebens niederge- 
drückt zu fühlen, daran, daß andere 
denselben Weg gegangen sind, daß 
sie ausgeharrt und dann überwun- 
den haben. 

Es scheint für jeden einen end- 
losen Vorrat an Beunruhigung zu 
geben. Unser Problem besteht of- 
fensichtlich darin, daß wir dafür 
eine sofortige Lösung erwarten 
und dabei vergessen, daß oft die 
himmlische Tugend Geduld erfor- 
derlich ist. 

Kommt Ihnen die eine oder ande- 
re der folgenden Herausforderungen 
bekannt vor: 

• behinderte Kinder 

• der Tod eines geliebten 
Menschen 

• der Verlust des Arbeitsplatzes 

• nicht mehr gebraucht werden 

• ein Kind auf Abwegen 

• geistige oder seelische 
Krankheit 

• Unfälle 

• Scheidung 

• Mißbrauch 

• ein Schuldenberg 



Die Liste ist endlos. In der heuti- 
gen Welt neigt man manchmal 
dazu, sich von dem, der jede gute 
Gabe gibt, losgelöst - ja isoliert - zu 
fühlen. Wir machen uns Sorgen, 
daß wir allein gehen. Sie fragen 
sich: „Wie kommen wir zurecht?" 
Was uns letzten Endes Trost 
schenkt, ist das Evangelium. 

Vom Schmerzenlager, vom trä- 
nennassen Kissen werden wir von 
der göttlichen Versicherung und 
kostbaren Verheißung himmelwärts 
getragen: „Ich lasse dich nicht fallen 
und verlasse dich nicht." 9 

Solcher Trost ist auf unserem 
Weg durch die Sterblichkeit mit sei- 
nen vielen Abzweigungen und 
Kreuzungen kostbar. Selten wird 
diese Versicherung durch blinkende 
Lichter oder akkustische Signale an- 
gekündigt. Die Sprache des Geistes 
ist vielmehr sanft, sie erhebt das 
Herz und beruhigt die Seele. 

Damit wir wegen unseres 
Kummers nicht am Herrn zweifeln, 
bedenken wir doch, daß die Weisheit 
Gottes den Menschen wie Torheit 
scheinen kann; die großartigste 
Lektion, die wir im irdischen Leben 
lernen können, lautet jedoch wie 
folgt: Wenn Gott spricht und der 
Mensch gehorcht, hat der Mensch 
immer recht. 

Die Erfahrung des Elija aus 
Tischbe macht diese Wahrheit deut- 
lich. Inmitten einer schrecklichen 
Hungersnot, Trockenheit und der 



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63 



Verzweiflung angesichts des 
Hungers, des Leidens und vielleicht 
des Todes erging das Wort des Herrn 
folgendermaßen an ihn: „Mach dich 
auf und geh nach Sarepta . . . und 
bleib dort. Ich habe dort einer Witwe 
befohlen, dich zu versorgen." 10 

Elija zweifelte nicht am Herrn. 
„Er machte sich auf und ging nach 
Sarepta. Als er an das Stadttor kam, 
traf er dort eine Witwe, die Holz 
auflas. Er bat sie: Bring mir in einem 
Gefäß ein wenig Wasser zum 
Trinken! 

Als sie wegging, um es zu holen, 
rief er ihr nach: Bring mir auch 
einen Bissen Brot mit! 

Doch sie sagte: So wahr der Herr, 
dein Gott, lebt: Ich habe nichts 
mehr vorrätig als eine Handvoll 
Mehl im Topf und ein wenig Ol im 
Krug. Ich lese hier ein paar Stücke 
Holz auf und gehe dann heim, um 
für mich und meinen Sohn etwas 
zuzubereiten. Das wollen wir noch 
essen und dann sterben. 

Elija entgegnete ihr: Fürchte dich 
nicht! Geh heim, und tu, was du ge- 
sagt hast. Nur mache zuerst für 
mich ein kleines Gebäck, und bring 
es zu mir heraus! Dann kannst du 
für dich und deinen Sohn etwas zu- 
bereiten; 

denn so spricht der Herr, der 
Gott Israels: Der Mehltopf wird 
nicht leer werden und der Olkrug 
nicht versiegen bis zu dem Tag, an 
dem der Herr wieder Regen auf den 
Erdboden sendet." 11 

Sie zweifelte nicht an der un- 
wahrscheinlichen Verheißung. 
„Sie ging und tat, was Elija gesagt 
hatte. So hatte sie mit ihm und 
ihrem Sohn viele Tage zu essen. Der 
Mehltopf wurde nicht leer, und der 
Olkrug versiegte nicht, wie der Herr 
durch Elija versprochen hatte." 12 

Blättern wir schnell durch die 
Geschichte bis zu der Nacht, als die 
Hirten bei ihrer Herde Nachtwache 
hielten und die heiligen Worte hör- 
ten: „Fürchtet euch nicht, denn ich 
verkünde euch eine große Freude, 
die dem ganzen Volk zuteil werden 
soll: 

Heute ist euch in der Stadt 
Davids der Retter geboren; er ist der 
Messias, der Herr." 13 



Mit der Geburt des Kindes in 
Betlehem wurde ein großes Geschenk 
zuteil - eine Macht, die stärker ist als 
Waffen, ein Reichtum, der dauerhaf- 
ter ist als die Münzen Cäsars. Die 
lange angekündigte Verheißung war 
erfüllt: Christus war geboren. 

Die Bibel offenbart, daß der junge 
Jesus heranwuchs, seine Weisheit zu- 
nahm und er Gefallen fand bei Gott 
und den Menschen. 14 Später ver- 
merkt ein unauffälliger Eintrag, daß 
er herumzog und Gutes tat. 15 

Von Nazaret her und durch die 
Generationen der Zeit kommen sein 
hervorragendes Beispiel, seine will- 
kommenen Worte und seine göttli- 
chen Taten. Sie flößen die Geduld 
ein, die Bedrängnis zu überwinden, 
die Kraft, den Kummer zu ertragen, 
den Mut, dem Tod ins Auge zu 
sehen, und das Vertrauen, sich dem 
Leben zu stellen. In dieser Welt des 
Chaos, der Prüfung und der 
Ungewißheit haben wir die göttliche 
Hilfe nie dringender nötig gehabt 
als heute. 

Die Lektionen von Nazaret, 
Kafarnaum, Jerusalem und Galiläa 
überwinden die Schranken der 
Entfernung, den Lauf der Zeit, die 
Grenzen des Verständnisses, wenn 
sie dem beunruhigten Herzen Licht 
und einen Ausweg bieten. Vorn lie- 
gen der Garten Getsemani und der 
Hügel Golgota. 

Die Bibel berichtet: „Darauf kam 
Jesus mit seinen Jüngern zu einem 
Grundstück, das man Getsemani 
nennt, und sagte zu ihnen: Setzt 
euch und wartet hier, während ich 
dort bete. 

Und er nahm Petrus, [Jakobus 
und Johannes] mit sich. Da ergriff 
ihn Angst und Traurigkeit, 

und er sagte zu ihnen: Meine 
Seele ist bis zu Tode betrübt. Bleibt 
hier und wacht mit mir! 

Und er ging ein Stück weiter . . . 
und betete:" 16 

„Mein Vater, wenn es möglich ist, 
gehe dieser Kelch an mir vorüber. 
Aber nicht mein, sondern dein 
Wille soll geschehen. 

Da erschien ihm ein Engel vom 
Himmel und gab ihm (neue) Kraft. 

Und er betete in seiner Angst 
noch inständiger, und sein Schweiß 



war wie Blut, das auf die Erde 
tropfte." 17 

Welches Leid, welches Opfer, 
welche Angst mußte er ertragen, um 
für die Sünden der Welt zu sühnen! 

Zu unserem Nutzen schrieb der 
Dichter: 

In goldner Jugend scheint die Welt 
allein von Heiterkeit erhellt. 
Wenn alles Frohsinn ist und Licht, 
da ist kein Schatten noch in Sicht. 
Verborgen liegt vor unsrem Blick, 
von uns entfernt ein ganzes Stück, 
ein Garten, zu dem's jeden zieht, 
der Garten von Getsemani. 

Am Fluß vorbei und unter Bäumen, 
auf Wegen von zerbrochnen Träumen 
nachfahren voller stillem Sehnen, 
und kummervoll geweinten Tränen. 
Kommt man zum Garten, 

ob mans will 
oder auch nicht, er liegt da still, 
denn jeder Weg führt irgendwie 
den Menschen durch Getsemani. 18 

Die irdische Mission des Erretters 
der Welt war bald zu Ende. Vor ihm 
lag das Kreuz auf der Schädelstätte, 
die verderbte Handlung derer, die 
nach dem Blut des Gottessohnes dür- 
steten. Seine göttliche Antwort ist 
eine einfache, jedoch zutiefst bedeu- 
tende Bitte: „Vater, vergibt ihnen, 
denn sie wissen nicht, was sie tun." 19 

Dann sprach er die letzten Worte: 
,yater, in deine Hände lege ich mei- 
nen Geist." 20 Mit diesen Worten 
starb der große Erlöser. Er wurde in 
einem Grab bestattet. Er stand am 
Morgen des dritten Tages von den 
Toten auf. Er wurde von seinen 
Jüngern gesehen. Die Worte, die von 
dem epochalen Ereignis nachklin- 
gen, überwinden die Zeit und schen- 
ken sogar heute noch unserer Seele 
den Trost, die Sicherheit, den Balsam 
und die Gewißheit: „Er ist nicht 
hier. ... Er ist auferstanden." 21 Die 
Auferstehung wurde für alle 
Wirklichkeit. 

Letzte Woche erhielt ich einen 
glaubenerfüllten Brief von Laurence 
M. Hilton. Ich möchte Ihnen diesen 
Bericht vorlesen, der schildert, wie 
persönliches Leid durch Glauben 
überwunden wurde. 



DER 



STERN 
64 



1892 reisten Thomas und Sarah 
Hilton, die Großeltern von 
Laurence, nach Samoa, wo Thomas 
nach ihrer Ankunft als Missionsprä- 
sident eingesetzt wurde. Mit ihnen 
kam ihre kleine Tochter, zwei Söhne 
wurden während ihrer Mission ge- 
boren. Traurigerweise starben die 
drei Kinder auf Samoa, und 1895 
kehrten Bruder und Schwester 
Hilton kinderlos von ihrer Mission 
zurück. 

David O. McKay war ein Freund 
der Familie. Er war von ihrem 
Verlust zutiefst bewegt. 1921, auf 
einer Weltreise zu den Mitgliedern 
der Kirche in vielen Ländern, mach- 
te Eider McKay in Begleitung von 
Eider Hugh J. Cannon in Samoa 
Halt. Vor seiner Abreise hatte er der 
inzwischen verwitweten Schwester 
Hilton versprochen, er werde per- 
sönlich das Grab ihrer drei Kinder 
besuchen. Ich lese Ihnen den Brief 
vor, den er ihr aus Samoa schrieb. 

Liebe Schwester Hilton, 

Gerade als die Strahlen der 
Nachmittagssonne am 18. Mai 1921 
die Wipfel der Kokospalmen berühr- 
ten, stand eine Gruppe von fünf mit 
geneigten Kopf vor dem kleinen 
Friedhof von Fagali'i. . . . Wir waren 
dort, weil ich, wie Sie wissen, Ihnen 
vor der Abreise mein Versprechen 
gegeben hatte. 

Die Gräber und die Grabsteine 
sind in einem guten Zustand. . . . 
Ich mache hier eine Kopie, die ich 
anfertigte, als ich . . . vor der Mauer 
am Grab stand. 

Janette Hilton 
Geb.: 10. Sept. 1891 
Gest. 4. Juni 1892 
„Ruhe, liebste Jennie" 

George Emmett Hilton 
Geb.: 12. Okt. 1894 
Gest.: 19. Okt. 1894 
„Friedlich sei dein Schlummer" 

Thomas Hamid Hilton: 
Geb.: 21. Sept. 1892 
Gest.: 17. März 1894 
„Ruhe auf dem Hügel, ruhe!" 

Als ich auf diese drei kleinen 
Gräber blickte, versuchte ich mir 



vorzustellen, was Sie während Ihrer 
Mutterschaft in jungen Jahren auf 
dem alten Samoa wohl durchge- 
macht haben. Dabei wurden die 
Grabsteine zu Denkmälern nicht 
nur für die Babys, die unter ihnen 
schlafen, sondern auch für den 
Glauben einer Mutter sowie die 
Hingabe an die ewigen Grundsätze 
der Wahrheit und des Lebens. Ihre 
drei Kleinen, Schwester Hilton, 
haben mit einer beredten und 
wirksamen Stille Ihre edle 
Missionsarbeit, die vor fast dreißig 
Jahren begonnen hat, fortgesetzt, 
und sie werden sie so lange fortset- 
zen, wie es noch sanfte Hände 
gibt, die ihren letzten irdischen 
Ruheplatz pflegen." 

Von liebenden Händen wurden ihre 

sterbenden Augen geschlossen, 
Von liebenden Händen ihre kleinen 

Glieder geordnet. 
Von fremden Händen wird ihr 

Grab geschmückt, 
Von Fremden geehrt, und von 

Fremden betrauert. 

Tofa Soifua 
David O. McKay 

Dieser bewegende Bericht ver- 
mittelt dem trauernden Herzen den 
Frieden, „der alles Verstehen über- 
steigt" 22 . Unser himmlischer Vater 
lebt. Der Herr Jesus Christus ist 
unser Erretter und Erlöser. Er hat 



den Propheten Joseph Smith ge- 
führt. Er führt seinen Propheten, 
Präsident Gordon B. Hinckley, 
heute. Von dieser Wahrheit gebe ich 
dieses persönliche Zeugnis. 

Daß wir unsere Sorgen ertragen, 
unsere Last auf uns nehmen und 
uns unseren Ängsten stellen - wie 
das der Erretter getan hat - ist mein 
Gebet. Ich weiß, daß er lebt. Im 
Namen Jesu Christi, amen. D 

FUSSNOTEN 

1. Ray Gilbert,© 1945 Walt Disney 
Music Company. 

2. Ijob 5:7. 

3. Ijob 1:1. 

4. Ijob 2:9. 

5. Ijob 16:19. 

6. Ijob 19:25. 

7. Jeremia 8:22. 

8. Psalm 30:5. 

9. Josua 1:5. 

10.1 Könige 17:8, 9. 

11.1 Könige 17:10-14. 

12.1 Könige 17:15, 16. 

13. Lukas 2:10, 11. 

14. Siehe Lukas 2:52. 

15. Siehe Apostelgeschichte 10:38. 

16. Matthäus 26:36-39. 

17. Lukas 22:42-44. 

18. Ella Wheeler Wilcox, „Gethsemane," 

in Sourcebook ofPoetry, Hg. AI Bryant 

(1968), 435. 
19. Lukas 23:34. 
20. Lukas 23:46. 
21. Matthäus 28:6. 
22. Philipper 4:7. 



Craig Jessop dirigiert den Mormonentabernakelchor. 




JULI 1 

65 



9 9 8 



Sind Sie errettet? 



Eider Daliin H. Oaks 

vom Kollegium der Zwölf Apostel 




So wie die Heiligen der Letzten Tage die Begriffe errettet und Errettung 
verwenden, haben sie wenigstens sechs verschiedene Bedeutungen. 



mit den Begriffen gerettet und 
Errettung verbinden, dann sagen wir 
entweder „ja" oder „ja, bedingt." 

Wie ich den Sinn der Frage jener 
guten Christen verstehe, sind wir „er- 
rettet", wenn wir aufrichtig sagen oder 
bekennen, daß wir Jesus Christus als 
unseren persönlichen Herrn und 
Erretter angenommen haben. Diese 
Interpretation stützt sich auf etwas, 
was der Apostel Paulus die Menschen 
seiner Zeit gelehrt hat: 

„Wenn du mit deinem Mund be- 
kennst: Jesus ist der Herr' und in 
deinem Herzen glaubst: ,Gott hat 
ihn von den Toten auferweckt', so 
wirst du gerettet werden. 

Wer mit dem Herzen glaubt und 
mit dem Mund bekennt, wird 
Gerechtigkeit und Heil erlangen." 
(Römer 10:9,10.) 

Für einen Heiligen der Letzten 
Tage bedeuten die Worte gerettet und 
Heil (Errettung) in dieser Schriftstelle, 
daß wir mit Jesus Christus einen 
Bund geschlossen haben, durch den 
uns zugesichert wird, daß wir von den 
Folgen der Sünde errettet werden, 
wenn wir gehorsam sind. In diesem 
Sinn ist jeder aufrichtige Heilige der 
Letzten Tage „errettet". Wir haben 
uns zum wiederhergestellten 
Evangeliums Jesu Christi bekehrt, wir 
haben Umkehr und Taufe durchlau- 
fen, und wir erneuern unseren 
Taufbund durch die Teilnahme am 
Abendmahl. 

So wie die Heiligen der Letzten 
Tage die Begriffe errettet und Errettung 
verwenden, haben sie wenigstens 
sechs verschiedene Bedeutungen. 



Was sagen wir, wenn uns 
jemand fragt: „Bist du 
errettet?" Diese Frage 
ist unter einigen Christen ganz üb- 
lich, aber für die Mitglieder der 
Kirche Jesu Christi der Heiligen der 
Letzten Tage klingt sie seltsam; wir 
drücken uns normalerweise nicht so 
aus. Wir neigen dazu, von „geret- 
tet" und „Errettung" als von etwas 
Zukünftigem zu sprechen und nicht 
als von etwas, was bereits gesche- 
hen ist. 

Gute Christen verbinden manch- 
mal andere Inhalte mit einigen 
Schlüsselbegriffen des Evangeliums, 
so auch mit den Wörtern gerettet 
und Errettung. Wenn wir die Frage 
so beantworten, wie der Fragesteller 
sie wahrscheinlich meint, wenn er 
wissen will, ob wir „errettet" sind, 
dann müssen wir „ja" sagen. 
Antworten wir aber gemäß den ver- 
schiedenen Bedeutungen, die wir 



Laut einigen von ihnen ist unsere 
Errettung sicher - sind wir bereits 
errettet. Andere sprechen von der 
Errettung als einem zukünftigen 
Ereignis (siehe beispielsweise 1 
Korinther 5:5) oder von der 
Errettung als etwas, das von einem 
zukünftigen Ereignis abhängt (siehe 
beispielsweise Markus 13:13). Aber 
für jede Bedeutung oder Art der 
Errettung gilt, daß die Errettung in 
und durch Jesus Christus erfolgt. 

Zunächst einmal rettet die 
Auferstehung Jesu Christi alle 
Sterblichen davor, daß der Tod ein 
dauerhafter Zustand ist. „Denn wie 
in Adam alle sterben, so werden in 
Christus alle lebendig gemacht wer- 
den." (1 Korinther 15:22.) 

Hinsichtlich der Errettung von 
Sünde und den Folgen der Sünde, 
lautet unsere Antwort auf die 
Frage, ob wir errettet sind oder 
nicht: „Ja, bedingt." Unser dritter 
Glaubensartikel legt dar, woran wir 
diesbezüglich glauben: 

„Wir glauben, daß dank dem 
Sühnopfer Jesu Christi alle 
Menschen errettet werden können, 
indem sie die Gesetze und 
Verordnungen des Evangeliums be- 
folgen." (3. Glaubensartikel) 

Viele Verse in der Bibel legen dar, 
daß Jesus gekommen ist, um die 
Sünden der Welt hinwegzunehmen 
(siehe beispielsweise Johannes 1:29; 
Matthäus 26:28). Das Neue 
Testament verweist häufig auf die 
Gnade Gottes und die Errettung 
durch Gnade (siehe beispielsweise 
Johannes 1:17; Apostelgeschichte 
15:11; Epheser 2:8). Es gibt dort 
aber auch viele eingehende Gebote 
in bezug auf das persönliche 
Verhalten und viele Hinweise dar- 
auf, daß die Werke wichtig sind 
(siehe beispielsweise Matthäus 5:16; 
Epheser 2:10; Jakobus 2:14-17). 
Außerdem hat der Erretter gelehrt, 
daß man bis ans Ende ausharren 
muß, um errettet zu werden (siehe 
beispielsweise Matthäus 10:22; 
Markus 13:13). 

Gestützt auf die Gesamtheit der 
biblischen Lehren und auf die 
Erläuterungen, die wir durch neuzeit- 
liche Offenbarung erhalten haben, 
bezeugen wir: der Erlösungsplan und 



DER STERN 
66 



die Gebote, die der Herr Jesus 
Christus gegeben hat, machen klar, 
daß die Reinigung von Sünde durch 
das Sühnopfer Christi vom Glauben 
des einzelnen Sünders abhängt; 
dieser Glaube zeigt sich im 
Gehorsam gegenüber dem Gebot 
des Herrn, daß man umkehren, sich 
taufen lassen und den Heiligen 
Geist empfangen soll (siehe 
Apostelgeschichte 2:37, 38). „Amen, 
amen, ich sage dir", lehrt Jesus, 
„wenn jemand nicht aus Wasser und 
Geist geboren wird, kann er nicht in 
das Reich Gottes kommen." 
(Johannes 3:5; siehe auch Markus 
16:16; Apostelgeschichte 2:37,38.) 
Als Gläubige also, die bereits wie er- 
forderlich von neuem geboren sind, 
können wir Heiligen der Letzten 
Tage sagen, daß wir bereits bedingt 
aus Sünde errettet sind, aber daß 
wir erst dann endgültig errettet sein 
werden, wenn wir die irdische 
Prüfungszeit mit der notwendigen 
Umkehr und Glaubenstreue, dem 
Dienen und dem Ausharren bis ans 
Ende abgeschlossen haben. 

Den Heiligen der Letzten Tage, 
die das sagen, wird von manchen 
Christen vorgeworfen, daß sie die 



Gnade Gottes leugnen, weil sie 
behaupten, sich die Errettung 
verdienen zu können. Dieser 
Anschuldigung begegnen wir mit den 
Worten zweier Propheten des Buches 
Mormon. Nephi lehrt: „Denn wir ar- 
beiten eifrig daran, . . . unsere Kinder 
. . . davon zu überzeugen, daß sie 
Christus glauben und sich mit Gott 
versöhnen lassen; denn wir wissen, 
daß wir durch Gnade errettet werden 
- nach allem, was wir tun können." (2 
Nephi 25:23.) Und was heißt „nach 
allem, was wir tun können"? Gewiß 
gehört die Umkehr dazu (siehe Alma 
24:11), außerdem die Taufe, das 
Halten der Gebote und das 
Ausharren bis ans Ende. Moroni fleht: 
„Ja, kommt zu Christus, und werdet in 
ihm vollkommen, und verzichtet auf 
alles, was ungöttlich ist, und liebt 
Gott mit aller Macht, ganzem Sinn 
und aller Kraft, dann ist seine Gnade 
ausreichend für euch, damit ihr 
durch seine Gnade in Christus voll- 
kommen seiet." (Moroni 10:32.) 

Wir werden nicht in unseren 
Sünden errettet, so als ob wir vorbe- 
haltlos durch das Bekennen Christi 
gerettet werden und dann - unver- 
meidlich - im übrigen Leben wieder 




sündigen (siehe Alma 11:36,37). Wir 
werden aus unseren Sünden errettet, 
indem wir immer wieder aufs neue 
geboren werden in der Erneuerung 
unserer Umkehr und der Reinigung 
durch die Gnade Gottes und seines 
wundervollen Erlösungsplans (siehe 3 
Nephi 9:20-22). 

Die Frage, ob jemand errettet ist, 
wird manchmal damit umschrieben, 
ob der betreffende „von neuem ge- 
boren" ist. Dieses „von neuem gebo- 
ren werden" ist eine vertraute 
Redewendung aus der Bibel und 
dem Buch Mormon. Wie bereits ge- 
sagt, hat Jesus gelehrt, daß man 
nicht in das Reich Gottes kommen 
kann (siehe Johannes 3:5), wenn 
man nicht aus Wasser und Geist 
„von neuem geboren" ist (siehe 
Johannes 3:3). Im Buch Mormon 
stehen viele Lehren in bezug auf die 
Notwendigkeit, „von neuem gebo- 
ren" beziehungsweise „aus Gott ge- 
boren" zu sein (siehe Mosia 
27:24-26; Alma 36:24,26,27; Mose 
6:59). So, wie wir diese Schriftstellen 
verstehen, lautet die Antwort auf die 
Frage, ob wir von neuem geboren 
sind, ganz deutlich: „Ja." Wir wurden 
aufs neue geboren, als wir mit unse- 
rem Erretter einen Bund geschlossen 
haben, indem wir aus Wasser und 
Geist geboren wurden und indem wir 
den Namen Christi auf uns genom- 
men haben. Jeden Sonntag können 
wir diese Geburt wiederholen, indem 
wir am Abendmahl teilnehmen. 

Die Heiligen der Letzten Tage 
versichern, daß diejenigen, die auf 
diese Weise von neuem geboren sind, 
geistig gezeugte Söhne und Töchter 
Jesu Christi sind (siehe Mosia 5:7; 
15:9-13; 27:25). Dennoch: Um die 
vorgesehenen Segnungen dieses von- 
neuem-geboren-Seins Wirklichkeit 
werden zu lassen, müssen wir unsere 
Bündnisse einhalten und bis ans 
Ende ausharren. Bis dahin sind wir 
durch die Gnade Gottes von neuem 
geboren, und zwar als neue Wesen 
mit neuen, geistigen Eltern und der 
Aussicht auf ein herrliches Erbe. 

Eine vierte Bedeutung von „erret- 
tet" besteht darin: man ist errettet 
aus der Finsternis der Unwissenheit 
in bezug auf Gott den Vater und sei- 
nen Sohn Jesus Christus sowie auf 



JULI 1 

67 



9 9 8 



den Zweck des Lebens und die 
Bestimmung von Mann und Frau. 
Das Evangelium, das uns durch den 
Dienst Jesu Christi bekanntgewor- 
den ist, hat uns diese Errettung ge- 
bracht. „Ich bin das Licht der Welt", 
sagt Jesus. „Wer mir nachfolgt, wird 
nicht in der Finsternis umhergehen, 
sondern wird das Licht des Lebens 
haben." (Johannes 8:12; siehe auch 
Johannes 12:46.) 

Für die Heiligen der Letzten Tage 
kann „errettet sein" auch bedeuten, 
daß man vom Zweiten Tod errettet 
beziehungsweise erlöst ist (nämlich 
vom endgültigen geistigen Tod), 
und zwar in der Zusicherung 
eines Reiches der Herrlichkeit in 
der kommenden Welt (siehe 1 
Korinther 15:40-42). Genau wie die 
Auferstehung allumfassend ist, 
wird uns zugesichert, daß - bis auf 
sehr wenige Ausnahmen - jedem 
Menschen, der je auf der Erde 
lebt, in dieser Hinsicht Errettung 
zuteil wird. In einer neuzeitlichen 
Offenbarung lesen wir: 

„Und dies ist das Evangelium, die 
frohe Nachricht, wovon uns die 
Stimme aus dem Himmel Zeugnis gab: 

Er ist in die Welt gekommen, 
nämlich Jesus, um sich für die Welt 
kreuzigen zu lassen und um die 
Sünden der Welt zu tragen und um 
die Welt zu heiligen und um sie von 
allem Unrecht zu säubern; 

durch ihn können alle errettet wer- 
den, die der Vater in seine Gewalt 
gegeben hat und die er durch ihn 
geschaffen hat, 

durch ihn, der den Vater verherr- 
licht und alle Werke seiner Hände 
errettet außer die Söhne des 
Verderbens, die den Sohn leugnen, 
nachdem der Vater ihn offenbart 
hat. (LuB 76:40-43; Hervorhebung 
hinzugefügt.) 

Der Prophet Brigham Young 
lehrte dies, als er verkündete, daß 
„jeder Mensch, der den Tag der 
Gnade nicht hinwegsündigt und 
ein Engel des Teufels wird, hervor- 
gebracht werden wird, um ein 
Reich der Herrlichkeit zu ererben" 
(Lehren der Präsidenten der Kirche - 
Brigham Young [1997], 288.) Diese 
Bedeutung von „gerettet" adelt das 
ganze Menschengeschlecht durch 



die Gnade des Herrn und Erretters, 
Jesus Christus. In diesem Sinne des 
Wortes muß ein jeder antworten: 
„Ja, ich bin errettet. Ehre sei Gott 
für das Evangelium, das Geschenk 
und die Gnade seines Sohnes!" 

Und schließlich werden die 
Begriffe „errettet" und „Errettung" 
noch in einem anderen vertrau- 
ten und nur von den Heiligen 
der Letzten Tage gebrauchten 
Zusammenhang verwendet, nämlich 
als Umschreibung von Erhöhung be- 
ziehungsweise ewigem Leben (siehe 
Abraham 2:11). Dieser Zustand wird 
manchmal auch als „Fülle der 
Errettung" bezeichnet (siehe Bruce 
R. McConkie, The Mortal Messiah 
[1979-81], 1:242). Diese Errettung 
erfordert mehr als Umkehr und Taufe 
kraft der rechtmäßigen Vollmacht des 
Priestertums. Sie erfordert auch, daß 
man im Tempel Gottes heilige 
Bündnisse schließt - darunter auch 
die ewige Ehe - , und daß man diesen 
Bündnissen treu bleibt, indem man 
bis ans Ende ausharrt. Wenn wir das 
Wort Errettung im Sinne von 
„Erhöhung" verwenden, kann natür- 
lich keiner von uns sagen, er sei 
schon im Erdenleben „errettet" wor- 
den. Dieser herrliche Zustand kann 
erst nach dem letzten Gericht dessen 
eintreten, der der erhabene Richter 
der Lebenden und der Toten ist. 

Ich habe angedeutet, daß die 
Frage, ob man als treues Mitglied 
der Kirche Jesu Christi der Heiligen 
der Letzten Tage errettet bezie- 
hungsweise von neuem geboren ist, 
mit einem festen „ja" beantwortet 
werden muß. Unser Bund mit dem 
Erretter versetzt uns in diesen 
Zustand des Errettetseins oder „von- 
neuem-geboren-Seins", den ein sol- 
cher Fragesteller wohl meint. Auch 
einige der Propheten unserer Zeit 
haben die Begriffe „Errettung" und 
„errettet" in diesem gegenwärtigen 
Sinn gebraucht. Präsident Brigham 
Young hat gesagt: 

„Was wir jeden Tag brauchen, um 
in der Errettung zu verbleiben, sind 
die gegenwärtige Errettung und der 
gegenwärtige Einfluß des Heiligen 
Geistes. ... 

Ich will gegenwärtige Errettung. 
. . . Das Leben ist für uns, und es 



liegt an uns, ob wir es heute anneh- 
men und nicht bis zum Millennium 
warten. Schlagen wir doch den Kurs 
ein, der uns heute Errettung bringt." 
(Discourses of Brigham Young, Hg. 
John A. Widtsoe [1954], 15f.) Auch 
Präsident David O. McKay hat vom 
offenbarten Evangelium Jesu Christi 
in diesem gegenwärtigen Sinn 
von „Errettung hier - hier und jetzt" 
gesprochen (siehe Gospel Ideals 
[1953], 6). 

Zum Schluß möchte ich eine 
weitere wichtige Frage behandeln, 
die den Mitgliedern und den 
Führern der Kirche Jesu Christi der 
Heiligen der Letzten Tage von ande- 
ren Menschen gestellt wird: „Warum 
schickt ihr Missionare zu anderen 
Christen?" Das wird manchmal neu- 
gierig, manchmal auch ablehnend 
gefragt. 

Mein denkwürdigstes Erlebnis 
mit dieser Frage hatte ich vor ein 
paar Jahren im damaligen soge- 
nannten Ostblock. Nachdem der 
Kommunismus viele Jahre lang der 
Religion feindlich gegenübergestan- 
den hatte, erhielten diese Länder 
plötzlich ein gewisses Maß an reli- 
giöser Freiheit. Als diese Tür sich 
öffnete, schickten viele christliche 
Glaubensgemeinschaften Missionare 
dorthin. Im Rahmen unserer 
Vorbereitung darauf sandte die Erste 
Präsidentschaft Mitglieder des 
Kollegiums der Zwölf Apostel zu 
den Regierungen und den 
Kirchenführern dieser Länder. Wir 
hatten den Auftrag, uns vorzustel- 
len und zu erläutern, was unsere 
Missionare tun würden. 

Eider Russell M. Nelson und ich 
besuchten den Führer der 
Orthodoxen Kirche in einem dieser 
Länder. Wir fanden einen Mann vor, 
der durch die finsteren Jahrzehnte 
kommunistischer Unterdrückung 
hindurch dazu beigetragen hatte, das 
Licht des Christentums nicht ster- 
ben zu lassen. Ich schrieb in mein 
Tagebuch, daß er ein warmherziger 
und freundlicher Mensch war, der 
mich als Diener des Herrn beein- 
druckt hat. Ich erwähne das, damit 
Sie nicht meinen, daß es in unserer 
fast einstündigen Unterhaltung in ir- 



D E R 



S T E 
68 



R N 



gendeiner Weise Hochmut oder 
Streit gegeben hätte. Unser Besuch 
verlief angenehm und freundlich 
und war erfüllt von dem guten 
Willen, der für jedes Gespräch zwi- 
schen Menschen bezeichnend sein 
sollte, die den Herrn lieben und ihm 
dienen wollen, und zwar jeder so, 
wie er es versteht. 

Unser Gastgeber erzählte uns 
von den Aktivitäten seiner Kirche 
während der Zeit der kommunisti- 
schen Unterdrückung. Er beschrieb 
die verschiedenen Beschwernisse, 
die seine Kirche und ihr Werk erleb- 
ten, als sie aus dieser Zeit herauska- 
men und versuchten, ihre frühere 
Stellung im Leben des Landes und 
im Herzen des Volkes zurückzuge- 
winnen. Wir stellten uns und unsere 
grundsätzlichen Glaubensansichten 
vor. Wir erläuterten, daß wir nun 
bald Missionare in sein Land 
schicken wollten, und sagten ihm, 
wie die Missionare ihre Arbeit ge- 
stalten würden. 

Er fragte: „Werden Ihre 
Missionare nur den Ungläubigen 
predigen, oder werden sie auch ver- 
suchen, den Gläubigen zu predigen?" 
Wir entgegneten, daß unsere 
Botschaft sich an jeden richtet, 
Gläubige wie Ungläubige. Dafür 
nannten wir zwei Gründe - zum 
einen geht es um das Prinzip, zum 
anderen um die praktischen Aspekte 
der Arbeit. Wir sagten ihm, daß wir 
den Gläubigen ebenso wie den 
Ungläubigen predigen, weil unsere 
Botschaft, das wiederhergestellte 
Evangelium, viel zur Erkenntnis, 
zum Glücklichsein und zum Frieden 
der ganzen Menschheit beiträgt. 
Was die Machbarkeit betrifft, so pre- 
digen wir den Gläubigen wie den 
Ungläubigen, weil wir sie nicht von- 
einander unterscheiden können. Ich 
weiß noch, wie ich diesen herausra- 
genden Führer fragte: „Wenn Sie vor 
der Gemeinde stehen und den 
Menschen ins Gesicht sehen, kön- 
nen Sie dann sehen, wer wahrhaft 
gläubig ist und wer nicht?" Er lächel- 
te etwas unbehaglich, und ich spür- 
te, daß er mich verstanden hatte. 

Durch die Missionare und die 
Mitglieder gelangt die Botschaft 
vom wiederhergestellten Evangelium 



in alle Welt, zu Christen wie zu 
Nichtchristen. Den Nichtchristen 
geben wir Zeugnis von Christus und 
lassen sie an den Wahrheiten und 
den heiligen Handlungen des wie- 
derhergestellten Evangeliums teilha- 
ben. Für die Christen tun wir das 
gleiche. Selbst wenn ein Christ in 
dem bereits genannten und vertrau- 
ten Sinn „errettet" ist, lehren wir 
ihn, daß es noch mehr zu lernen und 
noch mehr zu erleben gibt. Wie 
Präsident Hinckley kürzlich gesagt 
hat: „[Wir] streiten nicht. Wir de- 
battieren nicht. Wir sagen den ande- 
ren im Grunde nur ganz einfach: 
, Bringt all das Gute, das ihr habt, 
und laßt uns sehen, ob wir dem 
noch etwas hinzufügen können.'" 



(Präsident Gordon B. Hinckley, „The 
BYU Experience", BYU Devotional, 
4. November 1997.) 

Die Kirche Jesu Christi der 
Heiligen der Letzten Tage bietet allen 
Kindern Gottes die Möglichkeit, die 
Fülle des Evangeliums kennenzuler- 
nen, wie es in diesen Letzten Tagen 
wiederhergestellt worden ist. Wir 
bieten allen Kindern Gottes das 
Recht an, alle heiligen Handlungen 
der Errettung und der Erhöhung zu 
empfangen. 

Wir laden alle ein, diese Botschaft 
zu hören, und alle, die das bestäti- 
gende Zeugnis des Geistes empfan- 
gen, laden wir ein, ihm zu folgen. 
Das alles ist wahr. Ich bezeuge es im 
Namen Jesu Christi, amen. □ 




J U L 



19 9 8 



69 



Kinder und die Familie 



Eider W. Eugene Hansen 

von der Siebzigerpräsidentschaft 




Dafür, daß die Familie stark gemacht wird, ist es ganz wesentlich, daß 
man sich dessen bewußt ist, daß eine starke Familie nicht einfach passiert. 



ihre kleinen Kinder zu ihm zu brin- 
gen, wie er in ihrer Mitte nieder- 
kniete und für sie zum Vater betete. 
Was er sagte, war so heilig, daß es 
nicht aufgeschrieben werden konn- 
te. Und er weinte und nahm die 
kleinen Kinder, eines nach dem an- 
deren, und segnete sie. 

Und die Menschenmenge schau- 
te himmelwärts und sah die Himmel 
offen, und Engel erschienen und 
kamen herab. Die Kinder waren von 
Feuer umschlossen, und die Engel 
dienten ihnen. 

Da nun feststeht, daß der Herr 
jedes kleine Kind liebt, ist es nicht 
weiter verwunderlich, daß diejeni- 
gen, die den Herrn heutzutage 
auf der Erde vertreten, eindeutig 
und nachdrücklich über die 
Verantwortung der Eltern für ihre 
Kinder sprechen. 

Ich meine das Schreiben, das von 
der Ersten Präsidentschaft und dem 
Kollegium der Zwölf Apostel her- 
ausgegeben worden ist und sich 
„Die Familie: Eine Proklamation an 
die Welt" nennt. Darin heißt es: 

„Mann und Frau tragen die feier- 
liche Verantwortung, einander und 
ihre Kinder zu lieben und zu umsor- 
gen. . . . Die Eltern haben die heilige 
Pflicht, ihre Kinder in Liebe und 
Rechtschaffenheit zu erziehen, für 
ihre physischen und geistigen 
Bedürfnisse zu sorgen, sie zu lehren, 
daß sie einander lieben und einan- 
der dienen, die Gebote Gottes befol- 
gen und gesetzestreue Bürger sein 
sollen, wo immer sie leben. Mann 
und Frau - Vater und Mutter - wer- 
den vor Gott darüber Rechenschaft 
ablegen müssen, wie sie diesen 



Aus den heiligen Schriften 
wird deutlich, daß der Herr 
die Kinder liebt. Das ist 
ganz verständlich, denn „Kinder 
sind eine Gabe des Herrn" (Psalm 
127:3). 

Im Neuen Testament hat der 
Erretter deutlich gemacht, wie 
schwerwiegend es ist, wenn jemand 
einem „von diesen Kleinen" - wie es 
in Matthäus heißt - schadet: „Für 
den wäre es besser, „wenn er mit 
einem Mühlstein um den Hals im 
tiefen Meer versenkt würde." 
(Matthäus 18:6.) 

Eine der bewegendsten Szenen 
im Buch Mormon, einem weiteren 
Zeugen für Jesus Christus, ist die, in 
der der auferstandene Herr den 
Nephiten erschien, die damals in 
Amerika lebten. Dabei diente er 
den kleinen Kindern so liebevoll. 

Wir lesen, wie Jesus inmitten des 
Volkes stand und die Menschen bat, 



Verpflichtungen nachgekommen 
sind." (Der Stern, Januar 1996, 93.) 

Das sind deutliche Worte, beson- 
ders im Hinblick darauf, wie der 
Widersacher die traditionellen 
Werte immer mehr unterminiert 
und wie sich das auf die Familie aus- 
wirkt. Es ist wohl offensichtlich, daß 
vieles getan werden muß, um den 
Trends entgegenzuwirken, die die 
Familie ständig gefährden. 

Die Gesellschaft wendet sich in 
ihrer Verzweiflung weltlichen 
Lösungen zu. Sozialprogramme 
werden eingeführt, Behörden und 
Ämter sollen öffentliche Mittel 
und Programme einsetzen und so 
versuchen, diese zerstörerische 
Entwicklung aufzuhalten. Hier und 
da gelingt das auch, aber im allge- 
meinen sind die Trends beunruhi- 
gend. Ich behaupte, daß sich eine 
echte und dauerhafte Besserung 
nur erreichen lassen wird, wenn wir 
zu unseren geistigen Grundlagen 
zurückkehren. Wir müssen auf den 
Rat der Propheten hören. 

Ich zitiere noch einmal aus „Die 
Familie: eine Proklamation an die 
Welt": „Die Familie ist von Gott 
eingerichtet. . . . Das Kind hat ein 
Recht darauf, im Bund der Ehe ge- 
boren zu werden und in der Obhut 
eines Vaters und einer Mutter auf- 
zuwachsen, die den Ehebund in 
völliger Treue einhalten. Ein glück- 
liches Familienleben kann am ehe- 
sten erreicht werden, wenn die 
Lehren des Herrn Jesus Christus 
seine Grundlage sind. Erfolgreiche 
Ehen und Familien gründen und si- 
chern ihren Bestand auf den 
Prinzipien Glaube, Gebet, Umkehr, 
Vergebungsbereitschaft, gegenseitige 
Achtung, Liebe, Mitgefühl, Arbeit 
und sinnvolle Freizeitgestaltung. 
Gott hat es so vorgesehen, daß 
der Vater in Liebe und 
Rechtschaffenheit über die Familie 
präsidiert und daß er die Pflicht 
hat, dafür zu sorgen, daß die 
Familie alles hat, was sie zum Leben 
und für ihren Schutz braucht. Die 
Mutter ist in erster Linie für das 
Umsorgen und die Erziehung der 
Kinder zuständig. Vater und Mutter 
müssen einander in diesen heiligen 
Aufgaben als gleichwertige Partner 



DER 



STERN 
70 



zur Seite stehen. Behinderung, Tod 
und sonstige Umstände mögen eine 
individuelle Anpassung erforderlich 
machen. Bei Bedarf leisten die übri- 
gen Verwandten Hilfe." 

Während wir über diese inspirier' 
ten Worte nachsinnen, möchte ich 
für den Segen danken, daß ich in 
einer guten Familie aufgewachsen 
bin. Bei uns zu Hause lag den Eltern 
mehr an den Kindern, die Gott 
ihnen geschickt hatte, als daran, 
Besitz oder Ansehen zu erwerben. 

Ich war das Zweitälteste von acht 
Kindern. Wir lebten auf einer klei- 
nen Farm im Norden Utahs. Geld 
hatten wir wenig, deshalb war ich 
damit gesegnet, schon in jungen 
Jahren arbeiten lernen zu müssen. 
Unsere beschränkten Mittel erfor- 
derten, daß jedes Kind sparsam wirt- 
schaften und zum Lebensunterhalt 
der Familie beitragen mußte, sobald 
es alt genug dazu war. Zum Thema 
Faulenzen hatte mein Vater einen 
Lieblingsspruch: „Nichts ist so lang- 
weilig wie Faulenzen, weil man dann 
ja keine Pause machen und sich aus- 
ruhen kann." 

Die Zeiten haben sich zwar geän- 
dert, aber die Grundsätze bleiben 
sich gleich. Die Eltern von heute 
müssen jedem ihrer Kinder die 
Möglichkeit verschaffen, zum 



Wohlergehen der Familie beizutra- 
gen. In einer solchen Familie sind 
die Kinder glücklicher und es herr- 
scht zu Hause Liebe und Einigkeit. 

Auf der kleinen Farm habe ich 
gelernt, daß Geld und Besitz kein 
Schlüssel zu Glück oder Erfolg sind. 
Man braucht natürlich genug für die 
Grundbedürfnisse, aber Geld an sich 
macht selten - wenn überhaupt - 
glücklich. 

Auf unserer Farm haben wir auch 
Demut gelernt. Es hatte den 
Anschein, als ob immer gerade 
dann, wenn wir eine gute Ernte er- 
warteten und die Preise hoch 
waren, ein früher Winter kam oder 
es hagelte und unser Einkommen 
wieder so sank, daß wir uns kaum 
das Notwendigste kaufen konnten. 

Ich habe meinen Vater mehr als 
einmal sagen hören: „Es macht mir 
ja nichts aus, durch die harte Schule 
des Lebens zu lernen, aber diese 
ständigen Auffrischungskurse ma- 
chen mir schon zu schaffen!" 

Trotz der finanziellen Schwierig- 
keiten hatten wir ein gutes Leben. 
Wir liebten einander. Wir waren 
gern zu Hause. Es hat uns gut getan, 
daß wir das eine oder andere nicht 
haben konnten, damit ein anderer 
aus der Familie das bekam, was er 
brauchte. 




Unsere Wohnzimmereinrichtung 
hätte sich wohl niemals auf der 
Titelseite von Schöner Wohnen sehen 
lassen können, aber zwei wichtige 
Stücke besaßen wir doch: ein 
Klavier und einen Bücherschrank. 
Diese beiden an sich nicht weltbe- 
wegenden Einrichtungsgegenstände 
haben in unserer Jugend sehr zur 
Entwicklung von Talenten und 
Interessen beigetragen. 

Der Einfluß guter Musik und guter 
Bücher hat sich auch auf die nächste 
Generation übertragen. Auch das 
Fernsehen hat weder das Klavier 
noch den Bücherschrank aus dem 
Familienleben verdrängen können. 

Wir waren aber auch mit einer 
Mutter und einem Vater gesegnet, 
die in der sehr schwierigen 
Aufgabe, Kinder zu erziehen, als 
gleichberechtigte Partner wirkten. 
Ich habe sehr viel gelernt, während 
ich miterleben konnte, wie sie uns 
Kinder auf die allerwirksamste 
Weise - nämlich durch ihr Beispiel 
- unterwiesen haben. 

Von meinem Vater habe ich fol- 
gendes gelernt: 

• Pflichterfüllung und Nächsten- 
liebe, denn ich habe immer wieder 
erlebt, wie er seine Arbeit stehen 
ließ, um einem Mitglied der 
Gemeinde zu helfen. 

• Glauben, denn ich habe ihn 
beten gehört und gesehen, wie er 
Familienmitgliedern und anderen 
einen Priestertumssegen gegeben hat. 

• Liebe, denn ich sah, wie er 
rührend für seine betagten Eltern 
sorgte. 

• Grundsätze - anhand von 
Erlebnissen und aktuellen Ereignis- 
sen, um mir den Weg zu zeigen, dem 
zu folgen er von mir erwartete. 

• Verläßlichkeit, als er mir 
einen Wecker kaufte und mir die 
Aufgabe übertrug, in den Jahren, 
als ich die Highschool besuchte, 
täglich morgens und abends fünf 
Kühe zu melken. 

Er lehrte Lauterkeit, denn ich 
kann wahrhaftig sagen, daß ich ihn 
niemals etwas Unehrliches habe tun 
sehen. 

Auch von meiner Mutter habe 
ich viel gelernt. Sie hat uns folgen- 
des gelehrt: 



J U L 



19 9 8 



71 



• Sparsamkeit, denn sie lebte 
nach dem Pioniermotto: „Was du 
hast, mit dem komm aus; halt's in- 
stand und mach was draus." 

• Opferbereitschaft, denn oft 
übte sie Verzicht, damit die Kinder 
etwas bekommen konnten. 

• Keuschheit, denn sie hat uns 
von Anfang an immer wissen lassen, 
daß sie von uns Kindern erwartete, 
daß wir sittlich rein lebten. 

• Liebe, denn ich habe zu Hause 
die Liebe einer Mutter erfahren. 

• Güte, denn ich kann wahrhaf- 
tig sagen, daß ich sie niemals etwas 
Liebloses habe tun sehen. 

Ich danke dem Herrn für die lie- 
bevollen Eltern, die uns geistige und 
sittliche Werte gelehrt haben und 
die uns weise unterwiesen haben, 
daß einiges nicht in Frage gestellt 
wird, wie etwa der Besuch der 
Versammlungen der Kirche, das 
Zahlen des Zehnten, das Lesen in 
den heiligen Schriften und die 
Achtung vor den Eltern und den 
Führern der Kirche. Und am alier- 
wichtigsten: Sie haben uns durch ihr 
Beispiel unterwiesen, nicht nur 
durch Worte. 

Dafür, daß die Familie stark ge- 
macht wird, ist es ganz wesentlich, 
daß man sich dessen bewußt ist, daß 
eine starke Familie nicht einfach 
passiert. Es braucht Zeit. Es braucht 
Selbstverpflichtung, Beten und 
Arbeit. Die Eltern müssen sich ihrer 
Verpflichtung bewußt sein und wil- 
lens sein, sie anzunehmen. Die dar- 
aus resultierende Freude und das 
Glück sind unbeschreiblich. 

Unser geliebter Prophet, Präsident 
Hinckley, hat den folgenden Rat ge- 
geben: „Sorgen Sie weiter für Ihre 
Kinder, und lieben Sie sie. ... Was 
auch immer Sie besitzen, nichts ist 
so kostbar wie Ihre Kinder." (Church 
News, 3. Februar 1996, 2.) 

Ich bezeuge Ihnen, daß die 
Proklamation über die Familie, die 
ich eingangs zitiert habe, neuzeitli- 
che heilige Schrift ist, die uns der 
Herr durch seine Propheten in den 
Letzten Tage hat zukommen lassen. 

Gott lebt, Jesus ist der Messias, 
dies ist seine Kirche, und sie wird von 
einem lebenden Propheten geführt. 
Im Namen Jesu Christi, amen. D 



Kommt zu Christus 



Margaret D. Nadauld 

JD-Präsidentin 




Wir wollen zu Christus kommen, weil wir nur in ihm und durch ihn zum 
Vater zurückkehren können. 



uns heilen. Er versteht uns aufgrund 
seiner eigenen Erfahrungen. In den 
heiligen Schriften steht: „Und er 
wird hingehen und Schmerzen und 
Bedrängnisse und Versuchungen 
jeder Art leiden; . . . damit er . . . 
wisse, wie er seinem Volk beistehen 
könne gemäß dessen Schwäche." 
(Alma 7:11,12.) Wir wollen zu 
Christus kommen, weil wir nur in 
ihm und durch ihn zum Vater 
zurückkehren können. 

Vor vielen Jahren habe ich etwas 
ganz Einfaches erlebt, was ich nie ver- 
gessen werde, weil es mich an die 
Mission des Erretters erinnert. Es ist 
nur ein kleiner Vorfall aus dem Leben 
meiner Kinder, aber er steckt doch 
voll Bedeutung. Unsere Zwillinge 
waren damals etwa fünf Jahre alt. Sie 
lernten gerade radfahren. Ich schaute 
aus dem Fenster und sah die beiden 
ziemlich schnell die Straße hinunter- 
fahren. Wahrscheinlich waren sie für 
ihr Können ein bißchen zu schnell, 
denn Adam hatte plötzlich einen 
schrecklichen Unfall. Er und sein 
Fahrrad bildeten ein unentwirrbares 
Knäuel, worin ich nur noch die 
Lenkstange und die Reifen sowie zwei 
Arme und zwei Beine erkennen 
konnte. Sein Zwillingsbruder Aaron 
sah das alles; er hielt an und sprang 
vom Fahrrad. Er warf das Fahrrad 
einfach hin und rannte, um seinem 
Bruder zu helfen, den er sehr liebte. 
Die Zwillinge waren wirklich ein Herz 
und eine Seele. Wenn einer litt, litt 
der andere mit ihm. Wenn man den 
einen kitzelte, lachten beide. Wenn 
einer einen Satz begann, konnte ihn 
der andere zu Ende führen. Was einer 
fühlte, fühlte auch der andere. Aaron 



Wenn die Osterzeit naht, 
freuen wir uns, wie schon 
das ganze Jahr über, über 
die bedeutsamste Aufforderung, die 
je an die Menschheit ergangen ist, 
die Aufforderung nämlich, zu 
Christus zu kommen. Sie gilt für uns 
alle. Überall in den heiligen Schriften 
findet sich diese herrliche 
Aufforderung, die in dem folgenden 
Lied so wundervoll zum Ausdruck 
kommt: 

„Kommet zu Jesus aus allen Landen, 
von nah und fem versammelt euch 

hier; 
denn allen Menschen, die Gottes 

Kinder, 
rufet er zu: ,Kommt zu mir!'" 
(Gesangbuch, Nr. 75.) 

Alle sind wir eingeladen, denn er 
liebt uns und weiß, daß wir ihn 
brauchen. Er kann uns helfen und 



DER 



STERN 

72 




Präsident Gordon B. Hinckley, Präsident Thomas S. Monson und Präsident James E. Faust 
begrüßen in der allgemeinen JD-Versammlung die JD-Präsidentschaft. 



tat es also sehr weh, seinen Bruder 
Adam fallen zu sehen. Adam war 
ziemlich übel zugerichtet. Seine Knie 
waren aufgeschürft, er blutete am 
Kopf, sein Ego war angekratzt, und er 
weinte. Auf eine für einen 
Fünfjährigen recht sanfte Weise be- 
freite Aaron seinen Bruder, sah sich 
die Wunden an und versuchte etwas 
sehr Liebes. Er hob seinen Bruder auf 
und versuchte, ihn nach Hause zu 
tragen. Das war nicht einfach, denn 
die beiden waren ja gleich groß, aber 
er bemühte sich. So mühte er sich ab, 
halb trug, halb zerrte er ihn, und end- 
lich waren sie zu Hause. Der verletzte 
Adam hatte inzwischen aufgehört zu 
weinen, dafür weinte aber Aaron, der 
ihm geholfen hatte. Auf die Frage: 
„Aaron, weshalb weinst du denn?" 
entgegnete er: „Weil Adam sich weh- 
getan hat." Deshalb hatte er ihn nach 
Hause gebracht, wo ihm jemand hel- 
fen konnte, der sich auskannte, je- 
mand, der wußte, was getan werden 
mußte, der seine Wunden säubern 
und verbinden und ihm wirklich hel- 
fen konnte. Er brachte ihn nach 
Hause, wo er geliebt wurde. 

So wie ein Zwillingsbruder dem 
anderen beigestanden hat, so kann 
der geliebte Erretter Jesus Christus 
uns alle emporheben, helfen und ge- 
legentlich auch tragen. Er empfin- 
det das, was wir empfinden; er weiß, 
was in uns vorgeht. Sein Auftrag 
lautete ja, uns die Tränen abzuwi- 
schen, unsere Wunden zu reinigen 
und uns durch seine heilende 
Macht zu segnen. Er kann uns 



durch die Macht seiner unvergleich- 
lichen Liebe nach Hause zum 
himmlischen Vater tragen. 

Der Herr hat gewiß Freude daran, 
wenn wir als seine Kinder einander 
beistehen, einander auf dem Weg 
unterstützen und einander näher zu 
Christus bringen. Er hat gelehrt: 
„Was ihr für einen meiner geringsten 
Brüder getan habt, das habt ihr mir 
getan." (Matthäus 25:40.) Er möch- 
te, daß wir „mit den Trauernden . . . 
trauern, ja, und diejenigen trösten, 
die Trost brauchen," (Mosia 18:9) 
und daß wir „einander in Liebe" die- 
nen (siehe Galater 5:13). 

In dem Lied von Susan Evans 
McCloud kommt dies so schön zum 
Ausdruck: 

„O mein Heiland, dich zu lieben, 
dir zu folgen wünsch ich mir; 
dich durch keine Sund betrüben, 
sondern treulich dienen dir. 
Ich will meinem Nächsten dienen, 
heilend, tröstend bei ihm sein; 
wenn er mutlos wird und müde, 
neue Hoffnung ihm verleihn. 
Ich will meinen Nächsten lieben, 
wahrhaft, so wie du mich liebst, 
weiß ich doch, daß du zum Dienen 
Kraft mir und Erleuchtung gibst. " 
(Gesangbuch, Nr. 148.) 

Liebe Brüder und Schwestern, 
diese Zeilen bringen zum Ausdruck, 
was ich voll Demut tief im Herzen 
empfinde, wo ich doch jetzt mit 
Freude darangehe, den Auftrag des 
himmlischen Vaters zu erfüllen und 



für die Jungen Damen seiner Kirche 
dazusein. Ich bete ständig darum, 
daß ich, die ich ihm willig dienen 
möchte, im Herrn Kraft und 
Erleuchtung finden möge. 

Die Aufgabe jeder Jungen Dame 
ist es - und unser sehnlichster 
Wunsch ist es, den Jungen Damen 
dabei behilflich zu sein - geistig zu 
wachsen und ihrer Familie zu hel- 
fen, sich dafür bereit zu machen, zu 
Christus zu kommen. Viele von 
ihnen machen das schon ganz gut. 
Als wir beispielsweise einige Junge 
Damen gefragt haben, was ihnen an 
der Abendmahlsversammlung ge- 
fällt, sagte eine: „Das Abendmahl, 
denn es erinnert mich an Jesus und 
was er alles für mich getan hat." 
Eine andere hat gesagt: „Ich gehe 
nie mit leeren Herzen aus der 
Abendmahlsversammlung, und ich 
nehme gern das Abendmahl." Als 
sie gefragt wurden, ob sie beten, sag- 
ten viele: „Morgens und abends." 

Diese Jungen Damen sind ihren 
Mitmenschen ein Segen. Ich möch- 
te Ihnen aus einem Brief vorlesen, 
den jemand geschrieben hat, der 
durch solch liebevolles Dienen ge- 
segnet worden ist? 

„Die Jungen Damen [meiner 
Gemeinde] haben mir buchstäblich 
das Leben gerettet. Ich war ein jun- 
ger Bischof, erst 29 Jahre alt, und 
Vater von vier hübschen kleinen 
Mädchen, wovon die Jüngste noch 
ein Baby war, als der himmlische 
Vater meine Frau von der Erde abbe- 
rief. Ich setzte mich mit meinen klei- 
nen Mädchen zusammen und fragte 
sie, welche Auswirkungen das nun 
auf sie haben würde. Die sechsjähri- 
ge Emily, die älteste der vier, wollte 
unter anderem wissen: ,Wer macht 
mir jetzt die Haare, wenn wir in die 
Kirche gehen, wer kämmt mich 
und tut die Haarbänder und 
Haarspangen in mein Haar?' Eine 
gute Frage - auch für mich. Ja, wer 
denn? Ich war von dem Gedanken 
beseelt, daß unser Leben so ,normal' 
wie möglich weitergehen solle - wor- 
aus sich ergab, daß ich eine ganz 
neue Lebensweise erlernen mußte. 
Ich war ihr Vater, und ich war der 
einzige Elternteil, den sie hatten. Mir 
wurde klar, daß mir die mütterlichen 



JULI 1998 
73 



Fertigkeiten fehlten, die ich brauchte. 
Ich bat die Jungen Damen in der 
Gemeinde, mir zumindest beizubrin- 
gen, wie ich meinen Töchtern bei der 
Haarpflege behilflich sein konnte. Sie 
kamen mehrmals zu mir nach Hause 
und zeigten mir, wie ich es machen 
sollte. Sie zeigten mir sogar, wie ich 
meinem sechs Monate alten Baby 
ohne allzu große Schwierigkeiten die 
Haare waschen sollte. Als ich den 
,Kurs' abgeschlossen hatte, konnte 
ich meinen Töchtern ohne viel 
Aufwand eine flotte Frisur machen. 
Aber diese Mädchen haben mir mehr 
vermittelt als bloß eine Fertigkeit. Sie 
haben mir das Selbstvertrauen gege- 
ben, meine vier Töchter als Vater zu 
lieben, zu umsorgen und für sie dazu- 
sein, egal wie mein weiteres Leben 
verlief." Danke, Bruder Michael 
Marston, für Ihren lieben Brief. 

Ich bete darum, daß die Eltern die- 
ser kostbaren Mädchen immer dank- 
bar sind für ihre Treuhandschaft, 
nämlich ihre Töchter in Liebe zu 
führen. Mögen die JD -Führerinnen 
verstehen, daß ihre Aufgabe von ewi- 
ger Bedeutung ist. Und möge jede 
Junge Dame erkennen, wie gesegnet 
sie ist, weil sie eine Tochter des himm- 
lischen Vaters ist, der sie sehr liebt 
und möchte, daß sie erfolgreich ist! 

Ich möchte zum Schluß meiner 
Dankbarkeit Ausdruck verleihen: 
Ich bin dankbar für meine Eltern, 
denn unser Zuhause war erfüllt von 
jener Liebe, die Christus gelehrt hat; 
ich bin dankbar, daß ich an der Seite 
meines lieben Mannes Stephen ste- 
hen darf, wodurch ich immer geseg- 
net und vorbereitet und unterstützt 
worden bin, und ich bin dankbar für 
die kostbaren Kinder, deren ständige 
liebevolle Unterstützung uns inspi- 
riert, uns Freude bereitet und uns oft 
den Weg weist. 

Ich bezeuge, daß wir, wenn wir 
die Einladung annehmen, zu 
Christus zu kommen, erkennen wer- 
den, daß er alle Wunden heilen 
kann. Er kann uns die Bürde abneh- 
men und sie für uns tragen, und wir 
können das Gefühl haben, daß wir 
„auf ewig von den Armen seiner 
Liebe" umfangen sind (siehe 2 
Nephi 1:15). Im Namen Jesu Christi, 
amen. D 



Damit wir eins seien 



Eider Henry B. Eyring 

vom Kollegium der Zwölf Apostel 




Der Erretter der Welt sprach von dieser Einigkeit und davon, wie wir uns 
ändern können, damit sie möglich wird. 



den Wunsch ein, für immer als 
Mann und Frau verbunden zu sein, 
um als Familie in einer vollkomme- 
nen, rechtschaffenen Verbindung zu 
leben. Er pflanzte seinen Kindern 
den Wunsch ein, mit ihren 
Mitmenschen in Frieden zu leben. 

Aber mit dem Fall wurde klar, daß 
es nicht leicht sein würde, in 
Einigkeit zu leben. Schon bald kam 
es zu einer Tragödie. Kain tötete sei- 
nen Bruder Abel. Die Kinder Adams 
und Evas waren den Versuchungen 
des Satans ausgesetzt. Mit Geschick, 
Haß und Verschlagenheit verfolgt er 
sein Ziel, nämlich das Gegenteil der 
Absicht des himmlischen Vaters und 
des Erretters. Sie wollen uns voll- 
kommene Eintracht und ewiges 
Glück schenken. Der Satan, der ihr 
und unser Feind ist, hat den 
Erlösungsplan bereits vor der 
Schöpfung gekannt. Er weiß, daß 
diese heilige, freudige Verbundenheit 
der Familie nur im ewigen Leben 
fortdauern kann. Der Satan will uns 
von unseren Lieben wegzerren und 
uns unglücklich machen. Er ist es 
auch, der im Herzen der Menschen 
Zwietracht sät und hofft, daß wir un- 
eins werden und uns trennen. 

Wir alle haben beides schon ken- 
nengelernt, Einigkeit und Trennung. 
Manchmal haben wir in der Familie 
oder auch anderswo einen kurzen 
Einblick in das Leben erhalten, wenn 
jemand in Liebe und unter Opfern 
die Interessen eines anderen 
Menschen über seine eigenen gestellt 
hat. Und jeder von uns weiß etwas 
darüber, wie traurig und einsam es 
ist, getrennt und allein zu sein. Man 
braucht uns nicht zu sagen, wofür wir 



Der Erretter der Welt, Jesus 
Christus, sagte über diejeni- 
gen, die seiner Kirche an- 
gehören: „Seid eins! Und wenn ihr 
nicht eins seid, dann seid ihr nicht 
mein." (LuB 38:27.) Und als Mann 
und Frau erschaffen wurden, war die 
Einigkeit in der Ehe nicht nur 
Hoffnung, sondern Gebot! „Darum 
verläßt der Mann Vater und Mutter 
und bindet sich an seine Frau, und sie 
werden ein Fleisch." (Genesis 2:24.) 
Der himmlische Vater möchte, daß 
unsere Herzen eng miteinander ver- 
bunden sind. Diese Verbundenheit ist 
nicht einfach nur ein Ideal. Sie ist 
eine Notwendigkeit. 

Die Forderung, daß wir eins sein 
sollen, gilt nicht nur für dieses 
Leben. Das hat kein Ende. Die erste 
Ehe wurde von Gott im Garten von 
Eden vollzogen, als Adam und Eva 
unsterblich waren. Von Anfang an 
pflanzte er Männern und Frauen 



DER 



STERN 

74 



uns entscheiden sollen. Das wissen 
wir. Aber wir brauchen die Hoffnung, 
daß wir in diesem Leben Einigkeit er- 
leben und uns dafür würdig machen 
können, sie in der kommenden Welt 
für immer zu haben. Und wir müssen 
wissen, wie uns diese große Segnung 
zuteil wird, damit wir wissen, was wir 
tun müssen. 

Der Erretter der Welt sprach von 
dieser Einigkeit und davon, wie wir 
uns ändern können, damit sie mög- 
lich wird. Er lehrte das in dem 
Gebet, das er in seinem letzten 
Zusammentreffen mit den Aposteln 
vor seinem Tod sprach, ganz klar. 
Dieses erhabene, schöne Gebet 
steht im Buch des Johannes. Bald 
sollte er das schreckliche Opfer für 
uns bringen, das ewiges Leben er- 
möglicht. Bald sollte er die Apostel 
verlassen, die er ordiniert hatte, die 
er liebte und denen er die Schlüssel 
für die Führung seiner Kirche 
überließ. Und so betete er zu seinem 
Vater, der vollkommene Sohn zum 
vollkommenen Vater. Seine Worte 
zeigen uns, wie eine Familie eins 
wird, so wie alle Kinder des himmli- 
schen Vaters, die dem Erretter und 
seinen Dienern folgen: 

„Wie du mich in die Welt gesandt 
hast, so habe auch ich sie in die 
Welt gesandt. 

Und ich heilige mich für sie, 
damit auch sie in der Wahrheit ge- 
heiligt sind. 

Aber ich bitte nicht nur für diese 
hier, sondern auch für alle, die 
durch ihr Wort an mich glauben. 

Alle sollen eins sein: Wie du, 
Vater, in mir bist und ich in dir bin, 
sollen auch sie in uns sein, damit die 
Welt glaubt, daß du mich gesandt 
hast." (Johannes 17:18-21.) 

Mit diesen wenigen Worten mach- 
te er deutlich, wie die Menschen 
durch das Evangelium Jesu Christi im 
Herzen eins werden können. 
Diejenigen, die an die Wahrheit glau- 
ben, die der Herr lehrte, können die 
Verordnungen und die Bündnisse an- 
nehmen, die von seinen bevollmäch- 
tigten Dienern angeboten werden. 
Durch Gehorsam gegenüber den 
Verordnungen und Bündnissen än- 
dert sich dann ihr Wesen. Das 
Sühnopfer des Erretters macht es 



auf diese Weise möglich, daß wir ge- 
heiligt werden. Wir können dann in 
Einigkeit leben, wie wir es müssen, 
um in diesem Leben Frieden zu 
haben und in Ewigkeit mit dem 
Vater und seinem Sohn zu leben. 

Der Dienst der Apostel und 
Propheten bestand damals, genauso 
wie heute, darin, die Kinder Adams 
und Evas zur Einheit im Glauben an 
Jesus Christus zu bringen. Was sie 
lehrten und was wir lehren, dient 
letztlich dem Zweck, Familien zu 
vereinen - Männer, Frauen, Kinder, 
Enkel, Vorfahren und schließlich 
alle Kinder Adams und Evas, die 
sich dafür entscheiden. 

Der Erretter betete: „Ich heilige 
mich für sie", wobei er von den 
Aposteln sprach, „damit auch sie in 
der Wahrheit geheiligt sind" 
(Johannes 17:19). Der Heilige Geist 
kann uns heiligen. Er kann unser 
Begleiter sein, weil der Herr das 
Melchisedekische Priestertum durch 
den Propheten Joseph Smith wie- 
derhergestellt hat. Die Schlüssel 
dieses Priestertums sind heute auf 
der Erde. Durch seine Macht kön- 
nen wir Bündnisse schließen, die es 
uns erlauben, den Heiligen Geist 
ständig mit uns zu haben. 



Wo die Menschen diesen Geist mit 
sich haben, können wir Harmonie er- 
warten. Der Geist pflanzt uns das 
Zeugnis von der Wahrheit ins Herz, 
das diejenigen vereint, die dieses 
Zeugnis besitzen. Der Geist Gottes er- 
zeugt niemals Streit (siehe 3 Nephi 
11:29). Er bringt uns nicht dazu, 
einen Unterschied zwischen den 
Menschen zu machen, wodurch Streit 
entsteht (siehe Joseph F. Smith, 
Evangeliumslehre, 152). Er fuhrt zu in- 
nerem Frieden und dem Gefühl der 
Verbundenheit mit anderen. Er eint 
die Seelen. Eine einige Familie, eine 
einige Kirche und eine friedliche Welt 
hängen davon ab, daß die Menschen 
sich einig sind. 

Selbst ein Kind kann begreifen, 
was es tun muß, um den Heiligen 
Geist als Begleiter zu haben. Im 
Abendmahlsgebet wird es uns gesagt. 
Wir hören es jede Woche, wenn 
wir die Abendmahlsversammlung 
besuchen. In diesen heiligen 
Augenblicken erneuern wir die 
Bündnisse, die wir bei der Taufe ge- 
schlossen haben. Und der Herr erin- 
nert uns an die Verheißung, die wir 
erhielten, als wir als Mitglieder 
der Kirche konfirmiert wurden, näm- 
lich daß wir den Heiligen Geist 



Vor Beginn einer Konferenzversammlung begrüßt Schwester Marjorie Hinckley, links, herzlich 
Schwester Inis Hunter, die Witwe von Präsident Howard W. Hunter. 




JULI 1998 

75 



empfangen können. Und so heißt es 
im Abendmahlsgebet: „Daß sie wil- 
lens sind, den Namen deines Sohnes 
auf sich zu nehmen und immer an 
ihn zu denken und seine Gebote, die 
er ihnen gegeben hat, zu halten, 
damit sein Geist immer mit ihnen 
sei." (LuB 20:77.) 

Wir können seinen Geist mit uns 
haben, indem wir diesen Bund ein- 
halten. Zuerst versprechen wir, sei- 
nen Namen auf uns zu nehmen. Das 
bedeutet, daß wir uns als die Seinen 
betrachten müssen. Wir setzen ihn in 
unserem Leben an die erste Stelle. 
Wir wollen das, was er will, und 
nicht das, was wir wollen oder was 
die Welt uns lehrt. Solange wir die 
Dinge der Welt am meisten lieben, 
finden wir keinen inneren Frieden. 
Besteht für eine Familie oder ein 
Land das Ideal darin, Wohlbefinden 
durch materielle Güter zu erreichen, 
wird das die Familie oder das Land 
schließlich spalten (siehe Harold B. 
Lee, Stand Ye in Holy Places [1974], 
97.) Das Ideal, nämlich, daß wir für- 
einander das tun, was der Herr 
möchte, ergibt sich ganz natürlich 
daraus, daß wir seinen Namen auf 
uns nehmen, und es kann uns auf 
eine geistige Ebene erheben, die dem 
Himmel nahe ist. 

Zweitens versprechen wir, immer 
an ihn zu denken. Wir tun das jedes- 
mal, wenn wir in seinem Namen 
beten. Vor allem, wenn wir um 
Vergebung bitten, was wir oft tun 
müssen, denken wir an ihn. In die- 
sem Augenblick denken wir an sein 
Sühnopfer, das Umkehr und 
Vergebung ermöglicht. Wenn wir un- 
sere dringende Bitte vorbringen, 
denken wir an ihn als unseren 
Fürsprecher beim Vater. Wenn wir 
dann Vergebung und Frieden spüren, 
denken wir an seine Geduld und 
seine endlose Liebe. An all das zu 
denken erfüllt unser Herz mit Liebe. 

Unser Versprechen, an ihn zu 
denken, halten wir auch, wenn wir 
als Familie gemeinsam beten und 
wenn wir die heiligen Schriften 
lesen. Beim Familiengebet um den 
Frühstückstisch herum kann ein 
Kind darum bitten, daß ein anderes 
Kind an diesem Tag bei einer 
Prüfung oder bei irgendeiner ande- 



ren Aufgabe gesegnet wird und alles 
gut gelingt. Wenn dann der Segen 
eintrifft, erinnert sich das gesegnete 
Kind an die Liebe am Morgen und 
die Güte des Fürsprechers, in dessen 
Namen das Gebet dargebracht 
wurde. Dann sind die Herzen einan- 
der in Liebe verbunden. 

Wir halten unseren Bund, an ihn 
zu denken, jedesmal, wenn wir un- 
sere Familie um uns scharen, um in 
den heiligen Schriften zu lesen. Sie 
geben Zeugnis vom Herrn Jesus 
Christus, denn das ist und war 
schon immer die Botschaft der 
Propheten. Selbst wenn sich die 
Kinder nicht an die Worte erinnern, 
erinnern sie sich doch an den wah- 
ren Urheber, nämlich Jesus Christus. 

Drittens versprechen wir, wenn 
wir das Abendmahl nehmen, seine 
Gebote zu halten, und zwar alle. 
Präsident J. Reuben Clark jun. bat 
in einer Generalkonferenzansprache 
eindringlich um Einigkeit und warn- 
te uns davor, uns selbst auszusu- 
chen, worin wir gehorsam sein 
wollen. Er drückte es so aus: „Der 
Herr hat uns nichts gegeben, was 
nutzlos oder unnötig wäre. Er hat in 
die heiligen Schriften das aufge- 
nommen, was wir tun sollen, um 
Errettung zu erlangen." 

Er fuhr fort: „Wenn wir das 
Abendmahl nehmen, geloben wir, 
seine Gebote zu halten. Da gibt es 
keine Ausnahmen. Da gibt es keine 
Unterschiede." (In Conference 
Report, April 1955, lOf.) Präsident 
Clark lehrte, daß wir, so wie wir von 
allen Sünden umkehren und nicht 
nur von einer einzigen, auch gelo- 
ben, alle Gebote zu halten. So hart 
das auch klingt, es ist unkompliziert. 
Wir fügen uns einfach der 
Vollmacht des Erretters und ver- 
sprechen, ihm in allem, was er ge- 
bietet, zu gehorchen (siehe Mosia 
3:19). Uns der Vollmacht Jesu 
Christi zu überlassen, das ist es, was 
es uns ermöglicht, als Familie, als 
Kirche und als Kinder des himmli- 
schen Vaters vereint zu sein. 

Der Herr überträgt diese 
Vollmacht durch seinen Propheten 
demütigen Dienern. Dieser Glaube 
wandelt unsere Berufung als 
Heimlehrer oder Besuchslehrerin in 



einen Auftrag vom Herrn um. Wir 
gehen für ihn, auf sein Gebot hin. 
Ein Mann und ein Teenager als 
Juniorpartner besuchen Menschen 
in ihrem Zuhause und erwarten, 
daß die Himmelskräfte ihnen 
helfen, dafür zu sorgen, daß die 
Familien einig sind und es keine 
Härte gegeneinander gibt, weder 
Lügen noch Verleumden noch böse 
Nachrede. Der Glaube daran, daß 
der Herr diese Diener beruft, hilft 
uns, ihre Unzulänglichkeiten zu 
übersehen, wenn sie uns zurechtwei- 
sen. Dann sehen wir ihre gute 
Absicht deutlicher als ihre menschli- 
chen Unzulänglichkeiten. Wir nei- 
gen weniger dazu, uns angegriffen zu 
fühlen, sondern vielmehr dazu, 
dankbar für den Meister zu sein, der 
sie berufen hat. 

Es gibt einige Gebote, die, wenn 
man sie bricht, die Einigkeit zer- 
stören. Manche haben mit dem zu 
tun, was wir sagen, und andere mit 
dem, wie wir auf das reagieren, was 
andere sagen. Wir dürfen von nie- 
mandem schlecht reden. Wir müs- 
sen das Gute im anderen sehen 
und, wann immer es möglich ist, 
gut voneinander reden (siehe David 
O. McKay, in Conference Report, 
Oktober 1967, 4-11). 

Gleichzeitig müssen wir gegen 
diejenigen auftreten, die gering- 
schätzig von dem reden, was heilig 
ist, denn eine solche Beleidigung 
führt unweigerlich dazu, daß der 
Geist beleidigt wird und somit 
Streit und Verwirrung entstehen. 
Präsident Kimball hat gezeigt, wie 
man dagegen auftreten kann, ohne 
Streit anzufangen, als er einmal im 
Krankenhaus auf einer Bahre lag 
und einen Pfleger, der, in einem 
Augenblick des Zorns, den Namen 
des Herrn mißbrauchte, bat: ,„Bitte! 
Das ist der Name meines Herrn, 
den Sie da in den Schmutz ziehen!' 
Es folgte Totenstille; dann hörte ich 
eine unterdrückte Stimme flüstern: 
.Entschuldigung.'" (The Teachings of 
Spencer W. Kimball, Hg. Edward L. 
Kimball [1982], Seite 108.) Eine in- 
spirierte, liebevolle Zurechtweisung 
kann eine Aufforderung zur 
Einigkeit sein. Sie nicht auszuspre- 
chen, wenn man vom Heiligen 



DER 



STERN 
76 




Geist dazu bewegt wird, führt zu 
Uneinigkeit. 

Wenn wir Einigkeit erreichen wol- 
len, müssen wir auch die Gebote hal- 
ten, die mit unseren Gefühlen zu tun 
haben. Wir müssen vergeben und 
dürfen gegen diejenigen, die uns 
kränken, keinen Groll hegen. Der 
Erretter hat uns am Kreuz ein 
Beispiel gegeben: „Vater, vergib 
ihnen, denn sie wissen nicht, was sie 
tun." (Lukas 23:34.) Wir kennen das 
Herz derer, die uns kränken, nicht. 
Noch kennen wir jeden Ursprung 
unseres eigenen Zorns und 
Schmerzes. Der Apostel Paulus sagte 
uns, wie wir in einer Welt voll un- 
vollkommener Menschen, die ja 
auch uns einschließt, lieben sollen: 
„Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist 
gütig. Sie ereifert sich nicht, sie 
prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. 
Sie handelt nicht ungehörig, sucht 
nicht ihren Vorteil, läßt sich nicht 
zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht 
nach." (1 Korinther 13:4,5.) Und er 



warnte uns ernsthaft davor, nur auf 
die Schuld anderer zu reagieren und 
unsere eigene zu vergessen: „Jetzt 
schauen wir in einen Spiegel und 
sehen nur rätselhafte Umrisse, dann 
aber schauen wir von Angesicht zu 
Angesicht. Jetzt erkenne ich unvoll- 
kommen, dann aber werde ich durch 
und durch erkennen, so wie ich auch 
durch und durch erkannt worden 
bin." (1 Korinther 13:12.) 

Das Abendmahlsgebet kann uns 
jede Woche daran erinnern, wie 
wir durch Gehorsam gegenüber 
den Gesetzen und Verordnungen 
des Evangeliums Jesu Christi 
Einigkeit erreichen können. Wenn 
wir unsere Bündnisse halten, näm- 
lich seinen Namen auf uns nehmen, 
immer an ihn denken und alle seine 
Gebote halten, empfangen wir sei- 
nen Geist als Begleiter. Das er- 
weicht uns das Herz und eint uns. 
Aber es gibt zwei Warnungen, die 
mit dieser Verheißung einhergehen 
müssen. 



Erstens. Der Heilige Geist bleibt 
nur mit uns, wenn wir rein bleiben 
und uns von der Liebe zu den Dingen 
der Welt befreien. Wenn wir uns ent- 
scheiden, unrein zu sein, weisen wir 
den Heiligen Geist zurück. Der Geist 
wohnt nur bei denen, die den Herrn 
der Welt vorziehen. „Seid rein" (siehe 
3 Nephi 20:41; LuB 38:42) und: „Du 
sollst den Herrn, deinen Gott, lieben 
mit ganzem Herzen, mit aller Macht, 
ganzem Sinn und aller Kraft" (LuB 
59:5) sind keine Vorschläge, sondern 
Gebote. Sie sind notwendig dafür, 
daß wir den Heiligen Geist als 
Begleiter haben, ohne den wir nicht 
eins sein können. 

Die zweite Warnung ist die, daß 
wir uns vor dem Stolz hüten müssen. 
Die Einigkeit, die eine Familie oder 
ein Volk dadurch erlangt, daß der 
Geist ihnen das Herzen erweicht 
hat, bringt große Macht mit sich. 
Mit dieser Macht kommt auch 
Anerkennung von der Welt. 
Unabhängig davon, ob sich diese 
Anerkennung in Lob oder Neid aus- 
drückt, kann sie uns dazu führen, 
daß wir stolz werden. Das würde den 
Geist beleidigen. Wir können uns 
vor Stolz, der ganz gewiß zu 
Uneinigkeit führt, schützen, indem 
wir die Gaben, die Gott über uns 
ausgießt, nicht nur als Zeichen sei- 
ner Gunst ansehen, sondern als 
Gelegenheit, gemeinsam mit den 
Menschen in unserer Umgebung 
einen noch größeren Dienst zu lei- 
sten. Ein Mann und eine Frau ler- 
nen, eins zu sein, indem sie ihre 
Gemeinsamkeiten dazu nutzen, ein- 
ander zu verstehen, und ihre 
Unterschiede dazu nutzen, sich 
darin zu ergänzen, daß sie einander 
und ihren Mitmenschen dienen. Auf 
die gleiche Weise können wir uns 
mit denen vereinen, die unsere 
Lehre nicht annehmen, die aber wie 
wir den Wunsch haben, den Kindern 
unseres himmlischen Vaters Gutes 
zu tun. 

Gott unser Vater lebt. Sein ge- 
liebter Sohn Jesus Christus ist das 
Oberhaupt dieser Kirche, und er 
bietet allen, die es annehmen wol- 
len, sein Friedensbanner an. Das be- 
zeuge ich im Namen Jesu Christi, 
amen. D 



JULI 1998 

77 



Das Zeugnis 



Präsident Gordon B. Hinckley 



Das, was wir Zeugnis nennen, ist die große Kraft der Kirche. Es ist die 
Quelle des Glauben und der Aktivität. Es ist nicht leicht zu erklären. Es ist 
nicht leicht zu messen, ... und doch ist es so wirklich und mächtig wie nur 
irgendeine Kraft auf der Erde. 



senheit und einem Ziel entgegentre- 
ten. Ich möchte jede wache Stunde 
nutzen, um Mut zu machen, um die 
zu segnen, die eine schwere Last 
haben, um Glauben aufzubauen und 
Zeugnisse zu stärken. Dank der 
großen Güte eines großzügigen 
Freundes durfte ich in diesen drei 
Jahren über die Erde reisen und die 
Mitglieder in vielen Ländern besu- 
chen. Sie haben sich zu Tausenden 
und Zehntausenden versammelt. Zu 
einem Ort kamen mehr als zwei- 
hundert Busse mit Mitgliedern zu 
dem Stadion. 

Ich war unter den Wohlhabenden, 
aber häufiger unter den Armen - den 
Armen der Erde und den Armen der 
Kirche. Manche haben Augen, die 
ein wenig schräger stehen als meine, 
und eine andere Hautfarbe, aber das 
alles verschwindet und hat keine 
Bedeutung, wenn ich bei ihnen bin. 
Dann sind sie alle Söhne und 
Töchter unseres Vaters, Kinder mit 
einem göttlichen Geburtsrecht. Wir 
sprechen verschiedene Sprachen, 
aber wir verstehen alle die gemeinsa- 
me Sprache, die wir als Brüder und 
Schwestern sprechen. 

Die weite Reise zu ihnen ist be- 
schwerlich. Aber wenn man dort ist, 
fällt es schwer, sie wieder zu verlas- 
sen. An jedem Ort gibt es nur einen 
kurzen Besuch, eine Versammlung, 
die so gelegt wird, daß sie zu ande- 
ren Versammlungen paßt. Ich würde 
gern länger bleiben. Am Ende der 
Versammlung singen wir „Gott sei 
mit euch bis aufs Wiedersehn". Man 
sieht Taschentücher, mit denen 
Tränen getrocknet werden und mit 




Jetzt, meine lieben Freunde, bete 
ich, der Geist möge mich führen. 
Es sind drei Jahre vergangen, seit 
Sie mich als Präsidenten der Kirche 
bestätigt haben. Ich möchte kurz 
etwas Persönliches sagen. Von 
ganzem Herzen danke ich Ihnen für 
Ihre Liebe und Unterstützung, für 
Ihre Gebete und Ihren Glauben. Ich 
bin nicht mehr jung und voller 
Energie und Vitalität. Ich bin ein 
alter Mann und versuche, mit Bruder 
Haight Schritt zu halten! Ich würde 
gern einfach nachsinnen und beten. 
Ich würde gern im Schaukelstuhl sit- 
zen und Medikamente schlucken, 
leise Musik hören und über das 
Universum nachdenken. Aber solch 
eine Beschäftigung bietet keine 
Herausforderung und bringt nie- 
mand etwas. 

Ich möchte etwas tun. Ich möch- 
te jedem neuen Tag mit Entschlos- 



denen dann liebevoll zum Abschied 
gewunken wird. Neulich haben wir 
in nur sieben Tagen in verschiede- 
nen Städten in Mexiko elf große 
Versammlungen durchgeführt. 

Das Zusammensein mit diesen 
wunderbaren Menschen hebt mei- 
nen Adrenalinspiegel. Die Liebe in 
ihren Augen gibt mir Energie. 

Ich könnte Jahr um Jahr den 
ganzen Tag in meinem Büro verbrin- 
gen und mich mit Bergen von 
Problemen befassen, von denen 
viele nicht besonders wichtig sind. 
Ich verbringe da auch viel Zeit. Aber 
ich habe das Gefühl, daß es eine 
größere Aufgabe und eine höhere 
Verantwortung ist, dort draußen bei 
den Menschen zu sein. Diesen 
Tausenden, Hundertausenden, jetzt 
sogar Millionen, ist eines gemein- 
sam. Sie haben ein Zeugnis davon, 
daß dies das Werk des Allmächtigen, 
des himmlischen Vaters, ist; daß 
Jesus, der Herr, der am Kreuz starb 
und dann auferstand, wirklich lebt, 
daß dies das Werk Gottes ist, das 
in dieser letzten, wunderbaren 
Evangeliumszeit wiedergestellt wor- 
den ist, daß das Priestertum von 
früher mit all seinen Schlüsseln und 
Vollmachten wiederhergestellt ist 
und daß das Buch Mormon als 
Zeugnis für den Erlöser der Welt aus 
dem Staub gesprochen hat. 

Das, was wir Zeugnis nennen, ist 
die große Kraft der Kirche. Es ist die 
Quelle des Glauben und der 
Aktivität. Es ist nicht leicht zu er- 
klären. Es ist nicht leicht zu messen. 
Es ist schwer faßbar und geheimnis- 
voll, und doch ist es so wirklich und 
mächtig wie nur irgendeine Kraft 
auf der Erde. Der Herr hat es be- 
schrieben, als er mit Nikodemus 
sprach: „Der Wind weht, wo er will; 
du hörst sein Brausen, weißt aber 
nicht, woher er kommt und wohin 
er geht. So ist es mit jedem, der aus 
dem Geist geboren ist." (Johannes 
3:8.) Das, was wir Zeugnis nennen, 
ist schwer erklärbar, aber seine 
Früchte sind deutlich zu erkennen. 
Es ist der Heilige Geist, der durch 
uns Zeugnis gibt. 

Das Zeugnis ist das, was das 
Leben der Menschen ändert, wenn 
sie in die Kirche kommen. Es treibt 



DER STERN 



die Mitglieder an, im Dienst des 
Herrn alles andere aufzugeben. Es 
ist die leise, ermutigende Stimme, 
die ohne Unterlaß diejenigen stützt, 
die bis zum letzten Tag ihres Lebens 
im Glauben wandeln. 

Es ist etwas Geheimnisvolles und 
Wunderbares, ein Geschenk Gottes an 
die Menschen. Das Zeugnis, das die 
Menschen im Herzen tragen, treibt 
sie an, ihre Pflicht zu tun. Wir 
finden es bei Jung und Alt - beim 
Seminarschüler, beim Missionar, beim 
Bischof und beim Pfahlpräsidenten, 
beim Missionspräsidenten, bei den 
FHV-Mitgliedern und bei jeder 
Generalautorität. Wir hören es von 
denen, die kein Amt haben, sondern 
Mitglied sind. Es ist die Grundlage die- 
ses Werkes. Es bringt das Werk des 
Herrn überall auf der Erde vorwärts. 
Es drängt zum Handeln. Es verlangt, 
daß wir das tun, worum wir gebeten 
werden. Es schenkt uns die Gewißheit, 
daß das Leben einen Sinn hat, daß ei- 
niges viel wichtiger ist als anderes, daß 
wir uns auf einer ewigen Reise befin- 
den und daß wir uns vor Gott verant- 
worten müssen. 

Emily Dickinson erfaßte das zum 
Teil, als sie schrieb: 

Ich war noch nie am Meer, 
noch auf den Bergen hoch; 
und wie die Wellen und die Felsen 
aussehn, weiß ich doch. 
Ich sprach noch nie mit Gott, 
den Himmel sah ich nicht; 
doch weiß ich, daß es beide gibt 
und daß Gott zu uns spricht. 
(„Chartless" , in A Treasury of the 

Familiär, Hg. Ralph L. Woods 

[1942], 179.) 

Es ist das, was jeden Untersucher, 
zuerst nur ganz leise, zur Bekehrung 
führt. Es verhilft jedem neuen 
Mitglied zu Sicherheit im Glauben. Es 
veranlaßte unsere Vorfahren dazu, 
England und die Länder Europas zu 
verlassen, die gefährliche Fahrt über 
das Meer zu wagen und den endlos 
erscheinenden Marsch neben schwer- 
fälligen Ochsen oder mit Handkarren 
bis in diese Gebirge des Westens zu 
unternehmen. Sie kämpften, sie arbei- 
teten, sie starben zu Tausenden auf 
diesem schicksalhaften Marsch. 



Dieser Geist des Zeugnisses ist auf uns 
- die wir die Erben ihres kostbaren 
Glaubens sind - herabgekommen. 

Überall, wo die Kirche organisiert 
ist, spürt man seine Kraft. Wir ste- 
hen auf und sagen, daß wir es wis- 
sen. Wir sagen es so oft, daß es fast 
eintönig wirkt. Wir sagen es, weil wir 
nicht wissen, was wir sonst sagen 
sollen. Es ist ganz einfach, wir wissen, 
daß Gott lebt, daß Jesus der Messias 
ist und daß dies ihr Werk und ihr 
Reich ist. Die Worte sind einfach, sie 
kommen aus dem Herzen. Das 
Zeugnis wirkt überall dort, wo die 
Kirche organisiert ist, wo Missionare 
das Evangelium lehren und wo es 
Mitglieder gibt, die anderen von 
ihrem Glauben erzählen. 

Es ist etwas, das nicht widerlegt 
werden kann. Die Gegner können 
ohne Ende Schriftstellen zitieren 
und über die Lehre argumentieren. 
Sie können schlau und überzeugend 



sein. Aber wenn jemand sagt: „Ich 
weiß", gibt es kein Argument dage- 
gen. Es wird vielleicht nicht akzep- 
tiert, aber wer kann der leisen 
Stimme im Innersten der Seele wi- 
dersprechen oder sie leugnen, wo sie 
doch so überzeugend ist? 

Ich möchte Ihnen eine 
Geschichte erzählen, die ich kürz- 
lich in Mexiko gehört habe. In 
Torreön wurde ich in einem schö- 
nen Auto herumgefahren, das dem 
Mann gehörte, von dem ich spre- 
che. Er heißt David Casteneda. 

Vor dreißig Jahren lebte er mit 
seiner Frau, Tomasa, und den 
Kindern auf einer kleinen, herun- 
tergekommenen Farm bei Torreön. 
Sie besaßen dreißig Hühner, zwei 
Schweine und ein mageres Pferd. 
Von den Hühner bekamen sie ein 
paar Eier, die sie entweder aßen 
oder mit denen sie manchmal ein 
paar Pesos verdienten. Sie waren 




JULI 1998 
79 



arm. Dann kamen die Missionare zu 
ihnen. Schwester Castefieda sagte: 
„Die Missionare nahmen uns die 
Augenbinde ab und brachten Licht 
in unser Leben. Wir wußten nichts 
von Jesus Christus. Wir wußten 
nichts von Gott, bis sie kamen." 

Sie hatte zwei Jahre die Schule be- 
sucht, ihr Mann überhaupt nicht. Die 
Missionare unterwiesen sie, und 
schließlich ließen sie sich taufen. Sie 
zogen in die kleine Stadt Bermejillo. 
Zufällig hatten sie mit Schrotthandel 
zu tun und kauften Autowracks. Das 
brachte sie mit Versicherungsgesell- 
schaften und anderen Firmen zusam- 
men. Nach und nach bauten sie ein 
gutgehendes Geschäft auf, in dem der 
Vater mit seinen fünf Söhnen arbeite- 
te. Ganz gläubig zahlten sie den 
Zehnten. Sie vertrauten auf den 
Herrn. Sie lebten nach dem Evangeli- 
um. Sie dienten überall, wo sie beru- 
fen wurden. Vier Söhne und drei 
Töchter gingen auf Mission. Der 
jüngste Sohn ist jetzt Missionar 
in Oaxaca. Sie haben ein großes 
Geschäft aufgebaut. Es geht ihnen 
gut. Sie sind von Kritikern verspottet 
worden. Ihre Antwort ist ein Zeugnis 
vom Wirken des Herrn in ihrem 
Leben. 

Durch ihren Einfluß haben sich 
mehr als zweihundert Verwandte 
und Freunde der Kirche ange- 
schlossen. Mehr als dreißig Söhne 
und Töchter dieser Verwandten 
und Freunde sind auf Mission ge- 
wesen. Sie haben das Grundstück 
gespendet, auf dem jetzt ein 
Gemeindehaus steht. 

Die Kinder und die Eltern fahren 
abwechselnd jeden Monat nach 
Mexico City, um dort im Tempel zu 
dienen. Sie sind ein lebendiges 
Zeugnis dafür, daß dieses Werk des 
Herrn große Kraft hat, den 
Menschen zu erheben und zu verän- 
dern. Sie sind beispielhaft für 
Tausende und Abertausende überall 
auf der Welt, die das Wunder des 
Mormonismus erleben, wenn sie ein 
Zeugnis von der Göttlichkeit dieses 
Werkes erfahren. 

Dieses Zeugnis kann die kostbarste 
aller Gaben Gottes sein. Wenn wir 
uns auf die richtige Weise darum 
bemühen, kommt es als Geschenk 




des Himmels. Jeder Mann und jede 
Frau in der Kirche haben die 
Möglichkeit und die Verpflichtung, 
selbst zu dieser Überzeugung zu ge- 
langen, nämlich daß dieses großartige 
Werk der Letzten Tage wahr ist und 
daß der lebendige Gott und der Herr 
Jesus Christus es führen. 

Jesus wies uns den Weg dazu, wie 
man ein Zeugnis erlangen kann, als 
er sagte: „Meine Lehre stammt 
nicht von mir, sondern von dem, 
der mich gesandt hat. 

Wer bereit ist, den Willen Gottes 
zu tun, wird erkennen, ob diese 
Lehre von Gott stammt oder ob ich 
in meinem eigenen Namen spre- 
che." (Johannes 7:16,17.) 

Wenn wir dienen, studieren und 
beten, nehmen unser Glaube und 
unsere Erkenntnis zu. 

Als Jesus die Fünftausend speiste, 
erkannte man, daß es sich um ein 
Wunder handelte, und staunte darü- 
ber. Ein paar kamen später zurück. 
Diesen erklärte der Herr seine göttli- 
che Herkunft und daß er selbst das 
Brot des Lebens ist. Er warf ihnen 
vor, daß sie nicht an der Lehre inter- 
essiert seien, sondern nur ihren 
Hunger stillen wollten. Einige, die 
seine Lehren vernahmen, sagten: 
„Was er sagt, ist unerträglich. Wer 
kann das anhören?" Qohannes 6:60.) 
Wer kann glauben, was dieser Mann 
lehrt? 

„Daraufhin zogen sich viele 
Jünger zurück und gingen nicht 
mehr mit ihm. 



Da fragte Jesus die Zwölf [ich 
denke, er war ein wenig entmutigt] : 
Wollt ihr auch weggehen? 

Simon Petrus antwortete ihm: 
Herr, zu wem sollen wir gehen? Du 
hast Worte des ewigen Lebens. 

Wir sind zum Glauben gekom- 
men und haben erkannt: Du bist der 
Heilige Gottes." (Johannes 6:66-69.) 

Dies ist die große Frage und die 
Antwort darauf, der wir uns alle 
stellen müssen. „Wenn nicht zu dir, 
Herr, zu wem sollen wir gehen? Du 
hast Worte des ewigen Lebens. Wir 
sind zum Glauben gekommen und 
haben erkannt: Du bist der Messias, 
der Sohn des lebendigen Gottes." 

Es ist diese Überzeugung, diese 
stille, innere Gewißheit, daß Gott 
wirklich lebt, daß sein geliebter 
Sohn göttlicher Herkunft ist, daß ihr 
Werk in dieser Zeit wiederhergestellt 
worden ist und weitere herrliche 
Kundgebungen folgten, die für jeden 
von uns zur Grundlage des Glaubens 
geworden sind. Dies wird uns zum 
Zeugnis. 

Wie ich auf dieser Konferenz be- 
reits gesagt habe, war ich vor kurzen 
in Palmyra im Staat New York. Von 
den Ereignissen, die sich in jener 
Gegend zugetragen haben, kann 
man wohl sagen: „Entweder ist das 
geschehen oder nicht. Dazwischen 
kann es nichts anderes geben." 

Und dann flüstert die Stimme 
des Glaubens: „Es ist geschehen. Es 
ist genau so geschehen, wie er es ge- 
schildert hat." 



DER 



STERN 
80 



Dort in der Nähe liegt der Hügel 
Cumorah. Von dort kam der alte 
Bericht, von dem das Buch Mormon 
übersetzt worden ist. Man muß sei- 
nen göttlichen Ursprung annehmen 
oder verwerfen. Jeder, der es gläubig 
gelesen hat und die Beweise abwägt, 
muß sagen: „Es ist wahr." 

Das betrifft auch andere Elemente 
dieser wunderbaren Sache, die 
wir die Wiederherstellung des 
Evangeliums, des Priestertums und 
der Kirche aus alter Zeit nennen. 

Dieses Zeugnis ist so, wie es immer 
war, eine Verkündigung, eine freimüti- 
ge Gewißheit von der Wahrheit, wie 
wir sie erkannt haben. Einfach und 
kraftvoll ist das, was Joseph Smith 
und Sidney Rigdon über dem Herrn 
sagen, der dieses Werk leitet: 

„Und nun, nach den vielen 
Zeugnissen, die von ihm gegeben 
worden sind, ist dies, als letztes von 
allen, das Zeugnis, das wir geben, 
nämlich: Er lebt! 

Denn wir haben ihn gesehen, ja, 
zur rechten Hand Gottes; und wir 
haben die Stimme Zeugnis geben 
hören, daß er der Einziggezeugte des 
Vaters ist, 

daß von ihm und durch ihn und 
aus ihm die Welten sind und er- 
schaffen worden sind und daß ihre 
Bewohner für Gott gezeugte Söhne 
und Töchter sind." (LuB 76:22-24.) 

In diesem Sinn füge ich mein 
Zeugnis hinzu. Unser ewiger Vater 
lebt. Er ist der große Gott des 
Universums, der majestätisch und 
mächtig regiert. Und doch ist er mein 
Vater, zu dem ich mit der Gewißheit 
beten kann, daß er mich hört und mir 
zuhört und mir anwortet. 

Jesus ist der Messias, sein un- 
sterblicher Sohn, der auf Weisung 
des Vaters die Erde erschaffen hat. 
Er war der erhabene Jahwe des 
Alten Testaments, der sich dazu 
herabließ, als der Messias in die 
Welt zu kommen, der aus Liebe zu 
uns in seinem wunderbaren 
Sühnopfer am Kreuz sein Leben 
hingab. Das Werk, in dem wir tätig 
sind, ist ihr Werk, und wir sind ihre 
Diener, die ihnen gegenüber verant- 
wortlich sind. 

Das bezeuge ich im heiligen 
Namen Jesu Christi, amen. D 



Versammlung am Sonntagnachmittag 

5. April 1998 



Die FHV 



Präsident Boyd K. Packer 

Amtierender Präsident des Kollegiums der Zwölf 



Schwestern, Sie dürfen nicht mehr denken, daß Sie nur zur FHV gehen, 
sondern Sie müssen spüren, daß Sie dazugehören! 



Die FHV inspiriert die Frauen 
und lehrt sie, ihr Leben mit dem zu 
schmücken, was eine Frau braucht - 
mit dem, was liebenswert ist, „guten 
Klang hat oder lobenswert ist". 1 Die 
Erste Präsidentschaft hat die Frauen 
aufgefordert, daran teilzunehmen, 
weil es „in der Arbeit der FHV intel- 
lektuelle, kulturelle und geistige 
Werte gibt, die man in keiner ande- 
ren Organisation findet und die für 
alle allgemeinen Bedürfnisse ihrer 
Mitglieder ausreichen" 2 . 

Die FHV leitet die Mütter in 
der Erziehung ihrer Töchter an, 
ebenso darin, in ihrem Mann und 
ihren Söhnen und Brüdern 
Höflichkeit, Mut und alle anderen 
Tugenden zu fördern, die für einen 
ehrenwerten Mann wichtig sind. 
Das Gedeihen der FHV liegt ge- 
nauso im Interesse der Männer 
und Jungen wie im Interesse der 
Frauen und Mädchen. 

Vor einigen Jahren waren meine 
Frau und ich in der Tschechoslowakei, 
die damals noch hinter dem Eisernen 
Vorhang lag. Es war nicht leicht, ein 
Visum zu bekommen, und wir waren 
sehr vorsichtig, um nicht die 
Sicherheit und das Wohlergehen un- 
serer Mitglieder zu gefährden, die seit 
Generationen darum gerungen hat- 
ten, trotz unsäglicher Unterdrückung 
ihren Glauben am Leben zu erhalten. 

Die denkwürdigste Versammlung 
fand in einem Obergeschoß statt. 
Die Fensterläden waren geschlossen. 
Sogar abends kamen die Teilnehmer 
zu verschiedenen Zeiten und aus 




Ich möchte sagen, daß ich die 
FHV vorbehaltlos unterstütze; 
ich möchte alle Frauen ermun- 
tern, hinzugehen und daran 
teilzunehmen. Ich bitte die 
Priestertumsführer auf jeder Ebene, 
dafür zu sorgen, daß es der FHV gut 
geht. 

Die FHV, die Frauenhilfsvereini- 
gung, wurde von Propheten und 
Aposteln, die unter göttlicher 
Inspiration handelten, gegründet. Sie 
gaben ihr den Namen. Sie hat eine 
ruhmreiche Geschichte. Stets hat sie 
den Notleidenden Mut gemacht und 
sie versorgt. 

Die sanfte Hand einer Schwester 
bringt Heilung und Aufmunterung, 
und die Hand auch des wohlmei- 
nendsten Mannes kann es ihr da 
niemals völlig gleichtun. 



JULI 1998 
81 




verschiedenen Richtungen an, um 
keine Aufmerksamkeit zu erregen. 

Zwölf Schwestern waren anwe- 
send. Wir sangen Zionslieder aus 
Gesangbüchern, die - ohne Noten - 
vor mehr als fünfzig Jahren gedruckt 
worden waren. Die Lektion Geistiges 
Leben wurde andächtig aus einem 
handgeschriebenen Leitfaden durch- 
genommen. Die wenigen Seiten an 
Kirchenliteratur, die wir ihnen mit- 
bringen konnten, wurden noch am 
Abend abgeschrieben - immer mit 
zwölf Durchschlägen, um das kostba- 
re Material so weit wie möglich an 
die Mitglieder verteilen zu können. 

Ich erklärte diesen Schwestern, daß 
sie zu der größten und bestimmt auch 
großartigsten Frauenorganisation der 
Welt gehörten. Ich zitierte, was der 
Prophet Joseph Smith gesagt hat, als 
er und die anderen Führer der Kirche 
die FHV gründeten. „Und jetzt 
schließe ich für euch [für alle Frauen] 
. . . mit dem Schlüssel auf." 

Diese Vereinigung entspricht 
„der Wesensart der Frauen. . . . Ihr 
seid nun in die Lage versetzt, so 
handeln zu können wie es den 
Gefühlen [in euch] entspricht. . . . 

Wenn ihr diesen Grundsätzen 
gemäß lebt, . . . wird nichts die Engel 
daran hindern können, sich zu euch 
zu gesellen. . . . 

Wenn diese Vereinigung auf den 
Rat des Allmächtigen hört, der durch 
die Führer der Kirche ergeht, so wird 



sie imstande sein, sogar Königinnen 
in ihrer Mitte zu haben." 3 

Der Geist war da. Die liebe 
Schwester, die würdevoll und an- 
dächtig die Versammlung geleitet 
hatte, weinte. 

Ich erklärte ihnen, ich würde 
nach unserer Heimkehr auf einer 
FHV-Konferenz sprechen. Sollte ich 
eine Botschaft von ihnen ausrich- 
ten? Verschiedene Schwestern 
schrieben etwas auf. Jeder einzelne 
Satz war im Geist des Gebens gehal- 
ten - keine bat um irgend etwas. Ich 
werde nie vergessen, was eine 
Schwester schrieb: „Ein kleiner 
Kreis von Schwestern sendet allen 
Schwestern Herz und Gedanken 
und bittet den Herrn, uns zu helfen, 
daß wir vorwärts gehen können." 

Dieser Ausdruck „Kreis von 
Schwestern" war für mich inspirie- 
rend. Ich sah sie als einen Kreis, der 
über diesen Raum hinausging und 
die ganze Welt umfaßte. Ich sah das, 
was die Apostel und Propheten vor 
uns gesehen haben. Die FHV ist 
jetzt mehr als ein Kreis. Sie ähnelt 
eher einem feinen Geflecht, das sich 
über jeden Kontinent ausbreitet. 

Die FHV untersteht dem 
Melchisedekischen Priestertum, 
denn „alle anderen Vollmachten 
oder Ämter in der Kirche sind 
Beigaben zu diesem Priestertum." 4 
Sie wurde „nach dem Muster des 
Priestertums organisiert". 5 



Es überrascht die Schwestern 
vielleicht, daß in den 
Priestertumskollegien selten, wenn 
überhaupt, über die Bedürfnisse der 
Männer gesprochen wird. Auf jeden 
Fall befassen sie sich nicht viel damit. 
Sie sprechen über das Evangelium, 
das Priestertum und die Familie. 

Wenn Sie diesem Muster folgen, 
befassen Sie sich auch nicht viel 
mit den sogenannten Bedürfnissen 
der Frauen. Wenn Sie Ihrer Familie 
und Ihrer Organisation dienen, 
wird jetzt und in Ewigkeit jedes 
Ihrer Bedürfnisse erfüllt; jede 
Vernachlässigung wird ausradiert 
und jeder Mißbrauch gutgemacht. 

Es gibt im Gemeinwesen viele 
Projekte, die Ihrer Unterstützung 
wert sind. Es gibt andere, die ihre 
Fehler haben, weil sie die Werte un- 
tergraben, die für eine glückliche 
Familie wesentlich sind. Lassen Sie 
sich nicht unter einer anderen Flagge 
sammeln, wo man Ihnen nicht das 
geben kann, was Sie wirklich brau- 
chen. Kommen Sie nicht von dem 
Kurs ab, den die Präsidentschaft der 
FHV festgelegt hat. Ihr klares Ziel ist 
es, die Frauen und die Familien zu 
Christus zu bringen. 

Als Missionspräsident besuchte 
ich einmal eine Missions-FHV- 
Konferenz. Unsere Missions-FHV- 
Leiterin, die der Kirche noch nicht 
lange angehörte, gab eine kleine 
Kursberichtigung bekannt. In eini- 
gen Gemeinden war die FHV vom 
richtigen Weg abgekommen, und sie 
forderte die Schwestern auf, sich 
mehr nach der Richtung zu orien- 
tieren, die die FHV-Präsidentschaft 
festgelegt hatte. 

Da stand eine Schwester auf und 
sagte trotzig, daß dies hier eine 
Ausnahme sei und man diesem Rat 
nicht folgen würde. Die Missions- 
FHV-Leiterin war ein wenig irritiert 
und wandte sich um Hilfe an mich. 
Ich wußte nicht, was ich tun sollte. 
Ich war nicht daran interessiert, 
mich mit einer so aufgebrachten 
Frau anzulegen. Deswegen deutete 
ich der Leiterin an, sie möge fort- 
fahren. Dann kam die Offenbarung! 

Diese liebe FHV-Leiterin, die 
klein und ein wenig körperbehin- 
dert war, sagte fest, aber freund- 



DER STERN 
82 



lieh: „Liebe Schwester, wir wollen 
nicht zuerst die Ausnahmen be- 
handeln. Zunächst befassen wir 
uns mit der Regel, und dann sehen 
wir nach den Ausnahmen." Die 
Kursberichtigung wurde akzeptiert. 

Dieser Rat gilt für die FHV und 
das Priestertum und die Familie. 
Wenn man eine Regel bekanntgibt 
und gleich eine Ausnahme mit 
einschließt, wird die Ausnahme als 
erstes akzeptiert. 

Die Brüder wissen, daß sie zu 
einem Priestertumskollegium 
gehören. Aber zu viele Schwestern 
meinen, die FHV sei nur eine 
Klasse, die sie besuchen sollen. Das 
Gefühl, daß man der FHV angehört 
und nicht nur an irgendwelchem 
Unterricht teilnimmt, muß im 
Herzen jeder Frau Raum greifen. 
Schwestern, Sie dürfen nicht mehr 
denken, daß Sie nur zur FHV gehen, 
sondern Sie müssen spüren, daß Sie 
dazugehören! 

Soviel Priestertumsmacht und 
Vollmacht die Männer auch besitzen 
mögen - soviel Weisheit und 
Erfahrung sie sich auch angeeignet 
haben mögen - die Sicherheit der 
Familie, die Lauterkeit der Lehre, die 
heiligen Handlungen, die Bündnisse, 
ja, die Zukunft der Kirche hängen 
genauso sehr von den Frauen ab. Der 
Schutz des Zuhauses und der Familie 
wird sehr verstärkt, wenn die Frau, 
die Mutter und die Töchter der FHV 
angehören. 

Kein Mann empfängt die Fülle 
des Priestertums ohne eine Frau an 
seiner Seite. Denn kein Mann, hat 
der Prophet gesagt, kann die Fülle 
des Priestertums außerhalb des 
Tempels des Herrn erhalten. 6 Und 
dort, an jenem heiligen Ort, steht 
sie an seiner Seite. An allem, was er 
erhält, hat sie gleichen Anteil. 
Mann und Frau erhalten jeder für 
sich die heiligen Handlungen, die in 
der Begabung zusammengefaßt sind. 
Aber der Mann kann nicht zur 
höchsten Ordnung - den siegelnden 
heiligen Handlungen - aufsteigen, 
wenn die Frau nicht an seiner Seite 
ist. Kein Mann erreicht den zum 
Himmel erhöhenden Status würdi- 
ger Vaterschaft, außer als Geschenk 
von seiner Frau. 



Die Schwestern sollen zu Hause 
und in der Kirche wegen ihres wah- 
ren Wesens geachtet und geschätzt 
werden. Seien Sie vorsichtig, damit 
Sie nicht unwissentlich solche 
Einflüsse und Aktivitäten unterstüt- 
zen, die die naturgegebenen 
Unterschiede zwischen dem männli- 
chen und dem weiblichen Wesen ver- 
wischen wollen. Ein Mann, ein Vater, 
kann viel von dem tun, was üblicher- 
weise für Frauensache gehalten wird. 
Andererseits kann eine Frau und 
Mutter vieles, zur Not sogar fast alles, 
tun, was man sonst als Aufgabe des 



Mannes ansieht, ohne die 
Rollenunterschiede zu gefährden. 
Dennoch müssen die Führer - und 
besonders die Eltern - erkennen, daß 
die Wesensunterschiede zwischen 
Mann und Frau für die Grundlage 
der Familie notwendig sind. Alles, 
was diese Unterschiede stört oder 
schwächt oder sie auslöschen will, 
vermindert die Wahrscheinlichkeit, 
daß alle Betroffenen glücklich sind. 

Das Priestertum funktioniert zu 
Hause anders als in der Kirche. In 
der Kirche werden wir zum Dienen 
berufen. Zu Hause dienen wir aus 




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JULI 1998 
83 



eigenem Entschluß. Eine Berufung 
in der Kirche gilt im allgemeinen 
für eine gewisse Zeit, dann wird 
man wieder entlassen. Unser Platz 
zu Hause und in der Familie, den 
wir selbst uns gewählt haben, 
bleibt uns für immer und noch dar- 
über hinaus. 

In der Kirche gibt es eine deutli- 
che Vollmachtslinie. Wir dienen an 
der Stelle, an die wir von denen, die 
über uns präsidieren, berufen wor- 
den sind. 

Zu Hause handelt es sich um 
eine Partnerschaft, wo Mann und 
Frau sich unter dasselbe Joch beu- 
gen, wo gemeinsam entschieden 
wird und beide immer zusammenar- 
beiten. Es ist zwar Sache des 
Mannes, des Vaters, würdig und in- 
spiriert zu führen, aber die Frau 



steht weder hinter noch vor ihm, 
sondern an seiner Seite. 

Die Leitung der FHV, der Jungen 
Damen und der PV gehören alle 
dem Gemeinde- bzw. Pfahlrat an, 
und zwischen ihnen besteht eine 
Einigkeit, die aus ihrer Mitglied- 
schaft in der FHV erwächst. In dem 
Maß, wie die Führer die Mitarbeit 
und den Einfluß der Schwestern 
außer acht lassen, wird die Arbeit 
des Priestertums eingeschränkt und 
geschwächt. 

Die Brüder, die als Priestertums- 
kollegium handeln, und diese 
Schwestern, die im Rat sitzen, sollen 
niemals - dürfen auch nicht für eine 
Minute - vergessen, welch wichti- 
gen Platz die Familie einnimmt. 

Um den Bedürfnissen der ständig 
steigenden Zahl von dysfunktionalen 




Familien gerecht zu werden, sorgt 
die Kirche für Einflüsse und 
Aktivitäten, die das ausgleichen sol- 
len, was dort zu Hause fehlt. 

Die Führer des Priestertums und 
der Hilfsorganisationen und beson- 
ders die Eltern sollen mit Weisheit, 
die der Inspiration entspringt, dafür 
sorgen, daß solche Aktivitäten nicht 
zu große Anforderungen an Zeit 
und Geld der Führer und der 
Mitglieder stellen. Wenn das näm- 
lich so ist, bleibt von Zeit und Geld 
zu wenig übrig, und außerdem wird 
es für die aufmerksamen Eltern 
schwer, auf ihre Kinder Einfluß aus- 
zuüben. Achten Sie darauf, daß Sie 
die Familie unterstützen und nicht 
ihre Stelle einnehmen! 

Wenn die Eltern sich einmal 
überfordert fühlen und einfach 
nicht alles schaffen können, 
müssen sie weise und inspiriert ent- 
scheiden, wieviel Aktivität außer 
Haus für ihre Familie gut ist. Gerade 
bei diesem Punkt müssen die 
Priestertumsführer in den Ratssit- 
zungen auf das achten, was die 
Schwestern, die Mütter, sagen. 

Eine starke FHV hat viel schüt- 
zenden und heilenden Einfluß auf 
Mütter und Töchter, alleinerziehen- 
de Mütter und alleinstehende 
Schwestern sowie die Alten und die 
Kranken. 

Den Schwestern, die zum Dienst 
in der PV oder bei den Jungen 
Damen berufen sind, fehlt vielleicht 
der FHV-Unterricht, aber sie brau- 
chen die FHV nicht zu vermissen, 
denn sie gehören dazu. Viele Brüder 
dienen dem Aaronischen Priestertum 
und können die Versammlungen 
ihres Kollegiums nicht besuchen. 
Haben Sie nicht das Gefühl, daß 
Ihnen etwas entgeht! Beklagen Sie 
sich niemals über diesen selbstlosen 
Dienst! 

Wir haben gesehen, wie unsere 
Kinder wegen ihrer Arbeit oder 
Ausbildung an Orte gezogen sind, 
die weit von zu Hause entfernt 
waren; jetzt geht es uns mit unse- 
ren Enkelkindern genauso. Sie 
nehmen ein, zwei kleine Kinder 
mit, aber so gut wie nichts 
Materielles, womit sie ein Zuhause 
gründen könnten. 



DER 



STERN 
84 



Wie tröstlich ist da das 
Bewußtsein, daß überall, wohin sie 
auch ziehen, eine Kirchenfamilie auf 
sie wartet. Vom ersten Tag an gehört 
er zu einem Priestertumskollegium 
und sie zur FHV. Dort findet sie eine 
Großmutter - jemand, den sie statt 
ihrer Mutter anrufen kann, wenn es 
mit dem Kochen nicht klappt, oder 
um zu fragen, woran man merkt, ob 
ein unruhiges Kind wirklich krank 
ist. Sie findet die sichere, weise 
Hand einer Ersatzgroßmutter. Sie 
findet Trost, wenn das Heimweh 
manchmal nicht aufhören will. Die 
junge Familie findet Sicherheit - der 
Mann im Kollegium, die Frau in der 
FHV; und beide haben vor allem die 
Aufgabe, die Familie auf ewig zu si- 
chern. 

In der FHV wird das folgende 
Lied gesungen: 

Als Schwestern in Zion vereint laßt 

uns wirken, 
es segne der Herr unser Mühn, un- 

sern Fleiß. 
Sein Reich wolln wir bauen mit all 

unsern Kräften 
und trösten und stärken nach sei- 
nem Geheiß. 
Wie groß die Verheißung, die Gott 

uns gegeben, 
mit Dank und mit Freude erfüllt uns 

sein Plan, 
und wenn nach der Führung des 

Geistes wir streben, 
gibt Weisheit und Kraft er und führt 

uns hinan. 7 

Ich schließe so, wie ich begonnen 
habe - es ist meine Absicht, die 
FHV zu unterstützen - und um 
Segen für unsere Schwestern zu bit- 
ten, die dazugehören. Im Namen 
Jesu Christi, amen. D 

FUSSNOTEN 

1. 13. Glaubensartikel. 

2. A Centenary of Relief Society (1942), 7. 

3. History ofthe Church, 4:607,605. 

4. LuB 107:5. 

5. Sarah M. Kimball, „Autobiography", 
Woman's Exponent, 1. September 1883, 
51. 

6. Siehe LuB 131:1-3. 

7. „Als Schwestern in Zion", Emily H. 
Woodmansee, Gesangbuch, Nr. 207. 



,JWer geduldig alles 
ertragen hat, den 
preisen wir glücklich" 



Eider Robert D. Haies 

vom Kollegium der Zwölf Apostel 



Wir können nicht erwarten, später Ausdauer zu lernen, wenn wir es uns 
jetzt zur Gewohnheit machen, aufzugeben, wenn es schwierig wird. 



den Lehren der Propheten aus allen 
Zeitaltern. Sie haben Mut bewiesen 
und Prüfungen und Drangsal auf 
sich genommen, um den Willen 
Gottes zu tun. Das größte Vorbild 
finden wir in unserem Erretter und 
Erlöser Jesus Christus. Als Jesus auf 
dem Kalvarienberg am Kreuz litt, 
empfand er die Einsamkeit der 
Entscheidungsfreiheit, als er seinen 
Vater flehend fragte: „Warum hast 
du mich verlassen?" (Matthäus 
27:46.) Der Erretter der Welt wurde 
von seinem Vater allein gelassen, 
um seine Entscheidungsfreiheit 
wahrzunehmen und seine Mission, 
das Sühnopfer, aus eigener 
Entscheidung zu vollenden. 

Jesus wußte, wer er war: der 
Sohn Gottes. Er kannte den Zweck: 
durch das Sühnopfer den Willen des 
Vaters auszuführen. Er sah alles aus 
der Sicht der Ewigkeit. Es ging ihm 
darum, „die Unsterblichkeit und das 
ewige Leben des Menschen zustan- 
de zu bringen" (Mose 1:39). 

Der Herr hätte Legionen Engel 
rufen können, um ihn vom Kreuz zu 
befreien, aber er harrte getreu bis 
ans Ende aus und erfüllte den ei- 
gentlichen Zweck, wozu er auf die 
Erde gesandt worden war. Dadurch 
wurden denjenigen, die jemals auf 
der Erde leben werden, ewige 
Segnungen zuteil. 

Es bewegt mich, daß der Vater, 
wenn er in den nachfolgenden 




In den heiligen Schriften lesen 
wir, daß es wesentlich ist, daß 
man bis ans Ende ausharrt. 

Wenn ihr darum den Geboten 
gehorcht und bis ans Ende ausharrt, 
werdet ihr am letzten Tag errettet 
werden. Und so ist es." (1 Nephi 
22:31.) 

„Sei geduldig in deinen Bedräng- 
nissen, denn du wirst viele haben; 
aber ertrage sie, denn sieh, ich bin 
mit dir, ja, bis ans Ende deiner 
Tage." (LuB 24:8.) 

„Wer geduldig alles ertragen hat, 
den preisen wir glücklich." (Jakobus 
5:11). 

Von Menschen, die treu bis ans 
Ende ausgeharrt haben, lesen wir in 



JULI 1998 
85 



Evangeliumszeiten den Propheten 
seinen Sohn vorstellte, immer sagte: 
„Dies ist mein geliebter Sohn, an 
dem ich Gefallen gefunden habe." 
(1 Petrus 2:17.) Und: „Seht meinen 
geliebten Sohn, ... in dem ich 
meinen Namen verherrlicht habe." 
(3Nephil:7.) 

In unserer Evangeliumszeit hat der 
Prophet Joseph Smith Widerstand 
und Mühsal aller Art ertragen, um 
den Wunsch des himmlischen Vaters, 
nämlich die Wiederherstellung der 
Kirche Jesu Christi der Heiligen der 
Letzten Tage zustande zu bringen. 
Joseph wurde vom wütenden Pöbel 
bedrängt und verfolgt. Geduldig er- 
trug er Armut, demütigende 
Beschuldigungen und 

Unfreundlichkeit. Seine Anhänger 
wurden mit Gewalt von Stadt zu 
Stadt und von Staat zu Staat getrie- 
ben. Er wurde geteert und gefedert. 
Er wurde fälschlich beschuldigt und 
ins Gefängnis geworfen. 

Im Gefängnis in Liberty in 
Missouri hatte er das Gefühl, daß 
seine Bedrängnisse und die 
Prüfungen und die Mühsal der 
Heiligen niemals aufhören würden, 
und betete: „O Gott, wo bist du? . . . 
Ja, o Herr, wie lange noch sollen sie 
dieses Unrecht und diese gesetzes- 
widrige Unterdrückung leiden, ehe 
dein Herz sich erweichen und dein 
Inneres von Mitleid mit ihnen be- 
wegt sein wird?" (LuB 121:1,3.) 

Joseph erhielt die Antwort: 
„Mein Sohn, Frieden deiner Seele! 
Dein Ungemach und deine 
Bedrängnisse sollen nur einen klei- 
nen Augenblick dauern." (LuB 
121:7.) 

Joseph wußte, daß seine irdi- 
schen Prüfungen wahrscheinlich 
nachließen, wenn er jetzt mit die- 
sem großartigen Werk aufhörte. 
Aber er konnte nicht aufhören, weil 
er wußte, warum er auf die Erde ge- 
kommen war. Er hatte den Wunsch, 
Gottes Willen zu tun. 

Die Pioniere, die ihr Zuhause in 
Nauvoo und an anderen Orten ver- 
lassen hatten, die weiten Ebenen 
überquerten und sich im Salzseetal 
niederließen, wußten, wer sie 
waren: sie waren Mitglieder der wie- 
derhergestellten Kirche des Herrn. 



Sie kannten ihren Zweck oder ihr 
Ziel: Zion nicht nur zu finden, son- 
dern es auch aufzubauen. Aufgrund 
dieses Wissens ertrugen sie bereit- 
willig alle mögliche Mühsal, um ihr 
Ziel zu erreichen. 

Im Laufe des vergangenen Jahres 
haben mich Menschen beeindruckt, 
die sich dieser Lehre bewußt sind. 
Sie haben Gegensätze, Prüfungen 
und Drangsal geduldig ertragen und 
sind durch diese Erfahrungen nicht 
nur gestärkt worden, sondern 
haben durch ihr Beispiel auch den 



Menschen um sich herum Kraft 
gegeben. 

Ein junges Mädchen schilderte, 
was es gelernt hatte, als es nach 
einem Autounfall um seine 
Genesung kämpfte. Sie hatte dabei 
schwere Kopfverletzungen erlitten: 

„Bis zum Frühjahr 1996 wußte ich 
nichts von meiner Stärke. Aber ein 
einziger Nachmittag veränderte alle 
meine Erwartungen in bezug auf 
meine Ausbildung vollständig. In 
einem Augenblick war ich noch auf 
dem Weg in meine Zukunft, ähnlich 



Die Erste Präsidentschaft singt gemeinsam mit den Versammelten. Von links: Präsident Thomas 
S. Monson, Erster Ratgeber, Präsident Gordon B. Hinckley und Präsident James E. Faust, 
Zweiter Ratgeber. 




DER STERN 
86 



dem aller anderen Highschool- 
schüler. Im nächsten Augenblick 
schon war das Leben für mich nicht 
mehr normal. Ich war dabei, mir auf 
eine Weise Stärke anzueignen, die 
mir völlig fremd war. . . . Anstatt wei- 
ter zu lernen, mußte ich alles neu er- 
lernen. . . . Ich lernte neu zu essen. 
Das Essen zu schlucken war ein 
schwieriges Unterfangen, das ich neu 
erlernen mußte. Ich brauchte mehr 
als fünf Monate, um vom Bett zum 
Rollstuhl zu gelangen, um wieder ste- 
hen und schließlich gehen zu kön- 
nen. ... In diesem vergangenen Jahr 
habe ich aus den verschiedenen 
Schwierigkeiten viel Großartiges ge- 
lernt. Mein Beten wird tatsächlich 
erhört. Das Fasten wurde in meiner 
Familie zu einer Kraft. Die Liebe hat 
mich am Leben erhalten. . . . Ich 
habe auch Neues über mich selbst 
gelernt. Ich habe erfahren, was ich 
ertragen kann. . . . Dadurch habe ich 
erkannt, daß ich viel stärker bin, als 
ich dachte. Ich habe gelernt, daß 
man ruhig um Hilfe bitten kann, 
wenn man sie braucht, denn wir alle 
haben unsere Grenzen, unsere 
Stärken und Schwächen. . . . Ich 
habe zwar in diesem Schuljahr den 
größten Teil des Unterrichts ver- 
säumt, aber ich habe Fertigkeiten 
und Kenntnisse erlangt, die mir spä- 
ter im Leben nützlich sein werden. 
Für mich ist jegliche Erkenntnis 
nützlich. Wie ein Vogel, der gerade 
aus dem Ei gekrochen ist, beginne 
ich wieder fliegen zu lernen." (Brief 
von Elizabeth Merkley.) 

Oft merken wir erst dann, wenn 
unser Glaube geprüft wird, wieviel 
wir ertragen können. Der Herr hat 
uns auch gelehrt, daß wir nicht über 
unsere Kraft hinaus geprüft werden 
(siehe 1 Korinther 10:13). 

1968 beteiligte sich der 
Marathonläufer John Stephen 
Akhwari aus Tansania an einem in- 
ternationalen Wettkampf. „Stunden, 
nachdem der Sieger das Ziel erreicht 
hatte, näherte John Stephen 
Akhwari . . . sich dem Stadion - als 
letzter. [Er war zwar erschöpft, hatte 
Krämpfe in den Beinen, war ausge- 
trocknet und hatte die Orientierung 
verloren], aber eine innere Stimme 
sagte ihm, er solle nicht aufgeben, 



und so machte er weiter. Später 
wurde über ihn geschrieben. ,Wir 
haben heute einen jungen afrikani- 
schen Läufer gesehen, der als Symbol 
für das Beste im Menschen steht, 
dessen Leistung dem Wort Mut 
Bedeutung verleiht.' Für manche 
zählt nur der persönliche Lohn, [Es 
gibt keine Medaillen, sondern nur] 
die Gewißheit, daß sie vollendet 
haben, womit sie begonnen haben." 
(The Last African Runner, Serie zu 
den Olympischen Spielen, geschrie- 
ben, geleitet und produziert von Bud 
Greenspan, Cappy Productions, 
1976, Videokassette.) Als Akhwari 
gefragt wurde, warum er den Lauf, 
den er doch nicht mehr gewinnen 
konnte, noch beendet hatte, antwor- 
tete Akhwari: „Mein Land hat mich 
nicht hierhergeschickt, um den 
Wettlauf zu beginnen, sondern um ihn 
auch zu beenden. " 

Er wußte, wer er war: ein Sportler, 
der das Land Tansania vertrat. Er 
kannte seinen Zweck: den Lauf zu 
beenden. Er wußte, daß er bis zum 
Ende ausharren mußte, um ehren- 
voll nach Tansania zurückkehren zu 
können. Mit unserer irdischen 
Mission ist es so ähnlich. Der Vater 
im Himmel hat uns nicht bloß hier- 
hergesandt, damit wir geboren wer- 
den. Wir sollen ausharren und 
ehrenvoll zu ihm zurückkehren. 

Es gehört zu unserer irdischen 
Prüfung, daß wir in der Welt leben. 
Die Herausforderung besteht darin, 
in der Welt zu leben, aber nicht an 
den Versuchungen der Welt teilzuha- 
ben, die uns von unseren geistigen 
Zielen wegführen. Wenn wir aufge- 
ben und den listigen Anschlägen des 
Widersachers erliegen, können wir 
mehr als nur unsere eigene Seele ver- 
lieren. Wenn wir aufgeben, können 
wir dazu beitragen, daß Menschen 
verloren gehen, die uns in dieser 
Generation Achtung entgegenbrin- 
gen. Wenn wir vor Versuchungen 
kapitulieren, kann dies Kinder 
und Familien in kommenden 
Generationen beeinflussen. 

Die Kirche wird nicht in einer 
einzigen Generation aufgebaut. Das 
gesunde Wachstum der Kirche 
braucht drei, vier Generationen 
glaubenstreuer Heiliger. Wenn wir 



die Glaubensstärke, bis ans Ende 
auszuharren, von einer Generation 
an die nächste weitergeben, 
schenken wir damit unseren 
Nachkommen unermeßlichen 
Segen. Wir können auch nicht al- 
lein bis ans Ende ausharren. Es ist 
wichtig, daß wir einander helfen, 
indem wir uns gegenseitig erheben 
und stärken. 

Aus den heiligen Schriften lernen 
wir, daß es in allem einen Gegensatz 
geben muß. Die Frage lautet nicht, ob 
wir für den Test bereit sind, sondern 
wann wir bereit sind. Wir müssen uns 
bereit machen für Prüfungen, die un- 
vermutet auftauchen. 

Damit wir bis ans Ende aushar- 
ren können, müssen wir wissen, wer 
wir sind - Kinder Gottes, die den 
Wunsch haben, nach dem 
Erdenleben in seine Gegenwart 
zurückzukehren. Wir müssen um 
den Zweck des Lebens wissen, näm- 
lich bis ans Ende ausharren und 
ewiges Leben erlangen. Wir müssen 
gehorsam sein, den Wunsch haben 
und entschlossen sein, alles zu ertra- 
gen, und alles vom Standpunkt der 
Ewigkeit aus sehen. Dieser 
Standpunkt erlaubt es uns, in der 
Sterblichkeit Gegensätze zu überwin- 
den und schließlich den verheißenen 
Lohn und die Segnungen ewigen 
Lebens zu erlangen. 

Wenn wir unsere Bedrängnisse ge- 
duldig und gut ertragen und auf den 
Herrn vertrauen, um die Lektionen 
des Erdenlebens zu lernen, ist der 
Herr mit uns und schenkt uns bis ans 
Ende unserer Tage Kraft, denn „wer 
aber bis zum Ende standhaft bleibt, 
der wird gerettet" (Markus 13:13) 
und kehrt ehrenvoll zum himmli- 
schen Vater zurück. 

Wir lernen, bis ans Ende auszu- 
harren, wenn wir jetzt unsere 
Aufgaben erfüllen und das einfach 
weiterhin unser ganzes Leben lang 
tun. Wir können nicht erwarten, 
später Ausdauer zu lernen, wenn wir 
es uns jetzt zur Gewohnheit machen, 
aufzugeben, wenn es schwierig wird. 

Bis ans Ende auszuharren bezieht 
sich auf alle Gebote Gottes. Der 
Herr beruft junge Männer zu 
Missionaren. Die Missionare wer- 
den nicht ausgesandt, um sich von 



JULI 1 

87 



9 9 8 



ihren Freunden und ihrer Familie 
verabschieden zu lassen. Sie werden 
berufen, um eine ehrenhafte 
Mission zu erfüllen und ehrenvoll 
zurückzukehren. Sie wissen, wer sie 
sind - Missionare für die Kirche 
des Herrn. Sie kennen ihr Ziel, 
nämlich diejenigen zu finden und 
zu unterweisen, die bereit sind, 
das Evangelium Jesu Christi 
anzunehmen und beim Aufbau 
seiner Kirche zu helfen. Sie 
lernen Geduld, indem sie die 
Versuchungen und Drangsale über- 
winden, die sie bestimmt haben. 
Sie sind demütig genug, um neue 
Fertigkeiten zu lernen, und sind 
entschlossen, bis ans Ende 
auszuharren. 

Manch einer sagt vielleicht: „Wie 
kann ich ein Missionar sein und bis 
ans Ende ausharren. Ich bin von 
Natur aus schüchtern, und wenn ich 
mit Fremden spreche, bin ich ängst- 
lich und kann kaum sprechen." 
Oder: „Ich kann nicht gut lernen, die 
Lektionen sind zu schwer für mich". 
Der Herr verheißt nicht, 
daß er uns unsere Schwierigkeiten 
nimmt, wenn wir auf Mission 
gehen. Aber durch vermehrte 
Anstrengungen gelingt es uns besser, 
mit den Unzulänglichkeiten fertig zu 
werden. Und diese Fähigkeit, es mit 
Schwierigkeiten aufzunehmen, brau- 
chen wir unser Lebe lang im Umgang 
mit anderen, bei der Arbeit und in 
der Familie. Jeder muß lernen, 
Schwierigkeiten zu meistern. Manche 
fallen nur mehr ins Auge als andere. 

Wenn wir als Missionar dienen 
und uns nicht so sehr auf uns selbst 
konzentrieren, sondern darauf, die 
Arbeit des Herrn zu tun und anderen 
zu helfen, haben wir die Möglichkeit, 
innerlich zu wachsen und an Reife 
zuzunehmen. Wenn ein junger 
Missionar die Geborgenheit seiner 
Familie und seiner Freunde verläßt 
und lernt, in der wirklichen Welt zu 
agieren, reift er zum Mann heran 
und entwickelt mehr Glauben an die 
Hilfe des Herrn. 

Ein Missionar trifft auf viele 
Herausforderungen, die ihm unbe- 
kannt sind. Er kann seine Berufung 
nicht erfüllen, wenn er nur nach 
dem handelt, was er vor seiner 



Ankunft gelernt hat. Ausharren er- 
fordert, daß man mehr gibt als das, 
was man heute als Bestes zu bieten 
hat, indem man zusätzliche Gaben 
entfaltet, wie der Herr sie gewährt. 
Man braucht Glauben, um auf den 
Herrn und die Führer in der Mission 
zu hören und um zu lernen, wie man 
das erreicht, wozu ein Missionar be- 
rufen ist. Natürlich ist es schwer. 
Deswegen ist es solch ein Geschenk 
und hat solch einen großen Lohn. 
Wir müssen wissen, wer wird sind, 
und unser höchstes Ziel erreichen. 
Dann müssen wir uns fest vorneh- 
men, alle Hindernisse zu überwin- 
den und mit Entschlossenheit bis 
ans Ende ausharren. 

Wenn wir eine Aufgabe erhalten, 
müssen wir denken: „Ich will alle 
ehrenhaften Möglichkeiten ergrün- 
den, wie man diese Aufgabe auf die 
Art des Herrn erfüllen kann. Ich 
will studieren, fragen, forschen und 
beten. Ich kann immer weiter ler- 
nen. Ich bin nicht fertig, bevor die 
Aufgabe abgeschlossen ist." Man 
harrt bis ans Ende aus, indem man 
weitermacht, bis der Auftrag voll- 
ständig erfüllt ist. 

Zum Ausharren gehört mehr, als 
nur zu überleben und zu warten, bis 
das Ende kommt. Bis ans Ende aus- 
zuharren, erfordert festen Glauben. 
Im Garten Getsemani „warf [Jesus] 
sich zu Boden und betete: Mein 
Vater, wenn es möglich ist, so gehe 
dieser Kelch an mir vorüber. Aber 
nicht wie ich will, sondern wie du 
willst." (Matthäus 26:39.) 

Man braucht viel Glauben und 
Mut, um dem himmlischen Vater 
beim Beten zu sagen: „Nicht wie 
ich will, sondern wie du willst." Der 
Glaube, auf den Herrn zu vertrauen 
und auszuharren, bringt große Kraft 
mit sich. Manche sagen vielleicht, 
wenn unser Glaube stark genug ist, 
können wir vielleicht die Umstände 
ändern, die uns Drangsal und 
Prüfungen bringen. Soll unser 
Glaube die Umstände verändern, 
oder soll er dazu beitragen, daß wir 
sie ertragen? Wir können gläubig 
darum beten, daß Ereignisse in un- 
serem Leben sich ändern oder we- 
niger schlimm werden, aber wir 
dürfen nicht vergessen, daß am 



Ende jedes Gebets der Gedanke 
steht: „Dein Wille [geschehe]." 
(Matthäus 26:42.) Zum Glauben an 
den Herrn gehört es auch, daß man 
auf den Herrn vertraut. Der 
Glaube, der uns ausharren läßt, be- 
ruht darauf, daß wir den Willen des 
Herrn und das akzeptieren, was wir 
durch die bisherigen Erfahrungen 
gelernt haben. 

Wenn wir an den Herrn glauben 
und das Augenmerk auf die 
Ewigkeit richten, werden wir geseg- 
net, so daß wir jede Prüfung anneh- 
men, die wir bekommen; denn das 
Leben auf der Erde ist nur vorüber- 
gehend, und für den Fall, daß wir 
ausharren, hat der Herr verheißen: 
„Und wenn du meine Gebote hältst 
und bis ans Ende ausharrst, sollst du 
ewiges Leben haben, und diese 
Gabe ist die größte von allen Gaben 
Gottes." (LuB 14:7.) 

Wir wissen nicht, wann für uns 
das Ende des Erdenlebens kommt. 
Wir müssen die Fähigkeit ent- 
wickeln, die Pflichten von heute zu 
ertragen, und ihnen nachkommen, 
wie schwierig die vor uns liegenden 
Tage auch werden mögen. 

Mögen wir so wie Paulus zu 
Timotheus sagen können: „Ich habe 
den guten Kampf gekämpft, den 
Lauf vollendet, die Treue gehalten." 
(2 Timotheus 4:7.) 

„Wer geduldig alles ertragen hat, 
den preisen wir glücklich." Qakobus 
5:11.) 

Es gibt nichts, was wir durchma- 
chen, das Jesus nicht versteht, und 
er wartet darauf, daß wir uns im 
Gebet an den himmlischen Vater 
wenden. Ich bezeuge: wenn wir ge- 
horsam sind, wenn wir eifrig sind, 
wird unser Beten erhört, verschwin- 
den unsere Probleme, legt sich un- 
sere Angst, leuchtet uns das Licht, 
löst die Finsternis der Verzweiflung 
sich auf und sind wir dem Herrn 
nahe und spüren seine Liebe und 
den Trost des Heiligen Geistes. Ich 
bete darum, daß wir genug Glauben, 
Mut und Kraft aufbringen, um bis 
ans Ende auszuharren, damit wir die 
Freude erleben, glaubenstreu in die 
Arme des himmlischen Vaters 
zurückzukehren. Im Namen Jesu 
Christi, amen. □ 



DER 



STERN 
88 



Der Zehnte - ein Vorzug 



Eider Ronald E. Poelmann 

von den Siebzigern 



Sie und ich, wir gehören nun zu den Generationen, die das Gesetz des 
Zehnten kennen und danach leben dürfen. Die Segnungen, die uns zuteil 
werden, wenn wir dieses Gesetz befolgen, sind sowohl materieller als 
auch geistiger Natur. 



Vater dann dafür, daß wir nach dem 
Gesetz des Zehnten leben durften. 
Unmittelbar darauf spürte ich große 
Zuversicht. Es war ein Vorzug, nach 
dem Gesetz des Zehnten leben zu 
dürfen, und damit waren Segnungen 
verknüpft. Daran zweifelte ich nicht, 
denn meine Mutter wußte es ja. 
Dieses Gefühl ist mir erhalten geblie- 
ben und hat sich im Laufe meines 
Lebens noch verstärkt. 

Als ich das erste Mal den 
Zehnten zahlte, betrug die Summe 
fünf Cent. Zusammen mit meinem 
Vater ging ich ins Büro des Bischofs, 
der meine fünf Münzen feierlich 
entgegennahm und eine Quittung 
dafür ausstellte. Dann erhob er sich, 
trat hinter seinem Schreibtisch her- 
vor und setzte sich neben mich. 
Nachdem er mir die Hand auf die 
Schulter gelegt hatte, gab er mir ein 
kleines, aber doch höchst wichtiges 
Stück Papier und sagte: „Ronald, du 
hast einen guten Anfang gemacht, 
und wenn du so weitermachst wie 
jetzt, kannst du im Zehntenzahlen 
vollkommen werden." Bis dahin war 
es mir immer völlig unmöglich er- 
schienen, in irgendeinem Bereich 
vollkommen zu werden. Ich hatte 
schon genug Mühe damit, ein lieber 
Junge zu sein. Aber der Bischof 
spornte mich mit seinen Worten an, 
in diesem Evangeliumsbereich nach 
Vollkommenheit zu streben. Und 
dafür bin ich überreich gesegnet 
worden - sowohl materiell als auch 
geistig. 

Während der folgenden Jahre ist 
mein Zeugnis vom Zehnten oft 




Amerika befand sich mitten in 
der Wirtschaftskrise der 
dreißiger Jahre. Ich war eins 
von mehreren kleinen Kindern in un- 
serer Familie, und mein Vater war 
schon seit vielen Monaten arbeitslos. 
Wer arbeitslos war, bekam keine 
Unterstützung von der Regierung, 
und das Wohlfahrtsprogramm der 
Kirche war noch nicht eingerichtet. 
Die Not drückte uns überall. Manche 
hätten sagen können, wir seien bet- 
telarm. Ich war zwar noch klein, aber 
ich spürte doch die Anspannung und 
Sorge meiner Eltern. 

Jeden Morgen knieten wir ge- 
meinsam nieder, und reihum sprach 
jeden Morgen einer von uns das 
Gebet. Eines denkwürdigen Morgens 
war Mutter an der Reihe. Sie schil- 
derte etwas von dem, was wir brauch- 
ten, und dankte dem himmlischen 



bestätigt worden. Weil ich dieses 
Gesetz befolgte, durfte ich unter 
anderem zum heiligen Priestertum 
ordiniert werden, im Haus des 
Herrn die Begabung empfangen, 
eine Vollzeitmission erfüllen und für 
Zeit und Ewigkeit an meine Familie 
gesiegelt werden. Außerdem durfte 
ich immer wieder in den Tempel 
gehen, um anderen Menschen zu 
dienen und in dem unterwiesen zu 
werden, was für die Ewigkeit von 
Bedeutung ist. 

Der Erretter hat nach seiner 
Auferstehung und während seines 
Wirkens bei den Menschen im heu- 
tigen Amerika deutlich gemacht, 
wie heilig und wichtig das Gesetz 
des Zehnten ist. 

Im Buch Mormon ist verzeich- 
net, daß der Erretter die Nephiten 
aus den heiligen Schriften unter- 
wies, die sie besaßen, und über wei- 
tere heilige Schriften sprach, die sie 
nicht besaßen. Dabei gebot er 
ihnen, das niederzuschreiben, was 
der Vater dem Propheten Maleachi 
eingegeben hatte, nämlich unter an- 
derem folgendes: 

„Darf denn der Mensch Gott be- 
rauben? Und doch habt ihr mich be- 
raubt. Ihr aber sprecht: Woran haben 
wir dich beraubt? Am Zehnten und 
an den Opfergaben. . . . 

Bringt aber den ganzen Zehnten 
in das Vorratshaus, damit Speise in 
meinem Hause sei; und prüft mich 
nun hiermit, spricht der Herr der 
Heerscharen, ob ich euch nicht die 
Fenster des Himmels öffnen und 
euch Segen herabschütten werde, 
daß nicht genug Raum sein wird, ihn 
aufzunehmen." (3 Nephi 24:8,10.) 

Weiterhin hat Christus deutlich 
gemacht, wie wichtig dieses Gebot 
für uns ist, indem er den Nephiten 
sagte: „Diese Schriften, die ihr nicht 
gehabt habt, von denen hat mir der 
Vater geboten, daß ich sie euch 
geben soll; denn es war nach seiner 
Weisheit, daß sie den zukünftigen 
Generationen gegeben werden sol- 
len." (3 Nephi 26:2.) 

Sie und ich, wir gehören nun zu 
den Generationen, die das Gesetz 
des Zehnten kennen und danach 
leben dürfen. Die Segnungen, die 
uns zuteil werden, wenn wir dieses 



J U L 



19 9 8 



89 



Gesetz befolgen, sind sowohl materi- 
eller als auch geistiger Natur, wie 
viele von den hier Anwesenden be- 
zeugen können. 

In diesen, den Letzten Tagen, hat 
der Herr gesagt: „Siehe, jetzt, bis des 
Menschen Sohn kommt, sagt man 
, heutigen Tages', also , heute'; und 
wahrlich, es ist ein Tag des Opferns 
und ein Tag, daß mein Volk gezehn- 
tet werde." (LuB 64:23.) 

Kann man es denn als Opfer an- 
sehen, den Zehnten zu zahlen? Ja, 
wenn man sich die Bedeutung der 
beiden lateinischen Begriffe vor 
Augen hält, aus denen das englische 
Wort sacrifice (Opfer) abgeleitet ist. 
Diese beiden Begriffe (sacer und ja- 
cere) bedeuten zusammen „heilig 
machen". Das, was wir dem Herrn 
mit dem Zehnten zurückgeben, wird 
wirklich heilig gemacht, und wer ge- 
horsam ist, wird erbaut. 

Schon vor langer Zeit hat der Herr 
dem Mose erklärt, wie heilig der 
Zehnte ist. Wir lesen in Levitikus: 
„Jeder Zehnte des Landes . . . gehört 
dem Herrn; es ist etwas Heiliges für 
den Herrn." (Levitikus 27:30.) 

Als meine Frau und ich jung 
verheiratet waren, nahte der 
Zeitpunkt, wo unser erstes Kind 
geboren werden sollte. Ich studierte 
tagsüber Jura und arbeitete abends 
in einer Tankstelle. Wir hatten 
sehr wenig Geld. Unsere kleine 
Kellerwohnung war mit ein paar 
alten Möbeln und vielen Holzkisten 
eingerichtet. 

Kurz vor der Geburt hatten wir 
alles zusammen, was wir für das 
Kind brauchten. Was uns aber fehl- 
te, war ein Kinderbett, und wir hat- 
ten auch kein Geld, eins zu kaufen. 

Wir hatten es uns zur 
Gewohnheit gemacht, jeden Monat 
am Fastsonntag den Zehnten zu 
zahlen. Als dieser Tag herankam, 
überlegten wir, ob wir das Zahlen 
des Zehnten verschieben und mit 
dem Geld lieber erst einmal ein 
Bettchen anzahlen sollten. Aber im 
Geist des Fastens und nachdem wir 
gebetet hatten, beschlossen wir, den 
Zehnten zu zahlen und auf den 
Herrn zu vertrauen. 

Nur wenige Tage später traf ich 
auf der Straße im Geschäftsviertel 



unser Stadt völlig unverhofft meinen 
ehemaligen Missionspräsidenten. 
Er fragte mich, ob ich studierte 
oder berufstätig sei. Beides, sagte 
ich. 

Ob ich verheiratet sei? „Ja." 

Ob wir Kinder hätten? „Nein, 
aber unser erstes Kind soll in ein 
paar Wochen zur Welt kommen." 

„Haben Sie ein Bettchen für das 
Baby?", fragte er. „Nein", erwiderte 
ich zögernd, überrascht von seiner 
direkten Frage. 

„Wenn das so ist", sagte er. „Ich 
arbeite jetzt in der Möbelbranche, 
und es würde mir große Freude ma- 
chen, Ihnen als Geschenk ein 
Babybett in die Wohnung liefern 
lassen zu dürfen." 

Da überkam mich große 
Erleichterung und Dankbarkeit, und 
mein Zeugnis wurde gestärkt. 

Mit diesem Geschenk wurde 
ein materielles Bedürfnis gestillt, 
aber es ist auch ein bewegendes 
Erinnerungsstück an das geistige 
Erlebnis, das damit verbunden war 
und mir erneut bestätigte, daß das 
Gesetz des Zehnten ein Gebot mit 
einer Verheißung ist. 

Die wirklich schwierigen Probleme 
im Leben erfordern in erster Linie gar 
nicht große zeitliche Mittel, sondern 
die Gaben des Geistes. Solche 
Probleme können sein: Krankheit, 
Leid, der Tod eines lieben Menschen, 
ein widerspenstiges und ungehorsa- 
mes Kind, falsche Anschuldigungen 
und andere schwere Enttäuschungen. 
In solchen Prüfungen brauchen wir 
eher Glauben, Inspiration, Trost, 
Mut, Geduld und die Fähigkeit, zu 
vergeben. Diese Segnungen können 
aus den Schleusen des Himmels auf 
uns herabgeschüttet werden. 

In diesem Zusammenhang muß 
ich an die guten, glaubenstreuen 
Menschen denken, die an das 
glaubten, was Alma der Altere lehr- 
te, und in die Herde Gottes kamen. 
Im Buch Mormon wird berichtet, 
daß sie gehorsam und rechtschaffen 
waren (siehe Mosia 18). Aber ob- 
wohl sie gute Menschen waren, 
mußten sie durch die Hand ihrer 
Feinde große Drangsal erleiden. Als 
sie Gott ihr Herz ausschütteten, ließ 
er ihnen Worte des Trostes zuteil 



werden und versicherte ihnen, er 
werde sie in ihren Bedrängnissen 
besuchen (siehe Mosia 24:14). 

Weiter heißt es: „Der Herr stärk- 
te sie, so daß sie ihre Last mühelos 
tragen konnten, und sie unterwar- 
fen sich frohgemut und mit Geduld 
in allem dem Willen des Herrn." 
(Mosia 24:15.) 

Mögen auch wir so gestärkt wer- 
den und so gehorsam sein. 

Auch wenn wir nach dem Gesetz 
des Zehnten leben, bleiben uns die 
Prüfungen und das Ungemach, die 
mit dem Leben hier auf der Erde 
verbunden sind, sicher nicht er- 
spart. Aber wenn wir vor dem 
Herrn gut dastehen, können wir 
darauf vertrauen, daß wir in 
Ungemach mit Glauben, Kraft, 
Weisheit und Hilfe durch andere 
Menschen gesegnet werden, so daß 
wir die Probleme nicht nur über- 
winden, sondern aus der Erfahrung 
lernen und dadurch Fortschritt 
machen. 

Präsident Gordon B. Hinckley, 
unser Prophet und Führer, hat ge- 
sagt: „Ich kann vom Gesetz des 
Zehnten und von den damit ver- 
bundenen Segnungen Zeugnis 
geben, denn ich habe sie erlebt. 
Und jeder Mann und jede Frau in 
dieser Kirche, die ehrlich den 
Zehnten zahlen und dem Herrn ge- 
genüber ehrlich sind, können von 
diesem gottgegebenen Grundsatz 
Zeugnis ablegen." (Ensign, Juli 
1996, 73.) 

Als eins dieser Mitglieder der 
Kirche füge ich dem mein Zeugnis 
hinzu. Die Segnungen, die uns zuteil 
werden, wenn wir nach diesem 
Grundsatz leben, schenken uns in- 
neren Frieden, mehr Glauben und 
Inspiration und den Wunsch, die 
Gebote des himmlischen Vaters 
noch vollständiger zu halten. 

Zum Schluß gebe ich ein noch 
wichtigeres Zeugnis, nämlich daß 
ich weiß, daß Gott lebt, daß er 
unser Vater ist und daß er uns liebt. 
Jesus von Nazaret ist der Sohn 
Gottes und unser Erretter und 
Erlöser. Wir werden heute von 
einem lebenden Propheten geführt, 
nämlich Gordon B. Hinckley. Im 
Namen Jesu Christi, amen. □ 



DER 



STERN 
90 



Entscheidungsfreiheit 
und Zorn 



Eider Lynn Grant Robbins 

von den Siebzigern 



ji 



Ein Trick bei der Methode des Satans besteht darin, Zorn und 
Entscheidungsfreiheit zu trennen und uns einzureden, wir seien das Opfer 
eines Gefühls, das wir nicht beherrschen können. 



gehört es dabei, sich heimlich und 
listig hinter die feindlichen Linien 
zu schleichen und von dort aus in 
unsere Familie und unser ganzes 
Leben einzudringen. 

Oft schadet er der Familie in 
ihren eigenen vier Wänden oder zer- 
stört sie sogar. Das erreicht er mit der 
Strategie, die Familienmitglieder zum 
Zorn gegeneinander aufzustacheln. 
Der Satan ist der .Vaters des Streites", 
und er „stachelt den Menschen das 
Herz auf, im Zorn miteinander 
zu streiten" (3 Nephi 11:29; 
Hervorhebung hinzugefügt). Der 
Begriff „aufstacheln" ist geradezu ein 
Katastrophenrezept: Man halte das 
Temperament auf mittlerer Hitze, 
rühre einige ausgesuchte Wörter ein 
und bringe alles zum Kochen; 
anschließend rühre man weiter, bis 
die Suppe dick ist, lasse sie abkühlen 
und die Gefühle für mehrere Tage er- 
kalten. Alles kalt servieren. Es bleibt 
garantiert viel übrig. 

Ein Trick bei der Methode des 
Satans besteht darin, Zorn und 
Entscheidungsfreiheit zu trennen und 
uns einzureden, wir seien das Opfer 
eines Gefühls, das wir nicht beherr- 
schen können. Man hört oft: „Ich 
habe die Beherrschung verloren." 
Das ist eine interessante Wortwahl, 
und der Satz hat sich zu einer ge- 
bräuchlichen Redensart entwickelt. 
Wenn man etwas „verliert", so 
bedeutet das, daß es „unbeabsichtigt" 
beziehungsweise „zufällig", „unfreiwil- 
lig", „ohne Schuld" und vielleicht 




M 



eine Familie liebe ich. Sie 
bedeutet viel für mich." 
Dieser Wunsch eines 
jeden Kindes wird in einem unserer 
Kirchenlieder in Worte gekleidet 
(Gesangbuch, Nr. 201.) 

In der Proklamation zur Familie 
lesen wir, daß die Familie im 
Mittelpunkt des Plans des Schöpfers 
steht. Und weiter: „Mann und Frau 
tragen die feierliche Verantwortung, 
einander ... zu lieben und zu umsor- 
gen . . . [und] ihre Kinder in Liebe 
und Rechtschaffenheit zu erziehen." 
(„Die Familie, eine Proklamation 
an die Welt", Der Stern, Januar 
1996, 93.) 

Die Familie ist auch das 
Hauptziel des Satans. Er hat ihr den 
Krieg erklärt. Zu seinen Methoden 



fahrlässig, aber auf keinen Fall „eigen- 
verantwortlich" geschehen ist. 

„Er hat mich wütend gemacht." 
Auch diese Wendung wird häufig ge- 
braucht, und auch sie deutet auf 
fehlende Beherrschung beziehungs- 
weise Entscheidungsfreiheit hin. 
Diesem Aberglauben müssen wir 
entgegentreten. Niemand macht uns 
wütend. Niemand macht uns ärger- 
lich. Wir werden dazu nicht gezwun- 
gen. Vielmehr entscheiden wir uns 
bewußt dafür, ärgerlich zu werden. 
Wir treffen die Entscheidung! 

Denjenigen, die sich damit her- 
ausreden, sie könnten nichts dafür, 
hält der Schriftsteller William 
Wilbanks entgegen: „Unsinn." 

„Sich aggressiv verhalten, . . . Wut 
unterdrücken, darüber reden, schrei- 
en und brüllen - das sind erlernte 
Methoden, mit Zorn umzugehen. Wir 
entscheiden uns für die Methode, die 
sich in der Vergangenheit als wir- 
kungsvoll erwiesen hat. Ist Ihnen 
schon einmal aufgefallen, wie selten 
man die Beherrschung verliert, wenn 
man von seinem Chef enttäuscht ist, 
wie oft man aber die Beherrschung 
verliert, wenn man sich von seinen 
Freunden oder seiner Familie ge- 
kränkt fühlt? („The New Obscenity", 
Reader' s Digest, Dezember 1988, 24; 
Hervorhebung hinzugefügt.) 

In seinem zweiten Jahr an der 
Highschool bewarb sich Wilbanks um 
die Aufnahme in die Basketballmann- 
schaft, was ihm auch gelang. Am er- 
sten Trainingstag ließ der Trainer ihn 
allein gegen einen anderen Schüler 
spielen, während die Mannschaft 
zusah. Als er einen leichten Ball da- 
neben warf, wurde er wütend, stampf- 
te mit dem Fuß auf und jammerte. 
Da ging der Trainer zu ihm hinüber 
und sagte: „Wenn du hier noch ein- 
mal so eine Schau abziehst, wirst du 
nie in meiner Mannschaft spielen." 
Während der nächsten drei Jahre ver- 
lor er nicht ein einziges Mal wieder 
die Beherrschung. Als er Jahre später 
an diesen Vorfall zurückdachte, wurde 
ihm bewußt, daß der Trainer ihn 
einen Grundsatz gelehrt hatte, der 
sein Leben verändert hatte: Man 
kann seinen Zorn beherrschen. 

In der Joseph-Smith-Übertragung 
von Epheser 4:26 sagt Paulus: 



JULI 1 

91 



9 9 8 




Konferenzbesucher aus Japan im Joseph Smith Memorial Building. 



„Könnt ihr zornig sein, ohne zu sün- 
digen?" Der Herr hat in diesem 
Punkt eindeutig Stellung bezogen. 
„Wer den Geist des Streites hat, ist 
nicht von mir, sondern vom Teufel, 
der der Vater des Streites ist, und er 
stachelt den Menschen das Herz 
auf, im Zorn miteinander zu strei- 
ten. Siehe, es ist nicht meine Lehre, 
daß den Menschen das Herz zum 
Zorn gegeneinander aufgestachelt 
werde; sondern es ist meine Lehre, 
daß es Derartiges nicht mehr geben 
soll." (3 Nephi 11:29,30.) 

Diese Lehre beziehungsweise die- 
ses Gebot des Herrn setzt bei uns 
Entscheidungsfreiheit voraus; wir 
werden aufgefordert, bewußt eine 
Entscheidung zu treffen. Der Herr 
erwartet von uns, daß wir uns dafür 
entscheiden, nicht zornig zu werden. 

Zorn läßt sich auch nicht recht- 
fertigen. In Matthäus 5:22 sagt der 
Herr: „Ich aber sage euch: Jeder, 
der seinem Bruder auch nur zürnt, 
soll dem Gericht verfallen sein." 
Weder hier noch in 3 Nephi 12:22 
steht etwas von einem „guten 
Grund" für das Zürnen. Damit läßt 
der Herr keine Entschuldigung gel- 
ten. „Sondern es ist meine Lehre, 
daß es Derartiges nicht mehr geben 
soll." (3 Nephi 11:30.) Wir können 



dafür sorgen, daß es Zorn nicht 
mehr gibt, denn der Herr hat uns 
entsprechend unterwiesen und uns 
dieses Gebot erteilt.. 

Wer zornig ist, gibt dem Einfluß 
des Satans nach. Es ist die in 
Gedanken begangene Sünde, die zu 
feindseligem Denken beziehungswei- 
se Verhalten führt. Sie ist der Grund 
für die Aggressivität auf den Straßen, 
die Schlägereien im Fußballstadion, 
die Gewalttätigkeiten zu Hause. 

Wer seinen Zorn nicht im Griff 
hat, läßt sich schnell zu gemeinen 
Bemerkungen und anderen Formen 
seelischer Grausamkeit hinreißen, 
die den anderen tief verletzen kön- 
nen. Der Erretter hat gesagt: „Was 
aus dem Mund des Menschen her- 
auskommt, das macht ihn unrein." 
(Matthäus 15:11.) David O. McKay 
hat gefordert: 

„Mann und Frau dürfen niemals 
mit lauter Stimme zueinander spre- 
chen, ,es sei denn, das Haus steht in 
Flammen'." (Stepping Stones to an 
Abundant Life, Hg. Llewelyn R. 
McKay [1971],294.) 

Körperliche Mißhandlung ist ein 
Zeichen für völlig außer Kontrolle 
geratenen Zorn. Dafür gibt es nie- 
mals eine Rechtfertigung, und es 
kann niemals rechtschaffen sein. 



Zorn ist der grobe Versuch, in 
einem anderen Menschen Schuldge- 
fühle hervorzurufen, und eine grausa- 
me Art, jemanden zurechtzuweisen. 
Man bezeichnet diesen Vorgang oft 
auch fälschlicherweise als Disziplinie- 
rung, aber er bewirkt fast immer 
genau das Gegenteil. Deshalb ist in 
den heiligen Schriften auch die fol- 
gende Warnung zu finden: „Ihr 
Männer, liebt eure Frauen, und seid 
nicht aufgebracht gegen sie! . . . Ihr 
Väter, schüchtert eure Kinder nicht 
ein, damit sie nicht mutlos werden." 
(Kolosser 3:19,21.) 

Entscheidungsfreiheit und 
Verantwortung gehen Hand in 
Hand. Das kommt auch in den 
Idealen der Jungen Damen zum 
Ausdruck. Und weil man sich frei 
dafür entscheidet, zornig zu wer- 
den, ist in der Proklamation zur 
Familie auch eine eindringliche 
Warnung zu finden, nämlich daß 
jeder, der seine Frau oder seine 
Kinder mißhandelt, eines Tages 
vor Gott dafür Rechenschaft able- 
gen muß. 

Wenn wir uns den Zusammen- 
hang zwischen Entscheidungsfrei- 
heit und Zorn bewußt machen, 
haben wir damit den ersten Schritt 
getan, um dieses Gefühl aus unse- 
rem Leben zu verbannen. Wir kön- 
nen uns dafür entscheiden, nicht 
zornig zu werden. Und diese 
Entscheidung können wir heute 
treffen, jetzt gleich. Ich werde nie 
wieder zornig. Denken Sie einmal 
darüber nach. 

Aus Abschnitt 121 im Buch 
Lehre und Bündnisse können wir 
sehr gut richtige Führungsgrundsätze 
lernen. Dieser Abschnitt ist wahr- 
scheinlich gerade für Ehepaare und 
Eltern besonders wichtig. Wir sollen 
unsere Familie „mit überzeugender 
Rede, mit Langmut, mit Milde 
und Sanftmut und mit ungeheuchel- 
ter Liebe" führen (siehe LuB 
121:41,42). 

Möge der Traum eines jeden 
Kindes wahr werden, hier auf der 
Erde eine Familie zu haben, die es 
liebt und von der es geliebt wird. 
Das ist mein Gebet und mein 
Zeugnis im Namen Jesu Christi, 
amen. □ 



DER 



STERN 
92 



Gehorsam, die größte 
Herausforderung des 
Lebens 



Eider Donald L. Staheli 

von den Siebzigern 



Es ist dem Herrn bewußt, daß viele von uns dazu neigen, seinen Rat zu 
verwerfen, wenn es uns gut geht; wenn wir dann aber in Schwierigkeiten 
stecken, suchen wir ihn und seine Segnungen. 



Das vergangene Jahr hat für 
mich eine Veränderung gebracht: 
ich kehrte der Welt der 
Wirtschaftsunternehmen den 
Rücken und habe mich bemüht, ein 
treuer Vollzeitdiener des himmli- 
schen Vaters und ein besonderer 
Zeuge für Jesus Christus zu sein. Das 
war für mich ein anrührendes 
Erlebnis, das mir stärker bewußt ge- 
macht hat, welche Verantwortung, 
welche Segnungen und welche 
Möglichkeiten das Evangelium 
einem jeden von uns bietet, wenn 
wir nur seine Grundsätzen befolgen. 
■■ Präsident Boyd K. Packer hat ver- 
schiedentlich gesagt, daß wir alle das 
Recht auf Führung durch den 
Heiligen Geist haben. Dem fügte er 
hinzu: „Wir leben alle weit unter dem, 
wozu wir berechtigt wären." Als ich 
darüber nachdachte, was damit ge- 
meint war, ist mir klar geworden, 
daß viele von uns etliche geistige 
Gelegenheiten und Segnungen ver- 
säumen, weil wir das, was im Leben 
am wichtigsten ist, dem unterordnen, 
was völlig unwesentlich ist. 

Würden wir gefragt, was im 
Leben am wichtigsten ist, wären wir 
alle rasch mit der Antwort bei der 
Hand - unsere Familie und die 
Möglichkeit, durch das Evangelium 
als celestiale Familie für immer zu- 
sammen zu sein. Doch unter dem 
Druck des Alltags weichen wir häu- 




Meine Brüder und 
Schwestern, . ich bin 
demütig und dankbar für 
die Berufung, aufgrund derer ich 
heute vor Ihnen stehen darf. Ich 
bin mit einer wundervollen Frau 
und wundervollen Kindern geseg- 
net. Ich fühle mich durch die 
Kraft der Brüder, mit denen ich 
nun dienen darf, getragen. Aber 
vor allem bin ich dankbar für mein 
Zeugnis vom Erretter und meine 
Beziehung zu ihm. Ich bezeuge, 
daß er lebt und seine Kirche durch 
unseren geliebten Propheten und 
Präsidenten, Gordon B. Hinckley, 
führt. ■ SK 



fig und unmerklich von dem Ziel 
ab, zu dem wir uns so stolz beken- 
nen. Und so geschieht es dann, daß 
das Allerwichtigste im Leben dem 
untergeordnet wird, was zwar im 
Augenblick so dringlich erscheint, 
aber doch, auf lange Sicht gesehen, 
ganz unwesentlich ist. Und in vie- 
len Fällen führen uns die damit ein- 
hergehenden Versuchungen und 
der Druck, uns um weniger 
Wichtiges zu kümmern, auf eine 
falsche Bahn. 

Präsident Spencer W Kimball hat 
uns gewarnt: „Die Sorgen der Welt 
sind so vielseitig und so verführe- 
risch, daß sogar gute Menschen 
davon abgehalten werden, der 
Wahrheit zu folgen, weil sie sich zu 
sehr mit Weltlichem befassen". 1 

Ich habe im Lauf meines Lebens 
aus vielen Erfahrungen Gehorsam ge- 
lernt, aber die eindrucksvollste 
Lektion haben mir als kleinem 
Jungen mein Hund und meine 
Mutter erteilt. Als ich ungefähr acht 
Jahre alt war, brachte mein Vater 
einen jungen Hund nach Hause, den 
ich spontan Spot nannte. Wir wur- 
den gute Kameraden, als ich ihm ein 
paar Tricks beibrachte und ihn lehrte, 
meine Befehle zu befolgen. Er war 
recht gelehrig, aber er konnte nie sei- 
nen übermächtigen Drang unter- 
drücken, jedem Auto, das die 
Schotterstraße vor unserem Haus in 
einer Kleinstadt in Südutah entlang- 
fuhr, nachzujagen und es zu 
verbellen. Ich versuchte alles mögli- 
che, aber ich konnte Spot diese 
schlechte Angewohnheit nicht abge- 
wöhnen. Einmal fuhr ein Nachbar 
mit seinem Lkw die Straße entlang. 
Er kannte Spot und seine schlechte 
Angewohnheit. Als der Hund sich 
wie gewohnt auf das Fahrzeug stürzte, 
steuerte der Mann auf Spot zu und 
überrollte ihn mit dem Hinterrad. 

Mir rannen die Tränen übers 
Gesicht. Ich hob Spot auf und lief 
nach Hause und rief meine Mutter 
und meinen Bruder zu Hilfe. Wir 
wuschen Spot das Blut aus der 
Kopfwunde, und es zeigte sich, daß 
ihn sein ungehorsames Verhalten 
das Leben gekostet hatte. Als Spot 
schließlich begraben war und ich 
mich wieder beruhigt hatte, erteilte 



j u 



LI 19 9 8 
93 




Mitglieder der vereinten Chöre der Brigham Young University bei der Beamtenbestätigung in der 
Konferenzversammlung am Samstagnachmittag. 



mir meine Mutter eine der großen 
Lektionen meines Lebens. Sie er- 
klärte mir, was der Grundsatz des 
Gehorsams ist und was er in mei- 
nem Leben bedeutet. Sie legte dar, 
daß scheinbar unbedeutende unge- 
horsame Taten später zu Unglück 
und Bedauern führen und sogar fa- 
tale Folgen haben können. 

Wenn wir im Evangelium 
Fortschritt machen, lernen wir, daß 
es wirklich vor allem darum geht, 
daß wir die Grundsätze befolgen, 
die uns beständig mit den Lehren 
des Erretters und der Propheten in 
Einklang bringen. Wenn wir diese 
Lehren befolgen, beginnen wir zu 
verstehen, was der Herr mit den 
folgenden Worten gemeint hat: 
„Denn wer sein Leben retten will, 
wird es verlieren; wer aber sein 
Leben um meinetwillen verliert, 
wird es gewinnen." 2 

Ein jeder von uns wird hin und 
wieder in bezug auf seinen Gehorsam 
geprüft, aber wir können in Präsident 
Hinckleys ermunternden Worten 
Mut finden, nämlich: „Der Herr gibt 
uns nie ein Gebot, das wir nicht im- 
stande sind zu halten. Er verlangt 
von uns nichts, was über unsere 
Fähigkeiten hinausgeht." 3 

Wir alle, aber besonders die jun- 
gen Menschen tun gut daran, wenn 



wir diese Worte des Propheten nicht 
vergessen, wo ihr doch im täglichen 
Leben versucht seid, dem Druck 
eurer Altersgenossen nachzugeben. 
Und wenn wir später junge 
Erwachsene werden und noch älter, 
dann wird der Umgang mit dem 
Druck und den Prioritäten von 
Arbeit, Kirche und Familie zu einem 
Balanceakt, der fortwährend 
Neubewertungen verlangt. 

Man tut gut daran, sich von Zeit 
zu Zeit zu fragen: „Wohin führt mich 
der Weg, den ich gehe, und was wird 
aus mir und meiner Familie, wenn 
ich so weitermache?" Legen wir die 
Grundlage für eine ewige Familie, 
oder geht es uns eher um den Stolz 
auf die eigenen Leistungen und das 
Sammeln von Auszeichnungen, und 
stellen wir dies alles über das, was 
wirklich wichtig ist? 

Ganz gleich, wie alt wir sind oder 
in welcher Lebenslage wir uns gera- 
de befinden: nur wenn wir jeden Tag 
die Grundsätzen des Evangeliums 
befolgen, garantiert uns das ewiges 
Glücklichsein. Präsident Ezra Taft 
Benson hat das sehr treffend wie 
folgt ausgedrückt: „Wenn wir 
Gehorsam nicht mehr als störend 
empfinden, sondern für uns als 
Auftrag sehen - in dem Augenblick 
stattet Gott uns mit Kraft aus." 



Im Buch Mormon wird immer 
wieder von dem einen oder anderen 
Volk berichtet, das mal gehorsam, 
mal ungehorsam war. Wozu der 
Ungehorsam geführt hat, ist deut- 
lich geworden. Und was sie zum 
Umdenken anregen sollte, gilt für 
uns heute genauso. 

Aus den heiligen Schriften geht 
hervor, daß dem Herrn bewußt ist, 
daß viele von uns dazu neigen, sei- 
nen Rat zu verwerfen, wenn es uns 
gut geht; wenn wir dann aber in 
Schwierigkeiten stecken, suchen 
wir ihn und seine Segnungen. Er 
hat uns auch vor dem gewarnt, was 
folgt, wenn wir vom Weg abkom- 
men: „Und mein Volk muß notwen- 
digerweise gezüchtigt werden, bis es 
Gehorsam lernt - wenn es sein 
muß, durch das, was es leidet." 4 

Ob wir nun gerade gezüchtigt 
oder auf unserer stürmischen Reise 
durch das Leben geprüft werden, es 
gilt: Wenn wir den Lehren des 
Erretters und der Propheten gehor- 
chen, dann gilt auch uns jene große 
Verheißung, die König Benjamin für 
alle ausspricht, die die Gebote 
Gottes halten: „Denn siehe, sie sind 
gesegnet in allem, zeitlich sowohl als 
auch geistig, und wenn sie bis ans 
Ende getreulich aushalten, werden 
sie in den Himmel aufgenommen, 
so daß sie dann mit Gott in einem 
Zustand nie endenden Glücks 
weilen." 5 

Wenn der Erretter uns einlädt: 
„Komm und folge mir nach!" 6 , und 
uns ermahnt: „Wenn ihr mich liebt, 
werdet ihr meine Gebote halten", 7 
müssen wir darauf deutlich und 
unmißverständlich reagieren. Wenn 
wir seinem Ruf gehorchen, sind wir 
seiner Liebe und seines Friedens 
gewiß. Das bezeuge ich im Namen 
Jesu Christi, amen. □ 

FUSSNOTEN 

1. „Listen to the Prophets,,, Ensign, Mai 
1978, 77. 

2. Matthäus 16:25. 

3. „Let Us Move This Work Forward,,, 
Ensign, November 1985, 83. 

4. LuB 105:6. 

5. Mosia 2:41. 

6. Lukas 18:22. 

8. Johannes 14:15. 



DER 



S T E 
94 



R N 



Von Ungewißheit zu 
Gewißheit gelangen 



Eider Richard E. Turley sen. 

von den Siebzigern 



Diese wundervolle Wiederherstellung hat uns das gebracht, was wir 
brauchen, um die irregeleiteten Philosophien und Lebensweisen zu 
erkennen, die zwar politisch und gesellschaftlich akzeptiert werden, dem 
himmlischen Vater aber nicht gefallen. 



etwas von Naturwissenschaften ver- 
stehe. Mein Name wurde erwähnt, 
und er setzte sich also mit mir in 
Verbindung. 

Damals standen wir gerade sehr 
unter Zeitdruck und hatten nur die 
Möglichkeit, uns an einem Sonntag 
mit dem jungen Mann zu treffen. 
Wir sagten ihm, wenn er wirklich 
wissen wolle, wie die Mormonen 
lebten, würden wir gern diesen 
einen Tag mit ihm verbringen. Wir 
verbrachten eine interessante und 
nette Zeit mit ihm. Wir nahmen ihn 
zu zwei Abendmahlsversammlungen 
mit. In der einen sprachen einer un- 
serer Söhne und seine Frau, in der 
anderen meine Frau und ich. Als 
wir das Gemeindehaus betraten, in 
dem wir sprechen sollten, begrüßte 
uns der Bischof und nahm uns rasch 
zur Gebetsversammlung mit in sein 
Büro. Wir knieten uns mit unserem 
jungen Freund im Büro des Bischofs 
um seinen Schreibtisch nieder, und 
der Bischof sprach ein demütiges, 
nicht vorbereitetes Gebet. 

Danach gingen wir in die 
Kapelle. Meine Frau und ich spra- 
chen über das Buch Mormon, was 
sich sehr günstig traf, denn der 
junge Mann war aufgefordert wor- 
den, das Buch Mormon zu lesen. 

Anschließend nahmen wir ihn zu 
uns nach Hause mit, wo meine Frau 
ein gutes Essen bereitet hatte. Die 
restliche Zeit verbrachten wir 
damit, ihm vom Buch Mormon, 




Vor etwa zehn Jahren ver- 
brachten meine Frau und ich 
einmal den Großteil eines 
Sonntags damit, einen jungen 
Absolventen der Universität 
Harvard zu betreuen. Er war nach 
Salt Lake City gekommen, um her- 
auszufinden, ob an der Kirche „etwas 
dran,, sei. Seine Eltern lebten an der 
Ostküste der Vereinigten Staaten 
und hatten ihm gesagt, sie hätten 
sich die Missionarslektionen an- 
gehört und wollten sich taufen las- 
sen. Er bat sie, damit zu warten, bis 
er in Salt Lake City gewesen sei. Bei 
seinem Besuch auf dem Tempelplatz 
und in anderen Gebäuden der 
Kirche hatte er angegeben, daß er 
mit jemand sprechen wolle, der auch 



von Jesus Christus und von der 
Wiederherstellung seiner Kirche 
Zeugnis zu geben. Am nächsten Tag 
kehrte der junge Mann nach 
Boston zurück. 

Später lernten wir auch seine 
Eltern kennen. Er hatte sie wissen 
lassen, daß an der Kirche wirklich 
„etwas dran" sei. Er sagte ihnen 
auch, daß er, da er sich mit dem 
Buch Mormon befaßte, imstande 
war, die Zweifel auszuräumen, die er 
in bezug auf Jesus Christus gehabt 
hatte. 

Soweit wir informiert waren, 
hatte sich der junge Mann als 
Agnostiker bezeichnet, was heißt, 
daß er auf dem Standpunkt stand, 
daß man vom Wesen oder der 
Existenz Gottes nur durch eigene, 
direkte Erfahrung wissen könne. 
Zum Glück hatte sein Besuch in 
Salt Lake City ihm eine Erfahrung 
aus erster Hand vermittelt, da er 
hier doch einen Tag lang das Leben 
einer Familie beobachten konnte, 
die der Kirche angehörte. Doch da- 
durch allein hätte er nicht zu dem 
Schluß kommen können, daß Jesus 
der Messias ist. 

Hätte er das Buch Mormon 
durchgelesen, wäre er am Ende auf 
den überaus wichtigen Schlüssel 
getroffen, durch den man erfahren 
kann, ob das Buch Mormon wahr 
ist oder nicht, ob Jesus der Messias 
ist oder nicht - er hätte buchstäb- 
lich den einzigen Schlüssel gefun- 
den, durch den man von allem 
wissen kann, ob es wahr ist. 
Moroni schreibt in seinem letzten 
Kapitel: 

„Durch die Macht des Heiligen 
Geistes könnt ihr von allem wissen, 
ob es wahr ist." (Moroni 10:5.) 

Im Laufe der Jahre bin ich zu der 
Erkenntnis gelangt, daß wir nur 
durch die Macht des Heiligen 
Geistes von Ungewißheit zu 
Gewißheit gelangen können. Das er- 
klärt auch, weshalb Jesus in Cäsarea 
Philippi zu Petrus etwas Bestimmtes 
gesagt hat. Jesus hatte seine Jünger 
gefragt: „Ihr aber, für wen haltet ihr 
mich?" (Matthäus 16:15.) 

Darauf antwortete Petrus: „Du 
bist der Messias, der Sohn des leben- 
digen Gottes." (Matthäus 16:16.) 



JULI 1998 
95 



Darauf erwiderte Jesus: „Selig 
bist du, Simon Barjona; denn nicht 
Fleisch und Blut haben dir das of- 
fenbart, sondern mein Vater im 
Himmel." (Matthäus 16:17.) 

Mit anderen Worten, der Vater 
hat Petrus durch die Macht des 
Heiligen Geistes offenbart, was er 
uns auch heute offenbaren kann, 
nämlich daß Jesus von Nazaret, sein 
über alles geliebter und gehorsamer 
Sohn, tatsächlich der langerwartete 
Messias war und ist, von dem alle 
seine Propheten seit Anbeginn der 
Welt an prophezeit haben. 

Als ich über diesen jungen Mann 
aus Boston nachdachte, fielen 
mir die vielen weiteren jungen 
Menschen ein, die suchen, aber 
noch nicht wissen, wo sie die 
Antwort auf die Fragen des Lebens 
finden können. Als junger Mensch 
lebt man nicht in einem Vakuum, 
man wird, so wie wir alle, von dem 
beeinflußt, was der Apostel Paulus 
den „Widerstreit der Meinungen" 
nennt. Ich möchte aus dem Brief 
des Paulus an die Epheser vorlesen, 
worin Paulus erklärt, weshalb uns 
der Herr Apostel, Propheten und 
weitere inspirierte Führer und 
Lehrer gegeben hat: „Wir sollen 
nicht mehr unmündige Kinder sein, 



ein Spiel der Wellen, hin und her 
getrieben von jedem Widerstreit der 
Meinungen, dem Betrug der 
Menschen ausgeliefert, der 
Verschlagenheit, die in die Irre 
führt." (Epheser 4: 14.) 

Ich bin wirklich dankbar für die 
Propheten aus alter und neuer Zeit, 
die uns aufmerksam machen auf die, 
die verschlagen sind und uns in die 
Irre führen wollen. 

Der Prophet Jesaja hat in einer 
Vision unsere Zeit geschaut, in der 
der Herr„In Zukunft an diesem Volk 
seltsam handeln [wird], so seltsam, 
wie es niemand erwartet. Dann wird 
die Weisheit seiner Weisen vergehen 
und die Klugheit seiner Klugen ver- 
schwinden" (Jesaja 29:14). 

Diese wundervolle Wiederherstel- 
lung hat uns das gebracht, was wir 
brauchen, um die irregeleiteten 
Philosophien und Lebensweisen zu 
erkennen, die zwar politisch und ge- 
sellschaftlich akzeptiert werden, 
dem himmlischen Vater aber nicht 
gefallen. Wenn ein Agnostiker, der 
die Aufforderung Moronis ernst 
nimmt, dadurch zum Glauben kom- 
men kann, dann können auch ande- 
re verstehen lernen, warum diese 
Erde überhaupt erschaffen worden 
ist. Im wiederhergestellten Bericht 



Die Türme der Assembly Hall auf dem Tempelplatz. 




des Mose geht der Herr auf unsere 
Frage bezüglich des Zwecks dieser 
Erde ein: 

„Mose rief Gott an, nämlich: Ich 
bitte dich, erzähle mir, warum dies 
alles so ist und wodurch du es ge- 
schaffen hast? 

Und der Herr Gott sprach zu 
Mose: Für meinen eigenen Zweck 
habe ich es geschaffen." (Mose 
1:30,31.) 

„Denn siehe, es ist mein Werk 
und meine Herrlichkeit, die 
Unsterblichkeit und das ewige 
Leben des Menschen zustande zu 
bringen." (Mose 1:39.) 

Es gibt viele Philosophien, die 
den Menschen auf der Erde herab- 
setzen. In dem Bericht des Mose hat 
sogar Mose selbst, nachdem er die 
Schöpfungen Gottes gesehen hatte, 
gemeint, der Mensch sei nichts, 
aber Gott hat ihm deutlich ge- 
macht, daß sich tatsächlich alles um 
den Menschen dreht. 

Außerdem können wir uns auf 
ein weiteres Schreiben stützen, das 
1995 von den führenden Brüdern 
herausgegeben worden ist und das 
ganz deutlich die Absichten und 
Erwartungen, die Gott in den 
Menschen setzt, darlegt, nämlich 
„Die Familie: Eine Proklamation an 
die Welt". 

Die Länder dieser Erde geben 
jedes Jahr Milliarden aus, um mehr 
über den Zweck der Erde und des 
Universums herauszufinden. Aber 
wir haben die Antwort schon! Die 
Erde ist erschaffen worden, damit 
der Mensch Unsterblichkeit und 
ewiges Leben erlangen kann. Wie im 
einzelnen die Erde erschaffen wor- 
den ist, ist zweifellos interessant, 
aber viel wichtiger ist es, daß wir 
mehr über den Schöpfer erfahren 
und seiner Aufforderung Folge lei- 
sten, nämlich ihm nachzufolgen, 
damit auch wir verwirklichen kön- 
nen, was in uns steckt. 

Der Geist wird uns dabei behilf- 
lich sein, von Ungewißheit zu 
Gewißheit zu gelangen. Jesus 
Christus ist das Licht (siehe 3 
Nephi 18:24). Folgen wir doch die- 
sem hellen Licht, und laden wir 
auch andere dazu ein. Im Namen 
Jesu Christi, amen. D 



DER 



STERN 
96 



Abbauen, was uns 
daran hindert, 
glücklich zu sein 



Eider Richard G. Scott 

vom Kollegium der Zwölf Apostel 



Die Wertschätzung des ethnischen, kulturellen oder nationalen Erbes 
kann sehr gut und nützlich sein, aber sie kann Lebensmuster fortbestehen 
lassen, die ein engagierter Heiliger der Letzten Tage ablegen sollte. 



Vorfahren getan haben, und zwar 
häufig unter äußerst schwierigen 
Bedingungen. Die Wertschätzung 
des ethnischen, kulturellen oder na- 
tionalen Erbes kann sehr gut und 
nützlich sein, aber sie kann 
Lebensmuster fortbestehen lassen, 
die ein engagierter Heiliger der 
Letzten Tage ablegen sollte. 

Weil das, was ich sagen möchte, 
so heikel ist und weil ich nicht 
möchte, daß man mich mißversteht, 
stellen Sie sich doch bitte vor, Sie 
und ich wären allein und ungestört. 
Stellen Sie sich vor, wir seien so eng 
befreundet und vertrauten einander 
so sehr, daß wir offen miteinander 
sprechen könnten. Nehmen wir an, 
Sie hätten mich gefragt, wie Sie aus 
Ihrer Mitgliedschaft in der Kirche 
Jesu Christi den größten Nutzen 
ziehen können. Ich kenne Sie als 
einen gläubigen und überzeugten 
Menschen. Ich weiß, daß Sie Ihr ein- 
zigartiges kulturelles Erbe sehr schät- 
zen. Die Fäden dieses Erbes sind 
direkt mit den Fasern Ihres Wesen 
verwoben. Es ist Ihnen schon sehr 
zugute gekommen, und Sie haben 
den Wunsch, im Boden dieses Erbes 
tief verwurzelt zu sein, so daß auch 
Ihre Kinder und Kindeskinder daraus 
Nutzen ziehen können. Dennoch 
sehe ich, wie einige Elemente dieser 
Lebensweise mit den Lehren Jesu 
Christi in Widerstreit geraten und 




Bei der Vorbereitung auf 
diese Ansprache habe ich 
ernsthaft um Weisung gebe- 
tet, um möglichst klar und deut- 
lich zu Ihnen sprechen zu können. 
Es ist wichtig, daß der Geist die 
Einsicht vermittelt, damit mich 
niemand, dem ich helfen will, 
mißverstehen kann. 

Die Welt teilt sich immer mehr in 
Gruppen von Menschen auf, die 
ernsthaft darum bemüht sind, ihr 
ethnisches, kulturelles oder nationa- 
les Erbe zu bewahren. Diese 
Bemühungen entspringen im 
allgemeinen einer aufrichtigen 
Wertschätzung für das, was die 



Enttäuschung und Schwierigkeiten 
mit sich bringen könnten. Als 
Freund möchte ich Ihnen helfen, 
diese Gefahr zu sehen, ohne Sie zu 
verletzen oder auf die eine oder an- 
dere Weise die Teile Ihres Erbes, die 
bewahrt werden und als Fundament 
dienen sollten, herabzusetzen. 

Als Sie die Lehren Jesu Christi 
und seinen Plan des Glücklichseins 
annahmen, ließen Sie sich taufen 
und wurden als Mitglied seines 
Reiches hier auf der Erde konfir- 
miert. Sie haben seinen Namen auf 
sich genommen. Sie haben sich ver- 
pflichtet, seinen Lehren gehorsam zu 
sein und in Ihrem Leben all das zu 
ändern, was diese Lehren erforder- 
lich machen. Um die Freude in Fülle 
zu erlangen, müssen Sie die heiligen 
Handlungen des Tempels erhalten. 
Dadurch werden Sie hier auf der 
Erde und in alle Ewigkeit äußerst 
glücklich sein. Fast jeder, der sich 
der Kirche anschließt, muß einen 
grundlegenden Wandel seiner 
Lebensweise vollziehen. Wo das 
Wort der Weisheit gebrochen wurde, 
muß dies in Ordnung gebracht wer- 
den. Wo das Gesetz der Keuschheit 
übertreten wurde, muß Umkehr 
geübt werden. Keiner, der wirklich 
versteht, was die Mitgliedschaft in 
der Kirche bedeutet, zögert damit, 
sich zu ändern, um die Segnungen 
würdiger Mitgliedschaft in seinem 
Reich zu empfangen. Darüber hin- 
aus gibt es noch anderes - vielleicht 
weniger Offensichtliches, was beisei- 
te gelegt werden muß, damit man 
sich des vollen Maßes des 
Glücklichseins erfreuen kann, das 
mit der Mitgliedschaft in seinem 
Reich einhergeht. 

Präsident Hunter hat das 
folgendermaßen erklärt: „Ich möch- 
te Ihnen etwas sagen, was meiner 
Meinung nach sehr wichtig ist. Ihr 
ganzes Leben hindurch werden Sie 
Entscheidungen treffen müssen. 
Wie gut Sie zwischen den verschie- 
denen Alternativen wählen, wird 
bestimmen, wie erfolgreich und 
glücklich Sie sind. Einige 
Entscheidungen, die Sie treffen, 
werden entscheidend sein und kön- 
nen den ganzen Verlauf Ihres 
Lebens bestimmen. Bitte beurteilen 



JULI 1998 
97 



Sie die Alternativen im Lichte der 
Lehren Jesu Christi. 

Damit Sie das tun können, müs- 
sen Sie seine Lehren kennen und 
verstehen. In dem Maß, wie Sie 
Glauben üben und würdig leben, so 
daß Sie Inspiration empfangen kön- 
nen, werden Sie bei den wichtigen 
Entscheidungen, die Sie treffen, ge- 
führt werden." 

Präsident Hunter fährt fort: „Ich 
empfehle Ihnen, Ihrer Mitgliedschaft 
in der Kirche Jesu Christi die höch- 
ste Priorität einzuräumen. Messen 
Sie, worum man Sie auch bittet, 
ganz gleich, ob es aus Ihrer Familie 
kommt, von denen, die Sie lieben, 
aus Ihrem kulturellen Erbe oder den 
Traditionen, die Sie geerbt haben - 
messen Sie alles an den Lehren des 
Erretters. Wo Sie eine Abweichung 
von diesen Lehren feststellen, geben 
Sie es auf und verfolgen Sie es nicht 
weiter. Es wird Ihnen kein Glück 
bringen." („Counsel to Students and 
Faculty", Church College of New 
Zealand, 12. November 1990.) 

Warum sollten Sie den Lehren 
des Herrn die oberste Priorität ein- 
räumen? Sie sind Ihr vollkommenes 
Handbuch zum Glücklichsein. Der 
Erretter ist Ihr Erlöser. Sein Opfer 
berechtigt ihn, Sie zu richten und 
Sie letzten Endes dafür zu segnen, 
daß Sie seinen Geboten gehorcht 
haben. Er ist das vollkommene 
Vorbild. Wenngleich er als ein Gott 
grenzenlose Macht hat, ist er den- 
noch demütig und dem Vater 
Untertan. Bei ihm ist kein Stolz 
oder Wunsch nach persönlicher 
Anerkennung zu finden. 

Der himmlische Vater hat dafür 
gesorgt, daß Sie in eine bestimmten 
Familie geboren wurden, durch die 
Sie hinsichtlich Ihrer Rasse, Kultur 
und Traditionen Ihr Erbe mitbe- 
kommen haben. Diese Familie kann 
ein reiches Erbe und große Freude 
mit sich bringen. Trotzdem liegt es 
bei Ihnen zu bestimmen, ob ein 
Teil dieses Erbes aufgegeben werden 
muß, weil es sich gegen den 
Plan des Glücklichseins des Herrn 
auswirkt. 

Sie mögen sich fragen, wie man 
herausfinden kann, wann eine 
Tradition mit den Lehren des Herrn 



im Widerstreit steht und aufzugeben 
ist. Das ist nicht einfach. Mir wird 
immer wieder klar, wie schwer das 
ist, wenn ich mich bemühe, meine 
eigenen falschen Traditionen aufzu- 
geben. Der erste Schritt zum Erfolg 
besteht darin, daß man die 
Notwendigkeit dazu erkennt. 
Unsere Gebräuche und Traditionen 
werden zum fest verwurzelten 
Bestandteil unser selbst. Sie lassen 
sich nicht leicht objektiv beurteilen. 
Studieren Sie sorgfältig die heiligen 
Schriften und den Rat der 
Propheten, um zu verstehen, wel- 
chen Lebenswandel der Herr von 
Ihnen erwartet. Überprüfen Sie 
jeden Aspekt Ihres Lebens, und än- 
dern Sie, was nötig ist. Bemühen Sie 
sich um Hilfe von jemandem, den 
Sie achten und dem es gelungen ist, 
fest verankerte Überzeugungen und 
Traditionen, die mit dem Plan des 
Herrn nicht im Einklang stehen, 
aufzugeben. Wenn Sie zweifeln, stel- 
len Sie sich die Frage: „Erwartet der 
Erretter dies von mir?" 

Es kann sehr schwer sein, eine 
fest verankerte Lebensweise zu än- 
dern. Frühere Freunde können 
einen mit Spott, Kritik und sogar 
Verfolgung überziehen. Der beharr- 
liche Glaube an den Erretter und 
Gehorsam werden einen durch sol- 
che Bedrängnis zu größeren 
Segnungen führen. Die heiligen 
Schriften machen deutlich, wie 
Überzeugung und Glaube 
Traditionen überwinden können, 
die im Widerstreit mit dem Plan 
Gottes stehen und einzelnen und 
sogar ganzen Geschlechtern Segen 
bringen können. Abrahams stand- 
hafte Entschlossenheit, der 
Wahrheit treu zu bleiben und die 
falschen Traditionen zurückzuwei- 
sen, gereichten ihm zu großem 
Segen. Seine Treue wird alle 
Gehorsamen des Hauses Israel mit 
reichem Lohn krönen. Ein weiteres 
anschauliches Beispiel dafür, wie 
man die langjährigen Traditionen 
aufgeben kann, ist der Wandel der 
kriegerischen Lamaniten zu demüti- 
gen Jüngern Christi, die eher bereit 
waren zu sterben, als die Bündnisse, 
die sie als Mitglieder seines Reiches 
geschlossen hatten, zu brechen. 



Ich fordere Sie, die Sie bereits die 
richtigen kulturellen Entscheidungen 
getroffen haben, dazu auf, anderen, 
die ebenso handeln sollten, zu hel- 
fen, die langfristigen Segnungen, den 
Frieden und das Glück zu erkennen, 
die die Entscheidung mit sich bringt, 
den himmlischen Vater, seinen Plan 
und seinen Sohn in den Mittelpunkt 
ihrer Prioritäten zu setzen. Folgen Sie 
den Beispiel Ammons. Geduldig 
lehrte er König Lamoni, die falschen 
Überlieferungen zu erkennen und 
aufzugeben. Vielen gereichte es zum 
Segen, daß er sich dafür entschied, 
sie aufzugeben. Ammon lehrte die 
Wahrheit so klar, daß Lamoni vom 
Geist berührt wurde und den 
Wunsch hatte, alle seine falschen 
Überlieferungen aufzugeben (siehe 
Alma 18:24-41; 19:35,36). 

Leben Sie in einem Kulturkreis, in 
dem der Ehemann eine dominieren- 
de, autoritäre Rolle spielt und alle 
wichtigen Entscheidungen für die 
Familie fällt? Dann muß dieses 
Muster gemäßigt werden, so daß 
Mann und Frau als gleichwertige 
Partner handeln und die 
Entscheidungen für sich und die 
Familie in Einigkeit treffen. Keine 
Familie kann lange unter Furcht oder 
Zwang bestehen. Das führt zu Streit 
und Auflehnung. Die Liebe ist die 
Grundlage einer glücklichen Familie. 

Hier sind noch weitere 
Traditionen, die es aufzugeben gilt, 
nämlich, jeder Aspekt eines kultu- 
rellen Erbes, 

• der gegen das Wort der 
Weisheit verstößt, 

• der sich darauf gründet, daß 
andere aufgrund von häufig nur ver- 
erbter standesbedingter Macht dazu 
gezwungen werden, sich zu fügen, 

• der die Errichtung eines 
Kastensystems fördert, 

• der Konflikte mit anderen 
Kulturen hervorruft. 

Es ist äußerst gefährlich, dem 
kulturellen Erbe einen höheren 
Stellenwert als der Mitgliedschaft in 
der Kirche Jesu Christi einzuräu- 
men. Der Eifer, die eigene Kultur zu 
verteidigen, kann zu Exzessen 
führen, von denen man weiß, daß 
sie falsch sind, die aber damit ge- 
rechtfertigt werden, daß „die ande- 



D E R 



STERN 
98 



ren" gegen „uns" sind. Banden mit 
all ihrem zerstörerischen Potential 
finden Nahrung in einer Kultur, in 
der die Gruppenidentität über die 
Grundsätze von Recht und Unrecht 
gestellt werden. Es ist gegen die 
Gebote Gottes, daß eine Kultur eine 
andere verfolgt, was auch immer die 
Begründung dafür sein mag. 

Sollten Sie - wenn auch unwis- 
sentlich - den Traditionen folgen, 
die mit den Lehren des Herrn im 
Widerstreit stehen, dann brechen 
Sie die heiligen Bündnisse, die Sie 
bei der Taufe geschlossen haben. 
Diese Entscheidung wiegt schwerer, 
wenn Tempelbündnisse geschlossen 
wurden. Damit wenden Sie sich 
vom Plan des Glücklichseins, des 
Friedens und der ewigen Freude, 
den Ihr Schöpfer aufgestellt hat, ab 
und einer Sache zu, die weitaus we- 
niger Wert hat und Ihnen viel weni- 
ger zum Segen gereichen kann. 
Wenn das Reich des Herrn und 
seine Lehren über allem anderen 
stehen und Sie in der Liebe zum 
Erretter und zu unserem Vater im 
Himmel einig sind, dann können 
die herrlichen Aspekte, die 
Einzigartigkeit Ihres kulturellen 
Erbes aufblühen und eine reiche 
Ernte an Segnungen einbringen. 

Tun Sie, was recht ist. Sorgen Sie 
sich nicht um das, was alle anderen 
tun. Und vor allem rechtfertigen Sie 
sich dafür, daß Sie von dem abwei- 
chen, was recht ist, nicht damit, daß 
andere sich falsch entscheiden. 

Der Satan will die Familie zer- 
stören. Im Plan unseres Vaters im 
Himmel geht es for allem um die lie- 
bevollen Beziehungen in der Familie 
- hier und in Ewigkeit. Der Teufel 
will Vollmacht und Ordnung unter- 
minieren, während rechtschaffen 
ausgeübte Vollmacht die Grundlage 
des Werkes des Vaters im Himmel 
ist - in der Familie, in der Kirche 
und in jedem Bereich seines 
Reiches. Der Satan will die Kinder 
des Vaters in Gruppen mit ausge- 
prägten Einzelinteressen aufteilen. 
Er will die Menschen dazu bringen, 
daß sie hartnäckig an diesen 
Interessen festhalten, ohne 
Rücksicht auf die Folgen für andere. 
Der Plan des Vaters kommt in den 




Worten seines Sohnes zum 
Ausdruck: „Siehe. . . . Ich sage euch: 
Seid eins! Und wenn ihr nicht eins 
seid, dann seid ihr nicht mein." 
(LuB 38:27.) Der Satan fördert die 
Auffassung, daß das Leben mit stän- 
diger Unterhaltung zu füllen sei, 
auch wenn dieses Streben mit dem 
Wohlergehen anderer nicht zu ver- 
einbaren ist. Der Vater im Himmel 
gibt uns den Plan des Glücklichseins, 
der einen egoistische Interessen auf- 
geben läßt und durch den Dienst an 
anderen glücklich macht. Das 
Beispiel und die Lehren Jesu kön- 
nen die Kinder des Vaters, ungeach- 
tet ihrer Herkunft und ihres 
Kulturkreises unter dem einen 
Banner der Mitgliedschaft in seinem 
Reich einen. Brigham Young hat ge- 
lehrt: 

„Völlige Einigkeit errettet ein 
Volk, weil intelligente Wesen nur 
dadurch völlig eins werden können, 
daß sie sich nach den Grundsätzen 
richten, die sich auf das ewige Leben 
beziehen. Schlechte Menschen 
mögen im Bösen teilweise eins sein; 
aber es liegt im Wesen einer solchen 
Einheit begründet, daß sie nur von 



kurzer Dauer sein kann. Gerade die 
Grundsätze, nach denen sie sich teil- 
weise geeinigt haben, werden dann 
selbst für Streit und Uneinigkeit 
sorgen. Nur . . . Wahrheit und 
Rechtschaffenheit können . . . die 
ewige Fortdauer vollkommener 
Einigkeit gewährleisten; denn in ce- 
lestialer Herrlichkeit können nur die 
Wahrheit und jene bestehen, die 
durch sie geheiligt worden sind." 
(Discourses of Brigham Young, Hg. 
John A. Widtsoe [1961], 282.) 

Wenn ich bei meinem unbeholfe- 
nen Versuch, eine Wahrheit anzu- 
sprechen, jemanden verletzt 
habe, dann bitte ich um Verzeihung. 
Bitte übersehen Sie meine 
Unzulänglichkeit, und versuchen Sie 
zu verstehen, daß das Gesagte wahr 
ist. Überlegen Sie in stillen 
Augenblicken, in denen Sie in sich 
gehen, was unser Vater im Himmel 
und sein geliebter Sohn als die we- 
sentlichen Prioritäten des Lebens 
betrachten. Betrachten Sie Ihr 
Leben, um sicherzustellen, daß es in 
jeder Hinsicht mit ihnen im 
Einklang ist. Das ist alles, was ich zu 
sagen versuche. Wenn ich mein 
Land und andere Teilen der Welt be- 
reise, sehe ich, wieviel Wunderbares 
den unterschiedlichen Kulturen ent- 
springt. Trotzdem wird all das Gute 
manchmal von den negativen 
Einflüssen überschattet, die sich aus 
den Traditionen ergeben, die mit 
den Lehren des Meisters im 
Widerstreit stehen. 

Ich bezeuge, daß Sie das abbauen 
müssen, was Sie daran hindert, 
glücklich zu sein, und daß Sie 
größeren Frieden finden, wenn Sie in 
erster Linie Ihrer Mitgliedschaft in 
der Kirche Jesu Christi treu sind und 
seine Lehren zur Grundlage Ihres 
Lebens machen. Wo die Traditionen 
der Familie oder des Landes, Bräuche 
oder gesellschaftliche Trends mit den 
Lehren Gottes im Widerstreit stehen, 
geben Sie sie auf. Wo Traditionen 
und Bräuche mit seinen Lehren im 
Einklang sind, hegen und pflegen Sie 
sie, um Ihre Kultur und Ihr Erbe zu 
bewahren. 

Möge der Herr Sie in Ihren 
Entscheidungen segnen. Im Namen 
Jesu Christi, amen. D 



JULI 1998 
99 



Neue Tempel, in denen 
die „krönenden 
Segnungen des 
Evangeliums" zu finden 
sind 



Präsident Gordon B. Hinckley 



Mögen die Schleusen des Himmels sich öffnen und sich über uns als Volk 
Segnungen ergießen, während wir unerschrocken und voll Glauben an 
den Herrn sein ewiges Werk verrichten. 




Ich habe hier von meinem Platz 
aus hinuntergeschaut und in der 
ersten Reihe des Tabernakels 
eine Gruppe von Otavaloindianern 
aus dem Hochland Ecuadors gese- 
hen, und ich möchte diesen wun- 
dervollen Menschen, diesen 
glaubenstreuen Heiligen der Letzten 
Tage, die von so weither gekommen 
sind, um mit uns an der Konferenz 
teilzunehmen, meine Wertschätzung 



aussprechen. Vielen, vielen Dank, 
meine Brüder und Schwestern. 

Für den Fall, daß Sie nicht wis- 
sen, wo Otavalo liegt, also, man 
fährt nach Quito, dann über den 
Äquator, und man kommt in die 
Dörfer des Hochlands in den herrli- 
chen Bergen Ecuadors, dort leben 
diese friedliebenden, wundervollen 
Menschen. 

Jetzt, zum Schluß dieser 
großartigen Versammlung, die das 
ganze Land erreicht und die Meere 
überquert hat, bekunde ich in 
Demut und Dankbarkeit meine 
Wertschätzung für alle, die teilge- 
nommen haben, wozu auch dieje- 
nigen gehören, die zugehört 
haben. Die Musik war wundervoll. 
Die Gebete waren inspirierend. 
Die Ansprachen sind unter den 
Eingebungen des Heiligen Geistes 
erarbeitet und gehalten worden. 
Wir haben uns mit dankbarem 
Herzen zusammen gefreut. Jetzt, 
da wir nach Hause zurückkehren, 
ist es unsere Aufgabe, die 
Wahrheiten, von denen hier ge- 
sprochen wurde, in unser tägliches 
Leben zu übertragen. 

DER STERN 
100 



Ich möchte nun zum Abschluß 
etwas ankündigen. Wie ich bereits 
angedeutet hatte, sind wir in den 
letzten Monaten viel unter den 
Mitgliedern der Kirche umherge- 
reist. Ich war bei vielen, die nur 
wenig weltliche Güter besaßen. 
Aber sie haben im Herzen den 
großen, brennenden Glauben an 
dieses Werk der Letzten Tage. Sie 
lieben die Kirche. Sie lieben das 
Evangelium. Sie lieben den Herrn 
und wollen seinen Willen tun. Sie 
zahlen den Zehnten, so bescheiden 
er auch ist. Sie bringen gewaltige 
Opfer, um den Tempel zu besuchen. 
Sie reisen tagelang in Bussen und 
mit alten Booten. Sie sparen ihr 
Geld und verzichten auf so manches, 
um das alles zu ermöglichen. 

Sie brauchen den Tempel in ihrer 
Nähe - sie brauchen kleine, schöne 
Tempel, die ihnen zugänglich sind. 

Deshalb nehme ich jetzt die 
Gelegenheit wahr, der gesamten 
Kirche ein Programm anzukündi- 
gen, laut dem sofort rund 30 
kleinere Tempel gebaut werden. Sie 
werden in Europa, in Asien, 
in Australien und auf den 
Fidschiinseln, in Mexiko und 
Zentral- und Südamerika und in 
Afrika sowie in den Vereinigten 
Staaten und in Kanada stehen. Sie 
werden alle nötigen Einrichtungen 
haben, die man braucht, um die hei- 
ligen Handlungen des Hauses des 
Herrn zu vollziehen. 

Es wird ein gewaltiges Unterfan- 
gen werden. Es ist noch nie zuvor 
etwas auch nur annähernd Ähnli- 
ches versucht worden. Diese Tempel 
werden zusätzlich zu den 1 7 Tempeln 
gebaut, die bereits im Bau befindlich 
sind - nämlich in England, Spanien, 
Ecuador, Bolivien, der Dominikani- 
schen Republik, Brasilien, Kolumbi- 
en, Billings in Montana, Houston in 
Texas, Boston in Massachusetts, 
White Plains in New York und 
Albuquerque in New Mexico; dane- 
ben bauen wir die kleineren Tempel 
in Anchorage in Alaska, Monticello 
in Utah und in Colonia Juärez in 
Mexiko. Das sind dann insgesamt 47 
neue Tempel zusätzlich zu den 51, 
die bereits in Betrieb sind. Ich glau- 
be, wir fügen besser noch zwei wei- 



tere hinzu, damit es bis zum Ende 
des Jahrhunderts 100 sind - wenn 
2000 Jahre vergangen sind, seit 
„unser Herr und Erretter Jesus 
Christus im Fleische gekommen ist" 
(LuB 20:1). Wir bewegen uns mit 
diesem Programm auf einem 
Niveau, wie wir es bisher nicht 
kannten. 

Ich werde Ihnen jetzt nicht die 
konkreten Städte nennen. Die 
Pfahlpräsidenten werden davon er- 
fahren, wenn die Bauplätze erwor- 
ben werden. Ich bin sicher, daß die 
Mitglieder der Kirche viel darüber 
spekulieren werden, ob auch in 
ihrer Stadt einer dieser Tempel ste- 
hen wird. 

Wenn die heiligen Handlungen 
des Tempels ein wesentlicher 
Bestandteil des wiederhergestellten 
Evangeliums sind, und ich bezeuge, 
daß dem so ist, müssen wir auch die 
Möglichkeiten dafür schaffen, daß sie 
vollzogen werden können. Unsere 
gesamten umfangreichen familienge- 
schichtlichen Anstrengungen sind 
auf die Tempelarbeit ausgerichtet. 
Sie dienen keinem anderen Zweck. 



Die heiligen Handlungen des 
Tempels werden die krönenden 
Segnungen, die die Kirche anzubie- 
ten hat. 

Ich kann dem nur hinzufügen, 
daß, wenn diese 30 oder 32 gebaut 
worden sind, weitere folgen werden. 

Möge Gott die glaubenstreuen 
Heiligen der Letzten Tage segnen. 
Möge es Ihnen gut gehen, und 
mögen Sie nach den Geboten leben. 
Mögen alle ehrlich, ja, großzügig 
sein, wo es um das Zahlen des 
Zehnten und der übrigen Spenden 
geht, und mögen die Schleusen des 
Himmels sich öffnen und sich über 
uns als Volk Segnungen ergießen, 
während wir unerschrocken und 
voll Glauben an den Herrn sein ewi- 
ges Werk verrichten. 

Bruder Ronald Poelmans 
Ansprache über den Zehnten hat 
mich zutiefst berührt. Wir haben als 
Jungen in derselben Gemeinde ge- 
wohnt. Wir hatten denselben 
Bischof. Wir haben als Jungen ein 
bißchen Zehnten gezahlt, und ich 
kann bezeugen, daß der Herr uns in 
den Jahren, die seitdem vergangen 



sind, gesegnet hat. Ich sehe vor mei- 
nem geistigen Auge noch, wie seine 
liebe Mutter mit ihren Kindern nie- 
dergekniet ist und den Herrn ange- 
fleht hat und wie sie ihm dafür 
gedankt hat, daß sie von ihrem be- 
scheidenen Einkommen etwas abge- 
ben durften, um seinem Gebot 
gehorsam zu sein. 

Mögen bei uns zu Hause, in un- 
serer Familie Frieden und Eintracht 
und Liebe herrschen. Möge das 
Zeugnis davon, daß dieses große 
Werk lebendig und heilig und wahr 
ist, in unserem Leben zum Ausdruck 
kommen. Mögen wir uns alle ge- 
meinsam daran erfreuen, ihn, von 
dem alle Segnungen kommen, zu 
lobpreisen, ihn, unseren herrlichen 
Führer, unseren erhabenen Erlöser. 

Darum bete ich jetzt, zum Schluß 
dieser großen und bedeutsamen und 
historischen Konferenz, von Herzen, 
meine geliebten Brüder und 
Schwestern. Gott helfe uns, im be- 
sten Sinne des Wortes Heilige der 
Letzten Tage zu sein. Darum bete 
ich von Herzen, im Namen Jesu 
Christi, amen. D 




j u 



L I 1 

101 



9 9 8 



Allgemeine JD-Versammlung 

28. März 1998 



Das Herz der Familie 
zuwenden 



Margaret D. Nadauld 

JD-Präsidentin 



Auf der ganzen Welt — von Afrika bis Asien, von Neuseeland bis Norwegen 
wenden die wunderbaren Jungen Damen der Kirche Jesu Christi der 
Heiligen der Letzten Tage das Herz der Familie zu. Weltweit wird das 
ganze Jahr über die Familie gefeiert. Wir wissen, daß die Familie in dem 
Plan, den der himmlische Vater für seine Kinder hat, eine zentrale Rolle 
spielt. Das wird in der Veröffentlichung Die Familie — Eine Proklamation an 
die Welt erläutert. 




Ich kann mich noch sehr gut 
daran erinnern, wie die 
Proklamation vorgestellt wurde. 
Sie hat mich sehr beeindruckt. Am 
23. September 1995 waren die 
Frauen der Kirche in einer großen 
allgemeinen FHV-Versammlung bei- 
einander. Unser Prophet, Präsident 
Hinckley, erhob sich und sprach zu 
uns. Im Verlauf seiner Ansprache 
verlas er zum ersten Mal das 
Dokument mit dem Titel Die Familie 



- Eine Proklamation an die Welt. In 
der Proklamation wurden wir 
nochmals von der Ersten 
Präsidentschaft und den Zwölf 
Aposteln darüber belehrt, daß der 
himmlische Vater für seine Kinder 
einen Plan hat und daß die Familie 
im Mittelpunkt dieses Plans steht! Es 
ist also ganz wesentlich, daß wir die 
Familie, die in den Augen Gottes 
doch so wichtig ist, stärken. 

Ihr Jungen Damen spielt in we- 
nigstens drei Familien eine wichtige 
Rolle. Die erste ist die Familie, in 
der ihr jetzt lebt, die zweite ist eure 
zukünftige Familie, und die dritte ist 
die Familie im Himmel, zu der wir 
alle gehören. Wir wollen einmal un- 
seren Platz in jeder dieser drei 
Familien betrachten. 

Wenden wir uns zunächst der 
Familie zu, in der ihr zur Zeit auf- 
wachst. Wenn ich an die Familie 
denke, in der ich aufgewachsen bin, 
fällt mir ein, wie meine kleine 
Schwester und ich uns das Zimmer, 
das Klavier und das Geschirrspülen 
geteilt haben. Ich weiß noch, wie 
mein Bruder und ich beim 
Abendessen Kicheranfälle bekamen 
und so fürchterlich lachen mußten, 



daß wir hinausgeschickt wurden, bis 
wir uns wieder beruhigt hatten. 

In der Familie lernt man viel 
Wichtiges, nicht wahr? Und wie 
wichtig es ist. Man lernt zum 
Beispiel beten und miteinander tei- 
len und lachen und liebhaben und 
arbeiten und mit anderen auskom- 
men. Wie dankbar bin ich doch für 
all das Wichtige, das ich in meiner 
Familie für das Leben gelernt habe. 

Viele von euch Mädchen haben 
uns geschrieben und von 
Erlebnissen mit der Familie berich- 
tet; und sie haben erzählt, was sie 
lernen, wenn sie das Herz der 
Familie zuwenden. Die zwölfjährige 
Katie Quinn schreibt: 

„Meine Mutter erwartete ein 
Baby; ... sie mußte die meiste Zeit 
im Bett liegen, und auf einmal hatte 
ich eine riesige Verantwortung, weil 
ich die Alteste bin. Ich ging erst seit 
kurzem auf die Mittelschule und 
hatte jede Menge Hausaufgaben. 

Ich wußte, daß ich viel helfen 
mußte, und ich betete sogar darum, 
daß ich wissen würde, was zu tun 
wäre. Damals war meine Großmutter 
für ein paar Wochen bei uns, und sie 
erzählte mir eine Geschichte, die für 
mich wie eine Antwort auf mein 
Beten war; es ging um einen meiner 
Vorfahren, der mit elf Jahren ganz al- 
lein einen Planwagen über die Prärie 
ins Salt Lake Valley führte. Seine 
Eltern waren unterwegs gestorben, 
und es blieb ihm überlassen, für seine 
vier jüngeren Geschwister zu sorgen 
- darunter ein Baby - und sie nach 
Zion zu bringen. Die Geschichte 
machte mir klar, daß ich genau wie 
mein Urururgroßvater sein und mich 
der Sache stellen konnte. 

Ich stellte fest, daß es meiner 
Familie half, wenn ich für meine 
Schwestern Frühstücksbeutel vorbe- 
reitete und andere Pflichten über- 
nahm, beispielsweise Wäsche 
zusammenlegen und bügeln und 
noch so einiges mehr. 

Jeden Morgen vor der Schule 
holte ich meine jüngeren Geschwi- 
ster zusammen, und wir lasen ge- 
meinsam in den heiligen Schriften, 
auch wenn mein Vater schon früher 
zur Arbeit mußte und meine Mutter 
zu krank dafür war. 



DER STERN 
102 



Meine Familie . . . wuchs enger 
zusammen, weil [wir] einander hel- 
fen mußten. Der größte Segen kam 
am 1. Mai 1997, als Hannah Ada 
Quinn zur Welt kam." (Brief im 
Besitz von Schwester Nadauld.) 

Danke für den Brief, Katie. 

Katie hat von ihrem 
Urururgroßvater, der vor so langer 
Zeit gelebt hat, etwas über 
Entschlossenheit und Mut und über 
die Treue zur Familie gelernt; und 
dann hat sie dies angewandt und 
ihrer Familie geholfen, die es so drin- 
gend nötig hatte. Viele von euch tun 
etwas ähnliches, um ihrer Familie 
Gutes zu tun und sie zu stärken. 

Ist euch eigentlich klar, daß Katie 
- und ihr auch - euch auf eure 
zukünftige Familie vorbereitet, 
indem ihr an den Eltern und den 
Geschwistern lernt und übt? 

Bitte denkt doch jetzt einmal über 
eure zukünftige Familie nach. Könnt 
ihr euch vorstellen, selbst Mutter zu 
sein? Macht die Augen zu. Stellt 
euch vor, wie ihr in zehn Jahren seid. 
Was werdet ihr tun? Seid ihr in der 
Ausbildung oder eignet euch sonst- 
wie nützliche Fertigkeiten an? Wie 
werdet ihr sein? Macht die Augen 
wieder auf. Könnt ihr im Geist sehen, 
wie ihr kostbare Söhne und Töchter 
des himmlischen Vaters aufzieht? ihr 
könnt jetzt schon üben, indem ihr 
mit kleinen Kindern liebevoll und 
sanft umgeht und zu Hause in 
freundlichem Ton nur Freundliches 
sagt. Könnt ihr euch vorstellen, wie 
ihr als Mutter euren Kindern helft, 
Mathematik, Naturwissenschaften 
und Geschichte zu lernen? Wenn ja, 
dann ratet doch mal, was ihr wohl in 
der Schule am besten tun solltet! 
Möchtet ihr, daß bei euch zu Hause 
Schönheit, Musik und gute 
Umgangsformen zu finden sind? 
Schon jetzt könnt ihr anfangen, zum 
Wohl eurer zukünftigen Familie 
künstlerische und musikalische 
Talente zu entwickeln. Möchtet ihr, 
daß bei euch zu Hause einmal Friede 
und Ordnung herrschen? Dann, 
meine lieben jungen Schwestern, seid 
Friedensstifter, helft mit, die 
Wohnung sauber zu halten, und helft 
bei der Wäsche. Könnt ihr euch vor- 
stellen, wie ihr mit eurer zukünftigen 



Familie am Tisch sitzt, lacht, Ideen 
austauscht und euch über das leckere 
und nahrhafte Essen freut, daß ihr 
selbst liebevoll zubereitet habt? 
Dann müßt ihr wohl kochen lernen! 
Helft beim Zubereiten der 
Mahlzeiten mit. Sammelt Rezepte 
von eurer Mutter und den 
Großmüttern. Lernt, wie man 
Strudel, Paella oder Tortillas macht - 
das, was eure Familie gern mag. 

Ich will euch sagen, was ich in 
euch sehe. Ich sehe in euch junge 
Frauen, die eine Ausbildung absol- 
vieren und die sich darauf vorberei- 
ten, anderen Menschen dadurch 
Gutes zu tun. Um euretwillen und 
um eurer zukünftigen Familie willen: 
bitte bemüht euch um eine gute 
Ausbildung! Qualifiziert euch. Eignet 
euch eine gute Allgemeinbildung an. 
Arbeitet hart. In euch jungen 
Damen sehe ich Mädchen, die sich 
darauf freuen, ein Zuhause der Liebe 
zu gründen, ein Zuhause der 
Ordnung, ein Zuhause des Glaubens. 

Ich sehe Mädchen, die wissen: 
Alles, was ihr heute tut, macht aus 
euch die starke, glaubenstreue Frau, 
die der Herr zum Nutzen seiner 
Kinder braucht. Ihr wollt eines 
Tages eure Kinder über den Vater 
im Himmel und seine Absichten be- 
lehren, und ihr wißt, wo und wie ihr 
euch darauf vorbereiten könnt, 
nämlich durch das Studium der hei- 
ligen Schriften, die Versammlungen 
der Kirche, das Beten, das Seminar 
und den Familienabend. 




Ich möchte euch zur Vorbereitung 
auf eure Zukunft um etwas bitten, 
was ihr tun könnt, wenn ihr heute 
Abend wieder zu Hause seid? Bitte 
nehmt euer Tagebuch zur Hand und 
schreibt genau auf, was für eine Frau 
ihr einmal sein möchtet. Und dann 
sollt ihr daran arbeiten, daß sich die- 
ser Traum von der Zukunft in eurem 
Leben verwirklicht. Auf diese Weise 
wendet ihr das Herz der Familie zu, 
die ihr eines Tages haben werdet. 

Nun wollen wir uns damit befas- 
sen, welche Rolle ihr in der Familie 
des himmlischen Vaters spielt. Ihr 
seid jede eine bemerkenswerte, kost- 
bare Tochter des himmlischen Vaters, 
und er liebt euch. Ehe die Welt war, 
wurdet ihr dazu ausersehen, hervor- 
zukommen und etwas sehr 
Ungewöhnliches und Wunderbares 
zu tun! Hört nur, was in Lehre und 
Bündnisse 138, Vers 56 steht: „Schon 
ehe sie geboren wurden, erhielten sie 
mit vielen anderen in der Geisterwelt 
die erste Unterweisung und wurden 
darauf vorbereitet, zu der vom Herrn 
bestimmten Zeit hervorzukommen 
und in seinem Weingarten für die 
Errettung der Menschenseelen 
zu arbeiten." Wußtet ihr das? Der 
himmlische Vater hat uns zu 
einem bestimmten Zweck zur Erde 
geschickt. 

Es ist ein göttlicher und kostbarer 
Segen, als Frau geboren zu sein. Euer 
Vater im Himmel hat euch, seine 
Töchter, in stärkerem Maße mit 
einigen besonders kostbaren 
Eigenschaften gesegnet. Es sind 
Eigenschaften wie Empfindsamkeit, 
geistige Gesinnung und ein liebevol- 
les, erbauendes Wesen. Bitte nehmt 
jede Gelegenheit wahr, diese Gaben 
Gottes zu entfalten, und nutzt sie 
zum Wohl eurer Mitmenschen. Seid 
glücklich. Verbreitet ein bißchen 
Sonnenschein. Ihr könnt beobach- 
ten, was Frauen tun, die ihr bewun- 
dert; und dann übernehmt in euer 
Leben das, was diese Frauen zu erfol- 
greichen und glücklichen Töchtern 
Gottes macht. Er hilft euch dabei, 
denn er möchte, daß ihr so gut wer- 
det, wie es nur möglich ist. 

Da wir hier auf der Erde sind, 
um geprüft zu werden und uns 
selbst zu erproben, kann es schon 



JULI 1998 
103 



mal vorkommen, daß etwas nicht so 
läuft, wie wir es geplant haben. So ist 
das nun mal im Leben. Doch denkt 
daran: Wenn ihr hart arbeitet, euch 
darauf vorbereitet, etwas zu leisten, 
und wenn ihr die Bündnisse der Taufe 
und des Tempels haltet, dann könnt 
ihr euch mit Glauben, Hoffnung und 
Mut jeder Herausforderung des 
Lebens stellen! Als Teil seines Plans 
hat der himmlische Vater für einen 
Erretter gesorgt, der uns in diesem 
Leben hilft und der uns auch hilft, zu 
ihm zurückzukehren. Er hat gesagt: 
„Es ist mein Werk und meine 
Herrlichkeit, die Unsterblichkeit und 
das ewige Leben des Menschen 
zustande zu bringen." (Mose 1:39.) 
Er liebt euch. Er möchte, daß ihr 
Erfolg habt. Und er hilft euch, eure 
Lebensmission zu erfüllen. 

Zu Beginn habe ich an die Familie 
gedacht, in der ich aufgewachsen 
bin. Zum Schluß möchte ich euch 
noch etwas von dieser Familie er- 
zählen, woran ich mich erinnere. Als 
ich erst neun Jahre alt war, starb 
unser kleiner Bruder, der nur einen 
Tag alt war. Wir waren alle sehr trau- 
rig und enttäuscht und weinten viel. 
Wißt ihr, was unser Vater tat? Er rief 
uns zusammen, und als Familie knie- 
ten wir uns zum Beten hin. Er dankte 
dem himmlischen Vater für das Baby, 
daß wir nur so kurze Zeit gehabt hat- 
ten, und dann bat er den Herrn, die- 
ses Baby - David, der nun im 
Himmel war - zu segnen. Vater bat 
den himmlischen Vater, unsere 
Mutter zu segnen, der es sehr 
schlecht ging. Mutter wurde wieder 
gesund, und wir alle bemühten uns, 
so zu leben, daß wir eines Tages als 
Familie wieder mit David vereint 
sein können. Ich bete immer für 
David. Er wird immer mein Bruder 
sein. Wir sind eine ewige Familie, 
denn unsere Eltern haben im Tempel 
geheiratet. Ihr könnt euren Kindern 
dieselbe Gabe schenken, nämlich 
den Segen, einer ewigen Familie an- 
zugehören. Es ist das allerkostbarste 
Geschenk, daß ihr ihnen je geben 
könnt. Nehmt euch das vor. Bereitet 
euch darauf vor. Lebt so, daß ihr des- 
sen würdig seid. Möge der Herr euch 
segnen, daß ihr das tut. Darum bitte 
ich im Namen Jesu Christi, amen. D 



Wissen, 

wer wir wirklich sind 



Carol B. Thomas 

Erste Ratgeberin in der JD-Präsidentschaft 



Ihr wurdet schon vor langer Zeit als Töchter des himmlischen Vaters in 
seiner Familie geboren. ... Jede von euch war schon im vorirdischen 
Dasein eine tapfere und edle Frau. 



Von meinem Vater habe ich vom 
Vorherdasein erfahren. Er hat mir 
erklärt, daß wir alle - ihr und ich - 
schon vor langer Zeit als Töchter 
des himmlischen Vaters in seiner 
Familie geboren wurden. Dort 
haben wir heilige Entscheidungen 
getroffen, die sich auf das auswir- 
ken, was wir hier tun. Ich war noch 
recht klein, als mir mein Großvater 
einen Segen gegeben hat. Er hat 
mich gesegnet: „Du wirst den 
Dienst, den du dort so gut verrichtet 
hast, hier weiterführen." Wenn ich 
also schon im vorirdischen Dasein 
einen Dienst zu erfüllen hatte, dann 
ihr genauso. Ihr seid nicht durch 
Zufall gerade heute zur Erde gekom- 
men. Jede von euch war schon im 
vorirdischen Dasein eine tapfere 
und edle Frau. 

Abraham hat gesagt: „Der Herr 
aber hatte mir, Abraham, die 
Intelligenzen gezeigt, die geformt 
wurden, ehe die Welt war; und 
unter allen diesen waren viele von 
den Edlen und Großen." (Abraham 
3:22.) Ist euch klar, daß er hier von 
euch spricht? Jede von euch ist edel 
und groß - und ausgesandt worden, 
gerade heute auf der Erde zu leben. 

Wir kommen alle aus ganz un- 
terschiedlichen Familien. Manche 
von euch haben vielleicht 
Schweres durchzustehen und schaf- 
fen es sehr gut. Die eine oder ande- 
re ist vielleicht bedrückt, weil sie 
mit ihrem Vater oder ihrer Mutter 
nicht so gut auskommt, während 
ihr alle zusammen lernt, wie man 




Familie - das ist eine heilige 
Bezeichnung für diejenigen, die 
wir am meisten lieben. Wenn 
euch jemand fragen würde, was ihr 
an eurer Familie am besten findet, 
was wäre es? Ich weiß schon, die mei- 
sten Familien sind nicht vollkommen 
- meine auch nicht, aber wir 
bemühen uns, jeden Tag noch liebe- 
voller und rücksichtsvoller miteinan- 
der umzugehen. Letzten Monat ist 
mein Vater verstorben. Von ihm habe 
ich sehr viel gelernt. Er hatte großen 
Glauben. Er sagte: „Sterben ist wie in 
ein anderes Zimmer gehen." An dem 
Tag, als er starb, dachte ich: „Heute ist 
mein Vater gestorben. Das war sein letz- 
ter Tag hier auf der Erde. Er ist gerade 
in ein anderes Zimmer gegangen." Das 
war für meine Familie und mich ein 
heiliges und tröstliches Erlebnis. 



DER STERN 
104 



als Familie zusammenlebt. Ihr lernt, 
daß der Erretter manchmal dem 
Sturm Einhalt gebietet. Aber mitun- 
ter läßt er auch den Sturm toben 
und beruhigt euch. 

Ich möchte einen Ausspruch ein 
wenig verändern, den Eider Jeffrey 
R. Holland vor kurzem getan hat: 
„Die [Familie ist] kein Kloster der 
Vollkommenen." („Die Hungernden 
beschenkt er mit seinen Gaben", 
Der Stern, Januar 1998, 67.) 
Manchmal ist sie eher wie ein 
Krankenhaus, wo wir einander pfle- 
gen und uns derer annehmen, die 
wir lieben. 

Ein Mädchen schreibt: „Jeder in 
der Familie macht von Zeit zu Zeit 
eine schwierige Phase durch, aber 
ich versuche, für alle dazusein und 
auszuhelfen. . . . Wir wollen ja in 
Ewigkeit Zusammensein." 

Wir sind so sehr davon beein- 
druckt, daß jede von euch das Herz 
ihrer Familie zuwendet. Da gibt es 
eine Junge Dame, die überall 
Sonnenschein verbreitet, wo sie auch 
ist. Sie schreibt: „Ich helfe meiner 
Familie, indem ich sie zum Lachen 
bringe. Wenn jemand traurig ist, ver- 
suche ich, ihn wieder aufzuheitern." 
Ein anderes Mädchen schreibt: „Da 
wir keine Mitglieder der Kirche sind, 
ich auch nicht, denke ich, daß ich zu 
Hause am besten diene, indem ich 
beispielhaft als Junge Dame nach 
dem Evangelium lebe. Nach und 
nach bringe ich die Segnungen und 



guten Gefühle, die ich von der einzig 
wahren Kirche erhalte, auch in 
meine Familie." In Afrika gibt es zwei 
Mädchen, Schwestern übrigens, die 
in Ghana leben und die schönen 
Zionslieder singen, womit sie zu einer 
friedlichen Atmosphäre in der 
Familie beitragen. 

Manchmal steht eine junge Dame 
vor besonderen Herausforderungen, 
weil sie nicht in einer vollständigen 
Familie lebt. Im vergangenen 
Sommer habe ich in Alaska eine JD- 
Leiterin kennengelernt, die mit drei 
Jahren ihre Mutter verloren hatte. 
Der Vater hat sie allein aufgezogen, 
und als sie 14 war, schloß sie sich der 
Kirche an. Ich fragte, wo sie denn all 
die fraulichen Tugenden gelernt hat, 
etwa sich hübsch zu frisieren oder 
einen Tisch besonders nett zu 
decken. Sie sagte: „Ich habe meine 
JD-Führerinnen beobachtet! Wenn 
ich sah, daß eine gut kochen konnte, 
dachte ich: ,Das möchte ich auch 
können!' Und selbst heute denke 
ich beim Hausputz noch an meine 
Lorbeermädchen-Beraterin." Selbst 
wenn eure Familie nicht vollkom- 
men ist, könnt ihr an eure zukünfti- 
ge Familie denken und darauf 
hinarbeiten. 

Ihr lernt gerade, wie man 
Hausfrau wird, und damit tut ihr 
genau das, was der Herr von euch 
möchte. Tief im Herzen jedes 
Mädchens liegt die Sehnsucht, eines 
Tages Ehefrau und Mutter zu werden. 




Diese Gefühle sind - lange bevor ihr 
zur Erde gekommen seid - in eurer 
Seele gewachsen. Präsident 
Hinckley hat gesagt: „Die meisten 
Frauen finden die größte Erfüllung, 
ihr größtes Glück zu Hause in der 
Familie." (Gordon B. Hinckley, 
Teachings of Gordon B. Hinckley 
[19971,387.) 

Das Herz der Familie zuwenden! 
Bei den weltweiten JD-Feiern im 
Jahre 1998 werden verschiedene 
Möglichkeiten aufgezeigt, wie man 
das Herz der Familie zuwenden 
kann, darunter auch seinen 
Vorfahren. Der Geist des Elija ruht 
auf den Jungen Damen. Überall auf 
der Welt gibt es Genealogie- 
Forschungsstellen, wo man seine 
Vorfahren und seine Herkunft ent- 
decken kann. Die Jungen Damen 
mögen diese Arbeit. Ein Mädchen 
schreibt: „Als wir das erste Mal zur 
Genealogie -Forschungsstelle gingen, 
wollten wir gar nicht mit. Wir dach- 
ten, das wäre langweilig. Aber als ich 
im Computer den Namen meiner 
Ururgroßmutter entdeckte, war das 
richtig aufregend!" Wenn ihr nach 
euren Vorfahren forscht und den 
Wunsch habt, für sie die Arbeit im 
Tempel zu tun, dann wißt ihr um die 
Macht, die damit einhergeht, wenn 
man das Haus des Herrn besucht. 

Martha Milanes ist eine JD- 
Führerin aus Kolumbien. Sie 
schreibt: „Unser Tempel wird bald 
geweiht, und es wird wunderschön 
sein, all die jungen Damen zu sehen, 
die sich für ihre verstorbenen 
Vorfahren taufen lassen. Diese JD- 
Feier ist wirklich inspiriert, und ich 
bin bereit, das Herz ebenfalls meiner 
Familie zuzuwenden. Das wird unse- 
re Opfergabe für den Herrn hier im 
Tempel in Kolumbien." 

Ihr Mädchen: Danke für alles, was 
ihr gebt. Freut euch weiterhin an den 
weltweiten JD-Feiern, denn dabei 
werdet ihr euch durch die Macht des 
Geistes gestärkt fühlen. Betet und 
lest in den heiligen Schriften, haltet 
die Gebote, dann wird euch der 
Heilige Geist zuflüstern, daß ihr zur 
königlichen Familie des himmlischen 
Vaters gehört und daß er euch innig 
liebt. Das bezeuge ich im Namen Jesu 
Christi, amen. D 



JULI 1998 
105 



Die Jungen Damen und 
das „Recht auf Freiheit" 



Sharon G. Larsen 

Zweite Ratgeberin in der JD-Präsidentschaft 



Ihr müßt kein Hauptmann Moroni sein, um etwas zu bewirken. Der 
himmlische Vater braucht euch so, wie ihr seid - zu Hause in eurer 
Familie. So hat er es gewollt. 



Menschen ihre Familie vor bösen 
Eindringlingen schützen mußten. 

Ihr Mädchen seid wie dieses 
Banner, das „Recht auf Freiheit", 
wenn ihr euch darum bemüht, eure 
Familie vor Eindringlingen wie 
Egoismus, Hartherzigkeit, Wut oder 
Streit zu schützen. Euer Banner 
steht für Frieden, Liebe und Dienen 
in der Familie. 

Da hat beispielsweise ein 
Mädchen geschrieben: „Wir machen 
zu Hause gerade eine schwere Zeit 
durch. Und mir fällt es zu, die 
Aufgaben meiner Mutter zu über- 
nehmen. Manchmal muß ich nach- 
mittags die eine oder andere 
Aktivität ausfallen lassen, weil ich 
auf meinen Bruder aufpassen muß. 
Manchmal kann ich das eine oder 
andere mit meinen Freundinnen 
nicht unternehmen, weil ich kochen 
oder einkaufen gehen muß." Dann 
schreibt sie weiter: „Durch diese 
Aufgaben habe ich viel darüber ge- 
lernt, was es bedeutet, eine Mutter 
zu sein, erwachsen zu werden und 
Verantwortung zu übernehmen - 
nicht nur für mich selbst, sondern 
auch für andere." 

Wenn ihr euer Banner, euer 
„Recht auf Freiheit", hochhaltet, 
fällt euch bestimmt vielerlei ein, was 
ihr tun könnt, um eurer Familie ein 
Segen zu sein, um eure Familie zu 
lieben und zu Hause mit offenen 
Augen zu leben. 

Als beispielsweise unsere Tochter 
Shelly von ihrer Mission zurückkam, 




Der Heerführer der nephiti- 
schen Armee war erzürnt! 
Amalikkja, ein schlechter 
und ehrgeiziger Abtrünniger, war 
darauf aus, das Zuhause, die Familie 
und das Land der rechtschaffenen 
Nephiten zu vernichten. Der 
Heerführer Moroni nahm seinen 
Rock und zerriß ihn, um daraus ein 
Banner zu machen. Darauf schrieb 
er: „Zur Erinnerung an unseren Gott, 
unsere Religion und Freiheit und un- 
seren Frieden, unsere Frauen und 
Kinder" (Alma 46:12), und er befe- 
stigte das zerrissene Stück seines 
Rocks am Ende einer Stange. Dieses 
Banner nannte er das „Recht auf 
Freiheit". Er ließ es auf allen Türmen 
hissen, die es im ganzen Land gab - 
zur Erinnerung daran, daß die 



habe ich keinen Rock gehißt, aber 
ich habe ein Stück schmalen, roten 
Teppich gefunden, über den Shelly 
dann auf unsere Haustür zuschritt. 

Aber ihr braucht nicht einmal 
einen roten Teppich oder einen zer- 
rissenen Rock. Oft genügt ein 
Zettel, den man jemand schreibt 
und aufs Kopfkissen legt, oder ein 
Lächeln und eine Umarmung. Das 
ist viel besser als alles andere und 
bringt eure Liebe zum Ausdruck. 

Wir zeigen unsere Liebe, indem 
wir einander dienen. 

Lindsey hat beispielsweise ihr 
Banner hochgehalten, indem sie 
ihrer Mutter diente. Sie schreibt: 
„Meine Mutter hatte sich ein 
bißchen hingelegt. Ich habe inzwi- 
schen die Wohnung geputzt. Als sie 
aufstand, war sie überrascht." Und 
Lindsey schreibt weiter: „Mir war 
dabei warm ums Herz." Wie, meint 
ihr, war wohl ihrer Mutter ums Herz? 
Und wie dem himmlischen Vater? 

Ihr Mädchen, in meinem Herzen 
rolle ich für eine jede von euch den 
roten Teppich aus und applaudiere 
begeistert. 

Anschauungsmaterial, das Sharon G. Larsen 
in ihrer Ansprache in der allgemeinen 
JD-Versammlung verwendete; auf dem Bild 
sind die frühgeborenen Zwillingsmädchen 
Brielle und Kyrie Jackson im Inkubator zu 
sehen; Abdruck des Fotos mit freundlicher 
Genehmigung. 




D E 



R STERN 
106 



Ihr müßt kein Hauptmann 
Moroni sein, um etwas zu bewirken. 
Der himmlische Vater braucht euch 
so, wie ihr seid - zu Hause in eurer 
Familie. So hat er es gewollt. Ohne 
euch wäre eure Familie nicht diesel- 
be. Ihr seid sehr wichtig. 

Ich weiß noch: als ich im Alter 
der Bienenkorbmädchen war (da- 
mals, als es noch Dinosaurier gab!), 
zog meine Schwester aus, weil sie 
auswärts studierte. Ich weinte und 
war untröstlich. Sie versuchte, mich 
zu beruhigen, und sagte: „Wein doch 
nicht, Sharon, ich komme ja wie- 
der." Ganz verweint schaute ich sie 
an und sagte: „Ja, das weiß ich 
schon, aber wer wischt inzwischen 
den Küchenboden auf?" Das nennt 
man wohl: Sein Herz nur sich selbst 
zuwenden! 

Bald fand ich allerdings heraus, 
daß ich mehr vermißte als bloß je- 
mand, der den Küchenboden auf- 
wischte. Wir brauchen einander. Wir 
müssen einander beistehen. 

Ein paar Jahre später wandte mir 
einmal diese Schwester das Herz zu, 
als ich sie um ihr Auto bat; ich wollte 
ein paar Freundinnen besuchen. Sie 
borgte mir ihr Auto, sagte aber, daß 
sie es um 4 Uhr selbst brauchte. Ich 
fuhr fröhlich los. Wir hatten es wirk- 
lich nett, und als ich das erste Mal 
auf die Uhr schaute, war es bereits 6 
Uhr. Ich beeilte mich, aber meine 
Schwester war nicht mehr zu Hause. 
Aber auf dem Tisch stand eine wun- 
derschöne Schokoladentorte (meine 
Lieblingstorte) , und daneben lag ein 
Zettel: „Alles in Ordnung. Ich kann 
mir denken, daß ihr es nett gehabt 
habt. Ich habe jemand gebeten, mich 
abzuholen. Ich liebe Dich!" Das ist 
es, was man unter „Das Herz der 
Familie zuwenden" oder unter „Das 
Banner hochhalten" versteht. Ihr 
ging es darum, wie mir zumute war, 
wo ich es doch gewesen war, die ihr 
Unannehmlichkeiten bereitet hatte. 

Es gibt da eine bestimmte Macht 
zwischen Schwestern oder Geschwi- 
stern überhaupt, zwischen Eltern 
und Kindern, wenn sie einander bei- 
stehen und einander sogar „retten". 

Da gibt es eine Geschichte, in der 
diese Macht beschrieben wird, die je- 
mandem sogar das Leben rettet. Vor 




ein paar Jahren wurden der Familie 
Jackson Zwillinge geboren. Es 
waren Mädchen, und sie waren 
Frühgeburten. Brielle und Kyrie wur- 
den jede in einen Brutkasten gesteckt, 
damit sie sich nicht so leicht gegensei- 
tig anstecken konnten. Kyrie war die 
größere der beiden, sie wog etwa ein 
Kilo, nahm rasch zu und schlief ruhig. 
Brielle aber, die bei der Geburt nicht 
einmal ein Kilo gewogen hatte, ging es 
gar nicht gut. Einmal sah es so aus, als 
ob sie nicht durchkommen würde. 
Die Krankenschwester versuchte alles 
Menschenmögliche, um Brielles 
Zustand zu stabilisieren. Aber Brielle 
wurde immer unruhiger, ihre 
Sauerstoffwerte sanken, und ihr Puls 
raste. Dann fiel der Krankenschwester 
etwas ein, wovon sie einmal gehört 
hatte. Sie sagte den besorgten Eltern: 
„Was wäre, wenn wir Brielle zu ihrer 
Schwester in den Brutkasten legten? 
Vielleicht beruhigt sie sich dann." Die 
Eltern waren einverstanden, und die 
Krankenschwester nahm das unruhige 
Baby auf und legte es zu seiner 
größeren Schwester. Kaum hatte sie 
die Klappe geschlossen, als sich Brielle 
an Kyrie schmiegte und ruhiger 



atmete. Innerhalb von wenigen 
Minuten waren ihre Blutsauerstoff- 
werte die besten, die sie seit der 
Geburt gehabt hatte. Und während 
sie döste, legte Kyrie ihr Armchen 
um die kleine Schwester." (Siehe 
Nancy Sheehan, „A Sister's Helping 
Hand", Reader's Digest, Mai 1996, 
155f., Abdruck mit freundlicher 
Genehmigung des Verlags.) 

Die Ärzte und die Schwestern 
hatten alle medizinischen und wis- 
senschaftlichen Möglichkeiten aus- 
geschöpft, um dem Baby zu helfen, 
aber es hatte nichts genützt. Nichts 
konnte dem um sein Leben ringen- 
den Baby so sehr helfen wie seine 
Schwester. Eine Schwester kann 
wirklich der anderen helfen. In der 
Familie kann eben einer dem ande- 
ren beistehen. 

Ihr Jungen Damen, euer Leben 
ist das Banner, das mithelfen 
kann, eure Familie vor bösen 
Eindringlingen zu schützen. Wir 
bitten euch, tretet ein für 
Freundlichkeit und Güte, dient 
denen, die ihr am meisten liebt, 
nämlich eurer Familie. Darum bete 
ich im Namen Jesu Christi, amen. D 



JULI 1998 
107 



Den Engeln so nah 



Präsident James E. Faust 

Zweiter Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft 




Ihr werdet bedeutende Frauen, indem ihr euch in der engelgleichen Sache 
zusammenschließt, Gutes zu tun, und wenn ihr nach Rechtschaffenheit 
hungert und dürstet. 



Möglichkeiten der Erfüllung haben. 
Unter den Zuhörerinnen sehe ich ei- 
nige meiner geliebten Enkelinnen, 
und das erinnert mich daran, daß die 
meisten von euch etwa in ihrem 
Alter sind. Es erinnert mich auch an 
etwas, was jemand einmal über 
Großeltern gesagt hat, nämlich: „Sie 
sind überaus nachgiebig, überängst- 
lich und über fünfzig" 1 . Heute abend 
spreche ich zu euch allen, als ob ihr 
meine Enkelinnen wärt. Wenn ich in 
eure liebenswerten Gesichter schaue, 
sehe ich das faszinierende Geheimnis 
heranreifender Weiblichkeit. 

Ihr kostbaren Mädchen, zunächst 
einmal müßt ihr ein höchstes Maß an 
Tugend üben. Es gibt viele 
Definitionen von Tugend, wie etwa 
eine sittlich hervorragende 
Eigenschaft, richtiges Handeln und 
Denken, ein guter Charakter oder 
Keuschheit. Die Erste Präsidentschaft 
hat gesagt: „Wie herrlich und den 
Engeln nah ist die Jugend, wenn sie 
rein ist; diese Jugend findet in diesem 
Leben unaussprechliche Freude und 
ewiges Glücklichsein im künftigen 
Dasein. Sexuelle Reinheit ist das 
höchste Gut der Jugend; sie ist die 
Grundlage aller RechtschafTenheit." 2 
Das besagt doch, daß die Tugend 
einer Jungen Dame der Tugend von 
Engeln gleich sein soll. 3 Eine 
großartige Frau könnt ihr nur dann 
werden, wenn ihr auch eine gute Frau 
seid, „die aufgrund ihrer Tugend 
deutlich aus der Menge herausragt" 4 . 
Ihr werdet zu großartigen Frauen, 
wenn ihr euch in dem engelgleichen 
Werk, Gutes zu tun, vereint und 
nach Rechtschaffenheit hungert und 



Es ist mir eine Freude, mit euch 
wundervollen Jungen Damen 
zusammenzukommen. Es ist 
uns eine besondere Ehre, daß 
Präsident Gordon B. Hinckley und 
Präsident Thomas S. Monson heute 
abend bei uns sind. Ich spreche 
Schwester Nadauld, Schwester 
Thomas und Schwester Larsen 
meine Anerkennung für ihre ausge- 
zeichneten Ansprachen aus. Die 
Musik des Chors der Jungen Damen 
war hervorragend. Wir danken allen, 
die an dem Video beteiligt waren, 
sowie den Hunderten, die der Bitte 
der JD-Präsidentschaft nachgekom- 
men sind, etwas darüber zu schrei- 
ben, wie ihr eurer Familie dient. 

Ich glaube, daß euer Geist auf- 
grund eurer Rechtschaffenheit im 
vorirdischen Dasein zurückbehalten 
wurde, um in dieser Zeit hervorzu- 
kommen, in der Frauen so viele 



dürstet. Der Erretter hat gesagt: 
„Euch aber muß es zuerst um [das 
Reich Gottes] und um seine 
Gerechtigkeit gehen." 5 Wenn das 
nicht der Fall ist, ist alles andere 
ziemlich unwichtig. 

Ihr werdet auf dem Bildschirm 
und auf der Leinwand, in Büchern, 
Musik, Zeitschriften, dem Internet 
und dem Radio ständig mit eindeuti- 
gen Szenen sexueller Unsittlichkeit 
bombardiert. Die Welt scheint das 
Sprichwort „Eine [tugendhafte] 
Frau, wer findet sie? Sie übertrifft 
alle Perlen an Wert" 6 vergessen zu 
haben. Ich erinnere euch kostbare 
Mädchen daran, daß ihr Töchter 
Gottes seid. Er liebt euch. Ihr seid 
seine edelste Schöpfung. Eure 
Würde und Selbstachtung soll euch 
daran erinnern, daß jede Frau, wie 
Präsident David O. McKay einmal 
sagte, „Königin über ihren eigenen 
Körper sein soll" 7 . 

Euch Mädchen muß bewußt sein, 
daß die jungen Männer, mit denen 
ihr ausgeht, euch nicht ehren und 
achten, wenn ihr euch auf sittliche 
Übertretungen eingelassen habt. 
Nun möchte ich aber denjenigen, die 
vielleicht übertreten haben, versi- 
chern, daß Gott ihre Sünden „nicht 
mehr im Gedächtnis" behalten 
wird, 8 wenn sie umkehren. Ihr ge- 
langt auf den Pfad der Umkehr und 
Vergebung, indem ihr euch an eure 
Eltern und an euren Bischof wendet. 

Ich hoffe, daß jede von euch ein 
bedeutender und tugendhafter 
Mensch wird, der jetzt und in 
Ewigkeit etwas leistet. Als Frau seid 
ihr mit vielen einzigartigen Talenten 
ausgestattet, die ein Mann gewöhn- 
lich nicht besitzt. 

Präsident Spencer W. Kimball hat 
über die unterschiedlichen Rollen 
von Mann und Frau folgendes ge- 
sagt: „Denken Sie daran: in der 
Welt, in der wir vorher lebten, wur- 
den den glaubenstreuen Frauen be- 
stimmte Aufgaben übertragen, 
während die glaubenstreuen Männer 
zu bestimmten Aufgaben im 
Priestertum vorherordiniert wurden. 
Zwar können wir uns jetzt nicht 
mehr an die Einzelheiten erinnern, 
aber das ändert nichts an der herrli- 
chen Realität dessen, dem wir ein- 



D E R S T E 
108 



R N 



mal zugestimmt haben. Sie sind für 
alles verantwortlich, was vor langer 
Zeit von Ihnen erwartet wurde, ge- 
nauso wie diejenigen, die wir als 
Propheten und Apostel bestätigen. 
. . . Da bleibt für beide, Mann und 
Frau, in ihrer parallel laufenden je- 
weiligen Entwicklung viel zu tun." 9 

Diese Aussage weist darauf hin, 
daß wir, noch ehe wir als Mann oder 
Frau geboren wurden, bestimmte 
Verpflichtungen eingegangen sind 
und zugestimmt haben, mit großen, 
reichen, aber unterschiedlichen 
Gaben auf diese Erde zu kommen. 
Als Mann oder Frau sind wir berufen 
worden, große Werke zu vollbringen, 
jedoch auf unterschiedlichen Wegen 
und mit unterschiedlichen Aufgaben. 

Ihr fragt euch: „Wo soll ich an- 
fangen?" Anstatt mit einer 
Wunschliste all dessen zu beginnen, 
was ihr euch im Leben wünscht, 
lautet die eigentliche Frage doch, 
was ihr auf keinen Fall missen wollt. 
Wählt zwei, drei Lebenserfahrungen 
aus, die ihr unbedingt haben wollt. 
Überlaßt Wichtiges nicht dem 
Zufall. Denkt dann darüber nach, 
was ihr der Gesellschaft geben 
könnt, indem ihr eurer Familie, der 
Kirche und dem Gemeinwesen 
dient. Überlegt auch, was das Leben 
von euch fordern wird. Alles hat 
seinen Preis. Von uns wird viel er- 
wartet. Wie ein Mann zu werden ist 
keine Lösung. Die Antwort ist viel- 
mehr darin zu finden, daß ihr seid, 
wer ihr seid, und den gottgegebenen 



Möglichkeiten, die in euch sind, ge- 
recht werdet, indem ihr ewigen 
Verpflichtungen nachkommt. 

Ihr könnt den vielen kontrover- 
sen Stimmen, die sich lärmend dar- 
über äußern, was die Frau in der 
heutigen Gesellschaft tun oder 
nicht tun soll, nicht trauen. Manche 
der lautesten Stimmen sind Echos 
jener anderen, die weniger mit ihrer 
Rolle als Frau unzufrieden sind, als 
vielmehr weder mit sich selbst noch 
mit dem Leben im allgemeinen in 
Einklang sind. 

Laßt euch auf der Suche nach 
dem Glück und eurer Identität nicht 
täuschen. Eindringliche Stimmen 
mögen euch sagen, daß das, was ihr 
eure Mütter und Großmütter habt 
tun sehen, eine altmodische, lang- 
weilige Plackerei ist, die keine 
Herausforderung darstellt. Vielleicht 
war es altmodisch, und vielleicht war 
es alltägliche Routine; manchmal 
war es eine Plackerei. Aber eure 
Mütter und Großmütter haben ihre 
Arbeit freudig getan und damit die 
größte Liebe und das edelste weibli- 
che Gefühl zum Ausdruck gebracht. 
Sie haben uns genährt und unterwie- 
sen. Sie haben ihre Arbeit geheiligt, 
indem sie die Plackerei in das edelste 
Unterfangen umgewandelt haben. 

Haushaltsführung ist das, was ihr 
daraus macht. Jeder Tag bringt so- 
wohl Befriedigung mit sich als auch 
manche Arbeit, die vielleicht frustrie- 
rend ist, alltägliche Routine, keine 
große Herausforderung. Aber das ist 




auch in einer Anwaltskanzlei, in 
einer Arztpraxis, in einem Labor oder 
einem Kaufhaus nicht anders. Es gibt 
jedoch keine wichtigere Arbeit als 
die, die zu Hause getan wird. Wie C. 
S. Lewis sagte: „Die Arbeit einer 
Hausfrau ... ist die Arbeit, für die alle 
anderen existieren." 10 

Karen Graham, die heute als 
Pfahl-JD-Leiterin dient, schreibt, 
wie wichtig die Fertigkeiten in der 
Haushaltsführung in ihrem Leben 
sind: In meinem letzten Schuljahr 
an der Highschool, als ich ein 
17jähriges Lorbeermädchen war, 
kam ich eines Tages von der Schule 
nach Hause und mußte erfahren, 
daß meine Mutter plötzlich an einer 
Gehirnblutung gestorben war. 
Meine beiden älteren Schwestern 
waren verheiratet und lebten in 
einer anderen Stadt. So war ich zu 
Hause die Älteste und mußte mich 
um meinen trauernden Vater und 
meine beiden jüngeren Brüder, 12 
und 13 Jahre alt, kümmern. 

Während der nächsten zweiein- 
halb Jahre übernahm ich den 
Haushalt, machte die Wäsche, ging 
einkaufen und bereitete die 
Mahlzeiten zu. ... Können Sie sich 
vorstellen, einer 17jährigen die 
Einteilung des Haushaltsgelds 
zu überlassen? Mein lieber Vater 
sagte nie ein unfreundliches Wort zu 
mir. Er beklagte sich nie, wenn ich 
seine weißen Hemden in der 
Waschmaschine rosa färbte oder 
wenn das Abendessen gründlich da- 
nebenging. Alle meine Freunde an 
der Highschool planten ihr Leben 
nach dem Schulabschluß. Manche 
wollten an der Utah State 
University studieren. . . . Ich wäre 
gerne aufs Ricks College gegangen, 
aber in Anbetracht unserer fami- 
liären Umstände entschied ich mich 
dafür, zu Hause zu bleiben und wei- 
terhin zu helfen. 

Zwei Jahre nach dem Tod meiner 
Mutter begann ich mit einem 
zurückgekehrten Missionar namens 
Garry auszugehen. Als wir zum 
zweiten Mal miteinander ausgingen, 
fragte er mich, was ich an dem 
Samstag getan hatte. ... Er war 
etwas überrascht, als ich ihm sagte, 
daß ich den ganzen Tag mit 



JULI 1998 
109 



Abstauben, Staubsaugen, Einkaufen 
und Wäschewaschen verbracht 
hatte. Er hielt mich wohl einfach 
nur für eine Stubenhockerin. Sechs 
Monate später führte mich dieser 
wunderbare Mann in den Tempel, 
und wir begannen unser gemeinsa- 
mes Leben. Er war begeistert, eine 
Frau zu haben, die kochen und das 
Haushaltsgeld einteilen konnte. 

Im ersten Jahr unserer Ehe hatten 
wir eines Abends einige ebenfalls 
Jungverheiratete Freunde zum 
Abendessen eingeladen. Mehrere 
Paare fingen an, darüber zu spre- 
chen, wie schwer es für sie war, sich 
auf die Ehe einzustellen. Garry und 
ich sahen einander ungläubig an. ... 
Sich auf die Ehe einstellen? Was war 
das? Unser erstes Jahr war völlig 
glatt verlaufen! Als wir später darü- 
ber sprachen, stellten wir fest, daß es 
wohl daran lag, daß ich mich im 
Haushalt auskannte, als ich 
geheiratet hatte. . . . Ich wurde nicht 
davon in Anspruch genommen, 
Experimente mit dem Abendessen 
zu machen und/oder es anbrennen 
zu lassen, Kleidungsstücke in der 
Wäsche zu ruinieren oder das 
Haushaltsgeld einzuteilen. Ich hatte 
all das bereits an meinem einfühlsa- 
men, geduldigen und klugen Vater 
erprobt. Nun konnten wir, Garry 
und ich, uns ausschließlich auf unse- 
re Beziehung konzentrieren, und das 
war wunderbar. Daß ich meine 
Interessen in den Hintergrund ge- 
stellt und an die Bedürfnisse meiner 
Familie gedacht hatte, wurde später 
für mich zu einem wahren Segen. 11 

Daß sie ihrem Vater in dieser 
schweren Zeit diente, war Teil dieses 
engelgleichen Werkes, nämlich 
Gutes zu tun, dieser großen 
Vorbereitung darauf, eine bedeuten- 
de Frau zu werden. 

Frauen werden heute von man- 
chen ermutigt, alles zu haben: Geld, 
Reisen, Ehe, Mutterschaft und ver- 
schiedene Karrieren in der Welt. Für 
eine Frau sind die wichtigsten 
Zutaten für ihr Glück jedoch, ihre 
Persönlichkeit zu formen, eine 
Ausbildung zu erhalten, ihre Talente 
zu entfalten, ihrer Familie zu dienen 
und, wenn möglich, selbst eine 
Familie zu haben. 



Aber ihr könnt dies alles nicht 
gleichzeitig gut machen. Ihr könnt 
nicht alles Gebäck in der Bäckerei 
auf einmal essen. Sonst bekommt ihr 
Bauchweh. Ihr könnt nicht zur glei- 
chen Zeit eine hundertprozentige 
Ehefrau, eine hundertprozentige 
Mutter, eine hundertprozentige 
Mitarbeiterin in der Kirche, eine 
hundertprozentige Berufstätige und 
eine hundertprozentige ehrenamtlich 
Tätige sein. Wie kann man all diese 
Aufgaben koordinieren? Ich denke, 
daß es nur nacheinander möglich ist. 

Nacheinander, das bedeutet, daß 
wir eins nach dem anderen tun, alles 
zu seiner Zeit. Im Buch Kohelet 
heißt es: „Alles hat seine Stunde. 
Für jedes Geschehen unter dem 
Himmel gibt es eine bestimmte 
Zeit." 12 Immer mehr wird nach 
Frauen verlangt, die ihre traditionel- 
le Rolle, sich um die Familie zu küm- 
mern, in Frage stellen. Aber tief im 
Innersten eurer Seele verlangt ihr 
danach, eure Aufgabe als Frau und 
Mutter zu erfüllen. Die meisten 
Frauen wünschen sich von Natur 
aus, einen guten Mann zu lieben 
und von ihm geliebt zu werden und 
den gottgegebenen, tiefsten 
Empfindungen des Frauseins nach- 
zugeben - nämlich Mutter zu sein, 
zu hegen und zu pflegen. 
Glücklicherweise müssen sich die 
meisten Frauen nicht um ihre beruf- 
liche Laufbahn sorgen, wie der 
Mann es tut. Sie können in ihren 
verschiedenen Lebensphasen mehr 
als ein Interesse unterbringen. 

Ich möchte euch Schwestern auf- 
fordern, all eure Gaben und Talente 
zu entfalten, um das Werk der 
Rechtschaffenheit auf der Erde vor- 
anzubringen. Ich hoffe, daß ihr euch 
soviel Wissen wie möglich aneignet. 
Eignete euch möglichst viele 
Fertigkeiten an, aber nicht 
ausschließlich im Hinblick auf eine 
berufliche Laufbahn auf Kosten 
eurer ursprünglichen Aufgabe, sonst 
werdet ihr feststellen, daß ihr eine 
der großen Möglichkeiten eures 
Lebens verpaßt habt. 

Meine Frau und ich haben unsere 
Töchter dazu angehalten, eine 
Ausbildung zu absolvieren, und zwar 
nicht nur, damit sie in ihrer 



Haushaltsführung davon profitier- 
ten, sondern damit sie vorbereitet 
waren, ihren Lebensunterhalt zu 
verdienen, wenn das notwendig sein 
sollte. Es ist eine wunderbare 
Erfahrung, aufs College oder eine 
Berufsschule zu gehen und Geld, 
Mühe und Zeit zu investieren, um 
Fertigkeiten zu erwerben, die in der 
Berufswelt gefragt sind. 

Ich kann euch Mädchen nicht 
sagen, welche beruflichen 
Fertigkeiten ihr euch aneignen sollt. 
Das muß jede von euch selbst 
entscheiden. Ihr habt eure 
Entscheidungsfreiheit. Jede von 
euch muß sich enorm anstrengen, 
um soviel wie möglich zu lernen und 
ihre Talente zu entfalten. Es ist 
nicht leicht, etwas wahrhaft 
Lohnendes zu erreichen. Ich möchte 
euch nur sagen, was euch hilft, eure 
Persönlichkeit, Selbstwertgefühl und 
Glück zu finden. Ich fordere euch 
auch auf, das, was in euch steckt, 
hervorzubringen und ein wertvoller 
Mensch, eine bedeutende Frau zu 
werden. Da die meisten von euch 
bedeutende Frauen in der Familie 
haben, habt ihr alle ein Vorbild, 
dem ihr nacheifern könnt. 

Als Junge Damen dürft ihr als 
Teil der „Auszeichnung für die 
Junge Dame" an Projekten arbeiten. 
Anna Nichols aus Centervillej 
Utah, schreibt von einer besonderen 
Erfahrung, die sie gemacht hat: 

Letztes Jahr führte ich als 
Lorbeermädchen ein Projekt durch, 
das mich meiner Oma, die ich nie 
kennengelernt hatte, näherbrachte. 
Sie war an einer schlimmen Form 
von Krebs gestorben, als meine 
Mutter etwa fünf Jahre alt war. 
Meine Mutter besitzt eine Sammlung 
alter Dias und Briefe, die sie aufbe- 
wahrt hat. Ich sah mir alles an und 
suchte dann Bilder von ihr und ihrer 
Familie sowie Briefe aus, die sie an 
ihre Schwester geschrieben hatte, der 
sie von ihren Gefühlen und 
Gedanken erzählte, ehe sie starb. 

Aus diesem Material stellte ich 
ein Album zusammen, das an sie er- 
innern sollte, und schenkte es mei- 
nem Opa. Es war ein 
überwältigendes Gefühl, sein Gesieht 
zu beobachten, als er Seite um Seite 



DER 



S T E 
110 



R N 




umblätterte und mir dabei zu jedem 
Bild eine Geschichte erzählte. Wir 
weinten beide. Ich merkte, daß er sie 
sehr vermißt und daß sie durch dieses 
Album wieder ein wenig in sein 
Leben zurückgekehrt ist. 

Durch dieses Album habe ich eine 
persönliche Beziehung zu meiner 
Oma entwickelt. Ich spüre ihren 
Geist bei mir. Ich weiß, daß sie mich 
beschützt und mir geholfen hat, wenn 
ich Hilfe brauchte. Wenn ich jetzt 
meinen Opa besuche, reden wir 
immer von ihr und erzählen uns 
Geschichten. Ich freue mich jedesmal 
auf die Zeit, die ich mit ihm verbrin- 
gen kann. 13 

Nun möchte ich noch einmal be- 
tonen: Was immer ihr auch tut, 
lernt, zuerst nach dem Reich Gottes 
und seiner Rechtschaffenheit zu 
trachten. 14 Nehmt den Erretter ohne 
Vorbehalte als das an, was er war, 
ebenso Joseph Smith als das, was er 
war, und Präsident Gordon B. 
Hinckley als das, was er ist. Gott er- 
höht niemanden, ob Mann oder 
Frau, der sich weigert, diejenigen, 
die Gott berufen und ordiniert hat, 



über sie zu präsidieren, durch seinen 
Glauben, seine Gebete und seine 
Werke zu unterstützen. Deshalb, 
meine lieben jungen Freunde, unter- 
stützt die Priestertumsvollmacht in 
der Kirche und in eurer Familie. 

Manche Frauen meinen viel- 
leicht, ihre Entscheidungsfreiheit 
würde untergraben, wenn sie sich 
von der Macht des Priestertums 
führen lassen. Aber dieses Gefühl 
entspringt einem Mißverständnis. 
Die Priestertumsvollmacht darf kei- 
nen Zwang, keinen Druck, keine 
ungerechte Herrschaft ausüben. 
Präsident Stephen L Richards hat 
erklärt: „Unsere Einigkeit beruht auf 
einer generellen Übereinstimmung 
mit rechtschaffenen Grundsätzen 
und der gemeinsamen Reaktion auf 
das Wirken des Geistes unseres 
himmlischen Vaters. Sie wird von 
keiner Furcht angetrieben außer der 
Furcht, Gott, den Urheber unseres 
Werkes, zu beleidigen." 15 

Dem Priestertum der Kirche zu 
folgen, ist ein Ausdruck des 
Glaubens daran, daß der Herr seine 
Kirche kontinuierlich führt. Es be- 
deutet, daß man den Grundsatz der 
gottgegebenen Entscheidungsfreiheit 
bereitwillig annimmt. 

Ihr alle werdet irgendwann einmal 
euren natürlichen weiblichen 
Neigungen nachkommen müssen, 
von denen der Prophet Joseph Smith 
sagte, daß sie der Wesensart der 
Frauen entsprechen. Er sagte: „Wenn 
ihr so lebt, wie es euer verbürgtes 
Recht ist, wird nichts die Engel daran 
hindern können, sich zu euch zu ge- 
sellen." 16 Geht großzügig auf diese 
Neigungen und Eingebungen, Gutes 
zu tun, ein. Lauscht mit ganz ruhiger 
Seele auf die Eingebungen des 
Heiligen Geistes. Folgt den edlen, in- 
tuitiven Gefühlen, die die Gottheit in 
der Welt, die dieser Welt vorausging, 
tief in eure Seele gepflanzt hat. Auf 
diese Weise seid ihr für den Heiligen 
Geist Gottes empfänglich und werdet 
durch die Wahrheit geheiligt. Wenn 
ihr das tut, werdet ihr auf ewig geehrt 
und geliebt. Euer Werk besteht zu 
einem großen Teil darin, die 
Menschheit mit eurer großen 
Fähigkeit, Anteil zu nehmen und 
barmherzig zu sein, zu bereichern. 



Schließlich, wie werdet ihr zu 
bedeutenden Frauen? Pflegt eure 
edlen weiblichen Neigungen, näm- 
lich Anteil zu nehmen und barmher- 
zig zu sein, und macht großzügigen 
Gebrauch davon, zuerst in eurer 
Familie und dann auch außerhalb. 
Mögt ihr immer im Rahmen des of- 
fenbarten Evangeliums Jesu Christi 
nach Rechtschaffenheit hungern 
und dürsten. Mögt ihr den Blick auf 
die Ewigkeit richten, wenn ihr euer 
engelgleiches Werk, Gutes zu tun, 
verrichtet, so daß es nicht nur dazu 
führt, daß ihr bedeutende Frauen 
werdet, sondern schließlich auch 
Königinnen in Ewigkeit. 

Ich bitte den Herrn, daß er jede 
von euch kostbaren jungen 
Schwestern segnet, damit ihr, wie 
der Psalmist sagt, „seine Engel" seid, 
überaus stark, die seine Gebote hal- 
ten und seinem Wort gehorsam 
sind. 17 Ich bete darum, daß die 
rechtschaffenen Wünsche eures 
Herzens in Erfüllung gehen. Im 
Namen Jesu Christi, amen. D 

FUSSNOTEN 

1. Zitiert in Evan Esar, 20,000 Quips and 
Quotes (1968), 357. 

2. „The Messages of the First Presidency 
to the Church", Improvement Era, Mai 
1942, 273.) 

3. Siehe Collected Discourses of George Q. 
Cannon, 5. Oktober 1890. 

4. The Teachings of Spencer W. Kimball, 
Hg. Edward L. Kimball (1982), 398. 

5. Matthäus 6:33. 

6. Siehe Sprichwörter 31:10. 

7. Gospel Ideals (1953), 471. 

8. LuB 58:42. 

9. Spencer W. Kimball, „The Role of 
Righteous Women", Ensign, November 
1979, 102. 

lO.Letters of C. S. Lewis (1966), 262. 
1 1 . Karen Graham an die JD- 

Präsidentschaft, 16. Oktober 1997. 
12.Kohelet3:l. 
13. Anna Nichols an die JD- 

Präsidentschaft (o.D.). 
14.Siehe3Nephil3:33. 
15. In Conference Report, Oktober 1938, 

116. 
lö.Lehren des Propheten Joseph Smith, 

Hg. Joseph Fielding Smith (1983), 

232. 
17. Siehe Psalm 103:20. 



JULI 1998 
111 



Sie haben zu uns 
gesprochen 

Bericht von der 168. Frühjahrs-Generalkonferenz 



Präsident Gordon B. Hinckley: 
Seien wir wahre Jünger des Messias, 
leben wir nach der Goldenen Regel, 
behandeln wir unsere Mitmenschen 
so, wie wir selbst behandelt werden 
wollen! 

Präsident Thomas S. Monson, 
Erster Ratgeber in der Ersten 
Präsidentschaft; Such dir gute 
Freunde. Eure Freunde tragen dazu 
bei, eure Zukunft zu bestimmen. 
Man neigt dazu, wie seine Freunde 
zu werden und dort zu sein, wo sie 
hingehen. Vergeßt nicht: der Weg, 
auf dem wir in diesem Leben gehen, 
führt zu dem Weg, den wir im 
Jenseits gehen werden. 

Präsident James E. Faust, Zweiter 
Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft; 
Wir müssen die errettenden 
Bündnisse, die wir mit dem Herrn 
schließen, immer ehren und heilig 
halten. Für den Fall, daß wir das 
tun, hat der Herr uns verheißen: 
„Du [wirst] Offenbarung um 
Offenbarung, Erkenntnis um 
Erkenntnis empfangen, damit du die 
Geheimnisse und das Friedfertige 
erkennen mögest - das, was Freude 
bringt, was ewiges Leben bringt." 



Eider David B. Haight vom 
Kollegium der Zwölf Apostel: Tun Sie, 
was recht ist. Nehmen Sie die wun- 
dervollen Möglichkeiten, ein gutes 
Leben zu führen, wahr, seien Sie ein 
guter Mensch, verrichten Sie gute 
Werke, beeinflussen Sie andere 
Menschen positiv. 

Eider L. Tom Perry vom Kollegium 
der Zwölf Apostel: Welch großer 
Segen es doch wäre, wenn jedes 
Mitglied der Kirche die 
Glaubensartikel auswendig wüßte 
und sich in die darin enthaltenen 
Grundsätze vertiefte. Wir könnten 
unseren Mitmenschen dann besser 
vom Evangelium erzählen. 

Eider Neal A. Maxwell vom 
Kollegium der Zwölf Apostel: Ich weiß 
nicht genau, welche besonderen 
Gaben jeder einzelne besitzt, aber 
die Gaben sind da! Bitte wendet 
diese Gaben an, und erweitert eure 
Talente - ganz nebenbei, während 
Ihr den Müll hinaustragt, Laub 
recht oder für eine Witwe, einen 
Witwer oder einen kranken 
Nachbarn Schnee schaufelt. Wenn 
Ihr wißt, was Arbeit ist, gibt euch 
das einen Vorteil im Leben. 



Eider M. Russell Ballard vom 
Kollegium der Zwölf Apostel: Der 
Herr kann uns Licht und Wahrheit 
nur dann kundtun, wenn wir bereit 
sind, sie zu empfangen. Und so muß 
ein jeder von uns alles tun, was er 
kann, um sein geistiges Wissen und 
seine Einsicht durch das Studium 
der heiligen Schriften und der 
Worte der lebenden Propheten zu 
vertiefen. 

Eider Henry B. Eyring vom 
Kollegium der Zwölf Apostel: Selbst 
ein Kind kann begreifen, was es 
tun muß, um den Heiligen Geist 
als Begleiter zu haben. Im 
Abendmahlsgebet wird es uns ge- 
sagt. . . . „Daß sie willens sind, den 
Namen deines Sohnes auf sich zu 
nehmen und immer an ihn zu den- 
ken und seine Gebote, die er ihnen 
gegeben hat, zu halten, damit sein 
Geist immer mit ihnen sei." (LuB 
20:77.) 

Eider Lynn G. Robbins von den 
Siebzigern: Wir können uns dafür 
entscheiden, nicht zornig zu wer- 
den. Und diese Entscheidung kön- 
nen wir heute treffen, jetzt gleich. 
Ich werde nie wieder zornig. 

Schwester Margaret D. Nadauld, 
JD -Präsidentin: Der Herr hat gewiß 
Freude daran, wenn wir als seine 
Kinder einander beistehen, einan- 
der auf dem Weg unterstützen und 
einander näher zu Christus bringen. 
Er hat gelehrt: „Was ihr für einen 
meiner geringsten Brüder getan 
habt, das habt ihr mir getan." D 




DER STERN 
112 




Dreißig 
neue Tempel 
werden gebaut 

Rund 30 neue Tempel wer- 
den gebaut - „in Europa, 
in Asien, in Australien 
und auf den Fidschiinseln, in 
Mexiko und Zentral- und 
Südamerika und in Afrika sowie in 



den Vereinigten Staaten und in 
Kanada", wie Präsident Gordon B. 
Hinckley zum Schluß der 
Konferenz bekanntgab. 

„Das sind dann insgesamt 47 neue 
Tempel zusätzlich zu den 51, die be- 
reits in Betrieb sind", fuhr Präsident 
Hinckley fort. „Ich glaube, wir fügen 
besser noch zwei weitere hinzu, damit 
es bis zum Ende des Jahrhunderts 100 
sind. . . . Ich werde Ihnen jetzt nicht 
die konkreten Städte nennen. Die 
Pfahlpräsidenten werden davon er- 
fahren, wenn die Bauplätze erworben 
werden." D 




Neue Siebziger 
berufen 



Auf der 168. Frühjahrs- 
Generalkonferenz wurden 
drei Brüder ins Erste 
Siebzigerkollegium berufen, 13 
Brüder ins Zweite Siebzigerkollegium 
und 16 neue Gebietsautoritäten- 
Siebziger ins Dritte, Viert und 
Fünfte Siebzigerkollegium. 

Eider Sheldon F. Child, Eider 
Quentin L. Cook und Eider 
Francisco J. Vinas wurden aus dem 
Zweiten ins Erste Siebzigerkollegium 



berufen; alle drei waren im April 
1996 als Mitglieder des Zweiten 
Siebzigerkollegiums bestätigt worden. 

Ins Zweite Siebzigerkollegium 
wurden 13 Brüder berufen - je einer 
aus Brasilien, Maryland und Ohio, 
zwei aus Texas und acht aus Utah. 
Athos M. Amorim, E Ray Bateman, 
Val R. Christensen, Ronald T 
Halverson, Earl M. Monson, Merrill 
C. Oaks, H. Bryan Richards, Ned B. 
Roueche, D. Lee Tobler, Gordon T. 
Watts, Stephen A. West, Robert J. 
Whetten und Ray H. Wood. 

Die 16 neuen Gebietsautoritäten- 
Siebziger sind Henry F. Acebedo, für 
das Gebiet Philippinen-Mikronesien, 
Juan A. Alvaradejo, Gebiet Mexiko- 



Süd, Modesto M. Amistad jun., 
Gebiet Philippinen-Micronesien, 
Horacio E Araya, Gebiet Südamerika 
Nord, Gustavo A. Barrios, Gebiet 
Chile, Craig A. Bullock, Gebiet 
Nordamerika West, Adhemar 
Damiani, Gebiet Brasilien, Edgardo 
E. Fernando, Gebiet Philippinen- 
Mikronesien, Franz R. Gaag, Gebiet 
Europa West, Daniel L. Johnson, 
Gebiet Südamerika Nord, Wilfredo 
R. Lopez, Gebiet Chile, Jairo 
Mazzagardi, Gebiet Brasilien, Jesus 
Nieves, Gebiet Nordamerika Südost, 
Adrian Ochoa, Gebiet Mexiko Nord, 
Emmanuel O. Opare sen., Gebiet 
Afrika, und Willy F. Zuzunaga, 
Gebiet Südamerika Nord. D 



JULI 1998 
113 



Eider Athos M. Amorim Eider E Ray Bateman 



vom Zweiten Siebzigerkollegium 



vom Zweiten Siebzigerkollegium 




Eider Athos M. Amorim 
vom Zweiten Siebzigerkol- 
legium entspricht ganz und 
gar nicht den Vorstellun- 
gen, die man sich von 
einem Armeeoffizier im 
Ruhestand macht. Das 
Angebot, am höchsten 
Militärgericht Brasiliens 
Generalstabschef zu wer- 
den, lehnte er ab und blieb 
lieber zu Hause in Resende, 
im Staat Rio de Janeiro, 
„als Gärtner". Er züchtet 
Blumen, weil er ihre 
Schönheit liebt, und er füttert die Vögel, die um sein 
Haus herumfliegen, denn er hört sie gern morgens und 
abends singen und freut sich, daß sie sich in seinem 
Garten wohlfühlen. 

Ihm geht es weniger darum, wo er dient, als darum, 
wie er dient. Nach seiner Entlassung als Präsident des 
Säo-Paulo-Tempels wurde er als Zweiter Ratgeber in der 
Ältestenkollegiumspräsidentschaft seiner Gemeinde be- 
rufen und war „in dieser Berufung sehr glücklich", weil er 
gern in jeder Form mit den Kindern des himmlischen 
Vaters zusammenarbeitet. 

Diese Liebe hat spätestens an dem Tag im Jahre 1972 
begonnen, als er getauft wurde. Ihm war zutiefst bewußt, 
daß sein Herz sich wandelte, ein Gefühl, das er auch 
heute noch schwer in Worte kleiden kann. Er weiß aller- 
dings, daß er an jenem Tag ein neuer Mensch wurde. 

Er erinnert sich an den demütigen Missionar, der ihn 
konfirmierte und andeutete, daß dieses neue Mitglied 
eines Tages als Missionspräsident dienen werde. Athos 
Amorim präsidierte später über die Brasilien-Mission 
Fortaleza. Er war außerdem Distriktspräsident und, in 
seiner Armeezeit, in der er viel versetzt wurde, Präsident 
mehrerer kleiner Zweige, wo es jetzt Pfähle gibt. 

Er ist am 14. Juni 1932 in Rio de Janeiro geboren; am 
31. Mai 1957 heiratete er Maria Alice Ferrao. Sie wur- 
den 1978 im Washington-Tempel gesiegelt. Sie haben 
zwei Söhne und sieben Enkelkinder. 

Seine Frau hat ihn, wie er sagt, „im Dienst des Herrn 
immer sehr unterstützt". Sie freut sich mit ihm über seine 
neue Berufung, denn „sie liebt die Arbeit in der Kirche 
und hat ein sehr starkes Zeugnis". 

Er hofft, daß sein Dienst seine „Freude an der Arbeit" 
widerspiegeln wird: „Ich liebe die Arbeit in der Kirche, 
und es fällt mir leicht, die Menschen zu lieben. Ich 
möchte jedem von meinem Zeugnis von Jesus Christus 
erzählen. Das ist mein größter Wunsch." □ 




In den 36 Jahren, die sie 
verheiratet sind, haben Ray 
und Mira Bateman die mei- 
ste Zeit fern von ihren 
Wurzeln in Utah verbracht 
- in Kalifornien, New York, 
Colorado und Missouri. 
"Weil wir meist so weit 
von unserer weitläufigen 
Verwandtschaft entfernt 
waren, ist unsere engere 
Familie einander sehr ver- 
bunden", meint Eider 
Bateman. "Wir haben Utah 
zwar jedes Jahr besucht, 
aber auch unsere Gemeinden waren unsere Familie, und 
das Evangelium bildet den Mittelpunkt unseres Lebens." 

E Ray Bateman stammt aus Sandy, Utah. Er ist am 20. 
Oktober 1937 als Sohn von Marlon Samuel Bateman und 
seiner Frau Mary geborene Armstrong geboren - als dritter 
von vier Jungen. Er studierte an der Brigham Young 
University, ehe er von 1957 bis 1959 eine Mission erfüllte, 
und zwar in Toronto, das damals Teil der kanadischen 
Mission war. Nach seiner Rückkehr studierte er an der 
University of Utah Betriebswirtschaft. 

Während des Studiums lernte er Mira Dorene 
Odette aus Monticello, Utah, kennen. Sie heirateten am 
11. November 1960 in Salt Lake City und zogen ins San 
Fernando Valley in Kalifornien. Dort war Ray an seinem 
ersten Arbeitsplatz - im Verkauf der Firma Bristol-Myers 
Squibb Col - sehr erfolgreich. Er blieb der Firma 32 
Jahre treu. 

Eider Bateman, der als Präsident der Kalifornien- 
Mission Carlsbad diente, als er die Berufung als 
Siebziger erhielt, war außerdem Sonntagsschullehrer, 
Bischof, Multiregions-Wohlfahrtsbeauftragter, Pfahl- 
Missionspräsident und Hoher Rat. 

Die Batemans haben fünf Kinder - drei Töchter und 
zwei Söhne - und neun Enkelkinder, von denen acht noch 
leben. 

"Unsere kleine Enkeltochter hat nur neun Tage gelebt", 
sagt Eider Bateman, "aber es war überraschend, wie nah 
wir uns ihr gefühlt haben. Wir wollen so leben, daß wir 
einmal dorthin kommen, wo sie ist." 

Im Juli 1997 waren die Batemans im San- Diego -Tempel 
in Kalifornien dabei, als ihre beiden jüngsten Kinder heira- 
teten. "Es war das erste Mal in unserem Leben, daß wir 
mit allen fünf Kindern und ihren Ehepartnern im Tempel 
waren. Wir waren einander und unserer kleinen 
Enkeltochter sehr nahe. Es war ein wundervolles Erlebnis, 
ein kleiner Einblick in den Himmel." D 



D E 



R S T E 
114 



R N 



Eider Val R. Christensen Eider Ronald T Halvorson 



vom Zweiten Siebzigerkollegium 



vom Zweiten Siebzigerkollegium 




Als Junge lernte Val 
R. Christensen in der 
Sonntagsschule, daß er 
der einzigen wahren und 
lebendigen Kirche der 
Welt angehörte. „In dem 
Augenblick hatte ich ein 
Zeugnis davon", erzählt 
Eider Christensen. „Ich 
kann mich an das Zimmer, 
an die Lehrerin und daran 
erinnern, wie mir bewußt 
wurde, daß dies die wahre 
Kirche ist. Nichts in mei- 
nem ganzen Leben hat 
mich je veranlaßt, daran zu zweifeln." 

Val, der am 27. September 1935 in Hooper, Utah, als 
Sohn von Leonard und Jeanette Lowe Rigby zur Welt 
kam, wuchs auf einer Farm auf. „Mein Vater starb, als ich 
noch ein Kind war, deshalb habe ich schon früh arbeiten 
gelernt - wie man die Tiere versorgt, den Boden bestellt 
und eine Farm bewirtschaftet", sagt er. „Es war in man- 
cher Hinsicht eine Herausforderung, mit nur einem 
Elternteil aufzuwachsen, aber ich hatte nie das Gefühl, 
daß es mir an Liebe oder Aufmerksamkeit mangelte." 

Nachdem Val von 1955 bis 1957 in Westkanada eine 
Mission erfüllt hatte, studierte er an der Utah State 
University Englisch und Pädagogik und promovierte 
anschließend an der Michigan State University. Seine 
zukünftige Frau, Ruth Ann Wood, lernte er während der 
Schulzeit in einer Konservenfabrik kennen. Sie heirate- 
ten 1958 im Salt-Lake -Tempel und haben heute 5 Kinder 
und 16 Enkelkinder. Nach ein paar Jahren in der Armee 
arbeitete Bruder Christensen als Lehrer, dann in Ogden 
am Fortbildungsinstitut der Brigham Young University 
und wechselte 1965 zur Utah State University, wo er 
1996 als Vizepräsident der Studentenverwaltung in den 
Ruhestand ging. 

Er war Regionalrepräsentant, Pfahlpräsident, 
Ratgeber in der Pfahlpräsidentschaft, Hoher Rat, 
Bischof und Ratgeber in der Bischofschaft. Seit Juli 1996 
ist er Präsident der Arizona-Mission Phoenix. „Diese 
Berufung hat uns jede Stunde eines jeden Tages voll und 
ganz ausgefüllt", sagt er. „Es ist so inspirierend, mit unse- 
ren mehr als 200 Missionaren zusammen zu sein, die ja 
die zukünftigen Führer der Kirche sind. Wir lieben sie 
und singen häufig mein Lieblingslied ,Liebet einander'. 
Wir sind dankbar für die Opfer, die sie und ihre Familie 
bringen, damit sie dienen können." D 




„Ich habe in meinem 
Leben die Hand des Herrn 
erfahren dürfen", sagt Eider 
Ronald T Halverson, „und 
ich habe die Erfahrung ge- 
macht, daß das Evangelium 
uns Glück und Freude 
schenkt, wenn wir gehor- 
sam sind." 

Ronald, der am 18. 
Dezember 1936 als Sohn 
von Marlowe und Hilda 
Tomlinson Halverson in 
Ogden, Utah, zur Welt 
kam, war der dritte von vier 
Jungen. Er wuchs in Ogden auf und studierte am Weber 
State College, wo er Linda Kay Jensen aus Hooper, Utah, 
kennenlernte. Von 1957 bis 1959 diente er in der 
Norwegen-Mission Oslo. Nach seiner Mission heirateten 
er und Linda am 13. Oktober 1960 im Salt- Lake -Tempel, 
während er an der University of Utah studierte. Sie haben 
fünf Kinder - vier Jungen und ein Mädchen - und 1 1 
Enkelkinder. 

Nach Beendigung des Studiums arbeitete er in der 
Firma seines Vaters, Marlowe Plumbing and Heating, mit. 
Er entdeckte rasch, daß er ein guter Geschäftsmann war, 
und gründete im Laufe der Zeit zusammen mit seinem 
Bruder drei Firmen: Halverson Mechanical, Inc., H&üM 
Mechanical, Inc. und RHYCO, Inc. 

Eider Halverson, der auch politisch aktiv war, gehörte 
insgesamt 16 Jahre (1966-82) dem Abgeordnetenhaus 
und dem Senat von Utah an. Er war außerdem fast 10 
Jahre lang Vorsitzender des Bauausschusses von Utah und 
Mitglied des Treuhandausschusses des Weber State 
College. 

Die Familie Halverson treibt leidenschaftlich gern 
Sport wie Skifahren, Schneemobil fahren, Radfahren in 
der Wüste, Angeln und Jagen. Außerdem züchten sie 
Pferde und richten sie ab. 

Eider Halverson hat mit der Vitalität, für die er be- 
kannt ist, auch seine Berufungen in der Kirche erfüllt. Er 
war Pfahlpräsident und Ratgeber, Regionalrepräsentant, 
Präsident der Norwegen-Mission Oslo (1990-93) und 
Mitglied des Fünften Siebzigerkollegiums, wobei er im 
Gebiet Utah Nord diente. 

„Mein Zeugnis ist Zeile um Zeile, Vorschrift um 
Vorschrift gewachsen", sagte Eider Halverson. „Ich habe 
im Laufe der Jahre manches geistige Erlebnis gehabt. 
Mein Zeugnis davon, daß Jesus der Messias ist und daß 
wir nur durch ihn in die Gegenwart des Vaters zurückkeh- 
ren können, ist sehr stark." □ 



JULI 1998 
115 



Eider Earl M. Monson 



Eider Merrill C. Oaks 



vom Zweiten Siebzigerkollegium 



vom Zweiten Siebzigerkollegium 




Eider Earl M. Monson 
hat ein festes Zeugnis vom 
Tempel. Während er als 
Direktor der Abteilung 
Tempel und Sonderprojekte 
der Kirche diente, war er 
für Bau und Gestaltung der 
Tempel zuständig und 
unterstand der Ersten 
Präsidentschaft. „Mir wurde 
rasch klar, daß es auf der 
Erde starke Kräfte gibt, die 
nicht wollen, daß die 
Tempel genutzt und gebaut 
werden", sagt er. „Aber 
wenn der Herr sie haben will, hilft er uns, eine 
Möglichkeit zu finden, sie zu bauen und zu nutzen, wenn 
wir ihm vertrauen." 

Eider Monson, der am 26. Juli 1932 in Salt Lake City 
geboren ist, wuchs in einer Familie von aktiven Heiligen 
der Letzten Tage auf. Aber selbst in einer solchen 
Umgebung muß man, wie er sagt, „sich selbst ein Zeugnis 
erarbeiten". Eine wichtige Erfahrung stellte für ihn der 
Patriarchalische Segen dar, den er als Jugendlicher erhielt. 
„Ich habe mich darauf vorbereitet, und ich wünschte mir 
mehrere wichtige Antworten, die der Patriarch in dem 
Segen auch ansprach", sagt er. „Es war ein eindrucksvolles 
Erlebnis." 

Während des Koreakriegs verbrachte er zwei Jahre in 
der US-Armee, wo er die Ausbildung zum 
Infanteriesoldaten durchlief, die ihm half, das Evangelium 
und seine Familie zu schätzen. „Plötzlich wurde mir 
bewußt, was ich alles hatte", sagt er. „Mir war vorher gar 
nicht klar gewesen, wie sehr ich gesegnet war." 

Eider Monson studierte an der University of Utah 
Architektur und an der Iowa State University 
Ingenieurwissenschaften. 1954 heiratete er im Salt- Lake - 
Tempel Donna Mae Hill. Sie haben 5 Kinder und 12 
Enkelkinder. 

Eider Monson hat als Pfahl-JM-Leiter, als Bischof, 
Hoher Rat, Pfahlpräsident und Pfahl-Missionspräsident 
gedient. „Daß bei uns in der Kirche Laien die 
Führungspositionen innehaben, ist etwas Großartiges", 
sagt er. „Eine Berufung kann uns dazu bewegen, zu lernen 
und uns um Hilfe zu bemühen, was unser Zeugnis festigt." 
Über seine neue Berufung sagt Eider Monson: „Meine 
Frau und ich sind schon sehr gesegnet worden, und wir 
haben wundervolle Menschen kennengelernt. Jede 
Möglichkeit, das Werk voranzubringen und den 
Menschen vom Erretter zu erzählen, begeistert uns. Es ist 
eine Möglichkeit, ihm zu zeigen, wie dankbar wir ihm 
sind." D 




Eider Merrill C. Oaks 
war erst vier Jahre alt, als 
sein Vater starb. Viele Jahre 
lang war seine Mutter mit 
ihren drei Kindern alleiner- 
ziehend, wobei ihre Eltern 
ihr zur Seite standen. 
„Mein Zeugnis begann zu 
Hause, mit meiner 
Mutter", sagte Eider Oaks. 
„Sie war ein großartiger 
Mensch und eine wunder- 
volle Lehrerin. Wenn sie 
betete, wandte sie sich so 
direkt und persönlich an 
den himmlischen Vater, daß ich fast die Augen aufma- 
chen wollte, um zu sehen, ob er da stand und zuhörte." 

Eider Oaks, der am 12. Januar 1936 in Twin Falls, 
Idaho, geboren ist, verbrachte den größten Teil seiner 
Jugend in Provo, Utah. Er erfüllte eine Mission in 
Ontario, Kanada, wo sein Zeugnis, wie er sagt, „regel- 
recht aufblühte", als er vom Evangelium Zeugnis gab 
und sah, wie die Menschen sich änderten. Er studierte 
anschließend an der Brigham Young University, wo er 
seine zukünftige Frau, Josephine Ann Christensen aus 
Payson, Utah, kennenlernte. Sie heirateten im 
September 1958. Später studierte Eider Oaks an der 
University of Rochester Medizin, verbrachte seine 
Praktikumszeit an der University of Kentucky und spe- 
zialisierte sich an der Washington University in St. 
Louis, Missouri, als Augenarzt. 

„Wenn man es zuläßt, kann ein Medizinstudium am 
Zeugnis rütteln", meint Eider Oaks. „Aber wenn man 
das durchgemacht hat, hat man große Hochachtung vor 
dem menschlichen Körper und seinen Funktionen. Man 
sieht darin die Hand Gottes und weiß, daß er nicht zu- 
fällig entstanden ist." 

Im Laufe der Jahre hatte Eider Oaks häufig 
Gelegenheit, die Welt zu bereisen und andere Ärzte und 
Studenten der Augenmedizin zu unterweisen. Häufig 
haben seine Frau und einige ihrer neun Kinder ihn auf 
diesen Reisen begleitet, die ihn unter anderem nach 
Bahrain, China und Indien geführt haben. 

Eider Oaks war zweimal Bischof, außerdem Hoher 
Rat, Ratgeber in der Pfahlpräsidentschaft und 
Pfahlpräsident. Er ist zur Zeit Präsident der Washington- 
Mission Seattle und wird im Juni erfahren, wo er in 
Zukunft dienen soll. Auf die Frage, wie das Evangelium 
sein Leben beeinfluß hat, antwortet er: „Das 
Evangelium ist mein Leben. Ich weiß mit absoluter 
Gewißheit, daß dies das Werk Gottes ist," D 



DER STERN 
116 



Eider H. Bryan Richards Eider Ned B. Roueche 



vom Zweiten Siebzigerkollegium 



vom Zweiten Siebzigerkollegium 




Als H. Bryan Richards 
neun Jahre alt war, ging er 
einmal zur Sonntagsschule 
und hörte eine Lektion 
über Joseph Smith. Er kam 
nach Hause und fragte sei- 
nen Vater: „Wie kann man 
eigentlich wissen, daß die 
Kirche wahr ist?" 

„Mein Vater setzte sich 
mit mir hin und erzählte 
mir die Geschichte von 
Joseph Smith, und von da 
an habe ich nie mehr ge- 
zweifelt", sagt Eider 
Richards, der am 18. März 1934 geboren und in Salt 
Lake City aufgewachsen ist. Während der Schulzeit trieb 
er gern Sport, vor allem spielte er Basketball und ver- 
brachte später, als Erwachsener, viele Stunden damit, 
Jugendmannschaften zu trainieren. 

Bryan studierte an der Brigham Young University, und 
als er eines Tages das Joseph Smith Building betrat, sah 
er draußen auf der Treppe ein Mädchen stehen und 
dachte sich: So ein Mädchen möchte ich einmal heira- 
ten. Ein paar Monate später, 1955, wurde er in die Great- 
Lakes-Mission berufen. Als er zur BY zurückkehrte, traf 
er auf dem Weg zu einer Vorlesung dasselbe Mädchen 
wieder und erfuhr auch ihren Namen: LynnAnne Taylor. 
Die beiden freundeten sich miteinander an und heirate- 
ten am 23. August 1957 im Salt-Lake -Tempel. 

Sie ließen sich in Salt Lake City nieder und bekamen 
acht Kinder. Bruder Richards arbeitete in der Verwaltung 
von E-Systems, einer Firma, die Flugzeugteile und 
Navigationsgeräte herstellt. Er diente 7 Jahre in einer 
Bischofschaft und 14 Jahre in einer Pfahlpräsidentschaft, 
davon 9 als Präsident. Nach 3 Jahren als 
Regionalrepräsentant wurde er als Präsident der 
England-Mission Manchester berufen, wo er von 1994 
bis 1997 diente. „Eins der schönsten Erlebnisse, die 
meine Frau und ich hatten - außer mit unseren Kindern 
- war die Zeit in dieser Mission", sagt er. „Ich habe dort 
gelernt, wie kostbar ein Mensch ist, und habe einen tiefe- 
ren Einblick in den Preis erlangt, den Jesus Christus für 
die Erlösung jedes Menschen gezahlt hat." 

Eider Richards, dessen Glaube im Laufe der Jahre 
immer fester geworden ist, ist der Meinung, daß die 
Kirche tatsächlich ein wunderbares Werk ist. „Dies ist 
die Kirche Jesu Christi. Das Buch Mormon ist ein Zeuge 
aus einem anderen Land, der von der Göttlichkeit 
Christi Zeugnis gibt, und Joseph Smith ist der Prophet 
der Wiederherstellung", sagt Eider Richards. D 




Ned Roueche, der am 5. 
August 1934 geboren und 
auf einer Farm in Kaysville, 
Utah, aufgewachsen ist, hat 
dort arbeiten gelernt. Seine 
Eltern waren in seiner 
Kindheit weniger aktiv, aber 
eines Abends wurde Ned, 
der Standardtänze liebte, 
gebeten, bei einer 
Aufführung der GfV mitzu- 
wirken. „Ich ging eines 
Dienstagsabends hin und 
beschloß, am Sonntag zur 
Kirche zu gehen. Danach 
bin ich immer hingegangen", erzählt er. Ein Jahr später 
berief der Bischof ihn mit 21 Jahren auf Mission. „Ich 
wußte, daß es das Richtige war", sagt er. 

Nach seiner Mission in Mexiko heiratete Ned 1958 
JoAnn Sheffield im Salt-Lake -Tempel und studierte an 
der University of Utah Ingenieurswissenschaft. Nach der 
Geburt des dritten ihrer fünf Kinder bewarb er sich bei 
IBM und wußte, daß er für diese Firma tätig sein wollte. 
Nachdem er noch ein weiteres Jahr am Weber College 
Elektronik studiert hatte, begann er seine 31 Jahre 
währende Laufbahn bei IBM. 

In jenen Jahren widmete er seine Zeit außerhalb des 
Büros seiner Frau, die er als seine Stütze und Inspiration 
bezeichnet, und seinen Kindern, dem Gemeinwesen und 
der Kirche. Er diente als Bischof der Gemeinde Kaysville 
1 und dann der Gemeinde Kaysville 6 und war später fast 
10 Jahre Ratgeber in der Pfahlpräsidentschaft. Er liebt die 
Menschen und erinnert sich gern an ein Gespräch, das er 
beim Angeln mit einem weniger aktiven Freund geführt 
hat, der zu ihm sagte: „Ich wünsche mir alles, was du 
hast." Das war ein Wendepunkt im Leben seines 
Freundes. „Ich spüre, wie ich im Bemühen um meine 
Mitmenschen gelenkt werde", sagt er. „Und ich bin froh, 
daß ich immer bereit war, dem Herrn zu dienen." 

Nach seiner Entlassung aus der Pfahlpräsidentschaft 
diente er vier Jahre lang bei den Scouts. In der Zeit trat er 
in den Ruhestand. „Die Zeit bei IBM war eine gute 
Vorbereitung", meint er, nämlich für die Berufung als 
Präsident der Venezuela-Mission Barcelona, wo er von 
1994 bis 1997 diente. 

Über seine Berufung als Siebziger sagte Eider Roueche: 
„Meine Frau und ich dienen dem Herrn gern. Ich habe ein 
festes Zeugnis vom Propheten Joseph Smith, vom Buch 
Mormon, von den lebenden Propheten des Herrn und 
vom Erretter, unserem Erlöser, und von seiner wiederher- 
gestellten Kirche, die für uns ein großer Segen ist." D 



JULI 1998 



117 



Eider D. Lee Tobler 



Eider Gordon T. Watts 



vom Zweiten Siebzigerkollegium 



vom Zweiten Siebzigerkollegium 




„Den größten Einfluß 
darauf, was aus mir gewor- 
den ist, hatte meine 
Mission", sagt Eider D. Lee 
Tobler, der von 1953 bis 
1956 in der Schweizerisch- 
Österreichischen Mission 
gedient hat. „Ich bin mit 
einer soliden Evangeliums- 
grundlage aufgewachsen, 
aber als Jugendlicher war 
ich wenig selbstbewußt. 
Auf Mission habe ich den 
Herrn und mich selbst 
näher kennengelernt und 
erfahren, was er für mich tun kann. Das war der 
Wendepunkt. Seitdem bin ich weiter gewachsen und 
selbstbewußter geworden. Natürlich hat es Rückschläge 
gegeben, aber der Aufwärtstrend war immer da. Ich bin 
dankbar für die Segnungen des Herrn." 

Lee, der am 25. Juli 1933 als zweites der vier Kinder 
von Donald und Louise Shoell Tobler in Provo, Utah, zur 
Welt kam, ist in Nevada und Idaho aufgewachsen. Er hat 
an der Brigham Young University und an der 
Northwestern University in Chicago Betriebswirtschaft 
studiert. Seine berufliche Laufbahn begann bei Exxon in 
New York City, und 14 Jahre später begann er seine 
zehnjährige Anstellung bei Aetna Life and Casualty in 
Hartford, Connecticut. Nachdem er dann für vier Jahre 
in Houston, Texas, zur Erdölindustrie zurückgekehrt war, 
trat er in Akron, Ohio, in die Firma BF Goodrich ein. Im 
Juli 1998 tritt er als Vizepräsident in den Ruhestand. 

1956 heiratete Lee im Salt-Lake-Tempel Darlene 
Thueson. Sie haben 6 Kinder und 12 Enkelkinder. Die 
Toblers haben in Marshalville, Ohio, auf einer Fünf- 
Morgen-Farm gelebt, wo Lee mit großer Leidenschaft als 
Landschaftsgärtner tätig war und Blumen, Sträucher und 
Gemüse angebaut hat. Außerdem liest er gern geschicht- 
liche Bücher und Biographien und spielt Tennis. 

Sein Dienst in der Kirche schließt die Zeit als 
Gebietsautorität-Siebziger für das Gebiet Nordamerika 
Nordost seit April 1996, den Dienst als Pfahlpräsident 
und Ratgeber in der Pfahlpräsidentschaft und zweimal als 
Bischof ein. „Vor allem Bischof war ich gern", sagt Eider 
Tobler. „Es war sehr intensiv und aufwendig, aber die 
Liebe und Fürsorge für die Mitglieder der Gemeinde ist 
ein wahrer Segen. Liebe ist überhaupt der Grund, warum 
wir in einer Berufung dienen, ob im Priestertum oder an- 
derswo. Als erstes lieben wir den Erretter, und wenn 
diese Liebe wirklich ist, lieben wir auch unsere Brüder 
und Schwestern." D 




Eider Gordon T Watts, 
der zur Zeit als Präsident der 
Philippinen-Mission Quezon 
City dient, meint, diese und 
andere Erfahrungen hätten 
ihn gelehrt, wie wichtig es 
ist, daß man dem Propheten 
des Herrn folgt. Er bekräf- 
tigt: „Was der Prophet sagt, 
gilt nicht bloß für einzelne 
Gebiete der Erde, sondern 
für die ganze Welt." 

Eider Watts, der am 23. 
Februar 1935 in South 
Weber, Utah, geboren ist, 
hat am Weber State College studiert. Dann diente er in 
der US-Armee, erfüllte eine Mission in Hawaii und stu- 
dierte dann noch an der Utah State University 
Betriebswirtschaft und Pädagogik. Am 19. September 
1963 heiratete er im Logan-Tempel Connie Welling. Als 
Manager bei Ford reiste er in den 32 Jahren seiner berufli- 
chen Laufbahn viel. So haben er und seine Frau und die 
vier Kinder auch an verschidenen Orten der USA ge- 
wohnt, zuletzt in Roanoke, Texas. 

Da sie immer wieder viele neue Menschen kennenlern- 
ten, war es ihnen wichtig, daß sie als Familie ein gutes 
Beispiel gaben. Einmal mieteten die Watts in Cleveland, 
Ohio, einen Bus und luden die Nachbarn zu einer 
Missions-Fireside ein. Zwei der Nachbarn schlössen sich 
daraufhin der Kirche an. 

Eider Watts verbringt gern seine Zeit mit seiner Frau 
und mit den Kindern und Enkelkindern. Er fertigt gern 
Holzarbeiten an, zeichnet, spielt Golf und arbeitet im 
Garten. Über seinen Garten sagt er: „Es gefällt mir, wenn 
alles schön und ordentlich aussieht." 

In der Kirche war er zweimal Bischof, Ratgeber in der 
Pfahlpräsidentschaft und zweimal Pfahlpräsident. Im 
Februar 1993 wurde er als Regionalrepräsentant berufen 
und diente in den Regionen Houston Texas Ost und Piano 
Texas. Aus seiner derzeitigen Berufung als 
Missionspräsident wird er im Juli entlassen. 

Viele Segnungen seines Lebens führt er auf die hohe 
Arbeitsmoral und die Liebe zum Evangelium zurück, die 
seine Eltern ihm vermittelt haben. Sie haben ihm oft ge- 
sagt: „Das Wichtigste im Leben müssen die Familie und 
die Kirche und das Leben nach ihren Grundsätzen sein." 
Eider Watts steht voll dahinter und fügt dem hinzu: „Gott 
lenkt die Menschen wirklich. Ich zweifle nicht daran, daß 
dieses Werk von Gott ist, und habe ein festes Zeugnis vom 
Herrn Jesus Christus." D 



DER S T E 
118 



R N 



Eider Stephen A. West Eider Robert Jay Whetten 



vom Zweiten Siebzigerkollegium 



vom Zweiten Siebzigerkollegium 




An dem Tag, als 
Stephen A. und Martha 
Alice Sears West den 
Kaufvertrag für ihr neues 
Haus in Logan, Utah, un- 
terschrieben, wurde er be- 
rufen, als Präsident der 
Texas-Mission San Antonio 
zu dienen. Drei Tage später 
kam ein Anruf, und kurz 
darauf reisten sie nach 
Texas ab. Die Entscheidung 
fiel ihnen nicht schwer. 
„Unsere Entscheidungen 
waren schon immer von 
unserem Zeugnis und von den Lehren der Kirche be- 
stimmt", sagt Eider West. Er diente als Missionspräsident, 
als er ins Zweite Siebzigerkollegium berufen wurde. 

Stephen, der am 23. März 1935 in Salt Lake City gebo- 
ren ist, kehrte nach seiner Mission im Nordwesten der 
USA nach Utah zurück. Er studierte an der University of 
Utah Jura. Am 21. März 1960 heirateten er und Martha 
im Salt-Lake -Tempel; sie haben drei Kinder. 

Stephen arbeitete für einen Richter und dann in einer 
Anwaltskanzlei in Salt Lake City, ehe er 1967 nach 
Washington, D.C., zog. Ein Jahr später trat er in die 
Marriott Corporation in Bethesda, Maryland, ein, wo er 
im Laufe der Zeit Senior-Vizepräsident und allgemeiner 
Rechtsberater für Marriott International, Inc. wurde. 
1994 trat er in den Ruhestand und zog mit Martha nach 
Logan, Utah, wo sie angefangen hatten, nach einem Haus 
zu suchen, als er zum Missionspräsidenten berufen wurde. 
Er war Bischof, Ratgeber des Bischofs, Hoher Rat und 
Siegeler im Washington-Tempel und sagt, er sei für alle 
diese Möglichkeiten zu dienen dankbar, aber vor allem als 
Ratgeber in der Präsidentschaft eines kleinen Zweigs im 
Distrikt Columbia habe er sehr viel gelernt. „Es war für 
uns eine großartige Erfahrung", sagt er. Er ist immer noch 
vom großen Glauben und der Stärke jener Mitglieder be- 
eindruckt. 

„Unsere Missionsschriftstelle der Texas-Mission San 
Antonio ist 3 Nephi 5:13, wo steht: ,Siehe, ich bin ein 
Jünger Jesu Christi, des Gottessohnes. Ich bin von ihm 
berufen worden, sein Wort unter diesem Volk zu verkün- 
den, damit sie immerwährendes Leben haben können.'", 
sagt Eider West. „Wenn ich diese Schriftstelle aufsage, 
werde ich so gut wie immer von meinen Gefühlen über- 
wältigt. Ich glaube, sie sagt alles über das, was ich sein 
und tun möchte." D 




Es war etwas Wunderbares, 
in zwei verschiedenen 
Kulturkreisen aufzuwachsen 
und zwei Sprachen zu lernen, 
meint Eider Robert Jay 
Whetten, der gerade ins Zweite 
Siebzigerkollegium berufen 
wurde. Er ist am 12. April 1943 
in den HLT-Kolonien in 
Nordmexiko geboren und hat 
dort an den Schulen der Kirche 
seine Ausbildung absolviert und 
die spanische und die englische 
Sprache lieben gelernt, dazu die 
Geschichte und Kultur Mexikos 
und der Vereinigten Staaten. 

So war es ein Segen, daß er in Raquel Lopez eine Frau 
fand, die auch in Mexiko geboren ist, aber zum größten Teil in 
den Vereinigten Staaten aufgewachsen ist. Auch sie liebt 
beide Sprachen und Kulturkreise. Sie heirateten am 17. 
Dezember 1966 im Arizona-Tempel und haben acht Kinder. 

Sie wollten gern im Ausland leben, und als er mit seinem 
Studium an der Brigham Young University fertig war, trat er 
eine Stelle bei einer internationalen Bank an. Mehrere Jahre 
lebten sie an verschiedenen Orten in Mexiko und 
Südamerika. Nachdem er die Firma verlassen hatte, lebten sie 
in El Paso, Texas, wo er als Berater, in der Elektronikbranche 
und wieder bei einer Bank tätig war. Er war Präsident der 
Nortwest Bank in El Paso, als er 1996 berufen wurde, über die 
Paraguay-Mission Asunciön zu präsidieren. 

Sowohl die berufsbedingten Umzüge als auch der Dienst in 
der Kirche (er war Bischof, Hoher Rat und Ratgeber in der 
Pfahl-Missionspräsidentschaft) haben ihm geholfen, sich wei- 
terzuentwickeln, wie er dankbar anerkennt. Die neue 
Berufung verschafft ihm und seiner Frau die Möglichkeit, 
dem Henn alles zu weihen, was sie haben und sind. 

Seine Frau freut sich sehr, daß sie ihn in seiner neuen 
Berufung unterstützen und mit ihm dienen kann. „Wir lieben 
den Herrn, wir lieben dieses Werk, und wir sind bereit, alles 
zu tun, was für den Aufbau des Gottesreichs von uns verlangt 
wird", sagt er. 

,Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, wird mir bewußt, 
daß ich besondere Erfahrungen und Segnungen mitbekom- 
men habe", meint Eider Whetten. Er hofft, in seiner neuen 
Berufung daraus Nutzen zu ziehen. 

,yiel Wichtiges lernt man durch das Beten", sagt er. Er zi- 
tiert dazu Moroni 7:48, wo es heißt: „Betet mit der ganzen 
Kraft des Herzens zum Vater, daß ihr von dieser Liebe erfüllt 
werdet." 

„Das Leben ist vergänglich", erklärt er, deshalb „müssen 
wir jeden Tag eifrig darum bemüht sein, Christus im Dienst an 
unseren Mitmenschen ähnlicher zu werden. D 



JULI 1998 

119 




Eider Ray H. Wood 



vom Zweiten Siebzigerkollegium 

In der Hoffnung, ihre 
Familie näher zusammenzu- 
bringen und auch dem 
Herrn näher zu sein, zogen 
Ray H. und Ann Aylett 
Wood 1978 nach San Juan 
Bautista, einer kleinen 
Ortschaft mit 1100 
Einwohnern mitten in 
Kalifornien. Sie ließen ihre 
wohlhabende Nachbarschaft 
in Saratoga hinter sich, kauf- 
ten eine Farm, legten einen 
Obstgarten an und schafften 
sich 280 Kaninchen, 5 
Schweine, 3 Kühe, 100 Hühner, 3 Enten, einen Hund und 
eine Katze an. „Die Kinder sind morgens um half fünf oder 
fünf aufgestanden, um draußen ihre Arbeiten zu erledigen. 
Dann sind sie zum Seminar und anschließend zur Schule 
gegangen", erzählt Eider Wood. Zwei der sechs Kinder 
führen noch heute ihre erneute Verpflichtung gegenüber 
dem Evangelium auf diesen Umzug zurück. 

Als Ray und Ann am 8. August 1955 im Logan-Tempel 
heirateten, versprachen sie, dem Herrn zu dienen, in der 
Kirche aktiv zu bleiben und sich zu bemühen, eine ewige 
Familie zu schaffen. Er sagt, Ann sei ihm in seinem Leben 
und in seinen Berufungen als Bischof, Ratgeber des 
Bischofs, Ratgeber des Pfahlpräsidenten und Hoher Rat 
eine wichtige Stütze gewesen. Als er ins Zweite 
Siebzigerkollegium berufen wurde, diente er gerade im 
Pfahl Salt Lake Eagle Gate als Pfahlpräsident. 

Bruder Wood, der am 11. Juli 1931 in Salt Lake City als 
Sohn von Ray G. und Mary Hunter Wood zur Welt kam, 
diente von 1950 bis 1952 in England als Missionar. Bei sei- 
enr Rückkehr studierte er an der University of Utah Jura 
und trat dann in Salt Lake in eine Buchführungsfirma ein. 
1958 trat er in die US-Luftwaffe ein und diente drei Jahre 
als Offizier in der Rechtsabteilung und war in Spokane, 
Washington, und in Ogden, Utah, stationiert. Dann kehrte 
er nach Salt Lake zurück und war zwei Jahre für Peat 
Marwick Mitchell tätig, wurde für zwei Jahre nach Denver 
versetzt und kam anschließend nach San Jose, Kalifornien, 
wo er blieb, bis er 1982 als Partner der Steuerabteilung in 
den Ruhestand trat. Er kehrte nach Salt Lake City zurück, 
wo er für die Kirche als Steuerverwalter tätig war, bis er 
1997 aus diesem Dienst ausschied. Außerdem gehörte er 14 
Jahre der Steuerprüfungskommission des Staates Utah an. 

Eider Wood ist dankbar, daß der Herr seine Familie 
immer geführt hat. Die neue Berufung stimmt ihn demütig: 
„Der Herr hat uns gesegnet; wir freuen uns auf diese wun- 
dervolle neue Zeit des Dienens." D 




Die obere Reihe der Generalautoritäten; zu sehen sind die Erste 
Präsidentschaft und das Kollegium der Zwölf Apostel; Präsident 
James E. Faust steht am Rednerpult. 




D E 



R STERN 
120 





enn einer unter euch hundert Schafe 
hat und eines davon verliert, läßt er 
dann nicht die neunundneunzig in der Steppe 
zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es 
findet? Und wenn er es gefunden hat, [ist] er . . . 
voll Freude." (Lukas 15:4,5.) 



BERICHT VON DER 168. FRÜHJAHRS-GENERALKONFERENZ « 4. & 5. APRIL 1998 

GERM AN 



4 ' 02989"87150 M 1 

98987 150